| «« zurück | [ISSN 1863-0855] Herausgegeben von Felix Biermann und Thomas Terberger |  |
[Letzte Aktualisierung: 29.07.2008]
[ AGO 2 ]
„Die Dinge beobachten ...“.Archäologische und historische Forschungen zur frühen Geschichte Mittel- und Nordeuropas. Festschrift für Günter Mangelsdorf zum 60. Geburtstag. Felix Biermann, Ulrich Müller und Thomas Terberger (Hrsg.)
Hardcover
INHALTSVERZEICHNIS
Vorwort der Herausgeber / Editors’ Foreword [Felix Biermann, Ulrich
Müller, Thomas Terberger] (7-8)
Laudatio anlässlich der Emeritierung von Prof. Dr. Günter Mangelsdorf am 6.
Juli 2005 /
Laudatio on the occasion of the retirement of Prof. Dr. Günter Mangelsdorf
on the 6th of July 2005 [Roderich Schmidt] (13-16)
Schriftenverzeichnis von Günter Mangelsdorf / Bibliography of works by
Günter Mangelsdorf (17-22)
Beiträge:
I. Geschichte und Theorie der Forschung / Research
history and theory
(23-90)
Leube, Achim <L0020>:
Erinnerungen an Pommerns Ur- und Frühgeschichtsforschung im 19. und 20.
Jahrhundert (23-35).
Reminiscences of 19th and 20th century research into
Pomerania’s prehistory and early history.
Zusammenfassung
Der Artikel beschreibt die Entwicklung der Vorgeschichtsforschung in
Pommern von ihren Anfängen in den 1820er Jahren bis in die Mitte des 20. Jhs.
Der Schwerpunkt liegt hierbei auf den 1920er und 1930er Jahren und der
Verknüpfung der Vor- und Frühgeschichte und ihrer Fachvertreter mit den
politischen Gegebenheiten. Dargestellt wird dies besonders durch den
beruflichen Werdegang von Otto Kunkel, der von 1929 bis 1945 hauptamtlicher
Direktor des Provinzialmuseums pommerscher Altertümer in Stettin war.
Abstract
The article describes the development of prehistoric archaeology in
Pomerania from the beginning in the 1820s to the mid of the 20th
century. The author concentrates on the 1920s and 1930s and shows the
connections of Pre- and Protohistory and their scholars with the political
circumstances. As an example the career of Otto Kunkel is described, the
full-time director of the ‘Provincial-Museum of Pomeranian Antiquities’ at
Stettin from 1929 to 1945.
A. Einleitung
(23-24)
-
Geschichte der deutschen Prähistorie von 1824-1945
-
Johann August Sack [1764-1831]
-
Otto Kunkel [1895-1984]
-
1824 Gründung der „Gesellschaft für pommersche Geschichte und
Alterthumskunde“
-
1864 Gründung der „Gesellschaft Pommersches Museum“
-
Mitbegründer: Ludwig Giesebrecht [1792-1873]
B. Otto Kunkel – der neue und zugleich erste Museumsdirektor
(24-25)
-
1922 Promotion „Mäander in den ur- und frühgeschichtlichen
Kulturen Europas“
-
Nebenamtliche Tätigkeit am Oberhessischen Museum in Gießen
-
1926 Quellenwerk „Oberhessens vorgeschichtliche Altertümer“
-
1921 „Vorgeschichte unserer Heimat“
-
1924 Studienassessor Stettin, Stadtgymnasium und Kustos der „Provinzialsammlung
Pommersche Altertümer“
-
1925 Vortrag „Alltäglichkeiten als kulturgeschichtliche Denkmäler“
-
Staatlicher Vertrauensmann für die kulturgeschichtlichen
Bodenaltertümer
C. Die Jahre 1924 bis 1926
(25-26)
-
1924 Umbenennung von „Kulturgeschichtliche Sammlung“ in „Provinzialsammlung
Pommerscher Altertümer“
anläßlich der Hundertjahrfeier der Gesellschaft für pommersche
Geschichte und Altertumskunde
-
1925 Sachkatalog vom Museum
-
1926 Ausstellung der Neuerwerbungen
D. Das Jahr 1927
(27)
-
Schwierigkeiten beim Umzug und Neuaufbau des Museums im „Landhaus“
-
1928 Eröffnung des neuen Museums
-
Kunkel wird hauptamtlicher Museumsdirektor
-
1927 Gründung einer „Arbeitsgemeinschaft der pommerschen
Heimatmuseen“
-
1934 Kunkel wird Mitglied im „Deutsches Archäologisches Institut“
zu Berlin
-
1934 Umbenennung in „Pommersches Landesmuseum“
E. „Grenzlandkampf“
(27-28)
-
Deutschnationale und antipolnische Ausstellungskonzeption
F. Slawentum und Wikingertum in Pommern
(28-29)
-
Allgemeine negative Sicht und Bewertung des Slawentum
-
Kunkel bemüht sich um Objektivität
-
Kunkel hält „wikingisch-normannische Kultur- und Blutseinflüsse“
allenfalls für wahrscheinlich
G. Politische Einbindungen in der NS-Zeit
(29-33)
-
Kunkel war Mitglied der 1927 gegründeten „Arbeitsgemeinschaft zur
Erforschung der nord- und ostdeutschen
vor- und frühgeschichtlichen Wall- und Wehranlagen zusammen mit Carl
Schuchardt und Wilhelm Unverzagt
-
1934 Kunkel übernimmt die Leitung der Ausgrabung in Wollin / Polen
-
1928 Gründung „Ostdeutscher Verband für Altertumsforschung“ in
Elbing / Westpreußen, Kunkel war Vorstandsmitglied
-
1934 Umbenennung der „Gesellschaft für Deutsche Vorgeschichte“ in
„Reichsbund für Deutsche Vorgeschichte“
-
1934 Vortrag von Kunkel über die Ausgrabungen in Wollin bei der „1.
Tagung des Reichsbundes für Deutsche Vorgeschichte“
-
1935 Absage von Kunkel für einen Vortrag bei der „2. Tagung des
Reichsbundes für Deutsche Vorgeschichte“
-
Unstimmigkeiten mit Hans Reinerth
-
1933 Gründung innerhalb der SS von einer „Abteilung für Vor- und
Frühgeschichte“ durch Oberführer Weisthor
-
1935 Gründung des SS-„Ahnenerbe“ e.V. durch Himmler
-
Erfolglose Verhinderung des Baus einer „Altgermanischen Kulthalle
der Steinzeit“ / Hans-Mallon-Denkmal
-
1939-1940 Erfolgloser Versuch von Dr. Rudolf Schütrumpf Hertha-See in
der Stubnitz auf Rügen / Mecklenburg-Vorpommern
für die Suche nach dem „Goldenen Wagen der Nerthus“ abzusenken
H. Das Ende der deutschen Prähistorie in Pommern
(33)
-
1944 Rettung der Museumsobjekte durch Auslagerung
-
1945 Flucht von Kunkel aus Stettin, Verlust von Bibliothek,
Aufzeichnungen und Besitz
-
1945-1947 Gutssekretär in Gorow bei Bad Doberan /
Mecklenburg-Vorpommern
-
1948 in Bayern: Hauptkonservator in Würzburg, Vorgeschichtsreferent
für Franken
-
1955 „Die Jungfernhöhle bei Tiefenellern“ in Bayern /
Paläolithikum
-
1980 „Pommerscher Kulturpreis für Wissenschaft“
-
Ehrenmitglied der Gesellschaft für Pommersche Geschichte,
Altertumskunde und Kunst
-
1984 Tod von Kunkel
I. Literatur
(34-35)
Halle , Uta <H0008>:
„Westausbreitung und Wehranlagen der Slawen in Mitteldeutschland“ –
Anmerkungen zu einer Publikation im Nationalsozialismus (37-47).
“Westward expansion and fortifications of the Slavs in central Germany“
–
Comments on a publication at the time of National Socialism.
Zusammenfassung
1941 wurde die Publikation „Westausbreitung und Wehranlagen der Slawen
in Mitteldeutschland“ von Werner Hülle und Werner Radig durch den
NS-Staat beschlagnahmt. Sie galt als Propagandamittel für den Kriegsgegner
Polen. Nach einer Überarbeitung konnte sie ab 1942 wieder ausgeliefert
werden. Anfragen vom Volksgerichtshof bzw. der Abteilung „Biologische
Volktumsfragen“ des Reichsinnenministeriums zeigen, für welche
politischen Zwecke das Buch herangezogen werden sollte. Der Beitrag zeigt
anhand der Aktenlage auf, wie welche politischen Instanzen Einfluss auf die
Zensur nahmen und warum bis heute zwei unterschiedliche Ausgaben der Studie
in den Bibliotheken vorhanden sind.
Abstract
In 1941 the NS-State confiscated „Westausbreitung und Wehranlagen der
Slawen in Mitteldeutschland“, a book written by Werner Hülle and Werner
Radig, under the accusation of it being a Polish propaganda resource. After a
revision of parts of the book, the new version was released in 1942. Requests
from the „Volksgerichtshof“ and the Department for „biologische
Volkstumsfragen“ to be allowed to use the book as a support for high treason
charges make it obvious for what kind of purposes the book was supposed to be
used. This report uses existing documents to show which political instances
influenced this censorship and why there are two different editions of the
book in the libraries, up to the present.
A. Einleitung
(37)
-
Streitfrage „germanisch oder slawisch“ / Germanen
-
Seit 20er Jahren Abwertung der slawischen Kultur / Slawen
B. Quellenlage
(37-38)
-
Akte der Publikationsstelle Dahlem, Bundesarchiv Berlin Nr. 1.130
- Briefwechsel anlässlich der
Beschlagnahmung der Publikation von Werner Hülle,
Westausbreitung und Wehranlagen der Slawen in Mitteldeutschland 1941
/ 1942
- Aufarbeitung des Briefwechsels durch Kroll,
Wietog, Fahlbusch und Haar
C. Zur gesellschaftlichen und politischen Situation
(38)
-
Wachstum der „slawischen Rasse“ seit den 1920er Jahren überbetont
-
Vorurteile gegenüber slawischer Kultur und Geschichte
-
Himmler wird zum „Reichskommissar für die Festigung deutschen
Volkstums“ ernannt
-
„Verordnung über die Deutsche Volksliste und die deutsche
Staatsangehörigkeit in den eingegliederten Ostgebieten“
D. Das Buch und seine Autoren
(38-40)
-
Titel: Westausbreitung und Wehranlagen der Slawen in Mitteldeutschland
-
Autor: Werner Hülle
-
Beitrag von Werner Radig: Die sorbischen Burgen Westsachsens und
Ostthüringens
-
Reihe: Mannus-Bücherei, Band 68
-
Erscheinungsort und -jahr: Leipzig, Johann Ambrosius Barth Verlag,
1940
-
Gekürzte Habilitationsschrift von 1936
E. Werner Hülle
[1903-1974] (39-40)
-
Bis heute keine quellenkritische Biographie
-
Letzte große Publikation „Die Ilsenhöhle unter Burg Ranis
Thüringen“, 1977 postum erschienen
-
[Herausgeber und Vorwort J. Hahn und H. Müller-Beck]
-
Politische Gesinnung: Mitglied der NSDAP, aber wissenschaftlich
sachlich
-
Hülle übernimmt die Idee des germanisch-slawischen Kulturgefälles,
betont aber die Lücken der archäologischen Quellen
F. Werner Radig
[1903-1985] (40)
-
Mehrere Aufsätze über Radig und seine Tätigkeit am „Institut für
deutsche Ostarbeit“ in Krakau zwischen 1940 und 1943
-
Beitrag noch keine negative Konnotation der Slawen
-
Politische Gesinnung: Anhänger des NS-Systems
G. Die Beschlagnahmung
(40-45)
-
Werbeanzeige für das Buch in der Zeitschrift Germanen-Erbe 1940
-
Positive Rezension von einem unbekannten Verfasser im Germanen-Erbe
1940
-
20.2.1941: Brief vom Reichsministerium des Innern an die
Publikationsstelle Dahlem
- Aufforderung einer politischen
Prüfung des Buches
- 6.5.1941: Antwort mit Gutachten von dem
Archivar J. von Papritz
-
Text wird gelobt
-
Karte politisch bedenklich, da Hinweise auf deutsche Besiedlung
fehlen
- 27. Juni 1941: Anweisung von dem
Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda
-
Verlag soll den Verkauf einstellen
-
Rückruf schon ausgelieferter Bücher
-
Einspruch von Hans Reinerth
-
10. und 23. August 1941: Zwei Schreiben an die Publikationsstelle mit
Aufforderung einer erneuten Prüfung des Buches
-
Antwort bzw. Vorschlag der Publikationsstelle
-
Keine Kritik an wissenschaftlicher Arbeitsweise
-
Auslieferung des Buches ohne Karte
-
Auslieferung des Buches nur an ausgewählte Wissenschaftler
- Kompromiß von Reinerth wird am 4.5.1942
vom Propagandaministerium angenommen
- Überarbeitung der Karte mit roter
Angabe der germanischen Fundorte
- 4.9.1942: Brief vom Ministerium an den
Verlag
-
Genehmigung der Neuauflage mit neuer Karte
-
Bereits ausgelieferte Exemplare mit einfarbiger Karte der ersten
Auflage müssen unter Verschluß
H. Der Vorgang im historischen Kontext
(45-46)
-
Anstoß erregte nur die erste Ausführung der Karte
-
NS-Staat benutzt Ergebnisse der ur- und frühgeschichtlichen Forschung
zur Legitimation seiner Politik
-
Volksgerichtshof fordert eine Zusammenstellung der Literatur zur
Vorbereitung
bei Strafverfahren wegen „Hochverrats in den eingegliederten
Ostgebieten“
-
Forscher konnten relativ frei arbeiten, Schwierigkeiten erst bei den
publizierten Werken
-
Rückrufaktion des Buches blieb unwirksam, da heute noch beide
Auflagen in den Bibliotheken vorhanden sind
I. Literatur
(46-47)
Kieseler , Andreas <K0264>:
Ernst Petersen [1905-1944] –
Ein Beitrag zur Erforschung der ur- und frühgeschichtlichen Archäologie in
der Zeit des Nationalsozialismus (47-64).
Ernst Petersen [1905-1944] –
A contribution to the study of prehistoric and early historical Archaeology
at the time of National Socialism.
Zusammenfassung
Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Prähistoriker Ernst Petersen,
der im Dritten Reich eine bedeutende Stellung in der Vorgeschichtsforschung
Ostdeutschlands einnahm. Während sein Schaffen von seinem Einsatz beim
Kunst- und Kulturraub im besetzten Polen überschattet wird, fokussiert
diese Darstellung auf sein Wirken am Breslauer Landesamt für Vorgeschichte
in den 1930er Jahren.
Abstract
This paper deals with Ernst Petersen, who was an important prehistorian in
Eastern Germany during the Third Reich. While his work is overshadowed by his
participation in plundering and seizure prehistorical collections and art in
occupied Poland during wartime, this description focuses on his work at the
Silesian Landesamt für Vorgeschichte in Breslau in the 1930ies.
A. Einleitung
(49)
-
Ernst Petersen [1905-1944]
-
Rolle des Prähistorikers im Dritten Reich
-
Zahlreiche Publikationen von Petersen
-
Archivmaterial
-
Gesamter wissenschaftlicher Apparat ging 1942 bei Luftangriff
verloren
-
Polnische und deutsche forschungsgeschichtliche Untersuchungen
B. Elternhaus, Jugend und Studium
(50)
-
28.4.1905 Geburt in Berlin-Steglitz
-
1913 Umzug nach Danzig-Langfuhr
-
1923 Abitur
-
1920 Beitritt zur der vom Vater gegründeten „Danziger Ortsgruppe
des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes“
-
Studium der Vorgeschichte, Osteuropäische Geschichte
-
Studienorte: Danzig, München, Heidelberg, Berlin
-
Forschungsreisen zu den polnischen Museen in Warschau, Posen,
Krakau, Lemberg
-
1928 Dissertation: „Die frühgermanische Kultur in
Ostdeutschland und Polen“
-
1930 Forschungsreise in die baltischen und skandinavischen Länder
unterstützt
von der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft
C. Die Breslauer Jahre
[1929-1939] (50-56)
-
1929 Assistentenstelle in Breslau, Schlesisches Museum für
Kunstgewerbe und Altertümer
-
1931 Erster Kustos und Stellvertreter vom Direktor Martin Jahn,
Schlesisches Landesamt für Vorgeschichtliche Denkmalpflege
-
1934-1939 Ordentlicher Professor für Vorgeschichte und Direktor am
Schlesischen Landesamt für Vorgeschichtliche Denkmalpflege
-
Objektive wissenschaftliche Arbeit ohne ideologische oder
politische Ausrichtung
-
Gegen Änderung der Ortsnamen mit slawischen Wurzeln
-
Auseinandersetzung mit polnischen Kollegen über Besiedlung im
ostdeutsch-polnischen Raum in 4 Büchern und über 50 Artikel
- 1930 bis 1935 Stellungnahmen zum Konflikt
zwischen B. Freiherr v. Richthofen und J. Kostrzewski
-
Gegen die Urslawentheorie der Archäologen in Posen
-
Gegen die Gebietsforderungen der Polen
-
1941 Vortrag „Germanen im Osten“ mit politisch angepasster Meinung
-
Gute wissenschaftliche Beziehungen zu Wissenschaftlern in Polen und
der Ukraine
-
Mitglied: Polnische Vorgeschichtliche Gesellschaft
D. Volkstumsforschung und Germanophilie
(56-58)
-
Petersen begrüßt die „Volkstumsforschung“
-
Vorträge und Schulungen zur Vor- und Frühgeschichte in ganz
Schlesien
-
Besonders zur Besiedlung der Germanen im östlichen Gebiet
-
Recht der Deutschen auf Ostelbien
-
Schilderung einer primitiven slawischen Kultur
- Publikationen
-
1935 „Schlesien von der Eiszeit bis ins Mittelalter“ zeichnet
einfaches Lebensbild der Slawen
-
1935 „Wie unsere Vorväter lebten. Bilderreihe aus der Vor- und
Frühgeschichte des deutschen Ostens“ schildert primitive
slawische Kultur
-
1939 „Der ostelbische Raum als germanisches Kraftfeld im Lichte
der Bodenfunde des 6.-8. Jhs.“
 |
Einfluß der nordgermanischen
Wikinger auf die Staatenbildung der Slawen
|
 |
Slawische Kultur unter westlichem
Kultureinfluß
|
E. Kriegszeit
[1939-1944] (58-61)
-
1939 Ruf an die Universität Rostock / Mecklenburg-Vorpommern
-
1939 Schutzmaßnahmen kulturgeschichtlicher Denkmäler in Polen
-
Sicherungsmaßnahmen für vor- und frühgeschichtliches Material
-
Verzeichnis aller wichtigen archäologischen Institute, Museen,
Sammlungen, Ausgrabungsstätten und wissenschaftlichen Vereinigungen
- 2.11.1939 Sonderkommando Paulsen
-
Teilnahme an den „Sicherungsmaßnahmen“ in Krakau
-
9.-30.11.1939 Plünderung des Museums in Warschau
-
5 Eisenbahnwaggons mit Beutegut nach Posen
-
1939-1940 Wehrmacht
-
1940-1941 Freistellung für Posen
-
Aufgabe: Sicherstellung aller im Reichsgau Wartheland befindlichen
kunst- und kulturgeschichtlichen Gegenstände
-
Überführung vieler Funde aus dem Warthegau in das Landesamt für
Vorgeschichte in Posen
-
Artikel im einzigen Band des Posener Jahrbuchs über Material aus
Warschau und dem Warthegau
-
1941 ordentlicher Professor an der neu gegründeten Reichsuniversität
Posen
-
1941 Einzug zum Heer
-
1942-1944 Feldpostbriefe von der Front
-
14.3.1944 Tod von Oberleutnant Petersen
F. Schlussbetrachtung
(61-62)
-
Anhänger der NSDAP
-
Antisemitische Tendenzen, Funde aus jüdischem Besitz an das
Landesmuseum requiriert
-
Würdigung des wissenschaftlichen Schaffens der polnischen Kollegen
G. Archivalische Quellen
(62-63)
H. Literatur
(63-64)
Fassbinder , Stefan <F0036>:
Die archäologischen Objekte der Sammlung Schmiterlöw aus Franzburg, Lkr.
Nordvorpommern (65-72).
The archaeological objects from the Schmiterlöw collection from
Franzburg, district of Nordvorpommern.
Zusammenfassung
2002 übernahm das Pommersche Landesmuseum Greifswald den größten Teil
der Sammlung Schmiterlöw. Erik von Schmiterlöw [1882-1964] hatte in seinem
Wohnhaus in Franzburg, Kr. Nordvorpommern, eine äußerst vielfältige und
umfassende Sammlung von Objekten aller Art angelegt, darunter auch
zahlreiche Grabungs- und Lesefunde aller Epochen. Der Beitrag schildert die
Geschichte der Sammlung und gibt einen ersten Überblick über die Funde.
Abstract
In 2002 the Pommersches Landesmuseum Greifswald took over most of the
Schmiterlöw-collection. Erik von Schmiterlöw [1882-1964] set up in his home
in Franzburg, Kr. Nordvorpommern, an overwhelming manifold and comprehensive
collection of all kind of items, including many archaeological finds dating
from all periods. The article describes the collection’s history and gives a
first summary of the objects.
A. Geschichte der Sammlung
(65-66)
-
Erik von Schmiterlöw [1882-1964]
-
Sammlung Schmiterlöw ist in zwei Weltkriegen erhalten geblieben
-
1892 Beginn der Sammlertätigkeit
-
1896 Beitritt zur Gesellschaft für pommersche Geschichte,
Altertumskunde und Kunst
-
Objekte der Sammlung
-
Geologische Objekte
-
Fossilien
-
Naturkundliche Objekte
-
Archäologische Funde
-
Militaria
-
Gegenstände aus dem Besitz der Verwandtschaft
-
Möbel
-
Textilien / Stoffe
-
Numismatische Objekte / Münzen
-
Mitbringsel von Seemännern
-
Gemälde
-
Bauplastik
-
Glas
-
Keramik
-
Kacheln / Kachel
-
Objekte aus Landwirtschaft, Handel und Haushalt
-
Landkarten
-
Photographien
-
Ansichten
-
Postkarten
-
Plakate
-
Druckschriften
-
Kuriositäten
-
Umfangreiches Archiv
-
1935 ehrenamtlicher Pfleger der Bodenaltertümer für den südlichen
Teil des Kreises Franzburg-Barth
-
Abgabe eines Teils der Neufunde an das Landesmuseum in Stettin / Polen
-
Bevorzugte Sammlungsobjekte
-
Kacheln
-
Archäologische Funde
- Herkunft der Funde
-
Hauptsächlich aus der Region zwischen Rügen, Greifswald und
Ostmecklenburg
-
Wenige Objekte aus Ostpreußen, Mainz / Rheinland-Pfalz und vom
Niederrhein / Nordrhein-Westfalen
-
1964 Übernahme der Sammlung von Bertram Schmiterlöw nach dem Tod des
Vaters
-
Einrichtung eines privaten Museums mit Hilfe von Hans-Erich Runge,
Heinz Bartels, Herbert Manske und Uwe Hein
-
2002 Überführung des größten Teils der Sammlung in das Pommersche
Landesmuseum
B. Archäologische Funde
(66)
-
Gründe für den Wert der Sammlung
-
Angabe der Fundorte
-
Angabe der Fundumstände / Prospektion
 |
Archäologische Ausgrabung
|
 |
Fluß / Flüsse
|
 |
Acker / Äcker
|
 |
Baugrube / Baugruben
|
 |
Trümmergrundstücke / Trümmer,
Grundstück
|
 |
Kauf
|
- Rekonstruktion einiger Gefäße mit Gips
und Farbe
C. Stand der Erfassung und Publikation
(66-67)
-
Objekte zum größten Teil unpubliziert
-
Unpublizierte Dissertationen und weitere Arbeiten erwähnen Objekte
aus der Sammlung
-
Teilweise Überführung der anthropologischen Funde in das Landesamt
für Bodendenkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern
-
Kurzkataloge für einzelne Objektgruppen ohne Datierung
-
Urnen der Bronzezeit und Eisenzeit
-
Keramik aus Bodenfunden – Mittelalter und Neuzeit
-
Grapen aus Bronze
-
Bauplastik
-
Architekturelemente aus Stein und Holz
-
Frühneuzeitliche Ofenkacheln / Kachel
-
Stangenwaffen / Waffe
-
Silexgerät und Felsgesteingeräte / Steingerät
D. Paläolithikum und Mesolithikum
(67)
-
Silex- und Felsgesteingeräte
-
Klingen, Schaber, Stichel aus dem Spätpaläolithikum
-
Kernbeile der Lietzow-Gruppe der Ertebøllekultur / Beil
- Weitere Funde
-
Axt aus Hirschgeweih aus Tribsees, Lkr. Nordvorpommern –
Mesolithikum
-
Hacke aus Hirschgeweih aus Werder, Gde. Drechow, Lkr.
Nordvorpommern
E. Neolithikum
(67)
-
Scherben noch unbearbeitet
-
Steinbeile und Steinäxte / Beil, Axt
-
Wulsthammeraxt der Trichterbecherkultur aus Vellin, Lkr. Schlawe
-
Bootaxt aus Alt-Seehagen, Gde. Weitenhagen, Lkr. Nordvorpommern
-
2 Silexdolche aus Pritzwald, Gde. Wusterhausen, Lkr. Ostvorpommern
 |
Dicke Spitzen endneolithischer
Zeit
|
 |
Wittenhagen, Lkr. Nordvorpommern
|
 |
Plütte, Gde. Pantelitz, Lkr.
Nordvorpommern
|
-
Flintbeil spätneolithischer Zeit aus Sassnitz, Lkr. Rügen
F. Bronzezeit
(67-69)
-
Flintdolche / Dolch
-
Altenhagen / Schlemmin, Lkr. Nordvorpommern
-
Quitzin, Gde. Splietsdorf, Lkr. Nordvorpommern
-
Vorland, Gde. Splietsdorf, Lkr. Nordvorpommern
- Flintsichel / Sichel
-
Elmenhorst, Lkr. Nordvorpommern
-
Buschenhagen, Gde. Neu Bartelshagen, Lkr. Nordvorpommern
-
Kannelurenstein aus Greifswald-Ladebow
-
Metallobjekte der älteren Bronzezeit
-
Beile / Beil
- 3 frühbronzezeitliche Randleistenbeile
 |
Tribsees, Lkr. Nordvorpommern
|
 |
Franzburg [?], Lkr. Nordvorpommern
|
 |
Garz, Lkr. Rügen
|
-
1 mittelbronzezeitliches Absatzbeil aus Altenhagen, Gde. Velgast, Lkr. Nordvorpommern
-
2 jungbronzezeitliche Tüllenbeile aus Landsberg an der Warthe
- Weitere Metallobjekte
-
Knopfsichel aus Stedar, Gde. Buschvitz, Lkr. Rügen
-
Armring mit Strickdekor aus Wolfsdorf, Gde. Gremersdorf-Buchholz, Lkr. Nordvorpommern
-
Griffzungenschwert aus Neumühl, Gde. Gremersdorf-Buchholz, Lkr.
Nordvorpommern
- Metallobjekte aus der jüngeren Bronzezeit
-
Lanzenspitze aus Altenhagen, Gde. Veltgast, Lkr. Nordvorpommern
-
Henkelgefäß aus Stranz, Lkr. Deutsch-Krone
-
3 Gefäße aus Schlesien [?] von der Lausitzer Kultur
-
Zahlreiche Urnen aus der Jungbronzezeit und Eisenzeit
-
Gräberfelder der Region rund um Franzburg / Mecklenburg-Vorpommern
 |
Drechow
|
 |
Neubauhof, Gde. Franzburg
|
 |
Grenzin, Gde. Gremersdorf-Buchholz
|
 |
Katzenow, Gde. Drechow
|
 |
Kavelsdorf, Gde. Eixen
|
 |
Neumühl, Gde. Gremersdorf-Buchholz
|
-
Göhren, Lkr. Rügen
-
Nielebock, Lkr. Jerichower Land / Sachsen-Anhalt
G. Eisenzeit
(69-70)
-
Früheisenzeitliche Objekte der Gesichtsurnenkultur aus ehm. Kreis
Schlawe
-
Stöpseldeckel aus Pollnow, Lkr. Schlawe [Polanów]
-
2 Falzdeckel aus Vellin
-
2 Urnen aus Vellin, Lkr. Schlawe
-
Gefäße aus der Umgebung von Rummelburg
-
Gefäße von dem Gräberfeld Krangen, Lkr. Schlawe
-
Fragment einer Gesichtsurne unbekannten Fundortes mit drei Ringen
und Perlen
-
Doppelkonisches Gefäß der Lausitzer Kultur aus Varbelow, Lkr.
Schlawe
-
8 Urnen aus Gräberfeldern der vorrömischen Eisenzeit
-
Burtevitz, Gde. Seedorf, Lkr. Rügen
-
Katzenow, Lkr. Nordvorpommern
-
Papenhagen, Lkr. Nordvorpommern
-
Pöglitz, Gde. Gremersdorf-Buchholz, Lkr. Nordvorpommern
-
Buchholz, Gde. Gremersdorf-Buchholz, Lkr. Nordvorpommern
-
Wolfsdorf, Gremersdorf-Buchholz, Lkr. Nordvorpommern
- Urnen der Stufe Ib-IIa nach Keiling aus
Gräberfeldern
-
Düvier, Lkr. Demmin
-
Franzburg, Lkr. Nordvorpommern
-
Grenzin, Gde. Gremersdorf-Buchholz, Lkr. Nordvorpommern
-
Hohenbarnekow, Gde. Gremersdorf-Buchholz, Lkr. Nordvorpommern
-
Hugelsdorf, Lkr. Nordvorpommern
-
Kavelsdorf, Gde. Eixen, Lkr. Nordvorpommern
-
Neubauhof, Gde. Franzburg, Lkr. Nordvorpommern
-
Oebelitz, Gde. Millienhagen-Oebelitz, Lkr. Nordvorpommern
-
Upatel, Gde. Kölzin, Lkr. Ostvorpommern
- Nichtkeramische Funde der römischen
Kaiserzeit
-
Rollenkappenfibel aus Seetz, Gde. Karstädt, Lkr. Prignitz
-
Fibel mit umgeschlagenen Fuß aus Greifswald
H. Slawenzeit
(70)
-
Zwei Fundplätze mit zahlreichen Scherben und bemerkenswerten Objekten
- Trebelufer in Tribsees, Lkr.
Nordvorpommern
 |
1 silberplattierter Sporn aus
Eisen
|
 |
3 Schlittknochen / Schlittschuh
|
 |
1 Kopfdeckel
|
 |
1 Wetzstein aus Schiefer
|
 |
1 Standbodentopf / Topf
|
- Burgwall Schwedt, Lkr. Uckermark
 |
2 Schläfenringe / Schläfenring
aus Bronze
|
 |
1 Axt aus Eisen
|
 |
Messer
|
 |
Mehrlagige Kämme / Kamm
|
 |
Geräte aus Knochen
|
- Weitere Funde
-
Vipperower Gefäß aus Dolgen, Gde. Millienhagen-Oebelitz, Lkr.
Nordvorpommern
-
Knopfdeckel aus Kowall, Gde. Gartz, Lkr. Rügen
-
Schläfenring aus Mölln, Lkr. Demmin
-
Knochennadel aus Stralsund
I. Hoch- und Spätmittelalter
(70-71)
-
23 Gefäße, weitgehend erhalten oder rekonstruiert
- Handaufgebauter Kugeltopf von der
Burganlage Altenhagen, Gde. Velgast, Lkr. Nordvorpommern
-
Bodenfliese von der Burganlage Altenhagen, Gde. Velgast, Lkr.
Nordvorpommern
-
Harte graue Irdenware, besonders Kannen und Kugeltöpfe
-
Franzburg
-
Duisburg-Brüggen / Nordrhein-Westfalen
-
Polnisch Kessel, Lkr. Grünberg [Stary Kisielin]
- Importware
-
Rheinländisches Steinzeug
-
Steinzeug aus Waldenburg / Sachsen
- Ziegelrote Irdenware des 15./16. Jhs.
-
Grapentöpfe / Grapentopf aus Grünkordshagen, Lkr. Nordvorpommern
-
Grapentöpfe von der Halbinsel Zingst
-
Flachdeckel aus Franzburg
-
Schüsselkachel / Kachel aus Stralsund
- Weitere Funde
-
Schreibgriffel / Griffel aus Mainz / Rheinland-Pfalz
-
Grapen aus Bronze des 15. Jhs.
-
Netzsenker aus Ton aus der Trebel
-
Formsteine aus gebranntem Ton
-
Reste von Architektur aus Zisterzienserkloster Neuenkamp
-
Steinplatte des 15./16. Jhs. mit Hausmarke aus Stralsund
-
Rest von einem Wappenstein des 14./15. Jhs.
J. Neuzeit
(71)
-
Zahlreiche Scherben
-
2 Tiegelböden / Tiegel aus Franzburg mit gleichen Stempeln
-
Tabakpfeifen / Pfeife
-
Bildkacheln / Kachel
-
Zahlreiche Lesefunde aus Metall
-
Reste von Architektur aus Naturstein, gebranntem Ton, Holz
-
Reste von Architektur mit Aufschrift „Schloß Franzburg“
K. Literatur
(71-72)
Müller , Ulrich <M0327>:
Räume – Zeiten – Menschen:
Historische Archäologie zwischen Strukturalismus und historischer
Anthropologie (73-80).
Spaces - times - people:
Historical Archaeology between structuralism and historical Anthropology.
Zusammenfassung
Der Artikel positioniert die Historische Archäologie im Schnittpunkt
von strukturalistischen Ideen und Ansätzen der „Historischen
Anthropologie“. Beide Zugänge sind für die Archäologie befruchtend,
beschreiben sie doch vielfach nur unterschiedliche Positionen. Strukturen
und Handlungen bedingen sich gegenseitig. Handlungen schaffen in ihrem
zeitlichen Verlauf Regeln und Regelhaftigkeiten. „Orte / Räume“ und „Identitäten“
als archäologische Kategorien werden als Ausdruck von „Handlungen“ und
„Bedeutungen“ beschrieben.
Abstract
The article represents Historical Archaeology as a subject between “Structuralism”
and “Historical Anthropology”. With their special views of society both
concepts are important. A structure-centred view often contains a great deal
of agency-based models. Structures and agency are mutually dependent. Action
means creating rules and regularities in terms of continuous rule observance.
The article refers to “places/spaces” and “identities” as basic
expressions of “action” and “meaning”.
A. Einleitung
(73-75)
-
Debatte um Theorie und Methoden oder Standorte der
Mittelalterforschung
-
Streit der Mittelalterarchäologen wegen unterschiedlicher Zugängen
zur Geschichte
-
Forderung nach Gleichsetzung der schriftlichen und
gegenständlichen Quellen
-
Konzeption einer Mittelalterkunde
- Konzept der Historischen Anthropologie
nach W. Reinhard
- Biologische und kulturelle Kategorien
 |
Umwelt
|
 |
Mitmenschen
|
 |
Körper
|
- Konzept der historischen Entwicklungen
nach F. Braudel
- Ebenen- und Zeitkonzeption
 |
Strukturen
|
 |
Konjunkturen
|
 |
Ereignisse
|
- Strukturgeschichtliche Beschreibung nach
S. Brather
-
Wirtschaft und Kultur
-
Gesellschaft
- Neues Konzept aus handlungstheoretischer
Sicht
B. Orte und Räume
(75-76)
-
Archäologische Objekte definiert nach Fund / Befund und Zeit
-
Menschliches Verhalten im Raum
C. Identitäten
(76-77)
-
Identitätsbildung und Identitätswechsel
-
Einwanderung und Stammesbildung
-
Sozialstrukturen
-
Erinnerung und Gedächtnis
D. Handlungen und Bedeutungen
(77-78)
-
Agency-Konzepte
-
Kommunikation
-
Ritual und Performativität
-
Gesten und Zeichen
E. Fazit
(78)
-
Historische Archäologie soll Bedeutung von Strukturen erfragen
-
Beachtung menschlicher Phänomene
F. Literatur
(79-80)
Brather , Sebastian <B0113>:
Mentalitäten und Identitäten –
Vorstellungswelten in der frühgeschichtlichen Archäologie (81-91).
Mentalities and identities –
Worldviews in early historical Archaeology.
Zusammenfassung
Mentalitäten und Identitäten gehören zu den wichtigen Fragestellungen
der Archäologie. Vorstellungswelten bezogen sich auf die zeitgenössischen
Verhältnisse in Gesellschaft und Kultur einerseits sowie auf Religion und
Jenseits andererseits. Aussagen darüber ermöglichen nicht nur Gräber und
Horte, sondern Siedlungen gleichermaßen, denn sie folgten in ihrer
Gestaltung neben wirtschaftlichen Erfordernissen auch kulturell geprägten
Vorstellungen. Auch die Funde selbst geben wichtige Hinweise auf
Vorstellungen. Das trifft für bildliche Darstellungen ebenso zu wie für
Symbole, doch selbst Verzierungen lassen sich entsprechend interpretieren.
Archäologische Befunde und Funde – die Überreste der Sachkultur –
ergeben eine Fülle von Hinweisen auf einstige Vorstellungswelten. Ihre
Rekonstruktion gelingt vor allem strukturell; Einzelheiten lassen sich ohne
gleichzeitige Texte nicht mehr interpretieren. Zu den methodischen Problemen
der Rekonstruktion gehört schließlich, dass seinerzeitige Vorstellungen
die Welt idealisierten und dass bei weitem nicht alle archäologisch
erfassten Merkmale grundlegende ideelle Bedeutung besaßen.
Abstract
Mentalities and identities belong to the main questions in archaeology.
The worlds of ideas were related to contemporary circumstances in society and
culture on one hand and to religion and the hereafter on the other. Evidence
is possible not only by graves and hoards, but by settlements equally, because
they were determined by economic requirements as well as by culturally formed
ideas. Even the finds themselves give important information about ideas. This
is relevant for pictorial representations and for symbols, and even
decorations can be interpreted in this way. Archaeological finds and
structures – the remains of material culture – yield much information
about contemporary ideological worlds. Their reconstruction is successful
mainly structurally; details cannot be seen without texts of the past. Finally
a methodological methodical problem is, that ideas idealised the contemporary
world and that not all characteristics described by archaeology were of
fundamental intellectual importance.
A. Einleitung
(81)
-
Mentalität und Identität aus Fund und Befund ermitteln
B. Aspekte und Fragestellungen
(81)
-
Zwei unterschiedliche Bereiche
-
Gesellschaft und Kultur im Diesseits
-
Religiöse und jenseitige Aspekte
-
Voraussetzungen und Bedingungen menschlichen Handelns
-
Ergebnisse und Folgen menschlichen Handelns
C. Quellen und Interpretationen
(82-88)
/ Grab (82-83)
-
Persönlicher Besitz als Grabbeigabe
-
Gegenstände für das Leben im Jenseits
-
Keine Grabbeigaben mehr seit Beginn des 8. Jhs.
-
Grabausstattung gesellschaftsbezogen
-
Brand- oder Körperbestattung kein Hinweis auf unterschiedliche
Jenseitsvorstellungen
Horte
/ Hort (83-85)
-
Religiöse oder wirtschaftliche Gründe
-
Heeresausrüstungsopfer der römischen Kaiserzeit
-
Karte der Depotfunde mit arabischen Münzen des 8.-11. Jhs.
Siedlungen
/ Siedlung
(85-86)
-
Auskunft über Vorstellungen der Bevölkerung
-
Kulturell geprägte Auffassungen beim Hausbau
-
Strukturierung in sakrale und profane Areale
Stilistik und Herstellungstechnik
(86-88)
-
Typologische und technikgeschichtliche Aufschlüsse
-
Riemenzunge aus Messing mit Silber des 8. Jhs. von Hohenberg /
Steiermark – Österreich
-
Vermischung von eigenen, römischen, byzantinischen Bilderwelten
-
Unterschiedliche Herkunft der Herstellungstechniken
-
Verschiedene Deutung von Symbolen und Attributen
-
Deutung der Darstellungen auf Situla von Vače / Slowenien –
Eisenzeit
D. Aussagemöglichkeiten und Aussagegrenzen
(88-89)
-
Kulturelles und kommunikatives Gedächtnis
-
Nicht jeder Fund / Befund ist bedeutungsvoll
-
Überlagerung verschiedener Motive
-
Vermutete Vorstellungen oft nicht rekonstruierbar
-
Vorstellung der Archäologen oft nicht realistisch
-
Situation mit Begriffen wie Mentalität und Identität erfassen
-
Berücksichtigung des Kontextes
E. Literatur
(89-90)
II. Von den Germanen zu den frühen Slawen / From
Germans to early Slavs
(93-156)
Keiling, Horst <K0101>:
Bemerkungen zu den eisernen v-förmigen Gürtelhaken der Jastorf-Kultur
(93-105).
Notes on the iron v-shaped belt hooks of the Jastorf culture.
Zusammenfassung
Die bisher 28 aus der Jastorf-Kultur bekannt gewordenen zweischenkligen
Gürtelhaken von V-Formgebung werden vorgelegt und hinsichtlich Form,
Zeitstellung und Verbreitung untersucht. Es heben sich zwei Typen, die mit
Jeserig und Schafstädt bezeichnet werden, zahlenmäßig besonders hervor. Sie
wurden am Ende der älteren und zum Teil noch zu Beginn der jüngeren
vorrömischen Eisenzeit getragen, waren also nicht so lange in Benutzung wie die
auch zahlenmäßig häufigeren und weiter verbreiteten Sporengürtelhaken. Das
Verbreitungsgebiet der Gürtelhaken von V-Form ist auf zwei Räume der
Jastorf-Kultur konzentriert, das Havel-Spree- und das Saale-Elbe-Gebiet.
Angefügt ist eine Anzahl von ähnlichen und verwandten Gürtelhakenformen.
Summary
The previous well-known 28 double shanked belt hooks of v-form are presented
and examined concerning form, timing and dissemination. Two types are especially
figured out which are described as types „Jeserig“ and „Schafstädt“.
They were used at the end of older and at the beginning of younger Pre-Roman
Iron Age. They were not as long as spurs belt hooks of u-form in use, which were
more disseminated and frequented. The circulation area of the double shanked
belt hooks (v-shape) is the Havel-Spree- and the Saale-Elbe-area, which are two
areas of the Jastorf-Kultur. Furthermore many forms of similar and related belt
hooks are mentioned.
A. Einleitung
(93)
-
Gürtel bzw. Gürtelverschluß wichtiger Bestandteil der Tracht der
Jastorf-Kultur in Norddeutschland
-
Material
-
Organisches Material mit Metallbesätzen / Metallbesatz
-
Metallblech
- Fundorte: besonders häufig in Urnengräbern
B. Vorrömische Eisenzeit
(93)
-
Stufe Ia: Zungengürtelhaken aus Eisenblech
-
Stufe Ib: zusätzlich stabile Haken
-
Stufe Ic: zunehmendes Auftreten von Metallbestandteilen am Gürtel,
große Vielfalt der Formen
-
Entwickelte Zungengürtelhaken
-
Dreieckige und runde Gürtelhaken
-
Einarmige Ringplattengürtelhaken
-
Zweiteilige Typen in V- und U-Form
-
Zweiarmige Typen in V- und U-Form
C. Jüngere vorrömische Eisenzeit
(93)
-
Stufe IIa: bislang unbekannte Hakentypen
-
Haftarmgürtelhaken
-
Zweischenklige Hakenformen
-
Lange bandförmige Haken
-
Stabförmige Haken
-
Zwei- und dreiteilige Gürtelverschlüsse
-
Scharniergürtelhaken
-
Tierknopfgürtelhaken
Stufe IIb: verschiedene Plattengürtelhakentypen
-
Lochgürtelhaken
-
Ringgürtelhaken
-
Zweischenklige Tierknopfgürtelhaken
-
Sporengürtelhaken
-
V-förmige Haken
D. Frührömische Kaiserzeit
(93-94)
-
Spezielle Hakenverschlüsse weiterhin in Gebrauch
E. Zweischenklige Gürtelhaken
(94-97)
-
U-förmige Gürtelhaken
-
V-förmige Gürtelhaken
Vorläufer
-
Dreieckige Gürtelhaken aus Mitteldeutschland
-
Zweischenklige Tierkopfgürtelhaken
-
Sporengürtelhaken - Haken von Gera / Thüringen
F. Einteilung der v-förmige Gürtelhaken in vier Typen
(97-102)
-
Bücknitzer Typ
-
Schafstädter Typ
-
Ammendorfer Typ
-
Jeseriger Typ
-
Verschiedene Stücke nicht einzuordnen
G. Verbreitung der Gürtelhaken hauptsächlich in v-Form in zwei Regionen
(102)
-
Havel-Spree-Gebiet
-
Saale-Elbe-Gebiet
H. Literatur
(102-103)
I. Liste 1: V-förmige Gürtelhaken
[Kat.-Nr. 1-28] (103-104)
-
[ 1] Jastorf, Lkr. Uelzen / Niedersachsen
-
[ 2] Kricheldorf, St. Salzwedel, Altmarkkreis Salzwedel /
Sachsen-Anhalt
-
[ 3] Mützlitz, Lkr. Havelland / Brandenburg
-
[ 4] Börnicke, Lkr. Havelland / Brandenburg
-
[ 5] Jeserig, Lkr. Potsdam-Mittelmark / Brandenburg
-
[ 6] Bücknitz, St. Ziesar, Lkr. Potsdam-Mittelmark /
Brandenburg
-
[ 7] Wietstock, Lkr. Teltow-Fläming / Brandenburg
-
[ 8] Löwenbruch, Lkr. Teltow-Fläming
-
[ 9] Lüdersdorf, Lkr. Teltow-Fläming
-
[10] Ragow, Lkr. Dahme-Spreewald / Brandenburg
-
[11] Landwehr, Gde. Golßen, Lkr. Dahme-Spreewald
-
[12] Paserin, Gde. Uckro, Lkr. Dahme-Spreewald
-
[13] Jüterborg-Waldau, Lkr. Teltow-Fläming / Brandenburg
-
[14] Calbe, Lkr. Schönebeck / Sachsen-Anhalt
-
[15] Ammendorf, Stadtkreis Halle / Sachsen-Anhalt
-
[16] Schafstädt, Lkr. Merseburg-Querfurt / Sachsen-Anhalt
-
[17] Liederstädt, Gde. Vitzenburg, Lkr.
Merseburg-Querfurt / Sachsen-Anhalt
-
[18] Kleinkorbetha, Lkr. Weißenfels / Sachsen-Anhalt
-
[19] Roßdorf, Gde. Jeßnitz, Lkr. Bitterfeld /
Sachsen-Anhalt
-
[20] Markkleeberg-West [Gautzsch], Lkr. Leipziger Land /
Sachsen
-
[21] Zwethau, Gde. Großtreben-Zwethau, Lkr.
Torgau-Oschatz / Sachsen
-
[22] Treben, Gde. Thallwitz, Muldentalkreis / Sachsen
-
[23] Zehmen, Lkr. Leipziger Land / Sachsen
-
[24] Seebschütz, Gde. Diera-Zehren, Lkr. Meißen /
Sachsen
-
[25] Pirna, Lkr. Sächsische Schweiz / Sachsen
-
[26] Podmokly – ehm. Bodenbach / Tschechien
-
[27] Marianowo, pow. Stargard Szczecinski / Polen
-
[28] Poieneşti / Rumänien
J. Liste 2: Sonderformen und verwandte Formen
[Kat.-Nr. 1-9]
(104-105)
-
[ 1] Netzeband, Lkr. Ostvorpommern /
Mecklenburg-Vorpommern
-
[ 2] Trollenhagen, Lkr. Mecklenburg-Strelitz /
Mecklenburg-Vorpommern
-
[ 3] Hamfelde, Lkr. Herzogtum Lauenburg / Niedersachsen
-
[ 4] Roßdorf, Lkr. Bitterfeld / Sachsen-Anhalt
-
[ 5] Pirna-Copitz, Lkr. Sächsische Schweiz / Sachsen
-
[ 6] Mücheln, Lkr. Merseburg-Querfurt / Sachsen-Anhalt
-
[ 7] Groß Machnow, Lkr. Teltow-Fläming / Brandenburg
-
[ 8] Priemern, Gde. Bretsch, Lkr. Stendal / Sachsen-Anhalt
-
[ 9] Rockenthin, Gde. Henningen, Altmarkkreis Salzwedel /
Sachsen-Anhalt
Saalow , Lars <S0399>:
Eiserne Trensenfragmente aus einem Gehöft der römischen Kaiserzeit bei
Siemersdorf, Lkr. Nordvorpommern (107-113).
Iron snaffle fragments from a Roman Imperial farmstead near Siemersdorf,
district of Nordvorpommern.
Zusammenfassung
Bei den Ausgrabungen im Vorfeld des Autobahnbaus wurde in Siemersdorf,
Lkr. Nordvorpommern, ein Siedlungsplatz der römischen Kaiserzeit
großflächig aufgedeckt. Im nordöstlichen Bereich lässt sich ein Gehöft
abgrenzen, das zunächst durch eine unbebaute zentrale Hoffläche
gekennzeichnet ist. Im Süden schließen daran die Reste von einem
dreischiffigen Langhaus, im Nordwesten und Nordosten zwei Brunnenanlagen an.
Um den Hofplatz herum gruppieren sich technische Anlagen, die zusammen mit
typischem Fundmaterial einen wirtschaftlichen Schwerpunkt bei der
Verhüttung von Eisenerz erkennen lassen. Zwei Fragmente von eisernen
Ringtrensen stellen aufgrund der Seltenheit von Pferdegeschirrteilen in
kaiserzeitlichen Siedlungen wichtige Neufunde auf dem Gebiet
Mecklenburg-Vorpommerns dar.
Abstract
A large area of a Roman Iron Age settlement was uncovered at Siemersdorf,
Nordvorpommern County, during major excavations in advance of the construction
of motorway A 20. In the northeastern part a farmstead could be located, which
is marked by an undeveloped yard. In the south lay a three-aisled longhouse,
in the northwest and northeast remains of wells appeared. Technical
constructions were arranged around the open yard, which point together with
specific finds to iron-melting activities. Because of the rareness of horse
harnesses in settlements of the Roman Iron Age two fragments of iron
ring-snaffles represent important new finds in Mecklenburg-Vorpommern.
A. Einleitung
(107)
-
Großflächige Untersuchungen beim Bau der Ostseeautobahn A 20
- Dichte Besiedlung im Süden des Lkr.
Nordvorpommern in der jüngeren Eisenzeit und römischen Kaiserzeit
Siedlungen
- Leyerhof, Lkr. Nordvorpommern
Siedlung und Produktionsanlagen
-
Nütschow, Lkr. Nordvorpommern
-
Kirch Baggendorf, Lkr. Nordvorpommern
-
Wendisch Baggendorf, Lkr. Nordvorpommern
Gräberfelder
-
Zarrentin, Lkr. Nordvorpommern
-
Gremersdorf, kaiserzeitliche Brandgräber
-
Vorland, kaiserzeitliche Brandgräber
-
Kirch Baggendorf, Körperbestattung und Brandbestattung
B. Die kaiserzeitliche Siedlung Siemersdorf 7
(107-108)
-
2003 Untersuchung der Siedlung
-
1.600 Befunde der jüngeren vorrömischen Eisenzeit und römischen
Kaiserzeit
C. Das Gehöft
(108-111)
-
Befundfreie Fläche von ca. 12 m Durchmesser umgeben von Befunden
-
Reste von dreischiffigem Gebäude
-
5-8 Trägerpfostenpaare / Pfosten
-
Pfostengrube in der Mittelachse vom Gebäude
- Brunnen, ovaler Grundriß [Befund 1.236]
-
Reste von Eichenholz / Eiche – Baumart
-
Vergleich mit frühvölkerwanderungszeitlichen Brunnen 6 in
Buschow, Lkr. Havelland
-
Brunnen [Befund 1.156 A]
-
2 Kalkbrennöfen [Befund 984 und 1.156 C] / Kalk, Kalkbrennofen –
Kalk
-
2 Rennfeueröfen mit Schlackengrube [Befund 989 und 987] /
Rennfeuerofen
-
7 rundliche Feuerstellen / Feuerstelle
D. Die Keramik
(111-112)
-
Handgeformte graue und braune Keramik
- Magerung des Tons mit Quarzitgrus
-
Grobe Siedlungskeramik
-
Feine Keramik
-
Einzelgefäß mit Rollrädchenverzierung / Rollrad und Hakenkreuz
E. Die Trensenfragmente
(112)
-
2 Fragmente von einer Ringtrense / Trense aus Eisen
-
Datierung: jüngere Phase der römischen Kaiserzeit
F. Sonstige Funde
(112-113)
-
Unterteil einer Rundmühle / Handmühle
-
Große Mengen von Fließschlacke / Schlacke
-
Schmiedeschlacke
-
Fragmente von Essesteinen / Esse
G. Synthese
(113)
-
Hofplatz, Wohnhaus und Werkbereich von einem Gehöft
-
Verhüttung von Eisenerz
-
Herstellung von Branntkalk
-
Vergleiche mit anderen Schmiedegehöften
- Joldelund, Lkr. Nordfriesland /
Schleswig-Holstein
- Kurzzeitige Nutzung der Schmiede in
älterer römischer Kaiserzeit
H. Literatur
(113-114)
Starke , Wiebke <S0400>:
Aspekte der kaiserzeitlichen Siedlungskeramik von Wackerow [Fpl. 1], Lkr.
Ostvorpommern (115-121).
Aspects of the Imperial Period settlement
ceramics from Wackerow [site 1],
district of Ostvorpommern.
Zusammenfassung
Die Merkmalsanalyse der Siedlungskeramik von
Wackerow, Fundplatz 1, Lkr. Ostvorpommern, zeigt typische Elemente der Keramik
der älteren Kaiserzeit wie bauchige, weitmündige Gefäße, eine Variation
von Siebgefäßen und feine schwarz polierte Ware. Eine typologische
Einordnung in die ältere römische Kaiserzeit B1 bis B2 / C1 mit einem
Schwerpunkt in B2 wird durch die dendrochronologischen Daten gestützt.
Besonderheiten im Inventar stellen die dreigliedrigen, engmündigen Gefäße
dar, die nicht nur aufgrund der Gliederung, sondern auch durch die Ornamentik
eine Sonderstellung einnehmen. Da sich für die Kombination aus beidem keine
Vergleiche fanden, ist hier eine lokale Form anzunehmen, die Einflüsse aus
dem Osten und Westen verbindet. Ein weiterer Sonderfall ist der sich auf dem
Fragment eines schwarz polierten Gefäßes befindliche mehrfache
Hakenkreuzmäander, für den bisher befriedigende Vergleiche ausstehen.
Abstract
Results from the ceramic analysis of the Early
Roman Iron Age settlement at Wackerow, site 1, in West Pomerania, showed the
typical features of Germanic pottery from the first two centuries A.D. along the
southern Baltic and in the Elbe-Oder region. Nevertheless influences from both
the East and the West formed special characteristics in the inventory according
to the vessels’ form and ornamentation. Outstanding are triparted, narrow
mouthed vessels, decorated on the shoulder with a chevron or zigzag line. The
hanging triangles are roughened with fine sand whereas the others are smoothened.
The lower part of the vessel is roughened with medium/coarse sand. Unfortunately
it is not yet possible to retrieve satisfying comparisons either in Germany or
in the inventories of the Wielbark Culture in Poland. Vessels with a similar
outline are known from within the wider local area but they lack the type of
ornamentation. Another remarkable piece is a sherd of black polished ware
decorated with a double swastika-meander, applied by using a roller stamp.
Although motive and technique are common in this period, a satisfying parallel
for this ornament could not be found.
A. Einleitung (115-117)
- 2 km westlich von Greifswald / Mecklenburg-Vorpommern
- Fundplatz 1 in der Gemarkung Wackerow, Siedlung der
römischen Kaiserzeit
Fundort
- Fundort seit 19. Jh. bekannt
- Erste Grabungen in den 1950er Jahren ohne Ergebnisse
- Regulierung des Ryck in den 1960er Jahren
- Fundplatz 1 um 1960 angeschnitten und zerstört
- Leitungsverlegungen und archäologische Untersuchungen
in den 1970er Jahren
- Weitere Untersuchungen in den 90er Jahren
Funde
- Brunnenanlagen / Brunnen
- Dendrochronologie: um/nach 10 n.Chr. und 39 ±10 n.Chr.
[B1 bis B2/C1]
- Eisengewinnung
- Bohlenweg
Bauarbeiten für Westumgehung in den 1990er Jahren
- Verschiedene Grabungen mit Funden aus unterschiedlichen
Epochen
- Aus Funden keine Ergebnisse zur Siedlungsstruktur
B. Untersuchung der Keramik aus der Grabung der 1970er
Jahre (117)
- Weniger als 8.000 Scherben
- Auswertung von ca. drei Viertel möglich
- Handgemachte, lokal hergestellte, reduziert gebrannte
Gefäße
- Gliederung in 5 Warengruppen
- 16 % schwarzpolierte Ware [Gruppe IV] / Politur
- 38 % [Gruppe II]
- 27,9 % [Gruppe III]
- [Gruppe I]
- [Gruppe V]
- Insgesamt 5 Randformen mit Untergruppen
- Form 2: kurze, von der halslosen Schulter
abgesetzte senkrechte Ränder
- Form 3 am häufigsten: kurze abgesetzte nach
außen gestellte Ränder mit oder ohne Halsbildung und mit Randlippe
- Insgesamt 4 Bodenformen mit Untergruppen
- Variante 1b am häufigsten: Wandung vom Boden in
Winkel von 45-60° schräg nach außen
- Form 3: Standringe / Standring
- Form 4: Stengelfüße / Stengelfuß
- Henkelformen / Henkel
- 3 Varianten nur singulär vertreten
 |
Variante 1a:
Mittelständiger Henkel mit waagrecht ausgezogenen Attaschen |
 |
Variante 2:
Waagrechter Henkel |
 |
Variante 3a:
X-förmiger Henkel |
- Knickhenkel: 5 Exemplare
C. Rekonstruktion von 9 Gefäßtypen mit Unterformen
(117-118)
- Siebgeräte / Sieb
- Siebgefäße
- Napfartige und becherförmige Gefäße / Gefäß
- Eingliedrige Gefäße mit einziehender Mündung
- Tassen / Tasse
- Töpfe und Terrinen / Topf, Terrine
- Umfangreichste Gruppe
- Unterformen a-j
- Überwiegend bauchige, weitmündige Gefäße mit
hoch liegendem Umbruch
- Weitmündige Schalen / Schale
- Standfußgefäße / Standfuß
- Miniaturgefäße / Miniatur
D. Rekonstruktion der Oberflächengestaltung
(118-120)
- Insgesamt 12 Verzierungselemente
- 4 lineare Elemente von eingeschnittenen Linien zu
breiteren Glättstreifen
- Einstiche, Kerben, Verzierungen in 5 Varianten
mit Rollstempel – Rollrad, ein- bis dreizeilig
- Kammstich, Schlicküberfänge / Schlicküberfang
- Insgesamt 41 Ornamente
- 2 herausragende Ornamente
 |
T-Mäander |
 |
Hakenkreuzmäander
/ Hakenkreuz |
 |
Vergleichsfunde
in Lalendorf, Lkr. Güstrow und Stare Łysogórki, Stettin /
Polen |
 |
Wielbark-Kultur |
- 2 beachtliche Ornamente
 |
Einfaches
Zickzackband mit Feinsandrauhung der stehenden Dreiecke |
 |
Doppelte,
alternierend auf der Schulter angeordnete Sparren /
Zickzackbänder mit Feinsandrauhung der stehenden Dreiecke
Vergleichsfunde in ehm. Kreisen Regenwalde, Dramburg, Schlawe,
Bütow, Lauenburg |
E. Literatur (120-121)
Schoknecht , Ulrich <S0159>:
Vendelzeitliche Funde aus Mecklenburg-Vorpommern (123-130).
Vendel Period finds from Mecklenburg-Vorpommern.
Zusammenfassung
Der Neufund einer skandinavischen
vendelzeitlichen Schnabelfibel bei Usedom ist Anlass, die Funde dieser Periode
aus Mecklenburg-Vorpommern vorzustellen. Es zeigt sich eine Bindung an die
Ostsee und den Raum der Peene sowie ein räumlicher Kontakt zu den etwas
jüngeren skandinavischen Seehandelsplätzen. Diskutiert wird, auf welche
Bevölkerungsgruppen die Besucher im 6./7. Jh. in Mecklenburg-Vorpommern
stießen. Zu den spätvölkerwanderungszeitlichen Funden [meist einer Elite]
kommen erste Funde slawischer Zuwanderer. Es wird die These vertreten, dass
sich die Germanen und Slawen in den slawischen Stämmen assimilierten,
allerdings ohne skandinavischen Einfluss.
Abstract
A new Vendel-period “Schnabelfibel“ near
Usedom is presented together with all known finds of this period from
Mecklenburg and Western Pomerania. The finds show a close connection to the
Baltic Sea, the Peene river valley and to the younger Scandinavian sites of sea
trade. It is discussed, which kind of population the visitors met. It is
suggested that besides the finds of late migration period (often by an elite)
first finds of the Slavic immigrants exist. It is supposed that the Slavs and
the Germanic tribes assimilated, but without Scandinavian influence.
A. Einleitung (123)
- Vendelzeitliche Funde aus Mecklenburg-Vorpommern
- Neufund: Schnabelfibel bei Usedom, Lkr.
Ostvorpommern
- Funde an Wasserwegen oder bei slawischen Zentren
B. Fundorte (123-126)
- Singuläre Fibel aus Benzin bei Gadebusch, Lkr.
Nordwestmecklenburg
- Fundort altslawische Siedlungsgrube
- Skandinavischer Typ
- Datierung: jüngere Vendelzeit
- Unpublizierte Fibeln aus Groß Strömkendorf
- Vogelfibel aus Rostock-Dierkow am Breitling
- Reiche Flechtbandverzierung, Kreisornamente
- Datierung: Mitte oder 2. Hälfte 7. Jh.
- Drachenfibel aus Nehringen an der Trebel, Lkr.
Nordvorpommern
- Zwei ineinander verwobene Schlangen
- Datierung: 675-700
- Gleicharmige Fibel aus Verchen an der Peene, Lkr.
Demmin
- Datierung: vor Mitte des 6. Jhs.
- Vogelfibel aus Schönfeld bei Verchen, Lkr. Demmin
- Kreis- und Bogenornamente
- Datierung: Mitte oder 2. Hälfte 7. Jh.
- Schnabelfibel aus Menzlin an der Peene, Lkr.
Ostvorpommern
- Typ G2 von M. Ørsnes
- Datierung: um 600
- Schnabelfibel von Usedom
- Gruppe G1 nach M. Ørsnes
- Datierung: vor Mitte des 7. Jhs.
C. Verbreitung der Schnabelfibeln im Norden
(126)
- Schnabelfibeln stellen häufigste vendelzeitliche
Fibelform dar
- Hauptverbreitung
- Nördliches Jütland / Dänemark
- Dänische Inseln einschließlich Bornholm
- Südliches Schweden mit Gotland und Öland
- Fundplätze mit starker skandinavischer Dominanz
 |
Grobin-Seeburg |
- Fundplätze mit Massenproduktion von Schnabelfibeln
- Uppåkra / Schweden
 |
Fund von über
200 Schnabelfibeln durch Metalldedektoren |
 |
120 gleicharmige
Fibeln |
 |
110 Vogelfibeln /
Vogelfibel |
- Gudme / Dänemark
 |
Fund von 16
Schnabelfibeln vom Typ G2 |
D. Funde von Schnabelfibeln auch in Sachsen-Anhalt
(126)
- Verbreitung über die Elbe bis zur Mündung der Saale
- Funde lassen auf starke Einwanderung skandinavischer
Stämme schließen
- 2 Krötenfibeln / Krötenfibel aus Wulfen bei
Köthen / Sachsen-Anhalt
- Gleicharmige Fibel aus Aken a.d. Elbe /
Sachsen-Anhalt
- 2 gleicharmige Fibeln aus der Wüstung Marsleben
bei Quedlinburg / Sachsen-Anhalt
E. Funde von mehreren gleicharmigen und fischförmigen
Fibeln aus der Altmark (126)
- Altenzaun, Lkr. Stendal / Sachsen-Anhalt
- Kläden, Lkr. Stendal
- Sanne, Lkr. Stendal
- Ünglingen, Lkr. Stendal
F. Germanische Funde des 6. Jhs. in Mecklenburg-Vorpommern
(126-128)
- Zangenfibeln / Zangenfibel aus Schwanbeck, Lkr.
Mecklenburg-Strelitz
- Zangenfibeln aus Friedland, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
- Kopfplatte einer Bügelfibel aus Rossow, Lkr.
Uecker-Randow
- Vergleich Bügelfibel aus Altenhausen in der
Altmark bei Haldensleben / Sachsen-Anhalt
- Fibel aus Grab in Kleinlangheim, Lkr. Kitzingen /
Bayern
- Fibel aus Bremen
- Bügelfibel mit Tierkopffuß aus Groß Pankow, Lkr.
Parchim
- Bügelfibel aus Kölln, Lkr. Demmin
- Schnalle aus Rowa, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
- Vogelwirbelfibel aus Gold aus Schwerin-Mueß
- Völkerwanderungszeitliche und altslawische Keramik
- Spangenhelm und Schnalle aus Bronze aus Demmin
- Große Spatha aus Hafen von Demmin
- Fragment von Spangenhelm aus Todendorf, Lkr. Güstrow
- Goldbrakteat / Brakteat aus Sukow, Lkr. Parchim /
Mecklenburg-Vorpommern
G. Kontakte zwischen Germanen und vendelzeitlichen
Einwanderern (128-129)
- Germanische Funde elitär
- Bislang keinen germanischen Herrensitz gefunden
- Frage nach slawischer Einwanderung
- Neben- und Miteinander von germanischer
Restbevölkerung und slawischer Zuwanderer im 6. und 7. Jh.
H. Literatur (129-130)
Makiewicz , Tadeusz <M0082>:
Das Problem der Kontinuität zwischen Altertum und Mittelalter in Polen im
Lichte neuer sprachwissenschaftlicher Forschungen –
Betrachtungen eines Archäologen (131-137).
The problem of continuity between antiquity and
the medieval period in Poland in the light of new linguistic research –
Reflections of an archaeologist.
Zusammenfassung
In jüngerer Zeit erschienen einige wichtige Publikationen über die
Informationen, die wir zur ethnischen Situation im Gebiet Polens am Ende des
Altertums besitzen. Neue linguistische Forschungen können keine Spuren von
venetischen Namen in den polnischen Gebieten erkennen; zugleich stimmen die
Sprachforscher darin überein, dass der Name „Veneter“ ein Pseudo-Ethnonym
sei. Am überzeugendsten ist die Hypothese, dass es ein germanischer Name für
Fremde oder „die anderen“ gewesen ist. Gesichert erwähnt werden die
Slawen erstmals vom byzantinischen Historiker Jordanes im mittleren 6. Jh.
Jordanes verwendet die Bezeichnung „Veneter“ als generelle Bezeichnung und
teilt sie dann in zwei [Sclavenen und Anten] oder drei Gruppen [Veneter, Anten
und Sclavenen]. J. Koder zeigte, dass in der griechischen Sprache jener Zeit
kein „sl“-Anlaut existierte. Entsprechend gab es keine Möglichkeit für
eine exakte phonetische Übernahme des Namens „Slawen“, welche von den
Griechen „Sklavenoi“ oder „Sthlavenoi“ genannt wurden. Daher meint der
Name „Sclavenen“ einfach die Slawen, während die Anten eine kleine
multiethnische Gruppe im Gebiet der heutigen Moldau gewesen sein müssen. Sie
verlieren sich zu Beginn des 7. Jhs. aus den historischen Quellen. Anscheinend
versuchte Jordanes mit der Verwendung des Begriffs “Veneter” und der
weiteren Unterteilung in verschiedene Gruppen, traditionelle römische
Bezeichnungen für die Völker östlich der Germanen mit den neuen
Informationen über die Existenz von Slawen in jenen Gebieten zu vereinbaren.
Abstract
Recently there appeared some important
publications concerning the oldest information available about the ethnic
situation on the territories of Poland at the end of Antiquity. New linguistic
research shows no traces of Venetian names on Polish territories; at the same
time language scholars reached agreement that the name “Venetes” must be a
pseudoethnonym and that it was a Germanic name for foreigners or “the other”.
In a certainly identifiable way the Slavs are mentioned for the first time by
the Byzantine historian Jordanes in the middle of the 6th century. Jordanes uses
the term “Venetes” to describe them generally and then divides them into two
[Sclavenes and Antes] or three [Venetes, Antes, Sclavenes] groups. J. Koder
demonstrated, however, that in the Greek language of the time there was no “sl”-phoneme.
Consequently there was no possibility of exact phonetic rendering of the name
“Slavs” whom the Greeks called “Sklavenoi” or “Sthlavenoi”. Thus the
name “Sclavens” means simply Slavs while Antes must have been a small
multiethnic group living in the territory of present Moldova. They disappear
from historical records at the beginning of the 7th century. It seems that using
the name “Venetes” and then suddividing them into different groups Jordanes
was trying to reconcile traditional Roman terminology applied to the peoples
living east of the Germanic tribes with the newly available information about
the presence of Slavs on those territories.
A. Einleitung (131)
- Neue sprachwissenschaftliche Forschungen verändern
das Problem der Slawensitze
B. Die älteste Namensschicht in den polnischen Gebieten
(131-132)
- Publikation von Z. Babik [2001] in polnischer Sprache
- Analyse der ältesten onomastischen Schicht in
Polen
- Flußnamen in Polen sind indoeuropäisch /
Indoeuropäer
 |
Anders J. Udolph
[2005]: Noteć [Netze] und Warta [Warthe] sind germanischer
Abstammung |
- Wenige baltische und germanische, aber keine
anderen Namen
- Germanische Namen ohne Lautverschiebung
- Keine Namen venetischer Abstammung
- Kontinuität des mündlichen Kontaktes [Namen]
von Altertum zum frühen Mittelalter
- Kulturanknüpfung vom Altertum zum
Frühmittelalter bei Keramik
- Bestätigung der Kulturkontinuität durch Fundstellen
der jüngsten Phase der Przeworsk-Kultur
- Eiförmige Gefäße mit 70-100% bestimmbarer
Formen
- Neue Kategorie der scheibengedrehten Tonware
[spätantik] identisch
mit der „pseudomittelalterlichen Keramik“ und Keramik der „Boege-Gruppe
- Datierung: 5./6. Jh.
C. Neues zu den Venetern
(132-133)
- Veneter in der älteren polnischen
Geschichtsforschung
- Sonderethnikon oder Splitter eines großen Volkes
- Publikation von Z. Gołąb [2004] in
polnischer Sprache
- Bezeichnung Veneter in verschiedenen Epochen für
unterschiedliche Völker verwendet
- Bedeutung: Krieger oder Eroberer
- Publikation von W. P. Schmidt [1992]
- Veneter ist Pseudoethnonym, das keinem konkreten
Volk entspricht
- Bedeutung: Bewohner der flachen, sumpfigen
Tiefebenen
- Publikation von R. Nedoma [2006]
- Fremdbezeichnung für Nachbarn, kein konkretes
Ethnos gemeint
- Bedeutung wie H. Krahe: Geliebte, Befreundete,
Verwandte, Adoptierte
- Publikation von J. Banasziewics [1998] in polnischer
Sprache
- Bezeichnung für verschiedene Völker in ganz
Europa
- Pseudoethnonym, das von außen vergeben wurde
- Erklärung wie R. Wenskus [1961], Begriff bezieht
sich auf alle Fremden
- Germanische Bezeichnung
- Fazit
- Es gab kein Volk der Veneter
- Pseudoethnonym, ein von außen bzw. von Fremden
gegebener Scheinname
- Der Name Slawen stammt aus der eigenen Sprache
 |
Sprachvergleich
mit Wales bei Giraldus Cambrensis |
- Der Name Slawen erst ab deren Erscheinen an den
Grenzen des Byzantinischen Reiches
- Vorher bei Plinius, Tacitus, Ptolemaios, Jordanes
sind die Slawen Veneter
D. Exkurs über Jordanes
(133)
- Zwei widersprüchliche Angaben über die Veneter
- Einteilung der Veneter in Sklavenen und Anten
- Einteilung der Veneter in Veneter, Sklavenen und
Anten
E. Wer waren Sklavenen ?
(133-134)
- Publikation von J. Koder [2002]
- Bezeichnung der Slawen als Veneter vor Iustinian
I.
- Byzantinische Quellen belegen den Begriff Slawen
auf dem Balkan seit Anfang 6. Jh.
- Übernahme in die griechische Phonetik als
Slavenen
- Auftreten von sl in der griechischen Sprache
nicht nachweisbar
- Zwei Formen im Griechischen
 |
Sthlav-, nur in
höfischen Texten |
 |
Sklav-, bei
Prokopios von Caesarea und weiteren Texten |
- Ähnlicher phoenetischer Weg bei dem Namen Wisla
[Vistula, Viskla]
F. Wer waren die Anten ?
(134-135)
- Nach neuen sprachwissenschaftlichen und
archäologischen Quellen multiethnische Gruppe mit einem hohen Anteil an
Slawen
- Slawische Sprache
- Slawischer Lebensstil
- Gegenmeinung
- Fachliteratur: Anten verschiedene Ethnien
- G. Schramm: Der Name Anten stammt nicht aus der
slawischen Sprache
G. Resümee (135-136)
- Kontakt der älteren indoeuropäischen mit der
späteren slawischen Bevölkerung
- Keine Nachweise für ein altes Volk der Veneter
- Die in den römischen Quellen genannten Veneter
bezeichnen ein Pseudoethnonym
- Veneter ist ein Sammelbegriff für Fremde, der im
germanischen Bereich für Slawen verwendet wurde
- Die Römer übernahmen den Begriff Veneter von den
Germanen
- Slavenen sind die phonetisch gräzisierten Slawen
- Die multiethnischen Anten besaßen einen hohen Anteil
an Slawen
H. Literatur (137)
Herrmann , Joachim <H0178>:
Slawen seit dem Ende des 6. Jahrhunderts u.Z. an der südwestlichen
Ostseeküste ?
Probleme interdisziplinärer Forschungen zu slawischen Wanderungen nach
Mitteleuropa (139-156).
Slavs on the south-western shores of the Baltic
from the late 6th century A.D. ?
Problems of interdisciplinary research on the Slavic migrations into central
Europe.
Zusammenfassung
Die slawische Besiedlung der Gebiete westlich
der Weichsel und der Oder bildete eine wesentliche Grundlage für die
geschichtliche Entwicklung seit dem frühen Mittelalter bis in die Gegenwart.
Es wird versucht, die Diskussionen der teilweise sehr unterschiedlichen
Forschungsergebnisse über die slawische Einwanderung und die slawische
Frühgeschichte in der 2. Hälfte des 1. Jts. u.Z. in den historischen
Zusammenhang einzuordnen. Herausgehoben werden v.a. das slawisch-antike
Zusammentreffen im Donaugebiet in Verbindung mit den slawisch-byzantinischen
Auseinandersetzungen und die Rolle der Awaren. Daraus gingen bedeutende
kulturgeschichtliche Synthesen und Auswirkungen auf die Besiedlung und auf
dessen Gestaltung hervor.
Abstract
The immigration of slavs into the regions west of
the river Wisla and Oder since the 6th century determines the paper.
A new basis for the historical development up to our days was created. The
discussion about the reasons and the origins of the slavonic migration escalated
in the last years. The frame of the paper is to compare the various ideas with
the historical and archaeological evidence. It seems quite clear, that the
Slavonic immigration into the regions of Central Europe had two sources: the
original one coming from the regions east of the Carpathian Mountains and an
other one, connected with a Slavonic-Antique synthesis in the regions of the
originally Byzantine Empire, came from the central Danubian Region.
A. Einleitung (139-141)
- Schriftliche Überlieferung
- byzantinische Quellen
- fränkische Quellen / Franken
- Archäologische Befunde
- Naturwissenschaftliche Funddatierungen
- 14C-Daten
- Dendrochronologie
- Pollenanalyse
- Sprachwissenschaftliche Aussagen zu Stammesnamen und
hydronomischen Bezeichnungen
- Geschichtliche Ereignisse
- Bedrohung der byzantinischen Donaugrenze durch
Slawen Ende 5. / Anfang 6. Jh.
- Slawinien / Sklawinen entstehen nördlich der
Donau
 |
Dauritas,
Ardagast, Musokios, Peragast |
 |
Ipotesti-Ciureli-Cindesti-Kultur |
- Slawische Einfälle bis zur Peloponnes und
Thessaloniki / Griechenland
- Synthese und Assimilation von Autochthonen,
Romanen und Slawen
- Nach 568 erhebt der Khagan der Awaren Anspruch
auf die Herrschaft über alle Barbaren
B. Schriftliche Berichte zu den Verhältnissen in
Mitteleuropa im 6. Jh. (141-147)
- Berichte über den Herulerzug vom mittleren Donauraum
510 / 512 / Österreich
- Eine Gruppe zieht in byzantinisches Gebiet
- Eine Gruppe zieht nach Norden bis nach Thule
- Unterschiedliche Rekonstruktionen der Wege
- Herculer von Slawen besiegt
- Berichte über die Beziehungen zwischen Slawen und
Langobarden um 550
- Langobardenkönig Hildigis sucht Schutz bei den
Slawen
- Hildigis zieht mit 6.000 slawischen Reitern nach
Oberitalien
- Berichte über das Vordringen der Awaren in das
Donaugebiet
- Angriffe der Awaren gegen Franken und Thüringen
561 / 562, 565, 596
- Zug nach Gallien und entlang der Elbe bis zur
Küste
- Geringe Bedeutung für die slawische
Nordwanderung
- 626 Niederlage der Awaren, die aus slawischen
Gebieten vertrieben wurden
- Berichte über die Sorben 631 und später
- In Thüringen und Frankenreich sesshaft seit Ende
6. Jh.
 |
Entsprechend der
Verbreitung der Keramik Rüssener Typ |
- Um 600 im Elbe-Saale-Gebiet / Sachsen-Anhalt
 |
Burgen im 7. Jh.
in sorbischen Gebiet |
C. Rugier, Rujane und Rügen
(147)
- Bericht von Beda über die Ostseeslaven
- Slavische Bewohner Rügens, Ruani, Rugiani,
Rujanie, Rojani genannt
- Fundmaterial auf Rügen
- Wenig Sukower und Feldberger Keramik
- Fresendorfer Keramik ab dem 8. Jh.
- Wanderung von südlicher Ostseeküste zur mittleren
Donau während der Völkerwanderung
- Vielleicht Rückwanderung Ende 6. / Anfang 7. Jh.
nach Norden
D. Wilzen und Obodriten
(148-150)
- Weg in die Küstengebiete nicht zu ermitteln
- Nach literarischen Quellen sind Wilzen und Obodriten
Gegner
- Menkendorfer Keramik ebenso früh wie Donautyp im
Mittelelbegebiet
- Feldberger Keramik verbreitet in wilzischen
Stammesgebieten
E. Zur Keramik des Feldberger und des Tornower Typs
(150-153)
- Schatzfund von Biesenbrow / Uckermark aus
frühslawischer oder germanischer Siedlung
- 200 römisch-byzantinische Münzen
- Schwierige Datierung
- Neue Dendrodaten in der Forschung unberücksichtigt
- Keramik wurde zu früh datiert
- Feldberger Typ: ab Mitte 8. Jh.
- Tornower Typ und polierte Ware: ab 9 Jh.
F. Quellen (153)
G. Literatur (153-156)
III. Burgen, Herrschaft und
Machtpolitik / Castles, lordship and power politics
(157-256)
Biermann , Felix <B0127>:
Der Burgwall Zantoch bei Landsberg an der Warthe –
Ein Kommentar zu den bisherigen Forschungen
(157-170).
The castle site at Zantoch near Landsberg on the
Warthe –
A commentary on research so far.
Zusammenfassung
Der Beitrag kommentiert die Vor- und
Nachkriegsforschungen an dem früh- und hochmittelalterlichen Burgwall Zantoch
[Santok] bei Landsberg / Warthe [Gorzów Wielkopolski]. Zunächst werden die
Resultate der Grabungen kurz vorgestellt, dabei die Datierung, Stratigraphie
und Phasengliederung besprochen. Hernach geht es v.a. um die
Befestigungsentwicklung und ihren politischen Hintergrund, bestimmte Merkmale
des Wallbaus sowie die Abfolge vom großflächigen zum kleinen und wieder
großen Ringwall. Schließlich werden forschungsgeschichtliche Gesichtspunkte
angesprochen.
Abstract
This article gives some comments on the pre- and
post-war excavations at the important early and high medieval stronghold from
Zantoch [Santok] near Landsberg on Warta [Gorzów Wielkopolski]. First are
discussed the results of the excavations, the chronology of the site, its
stratigraphy and the phases. The second topic are cultural-historical aspects of
the fortification development and its political background, some details of the
rampart construction and the changes in the size of the fortification. At least
the article deals with some scientific historical aspects of the German pre-war
excavations.
A. Einleitung (157)
- Lage
- Burgwall Zantoch [Santok] 12 km östlich von
Landsberg [Gorzów Wlk.] am Zusammenfluß von Warthe und Netze
- Kritische Betrachtung slawenzeitlichen Befestigung
der deutschen Grabung der 1930er Jahre
B. Der Burgwall (157)
- Kontrolle der Zantocher Enge
- Mehrere Befestigungsanlagen und Schanzwerke anstelle
des Burgwalls Alt-Zantoch
- Große ovale Wallbefestigung von 200-240 m
Durchmesser
- Kleiner Ringwall von 80-120 m Durchmesser
- Burghügel
- Friedhof auf dem östlichen Wallabschnitt
- Gebäude aus Stein in Form eines Donjon, evtl. Rest
einer Kirche
- Schanzwerke in der Neuzeit
C. Die Ausgrabungen und ihre Ergebnisse
(157-159)
- 1932-1934 erste Grabungen wegen Erweiterung der
Zantocher Enge für die Schiffahrt
- Leitung der Grabung: W. Unverzagt, O. Doppelfeld
- Grabungsareal: kleinere Burg im Nordwesten der
großen Wallanlage
- 1936 erste teilweise Publikation der Ergebnisse
- 1958-1965 polnische Ausgrabungen
- Leitung: W. Hensel
- Anlegen von 2 Schnitten im nördlichen Bereich
des Innenraumes der großen Burg
- 1961-1975 Publikation der Ergebnisse in
Vorbereichten und Monographien
- 1997 Fund- und Holzbergung
- 1997-1999 Ausgrabung im Westabschnitt vom großen
Ringwall
- Leitung: K. Zamelska-Monczak
- Fund von Holzkonstruktionen mit Kästen und
Asthaken
- Fund einer Steinfront
- Bislang keine ausführliche Publikation
- 1994 Tagung in Zantoch zu den Anfängen der Burg
- Seit 2007 erneute Ausgrabungen am großen Burgwall
- Auswertungsarbeiten in Posen
D. Ergebnisse der Grabung 1932-1934
(159-160)
- 5 früh- bis hochmittelalterliche Befestigungsphasen
- Phase 1:
Anfang 9.
Jh., Palisade mit 60 m Durchmesser
- Phase 2:
bald nach
1000, große Burg mit Holz-Erde-Wall mit Rostsubstruktionen und
Asthakenverbindungen
- Phase 3:
nach 1025,
nach Zerstörung der großen Burg Erneuerung des großen Wallrings,
Einbau des kleine Ringwalls
- Phase 4:
um 1100,
Verstärkung der Burg durch Wälle mit Anbauten
- Phase 5:
12. /
frühes 13. Jh., Schwächung der Wälle durch Überbauung
Das Innere der Burg
- Dichte Bebauung aus regelmäßig angeordneten
Gebäuden
- Zunächst ein- oder zweiräumige
Flechtwerkhäuser / Flechtwerk
- Später Blockhäuser / Blockhaus
Datierung nach Keramikfunden
- Phase 1:
Verzierter
Menkendorfer Typ und Tornower Typ
Phase 2: Mittel-
und spätlawische Typen
Phase 3-5:
Spätslawische Gurtfurchenware
Bauherren
- Phase 1: Werk der Pomoranen zur Grenzsicherung
- Phase 2-5: Werk der Polen als Grenz- und
Kastellansburgen
E. Ergebnisse der Grabung 1958-1965
(160-161)
- Untersuchungen im Innenraum der großen Burg
- Fund von einem weiteren zur kleinen Burg gehörenden
Wall
- Einteilung in 7 Horizonte
- 1. Horizont:
ältester Siedlungshorizont mit Flechtwerkbehausungen
Palisadenburg: 200 m statt 60 m Durchmesser
Keramik
 |
80% Sukower bzw.
unverzierter Menkendorfer Typ |
 |
Wenig
wellenverzierte Keramik und verzierter Menkendorfer Typ
Datierung: Ende 7./ 1. Hälfte 8. Jh. |
- 2. Horizont: mit
Flechtwerkbauten
Keramik
 |
Unverzierte Ware
und Menkendorfer Ware |
 |
11,4 % Feldberger
Typ
Datierung: 2. Hälfte 8. Jh. |
- 3. Horizont: mit
Blockbauten und einem Bohlenweg
Keramik
 |
Verzierter und
unverzierter Menkendorfer Typ |
 |
Erstmals Tornower
Typ
Datierung: 1. Hälfte 9. Jh. |
- 4. Horizont: mit
Blockhäusern und einem Wall, vielleicht Teil der kleinen Burg
Keramik
 |
Mittelslawische
Keramik |
 |
Mehr Tonower Ware
Weitere Funde |
 |
Lyraförmige
Schnalle mit ostslawisch-altrussischen Parallele
Datierung: Mitte bis Ende des 9. Jhs. |
- 5. Horizont: mit
Blockbauten
Ausbau des mittleren Walls
Keramik
 |
Mittelslawische
Keramik
Weitere Funde |
 |
Reitersporn
Datierung: 1. Hälfte 10. Jh. |
- 6. Horizont: mit
Resten von Blockhäusern und Steinfundament
Keramik
 |
40 %
Spätslawische Keramik
Datierung: 950-1050 |
- 7. Horizont: mit
Holzarchitektur
Keramik
 |
93,5 %
Spätslawische Keramik |
 |
Blaugraue
Scherben
Datierung: 12./13. Jh. |
- Vergleich Grabungen 1932-1934 und 1958-1965
- Keine Phase entspricht Horizont 1+2
- Phase 1 entspricht Horizont 3-5
- Phase 2-5 entsprechen Horizont 6-7
F. 1990er Jahre Überprüfung der Phasen
/ Horizonte durch Z. Hilczer-Kurnatowska und M. Kara (161-162)
- Neue Datierung der Horizonte der Grabung 1958-1965
- Horizont 1: 2. Hälfte 8. Jh.
- Horizont 2-4: 9. Jh.
- Horizont 5-6: 10 Jh.
- Dendrochronologie einer Berme – Datierung läßt
auf zwei Bauphasen schließen
- Berme: um 970
- Abschnitt des inneren Walls: nach 912
G. Anmerkungen zu den bisherigen Forschungen
(162-165)
- Datierung nach Keramik, da noch zu wenige
dendrochronologische Daten vorliegen
- Zustimmung zu den Ergebnissen von Z.
Hilczer-Kurnatowska und M. Kara
H. Forschungsgeschichtliche Aspekte
(165-168)
- 1927 Gründung der „Arbeitsgemeinschaft zur
Erforschung der nord- und ostdeutschen vor- und frühgeschichtlichen Wall-
und Wehranlagen“ in Kiel
- 1932 Umbenennung in „ Arbeitsgemeinschaft für die
Vor- und Frühgeschichte Ostdeutschlands“
- 1934 Auflösung der Arbeitsgemeinschaft
- Ausgrabung Zantocher Burgwall gehörte zu den
Projekten dieser Arbeitsgemeinschaft
- Sehr wissenschaftliche und methodische Ausgrabung und
Lehrgrabung
- Öffentlichkeitsarbeit mit Ausstellung, Führungen,
Zeitungsartikeln, Kongress
- Beachtliche Publikation
- Politische Nutzen der Grabung
- Bewertung der Phase 1 als germanisch
I. Quellen (168)
J. Literatur (168-170)
Ulrich , Jens <U0018>:
Interessante Neufunde vom Burgwall Klempenow, Lkr. Demmin (171-175).
Interesting new finds from the castle site at
Klempenow, district of Demmin.
Zusammenfassung
Die Funde vom Burgwall Klempenow weisen auf eine
nicht periodische, wohl nahezu ausschließlich militärisch genutzte Anlage zum
Schutz eines Flussüberganges. Die Münzen und Kleinfunde datieren in das 8.-9.
Jh., was in einem gewissen Widerspruch zu den durch die Dendrochronologie
erbrachten Ergebnissen von der Burg Glienke, Lkr. Mecklenburg-Strelitz, steht.
Abstract
Following the finds made in the hillfort of
Klempenow, obviously this site was used as a military basis to defend the river
crossing. Contradictory to dendrochronological results concerning the hillfort
Glienke, distr. Mecklenburg-Strelitz, coins and small finds of Klempenow date to
the 8th-9th centuries A.D.
A. Lage vom Burgwall Klempenow
(171)
- Eingliedrige Anlage mit Wall an der Nord- und
Ostseite
- Süd- und Westseite durch die steilen Hänge des
Tollensetal geschützt
- Verkehrsgünstige Lage am Fluß und mindestens einer
Furt
- Luftbild
B. Alte Funde
(171)
- Steinzeit
- Bronzezeit
- Germanische Funde / Germanen
- Hauptsächlich altslawische Scherben von Feldberger
Typ
- Wenige mittelalterliche und neuzeitliche Funde
C. Neue Funde nach der Publikation durch GPS eingemessen
(171)
- Funde der Bronzezeit
- Rasiermesser
- Bruchstück einer großen Nadel
- Armring
D. Münzen (171-173)
- Altfund von 1828: Arabischer Dirham
- 8 arabische Münzen bzw. Bruchstücke von Münzen
- Fragment von einem Dirham aus der Zeit der
Umayyaden, Kalif Hischâm, 724-743
- Fragment von einem Dirham aus der Zeit der
Umayyaden, 1. Hälfte 8. Jh.
- Zeitgenössische subaeratische Fälschung eines
Tabari Dirhams der Post Yasdgard-Ara, 777-778
- Dirham abbassinischer Gouverneure von Ifriqiya,
Yazid ibn Hatim al Muhallabi, 788-798
- Fragment von einem Dirham der Abbasiden, Hârûn
ar Rashîd, 799-800
- Fragment von einem Dirham der Samaniden, Ahmad
ibn Ismâ îl, 909-910
- Fragment von einem Dirham der Abbasiden, al-Mu’azza
billâ, 868-869
- Fragment von einem Dirham der Abbasiden, Hârûn
ar Rashîd, 796-799
- Slawische Münzen
E. Kleinfunde (173-174)
- Schwertknauf
- Beschlag von einem Zaumzeug mit Blütendekor / Awaren
Vergleich mit Grabfund von Hortobágy-Ákus / Ungarn
- Zaumzeugbeschlag aus dem westdeutschen Raum
- 2 Sporen
- Trense
- Pfeilspitzen / Pfeilspitze
- Dreieckiger Schwertknauf, 9, Jh.
- Polyedrischer Endknopf einer Nadel oder Ringfibel
- Eiserner Schlüssel
F. Fazit (174)
- Burgwall Klempenow hatte keine Vorburgsiedlung
- Kein Nachweis von Handwerk wie Verarbeitung von
Knochen oder Eisen
- Münzen zeugen von Umlauf von Edelmetall,
Wägestücke fehlen / Waage
- Nutzung des Burgwalls Klempenow wohl nahezu
ausschließlich als militärisch Anlage zum Schutz eines Flussüberganges
- Geistiges und admistrative Zentrum in den beiden
Burgen von Hohenbüssow westlich der Tollense
G. Literatur (175)
Goßler , Norbert <G0149>:
Neue Überlegungen zur Interpretation des spätslawischen Siedlungskomplexes
am Tollensesee und an der Lieps (177-188).
New thoughts on the interpretation of the late
Slavic settlement complex at lake Tollense and on the Lieps.
Zusammenfassung
Die bisherige Interpretation des spätslawischen
Siedlungskomplexes am Südende des Tollensesees und in der Lieps
[Mecklenburg-Vorpommern] wird einer Überprüfung unterzogen: Die
Besiedlungsdauer reichte bis in die 2. Hälfte des 13. Jhs., doch die
unumschränkte Herrschaft einer slawischen Elite, auf die Luxus- und
Importfunde und aufwändige Grablegen hindeuten, dürfte schon seit der 2.
Hälfte des 12. Jhs. unter dem Einfluss der pomoranischen Oberherrschaft zu
Ende gegangen sein. Die Reitzubehörfunde des Siedlungskomplexes können nur
mit Einschränkungen als Attribute der slawischen Eliten gelten: Sporen lassen
sich auch dem Gefolge zuordnen, während andere Bestandteile der
Pferdeausrüstung erst im Zuge der veränderten Machtverhältnisse des 13. Jhs.
mit fremden Herren in die Region gelangten.
Abstract
The article investigates the state of research
concerning late Slavonic settlements at the southern bank of Lake Tollense and
in Lake Lieps [Mecklenburg-Vorpommern]: These settlements were inhabited until
the second half of the 13th century AD, but we may assume that the
absolute reign of a Slavonic elite – indicated by luxury and imported goods
and special burials – ceased already in the second part of the 12th
century A.D. under the influence of Pomeranian rulers. Horse harness found on
the settlement sites only partially can be attributed to the Slavonic elite: i.
e. spurs may also have belonged to the entourage; some pieces of horse harness
only reached the region with new landlords in the course of the 13th
century A.D.
A. Geländeforschungen in der 1960er Jahren am Südende
des Tollensesees und in der Lieps (177)
- Befestigungen
- Inselsiedlungen
- Dorfanlagen
- Gräberfelder
- Funde von Import und Luxusgut sowie Reitzubehör
lassen auf Adelsschicht schließen
B. Insel Hanfwerder (177)
- Holzkasten-Wallmauer
- Toranlage
- Gräberfeld von Usadel in 500 m Entfernung auf dem
Festland
- Vermutlich Brückenverbindung zum Festland
- Zahlreiche Siedlungsbefunde lassen auf ständige
Besiedlung schließen
- Deutung als Herrschaftszentrum mit regionaler
Bedeutung
C. Insel Kietzwerder (177)
- 80 cm starke Kulturschicht mit Funden lassen auf
ständige Besiedlung schließen
- Vermutlich spätslawische Brückenverbindung:
Prillwitz – Kietzwerder – Halbinsel Nonnenhof
- Deutung umstritten
- V. Schmidt: Handwerker
- E. Gringmuth-Dallmer: Dienstsiedlung
D. Insel Binsenwerder (177)
- Heute weitgehend überflutet
- Vermutlich Brückenverbindung zum Festland
- Zahlreiche Scherben lassen auf ständige slawische
Besiedlung schließen
E. Fischerinsel am Südende des Tollensesees
(177-178)
- Reste mehrere Bauten in Flechtwerk- und
Blockbautechnik
- Reste von Palisaden
- Reste einer Toranlage
- Vermutlich Brückenverbindung zum Festland
- Deutung
- Marktsiedlung mit ansässigen Handwerkern
- Nach Fund von 2 hölzernen Kultfiguren auch
sakrale Zwecke
F. Blütezeit der Siedlungen in der Lieps ab dem 11 Jh.
(178-179)
- Ab 1200 Grundwasseranstieg und Überflutung
- Münzen
- 2 Münzen von der Fischerinsel, Prägung: 1187
und 1219 / 1220
- 1 Münze vom Kietzwerder: 1200-1220
- Bautätigkeit nach Dendrochronologie
- Fischerinsel: Bautätigkeit von der 2. Hälfte
12. Jh. bis in erste Jahrzehnte 13. Jh.
- Hanfwerder: keine Daten, trotzdem vier
Besiedlungsperioden vom Anfang des 11. Jhs bis um 1270 angenommen
- Keramik
- Alle Fundplätze neben slawischer Tonware auch
geringe Anteile früher Kugeltopfware
- Fortbestand der Besiedlung bis um Mitte 13. Jh.
- Stiftungsurkunde von Kloster Broda bei
Neubrandenburg nennt Besitz von Ortschaften in der „Lipiz“ und
einem „Wuzstrowe castrum cum villa“
- Urkunde von 1236 nennt „terra Wostrowe“
- Gräberfeld von Usadel
- Nutzungsdauer: frühes 12. Jh. bis um 1200
G. Reitzubehör (179-181)
- Funde
- 10 Sporen aus Eisen von Hanfwerder, 11/12.-13.
Jh.
- Sporen aus dem Gräberfeld von Usadel, 12. Jh.
und um 1200
- Sattelgestell aus Holz aus Hanfwerder
- Striegelblech aus Hanfwerder, 13. Jh.
Vergleichsfund von der Gesslerburg in Küssnacht / Schweiz
- Hufbeschläge / Hufbeschlag – Hufeisen aus
Hanfwerder
- Steigbügel von der Fischerinsel, 13./14. Jh.
- Striegelblech von der Fischerinsel
- Ringtrense mit einteiligem stangenförmigen
Mundstück aus Kietzwerder
- Zapfenförmiger Buntmetallanhänger aus
Kietzwerder
- Radsporn aus Eisen aus Kietzwerder
- 7 Hufnägel / Hufnagel aus Kietzwerder
- Funde und Lesefunde von Reitzubehör von
Fundplätzen bei Wustrow
- Zwei Horizonte des Reitzubehörs
- Formen mit Parallelen aus dem slawischen
Kulturraum, 12. und frühes 13. Jh.
- Neue Formen ohne Parallelen aus dem slawischen
Kulturraum, 13 Jh.
- Bedeutung des Pferdes
- Reitpferd
- Rituelle Zusammenhänge
H. Handelsgüter und Luxuswaren
(181-186)
- Hanfwerder
- Glasierte Keramik
- Fragmente von Steinzeug
- Keramik der Pingsdorfer Art
- Fragmente von Glasgefäßen
- Gürtelschnallen aus Silber
- Kästchenbeschläge / Kästchenbeschlag
- Silbertauschierte Axt
- Fischerinsel
- Messergriff mit Flechtbandornamentik / Messer
- Bernsteinperle / Perle, Bernstein
- Kretzwerder
- Bergkristallperle / Perle, Bergkristall
- Verbindungen zur westlichen Schriftkultur
- Beigabe von Büchern in zwei Gräbern in Usedal
 |
Ein Buch in
Seidenstoff gewickelt |
 |
Buchschließen
erhalten |
- Funde vom Marktverkehr auf der Fischerinsel
- Fundkonzentration von Messern, Spinnwirteln,
Sicheln, Nägeln
- 11 Schlüssel
- Handel mit Pelzen
- Bleibarren / Barren - Blei
- Funde von Tierknochen
- Aufwendige Grabanlagen bis Mitte 12. Jh.
- Grab 100 in Usedal mit einem hölzernen Totenhaus
mit Beigaben von Reitzubehör und Waffen
- Dreiteiliges Holzkammergrab mit Schwertbeigabe
I. Deutung von Reitzubehör
(186)
- Berittene Kaufleute
- Stationierung von Reitern
- Pferdeausrüstung erst im Zuge veränderter
Machtverhältnisse im 13. Jh. mit fremden Herren in die Region gelangt
J. Literatur (187-188)
Kóčka-Krenz , Hanna
<K0265>:
Die Gemmen von der Dominsel in Posen als Zeugnisse der Kulturkontakte des
Staates der Piasten im Frühmittelalter (189-197).
The cameos from the Dominsel
[cathedral island] in Posen as evidence of
the cultural contacts of the Piastic state in the early Middle Ages.
Zusammenfassung
Die archäologischen Untersuchungen der Adam
Mickiewicz-Universität auf der Dominsel zu Posen haben – neben den
Überresten des frühmittelalterlichen Steinpalatiums – vielfältiges
Fundmaterial geliefert. Zu diesen Objekten gehören u.a. zwei Gemmen und ein
einzigartiger Tongegenstand mit Abdrücken eines Siegelrings. Die erste Gemme
[Abb. 2] ist zu den so genannten Alsengemmen zu rechnen, welche abstrakte
Motive zeigen. Die zweite Gemme ist ein ovales Intaglio aus Karneol, das eine
Löwendarstellung abbildet [Abb. 6]. Wahrscheinlich gelangten diese Gemmen um
das 12. Jh. zusammen mit liturgischen Geräten aus Westeuropa nach Posen. Bei
dem dritten Gegenstand handelt es sich um einen Tonbehälter [Abb. 7], der aus
einer Schicht des 11.-12. Jhs. geborgen wurde. Dieser zeigt einen
Gemmenabdruck mit der Darstellung eines Hundes. Der Tonbehälter ist ein
bislang einzigartiger Fund. Insgesamt bezeugen die Objekte enge Kulturbande
des Fürstenhofs in Posen mit Westeuropa im Frühmittelalter und bezeugen
seine wichtige militärische, administrative sowie auch sakrale und
kulturbildende Rolle.
Abstract
The paper deals with some early medieval finds
from Ostrów Tumski [Cathedral Island] in Poznań. Two of them are gems made
of glass [with an abstractive motif] and of karneol [with a lion figure], both
used as a decoration of liturgical objects. The third object was made of clay.
It represents an exceptional container for a seal or a seal-stamp, signed with
the prints of a finger-ring stone with a dog motif. These finds confirm the
cultural relationship of the prince’s court with western Europe and the role
of the Poznań stronghold in the Piast state.
A. Einleitung (189)
- Schriftliche Quellen gering
- Burg Posen im 10. Jh. wichtige Rolle
- Ausgrabungen auf der Dominsel seit 1938, 1946-1961,
seit 1999
- Befunde der Bebauung
- Zahlreiche Kleinfunde, u.a. Gemmen
B. Gemme 1 (189-191)
- Fundort: 1938 Posen, auf dem Platz vor dem Dom, heute
verloren
- Aussehen: ovale Form, lilafarben, Zweischichtenglas
- Herstellung: Intagliotechnik
- Zuordnung: Alsengemme – Typ I c nach M.
Schulze-Dörrlamm, abstraktes Einfigurenmotiv
- Vergleiche
- 2 Gemmen am Godehard-Reliquienschrein, Hildesheim
/ Niedersachsen
- Gemme auf dem Kreuz von Heinrich dem Löwen,
Hildesheim
- Gemme aus Belgorod bei Kiev, 12. Jh. / Ukraine
- Gemme im Zimborium, Lüneburg, 13. Jh. /
Niedersachsen
- Gemme aus dem Rheinland / Nordrhein-Westfalen
- Datierung nach M. Schulze-Dörrlamm zwischen 11. Jh.
und Anfang 13. Jh.
- Herstellungsort: vmtl. Köln / Nordrhein-Westfalen
C. Gemme 2 (191-192)
- Fundort: 2006 Posen, Steinpalatium der Burg
- Aussehen: ovales Intaglio aus Karneol, mit
Darstellung eines Löwen
- Herstellung: Intagliotechnik
- Datierung: späte römische Kaiserzeit
In Kulturschicht des 12. Jhs. zusammen mit Keramik gefunden
- Herstellungsort: vmtl. Rheinland
D. Interpretation der Gemmen
(192-194)
- Fund im kirchlichen oder sepulkralen Kontext
- Vermutlich im 12. Jh. mit liturgischen Geräten aus
Westeuropa nach Posen gelangt
- Gemme 1 vielleicht in der Einfassung von einem
Evangeliar
- Gemme 2 vielleicht von Rückwand von einem
Reliquienschrein
- Weitere Funde von Gemmen aus Polen
- Gnesen, Woj. Großpolen mit Darstellung der
Athena mit Nike auf der Hand, 2.-3. Jh.
- Międzyrzecz, Woj. Großpolen mit
Büste von Gordian III. auf dem Avers und Victoria und Fortuna auf dem
Revers, 3. Jh.
E. Einzigartiger kugelförmiger Tonbehälter mit
Stempelabdruck (194-195)
- Abdruck von einem Siegelring mit der Darstellung von
einem Hund
- Vergleiche
- Gemme am Godehard-Reliquienschrein, Hildesheim
- Deutung: Zerbrochener Verschluß an einem Gefäß,
Eigner nicht zu ermitteln
F. Schlussbetrachtung
(195-196)
- Objekte bezeugen enge Kulturbeziehungen des
Fürstenhofs in Posen mit Westeuropa im Frühmittelalter
- Posen mit wichtiger militärischer, administrativer
sowie auch sakraler und kulturbildender Rolle
G. Literatur und Quellen
(196-197)
Kirsch , Eberhard <K0254>:
Ein keulenkopfförmiges Steingerät mit romanischer Ornamentik
vom Schlossberg zu Gützkow, Lkr. Ostvorpommern (199-206).
A stone implement in the form of a macehead with
Romanesque ornaments
from the Schlossberg [castle hill] at
Gützkow, of Ostvorpommern.
Zusammenfassung
Anhand eines Altfundes aus dem Märkischen
Museum Berlin, einem keulenkopfförmigen Steingerät vom Schlossberg bei
Gützkow, können einige Aspekte der mittelalterlichen Geschichte Pommerns um
1200 beleuchtet werden. Die reiche Ornamentik des Gerätes weist stilistische
Bezüge insbesondere zur romanischen Bauplastik Dänemarks auf. Das Fundstück
unterstreicht, dass mit dem dänischen Anspruch nach Vorherrschaft in dieser
Region auch eine kulturelle Einflussnahme einherging. Außerdem werden
Beispiele dafür vorgestellt, dass auch nach dem Rückzug der Dänen infolge
der Schlacht von Bornhöved 1227 stilistische Traditionen des nordischen
Kulturraums nachwirkten.
Abstract
A mace head shaped stone object from the
collection of Märkisches Museum Berlin, found long time ago on the slavic
stronghold at Gützkow, illustrates some interesting aspects of the medieval
history of Pomerania. The rich ornamentation of the object finds analogies in
the Romanic building art of Denmark. The artefact shows, that Northern cultural
influences had an effect in context with the expansion of Danish power to
Pomerania. There are given also some examples for Danish traditions still
existing after the battle of Bornhöved 1227.
A. Einleitung (199)
- Befunde und Funde aus spätem Mittelalter 1878 von E.
Friedel [1837-1918] bei Ausgrabungen am Schlossberg in Gützkow gefunden
- Aufbewahrungsort der Funde: Märkisches
Provinzialmuseum Berlin
B. Erhaltene Funde (199-204)
- 2 Fragmente von Bechern aus 14./15. Jh.,
Typ mit dreieckiger Mündung und abgesetzter Fußplatte mit Wellenbändern
/ Wellenband
- ‘Kunkelstein’, Keulenkopfförmiges Steingerät
mit Ritzornamenten / geritztem Blattornament und Durchbohrung in der Mitte
- Material: Kalkstein – vmtl. Ostseekalk
- Verwendungszweck: unbekannt
- Vergleiche zu Form und Ornament
 |
Steingerät des
11./12. Jhs. aus Daugmale / Lettland |
 |
Taustabornament
an dänischen und pommerschen Kirchen |
 |
Kugelförmiger
Knauf von Bischofsstab oder Abtstab |
 |
Formale
Ähnlichkeit mit Kugelknauf von aus Holz gedrechseltem
Thronsessel |
 |
Ähnliche
Ausformung bei Osterleuchter aus Stein oder Marmor
Vergleiche in Kloster Jerichow / Sachsen-Anhalt bzw. in
Königslutter / Niedersachsen |
 |
Blattranke
Vergleiche: Kugelstachelsporn aus Prenzlau / Berlin
Dolchscheibe von Nierendolch vom Rugard auf Rügen /
Mecklenburg-Vorpommern
Taufbecken von Husby und Rieseby / Schleswig-Holstein |
 |
Zeitstellung und
Verbreitung des Ringkettenornament |
C. Fazit (204)
- Nachweis weit reichender politischer und kultureller
Beziehungen
- Beginn der Christianisierung
D. Quellen und Literatur
(205)
Gringmuth-Dallmer , Eike
<G0059>:
Adel im Abseits ?
Beobachtungen zur Lage niederadliger Befestigungen in Mecklenburg-Vorpommern
(207-215).
Aristocracy at the margins ?
Observations on the location of fortifications of the lower aristocracy in
Mecklenburg-Vorpommern.
Zusammenfassung
Gegenüber den „klassischen“
Burgenlandschaften des Mittelgebirgsraumes weist Nordostdeutschland im hohen
Mittelalter einige Besonderheiten auf, die insbesondere aus der fehlenden
Möglichkeit einer „Vertikalisierung“ resultieren, aber auch aus dem
generellen Bruch der historischen Entwicklung, den die Ostsiedlung mit sich
brachte. Insgesamt aber zeigen sich weitgehende Übereinstimmungen. Der
Ortsadel hat sich vornehmlich in den Dörfern bzw. an ihrem Rand
niedergelassen. Das geschah teils in bestehenden Dörfern, in anderen Fällen
scheinen Dorf und Befestigung gleichzeitig errichtet worden zu sein. Ortsferne
der Anlagen lässt sich nur bei der Weiternutzung slawischer Burgen, der
Zugehörigkeit zu einer Wüstung oder bei einer anderen Funktion, z.B. als
Wartturm, mit einiger Sicherheit erklären. Hingegen ist die andernorts
vielfach belegte bewusste räumliche Absonderung des Adels in einigen Fällen
zwar möglich, aber nicht zu beweisen.
Abstract
Contrary to the “classical” hillfort landscape
in the low mountain regions, in Northeastern Germany during the High Middle Ages
we find some peculiarities resulting from the impossibility of “verticalization”
and the historical development caused by settling the East; but in all the
features are corresponding. In most cases the local gentry settled down within
an already existing village or at its outskirts, but in some cases obviously
village and hillfort were erected at the same time. Hillforts built in a
distance to the village can be explained with some certainty only by continuing
settling in a former Slavonic hillfort, as a part of a now deserted village, or
when used for example as a watchtower. In other regions often an intentional
physical distance of the gentry can be stated; in Northeastern Germany this also
may be true in some cases, but there is no clear evidence.
A. Einleitung (207-209)
- Burgen in Norddeutschland fehlt die Möglichkeit zur
Anlage von Höhenburgen
- Einzelne Formen von Burgen
- Burghügel
- Turmhügel - Motte
- Kemlade
- Befestigtes Herrenhaus
- Befestigter Hof
- Turmhügelburg – Bergfried
- Unbefestiger Herrensitz
- Kurze vergleichende Vorstellung der Publikationen
über Burgen in verschiedenen Gebieten
- Niederadlige Befestigungen in Mecklenburg-Vorpommern
- [ 1] Karchow
- [ 2] Detershagen
- [ 3] Schmarsow
- [ 4] Feldberg
- [ 5] Kittendorf
- [ 6] Schwanbeck
- [ 7] Weitin
B. Die Lokalisierung der Anlagen
(209)
- Altkreis Altentreptow, Demmin, Anklam
- 37 Anlagen im Ortsbereich
- 11 Anlagen ortsfern
- Wittenburg, Boizenburg
- 33 Anlagen im Ortsbereich
- 11 Anlagen ortsfern
- Westliches Mecklenburg
- 97 Anlagen im Ortsbereich
- 8 Anlagen ortsfern
C. Der „Normalfall: Die Ansiedlungen des Ortsadligen im
Dorf oder am Ortsrand (209-210)
- Karchow, Lkr. Müritz
- Alt Kentzlin, Lkr. Demmin
- Faulenrost, Lkr. Demmin
- Dammereez, Lkr. Ludwigslust
- Ihlenfeldt, Lkr. Mecklenburg-Strelitz im Land
Stargard
- Helpt, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
- Eickhof, Lkr. Güstrow
D. Anlagen ohne direkte Verbindung zu bestehenden Dörfern
(210-214)
- Weiternutzung slawischer Burgwälle / Burgwall
- Neu Canow, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
- Marnitz, Lkr. Parchim
- „Duggenkoppel“ bei Detershagen, Lkr. Bad
Doberan
- „Schlossberg“ im Park von Göhren, Lkr.
Mecklenburg-Strelitz
- Besitz, Lkr. Ludwigslust
- „Tempelberg“ bei Woddow, Lkr. Uckermark
- Teßmannsdorf, Lkr. Bad Doberan
- Topografisch bestimmte Anlagen
- Osten bei Schmarsow, Lkr. Demmin, Insel
- Neverin, Lkr. Mecklenburg-Strelitz , Halbinsel
- Zu Wüstungen gehörende Anlagen
- Burg Cumerovve bei Wodarg, Lkr. Demmin
- „Telliner Hof“ bei Lindenberg, Lkr.
Mecklenburg-Strelitz
- Wüstung Merchrade bei Grünhof, Lkr. Ludwigslust
- Wüstung Panitz bei Banzin, Lkr. Ludwigslust
- Ortsferne als Ausdruck bewusster Separierung des
Adels [?]
- Quitzenow, Lkr. Güstrow
- „Schlauchburg“ bei Gut von Drönnewitz, Lkr.
Ludwigslust
- „Schlossberg“, Gemarkung Dümmer, Lkr.
Ludwigslust
- „Oll Hoff“ bei Kittendorf, Lkr. Demmin
- Andere Funktionen
- Turmburg bei Schwanbeck, Lkr.
Mecklenburg-Strelitz , Grenz- und Straßensicherung
- Gothmann, Lkr. Ludwigslust, Sicherung
Elbübergang / Elbe
- Weitun, Neubrandenburg, Sicherung vom Kloster
- „Salzburgen“ bei Neukirchen, Lkr. Güstrow,
Schutz der Salzquellen und Töpfereien
- Fehlinterpretationen
- Turmhügel bei Neu Nieköhr/Walkendorf, Lkr.
Güstrow Ofen einer Glashütte
- Außenwall im Gutsbereich von Alt-Schwerin, Lkr.
Güstrow Basis für Pavillon
E. Literatur (214-215)
Olesen , Jens E. <O0034>:
Dänische Strategie in den wendischen Kreuzzügen (217-224).
Danish strategy during the Wendish crusades.
Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht die dänische Politik
gegen heidnische slawische Stämme in der 2. Hälfte des 12. Jhs. Unter dem
Dänenkönig Waldemar I. wurde zunächst Rügen erobert, unter seinem Sohn und
Nachfolger König Knut VI. gelangte Vorpommern bis zur Oder unter dänische
Herrschaft. Mit ihren Verbündeten [besonders dem Sachsenherzog Heinrich dem
Löwen] entwickelten sie im Verlauf mehrerer Kriegszüge eine bestimmte
taktisch-strategische Vorgehensweise: Verwüstung des feindlichen Landes unter
Vermeidung von Belagerungen und allgemeine Schwächung der Slawen, Errichtung
von Brückenköpfen / Brückenkopf wie Stettin und Wolgast. Mit der
Missionierung der heidnischen Bevölkerung und der Gründung von Klöstern
festigte sich die dänische Herrschaft über Rügen und Pommern.
Abstract
This article investigates the Danish policy
against the pagan Slavonic tribes in the course of the 12th century A.D. The
Danish king Waldemar I conquered the isle of Rugen, in the reign of his son king
Knut VI western Pomerania up to the river Oder became Danish. With their allies
[esp. the Saxon duke Henry the Lion] in the course of several military
expeditions they developed a certain strategy: devastation of the enemies’
country and avoiding siege of fortified places as well as weakening the Slavs in
general, establishing bridgeheads like Stettin and Wolgast. The Danish
predominance in Rugen and western Pomerania was consolidated by Christianisation
of the pagan Slavs and the founding of monasteries.
A. Plünderungs- und Eroberungszüge der Dänen in
Norddeutschland (217)
- Dänische Gegenreaktion auf wendische Angriffe
B. Taktik der Dänen
(217-222)
- Schneller Überfall, Verwüstung des eroberten Landes
- Plünderungen von Arkona auf Rügen, slawisches
Hauptheiligtum
- Errichtung von Brückenköpfen wie Stettin / Polen
und Wolgast / Mecklenburg-Vorpommern
- Bündnis der Dänen mit Heinrich dem Löwen
wechselhaft
- Eroberung von Rügen und Odergebiet
- Christianisierung der eroberten Gebiete
- Bündnis mit Kaiser Friedrich Barbarossa
- 1185 wird Knut VI. König der Dänen und Wenden
- Bau von Befestigungen und Turmburgen
C. Taktik der Slawen
(222-223)
- Angriffe gegen die Sachsen
- Heinrich der Löwe wiegelt die Slawen zu Raubzügen
gegen Dänemark auf
- Bündnisse der Pommernherzöge mit Heinrich
- Verlassen und Niederbrennen der eigenen Siedlungen
D. Literatur (223-224)
Escher , Felix <E0075>:
Brandenburgische Burgen und ihr Zubehör –
Gedanken zum Burgenverzeichnis im Landbuch von 1375
(225-230).
The castles of Brandenburg and their fittings –
Thoughts on the castle inventories in the Landbuch
of 1375.
Zusammenfassung
Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375
gehört zu den großen urbarialen Quellen zur Geschichte des östlichen
Deutschlands. In dem Werk sind vor dem Dorfregister Aufzeichnungen über die
Einnahmen des Landesherrn vorangestellt. Dazu gehören Verzeichnisse der
Einnahmen aus Burgen und Städten. Die Verzeichnisse sind in der Kanzlei des
Markgrafen – zu dieser Zeit Karl IV. – erstellt worden. Die Mehrzahl der
in dem Verzeichnis der Burgen enthaltenen Befestigungen haben noch ein
ländliches Zubehör, manchmal ganze Dörfer. Dies weist auf ihre ältere
Bedeutung als Mittelpunkt eines „Burgwardium“ genannten Komplexes hin. Die
in diesem Kontext genannten Dörfer gehören wie die Burgen der Übergangszeit
von der slawischen zur deutschen Herrschaft [11./12. Jh.] an. Zu ihnen zählt
eine beträchtliche Zahl von Wüstungen.
Abstract
The so-called „Land book“ of the Mark
Brandenburg from 1375 is one of the main sources of history in Eastern Germany.
A registrum of castles and towns precedes in the survey the main record of
villages. All registers were made by the office of the marchio [Markgraf], this
time the German emperor Charles IV. Most of the castles still had their rural
possessions, even whole villages. This hints to the former meaning of the
castles as the centres of a socalled „burgwardium“. The named villages
belong to the age of change between the Slavonic and German domination of the
country [12th/13th century]. There are many deserted villages within that survey.
A. Das Landbuch (225)
- 1375 im Auftrag von Kaiser Karl V. erstellt
- Allgemeiner Teil ‘Rubrum’ mit Burgenverzeichnis
- Hauptteil Dorfregister
B. Burgenverzeichnis nennt Name, Einkünfte und Zubehör
(225-226)
- Teil 1: Allgemeine Übersicht mit Einnahmen aus
Zöllen, Mühlen, Gewässern, Wäldern, Städten
- Teil 2: Übersicht nach Landschaften
C. Altmark (226-227)
- Arneburg
- Tangermünde
- Gardelegen
- Salzwedel
- Schnakenburg
D. Mittelmark (227)
- Köpenick / Berlin
- Trebbin
- Saarmund
- Mittenwalde
E. Havelland (227-228)
- Potsdam
- Spandau / Berlin
- Bötzow [Oranienburg]
F. Barnim (228)
G. Uckermark (228)
- Boitzenburg
- Breten / Breden am Werbellinsee
- Oderberg
H. Prignitz (228)
I. Burgwardverfassung im 12./13. Jh. in die vormals
slawischen Gebiete übertragen (228-229)
J. Literatur (229-230)
Ribbe , Wolfgang <R0159>:
Entstehung und Aufgaben einer brandenburgischen Landvogtei (231-236).
The origins and duties of a rural Vogtei in
Brandenburg.
Zusammenfassung
Die aus der slawischen Burgwardverfassung heraus
entwickelten Vogteien gliederten sich in Beritte und bildeten zusammen
[innerhalb der „terrae“] eine mittlere Verwaltungsebene, die im
Wesentlichen für die wirtschaftliche und finanzielle Ausstattung der
Landesherrschaft und des markgräflichen Hofes zuständig war. Mit der
fortschreitenden Veräußerung landesherrlichen Besitzes sind mehrere Vogteien
zu Landvogteien zusammengeschlossen worden. Sie bildeten die Grundlage für
die frühneuzeitliche Kreisverfassung. Auch die gegenwärtigen Landkreise und
ihre Vorgänger im 19. und 20. Jh. gehen – trotz abweichender äußerer
Gestalt, verfassungsrechtlicher Struktur und politischem Aufgabenbereich –
historisch gesehen auf die mittelalterlichen Burgwarde und Vogteien zurück,
lehnen sich aber namentlich teilweise an die mittelalterlichen „terrae“
an.
Abstract
The Vogteien, developed from the Slavonic
constitution of the Burgwarde, were subdivided into Beritte and formed together
a middle level of administration within the terrae. They were essentially
responsible for he economic and financial provisions of the sovereign and the
margravial court. In the course of progressing alienation of the property of the
sovereigns, a lot of Vogteien were merged to Landvogteien, forming the basis for
the constitution of the administrative districts in the early modern times. From
the historian’s point of view even the present administrative districts and
their predecessors in the 19th and 20th century, in spite of different outward
appearence, constitutional structure and political area of responsibility, go
back to the medieval Burgwarde and Vogteien but follow partly the names of the
medieval terrae.
A. Burgwardverfassung
(231-232)
- Umwandlung der Burgward-Bezirke des 10. Jh. in
Vogteien und Vogtei-Berzirke im 12. Jh.
- Neugründungen von Vogteien
- Umwandlung der Vogteien und Landvogteien bzw.
Landeshauptmannschaften im 14 Jh.
- Vogteiverbindungen
B. Ständiger Prozeß der Vergrößerung der
Verwaltungseinheiten (232)
- Rückgang der Einkünfte
- Askanische Landesteilungen
C. Quellen (232-235)
- Landbuch von 1375
- Register eines wittelsbachischen Vogtes, 1340-1345 /
1346
- Neumärkisches Landbuch von 1337
- Hohenzollersche Schloßregister, 2. Hälfte 15. Jh.
- Hofrechnungen der Wittelsbacher
- Marquard von Lauterbach
- Peter von Trautenberg
D. Literatur (235)
Rahde , Stefan <R0160>:
Von der Burg zum Schloss –
Die Wolgaster Residenz der Pommernherzöge an der
Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit (237-246).
From castle to palace –
The residence of Pomerania’s dukes in Wolgast at the threshold from the
Middle Ages to the modern period.
Zusammenfassung
Der vorliegende Artikel befasst sich mit dem
Übergang in der Entwicklung von der mittelalterlichen Burg zum
frühneuzeitlichen Repräsentationsbau um 1500 am Beispiel des
Bogislaw-Flügels des Wolgaster Herzogsschlosses auf der Schlossinsel im
Peenestrom [Mecklenburg-Vorpommern]. Für die Wolgaster Schlossinsel kann eine
fast 550-jährige Platzkontinuität als Herrschafts- und Verwaltungszentrum
angenommen werden. Diese reicht vom slawischen Burgwall des frühen 12. Jhs.
über die Steinburg, spätestens seit dem 14. Jh. fassbar, hin zur
frühneuzeitlichen Residenz der Herzöge der Pommern-Wolgaster Line. Mit der
Errichtung des dreigeschossigen Bogislawflügels im Nordwesten des
Burgrondells im Jahre 1496 löste sich Bogislaw X. vom Randhausburgkonzept und
initiierte den frühen Schlossbau in Pommern. Die Formensprache des Neubaus
war jedoch noch spätgotisch, ähnlich dem Südflügel des Stettiner
Schlosses, ebenfalls durch Bogislaw X. veranlasst, oder dem Westflügel des
Wismarer Fürstenhofes. Unter Bogislaws Nachfolgern Philipp I., Ernst Ludwig
und schließlich Philipp Julius erhielt das Wolgaster Schloss sein
Renaissancegepräge, wie es in der Stralsunder Bilderhandschrift, der
Lubinschen Karte von 1618 und den Merianstichen wiedergegeben ist. Nach dem
Westfälischen Frieden gehörte Wolgast zum schwedischen Landesteil. Vor allem
der schwedische Generalgouverneur Karl Gustav Wrangel trieb in den 50ern und
60ern des 17. Jhs. Reparatur- und Umbaumaßnahmen am Wolgaster Schloss voran,
um hier die schwedischen Landesbehörden zu konzentrieren. Nach den
Zerstörungen durch die brandenburgische Belagerung 1675 und dem Tod Wrangels
1676 wurde der Schlosskomplex von der schwedischen Provinzialregierung
aufgegeben. Die Stadt Wolgast versuchte in der Folgezeit der Schlossinsel
habhaft zu werden und die Bevölkerung nutzte die Schlossruine zur
Baumaterialgewinnung.
Abstract
This article deals with the transition from a stronghold to a representative
palace on the example of the “Bogislav-Flügel” [Bogislav-Wing] of Wolgast
Castle on the Peene-river with a focus on the late 15th and early 16th
century. A spatial continuity of almost 550 years can be assumed for the centre
of government and administration on the Schlossinsel, from an early 12th
century Slavic stronghold and a 14th century German castle to the
early modern residence of the Greifen-dynasties Wolgast branch. In 1496 Bogislav
X. initiated the construction of the 3-story “Bogislav- Flügel” on the
north-western side of castle-complex, thereby not only breaking the traditional
setup of said complex, but also introducing representative palace building style
to Pomerania. The „Bogislav-Flügel“ still beared late-gothic traces, much
like the contemporary southern wing of Stettin castle or the court of the Henry
V., Duke of Mecklenburg, in Wismar. Under Bogislav’s successors Phillip I.,
Ernst Ludwig and Philipp Julius, the rest of the medieval castlecomplex was
rebuilt as a palace integrating medieval components. The end of this process saw
the renaissance- castle, as it is depicted in the “Stralsunder
Bilderhandschrift”, Lubin’s map of 1618 or the four prints of Merian. From
1648 on, Wolgast was part of the swedish domain. After repairs in the 1650s and
1660s the buildings served as the center of administration for Swedish Pomerania.
After Carl Gustav Wrangel’s death and the siege by brandenburgian forces in
1675, it lost its status as the seat of government. The badly damaged castle was
now completely abandoned. While the town of Wolgast tried to get hold of the
newly free real estate, its citizens enjoyed the vast supplies of cheap building
materials.
A. Wolgaster Schlossinsel fast 550-jährige
Platzkontinuität als Herrschafts- und Verwaltungszentrum
(237-239)
- 10. Jh. slawische Besiedlung
- 12. Jh. Herrschaftszentrum und slawisches Heiligtum
- Erwähnung in der Slawenchronik von Helmold von
Bosau
- 1128 Otto von Bamberg [um 1065-1139] veranlasst
den Abbruch vom slawischen Tempel
für den Kriegsgott Gerovit und Bau einer Kirche, Vorgängerbau der
heutigen Petrikirche
- Slawischer Burgwall auf der Schloßinsel, frühes 12.
Jh., kaum Reste erhalten, da beim Bau der Burganlage abgerissen
- Deutsche steinerne Burganlage aus dem 14. Jh. auf
slawischem Burgwall
B. Übergang in der Entwicklung von der mittelalterlichen
Burg zum frühneuzeitlichen Repräsentationsbau um 1500
(239-243)
- 1496 Spätgotischer dreigeschossiger Neubau an
Nordwestseite durch Bogislaw X. [1454-1523]
- Rekonstruktion nach Plänen und Zeichnungen möglich
- Vergleich mit dem Umbau vom Südflügel des Schlosses
in Stettin / Polen, ebenfalls durch Bogislaw X. veranlasst
C. Renaissance-Schloß durch Philipp I., Ernst Ludwig und
Philipp Julius (244)
- Aussehen auf Stralsunder Bilderhandschrift,
Lubinschen Karte, 4 Stiche von Merian
- Eigenständiges Hofgericht
- Herzogliches Archiv
D. Nach dem Westfälischen Frieden gehörte Wolgast zum
schwedischen Landesteil (244-245)
- Repartur und Umbau durch schwedischen
Generalgouverneur Karl Gustav Wrangel [1613-1676] in den 50ern und 60ern
des 17. Jhs.
- Nach Zerstörungen durch die brandenburgische
Belagerung 1675 und dem Tod Wrangels
- 1676 Schlosskomplex von der schwedischen
Provinzialregierung aufgegeben
- Verkauf des Schlosses
- 1840er Jahre: Abbruch der Schloßruine, Errichtung
von einem Getreidespeicher
E. Quellen (245)
F. Literatur (245)
Thümmel, Hans Georg <T0098>:
Usedomer Urkunden (247-256).
Charters from Usedom.
Zusammenfassung
Vorgelegt werden drei Urkunden von 1422 / 1423,
die sich auf die Memorie der Stifter des Klosters Grobe auf Usedom beziehen.
Genannt sind zwei Orte in und bei Usedom.
Abstracts
The article presents three documents from 1422 /
1423 concerning the memory of the founders of the monastery Grobe/Usedom. The
documents mention two localities in and near Usedom.
A. Ausgangssituation
(247-248)
- 1150 Gründung vom Prämonstratenkloster [Grobe]
durch Herzog Ratibor I. und seiner Frau Pribislawa
- 1184 Verlegung des Klosters an den Marienberg durch
Bogislaw beschlossen
- Verlegung aber nicht durchgeführt
- Dafür Errichtung von zwei Memoria in und bei
Usedom
- 1307-1309 Verlegung des Klosters nach Pudagla [Pudglove]
B. Drei Urkunden [lateinischer
Text mit deutscher Übersetzung] (248-256)
- Landesarchiv Greifswald, Rep. 1, Pudagla, Nr. 199
(248-250)
- 27.8.1422 Stiftung für eine Maria, Sabinus und
Godehard geweihte Kapelle durch
zwei Priester, die Brüder Konrad und Marquard Slutow, im alten
Kloster bei Usedom
- Landesarchiv Greifswald, Rep. 1, Pudagla, Nr. 200
(250-252)
- 10.9.1422 Bestätigung der Stiftung durch Bischof
Magnus mit einem Transsumpt
- Landesarchiv Greifswald, Rep. 1, Pudagla, Nr. 202
(252-256)
- Bischof Magnus stellt fest, daß die
Stiftermemorie vernachlässigt ist
- Neubau einer Kirche am Platz der Erstgründung
des Klosters
C. Literatur (256)
IV. Städte / Towns
(257-316)
Gläser , Manfred <G0111>:
Die frühen Siedlungen auf dem Lübecker Stadthügel (257-269).
The early settlements on Lübeck’s town hill.
Zusammenfassung
Lübeck ist die mit Abstand älteste deutsche
Stadtgründung an der Ostsee und entwickelte sich im 13./14. Jh. zur
mittelalterlichen Großstadt und zur „Königin der Hanse“. Die Stadt und
ihre Strukturen gelten als beispielhaft und normbildend für spätere
Stadtgründungen. Von besonderer Bedeutung sind somit die ersten Jahrzehnte
der Stadtentwicklung. Seit rund 150 Jahren beschäftigt sich die
Geschichtswissenschaft mit den so genannten Gründungssiedlungen. Dies führte
zu sehr kontroversen Thesen, die nunmehr, nach mehr als 50 Jahren
Stadtarchäologie, überprüft werden können. Wenn auch die Lokalisierung der
schauenburgischen Siedlung von 1143 noch nicht überzeugend gelungen ist,
besteht doch kein Zweifel, dass sich der Siedlungskern spätestens der
welfischen Neugründung von 1158 / 1159 im Bereich zwischen Hafen und Markt /
Marienkirche befand, also im so genannten Gründungsviertel. Die Stadt dehnte
sich anschließend zunächst nach Osten bis an die Wakenitz aus, erst im
frühen 13. Jh. werden die Siedlungen südlich der Burg und nördlich des Doms
einbezogen.
Abstract
Being by far the earliest German foundation of a
town at the Baltic Sea, in the course of the 13th/14th
centuries A.D. Lübeck became a medieval city – the “Queen of the Hanseatic
League”. This city and its structures are regarded as a standard for later
foundations of towns, so the first decades of its development are of special
importance. Since about 150 years historians are studying the so-called
Gründungssiedlungen [earliest settlements] resulting in a great number of very
controversial theses, which now – after 50 years of urban archaeology – can
be examined. Although up to now the settlement of 1143 founded by the
Schauenburgians could not be localized clearly, without doubt the centre of the
Welfic foundation in 1158 / 1159 was situated in the area between harbour and
market/Church of St Mary, i. e. in the so-called Gründungsviertel. During the
following years the city spread to the east to the banks of the river Wakenitz.
Only in the early 13th century the settlements in the south of the fortress and
in the north of the cathedral were integrated.
A. Einleitung (257-259)
- Schriftquellen
- Chronik von Helmold von Bosau
- Chronik von Arnold von Lübeck
- Urkunden weltlicher und kirchlicher Fürsten
 |
Barbarosa-Privileg
von 1181 / 1188 |
B. Urlandschaft vor der Besiedlung
(259)
- Lage der Erstgründung nach Helmold: Halbinsel von
Wakenitz und Trave umgeben
- Geologische Bohrungen und Tiefbaumaßnahmen im 20.
Jh.
C. Vorgeschichtliche und frühgeschichtliche Besiedlung
(259-261)
- Besiedlung im Neolithikum durch zahlreiche Funde im
Burgkloster nachgewiesen
- Funde aus der Bronzezeit und vorrömischen Eisenzeit
- Befunde vom Stadthügel in situ aus der jüngeren
Bronzezeit, Grabung Dr.-Julius-Leber-Straße
- Älteste Befestigungsanlage aus römischer Zeit
- Slawischer Vorläufer, „Alt-Lübeck“ am
Zusammenfluß von Schwartau und Trave 6 km flußabwärts
- Slawische Scherben auf der Lübecker Halbinsel
- Größter Anteil aus dem 8.-10 Jh., nur 4% aus
dem 11./12. Jh.
- Bedeutung: Bericht von Helmold nicht richtig
- Slawische Befunde und Funde außerhalb der Burg im
suburbium, Grabung seit 1998
D. Die Gründungssiedlungen von 1143 und 1158
/ 1159 (261-264)
- Gründe für Fehlen von archäologischen Funden
zwischen 1143 und 1159
- Grabungen im „Kaufleuteviertel“ in der 1980er und
1990er Jahren,
vier aufeinander folgende Siedlungsperioden Mitte bis Ende 12. Jh.
- Periode 1: gartenwirtschaftliche Nutzung
- Periode 2-3: 1-4schiffige Pfostenbauten,
Nebengebäude, Blockbauten, Abfallgruben, Brunnen
- Periode 4: Ständerbauten auf Schwellen, Keller,
Öfen / Ofen
 |
Dendrochronologie:
um 1180 bis 1188 |
E. Die Burg (264-266)
- Schriftliche Erwähnung: 1147 von Helmold und 1217
von Detmar
- Umwandlung in ein Dominikanerkloster
- Bestätigung einer deutschen Burganlage durch
archäologische Ausgrabungen 1976 und 1986
- Graben- und Wallsystem mit Tor und Erdbrücke
- 3 Pfostenbauten
- Holzkastenbrunnen, Datierung nach
Dendrochronologie: 1155 / 1156
F. Der Hafen (266-267)
- Sicherung des Ufers durch Pfähle, Datierung nach
Dendrochronologie: um 1157 und um 1195
- Backsteinmauer, evtl. von Stadtmauer
- Holzhäuser / Holzhaus, Datierung nach
Dendrochronologie: um 1184, um 1195, um 1201
- Bohlenweg, Datierung nach Dendrochronologie: um/nach
1187
- Funde aus Handel und Fischerei
G. Ausblick (267-268)
- Dichte Bebauung mit Backsteinhäusern im 13. Jh.
H. Quellen und Literatur
(268-269)
Schneider , Manfred <S0248>:
Archäologie im Lübecker Gründungsviertel –
Fragestellungen, Chancen und Perspektiven neuer Großgrabungen (271-282).
Archaeology in Lübeck’s founding quarter –
Questions, opportunities and perspectives of new large-scale excavations.
Zusammenfassung
Im so genannten Gründungs- oder
Kaufleuteviertel der Hansestadt Lübeck [Schleswig-Holstein], zwischen
Traveufer und Marienkirche, werden im Rahmen einer städtebaulichen Neuordnung
des historischen Zentrums der Stadt voraussichtlich ab 2008 wieder
großflächige archäologische Untersuchungen notwendig. Diese schließen an
die vor über 20 Jahren begonnenen Ausgrabungen auf den 1942 durch eine
Bombardierung zerstörten Flächen an. Damit besteht die letzte Chance zur
umfangreichen archäologischen Dokumentation, Erfassung und Auswertung von
Befunden zur Entstehung der ältesten deutschen Stadt an der Ostsee, die als
beispielgebend für die späteren Stadtgründungen an der Ostsee gilt. Der
Beitrag referiert die bisherigen Ergebnisse der Altgrabungen und diskutiert
die Chancen, Fragestellungen, Risiken und Perspektiven neuer umfangreicher
Großgrabungen, die mit über 30 historischen Parzellen weit über den Umfang
der früheren Grabungen hinausgehen werden. Die Ergebnisse besitzen zentrale
Bedeutung für die Archäologie des nordeuropäischen Städtewesens des 12.
und 13. Jhs..
Abstract
The town planning of today’s city of Lübeck
[Schleswig-Holstein] with the construction of new buildings concerns the
historical centre, the so-called “Gründungsviertel” [earliest quarter]
between the banks of the river Trave and the Church of St Mary with its
centuries-old houses and cellars preserved in the ground. Probably in 2008 in
this area large-scale archaeological excavations will be necessary continuing
the archaeological research which started here 20 years ago in the properties
destroyed by the air raids of 1942. This is our last chance to document the
beginnings of the earliest German town at the Baltic Sea which later on became
the standard for the foundation of other towns at the southern coast of the
Baltic Sea. The article reviews the results of the excavations of the 1980s and
1990s and discusses perspectives of the future large-scale excavations which
with more than 30 historical properties will exceed by far the area of the
former excavations. The results will be of great importance for the archaeology
of northern European towns of the 12th and 13th centuries.
A. Neuplanung des Gründungs- oder Kaufleuteviertel
(271-275)
- 1942 Zerstörung des Viertels
- Abbruch der Nachkriegsbauten vorgesehen
- Einteilung der Siedlungsgeschichte in 7 Perioden vom
12.-20. Jh.
- Periode 1-4: Holzbauten des
Gründungsjahrhunderts ab Mitte 12. Jh.
- Periode 5-7: Backsteingebäude seit dem frühem
13. Jh. mit Veränderungen
B. Grabungen (275-176)
- Altgrabung 1985-1990: 2.000 qm
- Grabung 2008 geplant: 8.000 qm
- Stratigraphie von 6-8 m anzunehmen
- Mehrere 100.000 Einzelfunde zu erwarten
- Schriftquellen über Grundstücke und Parzellen –
Oberstadtbücher / Oberstadtbuch ab 1284
C. Fragestellungen und Ziele
(276-280)
- Vergleich mit Ergebnissen der Altgrabung
- Untersuchung der slawischen und deutschen
Kontinuität der Besiedlung
- Vergleich mit der Entwicklung anderer
Stadtgründungen
D. Literatur (280-282)
Müller , Joachim <M0146>:
Neuen Fragen auf der Spur –
Stadtarchäologie in Brandenburg an der Havel seit 1991 (283-300).
On the trail of new questions –
Urban archaeology in Brandenburg on the Havel since 1991.
Zusammenfassung
Seit 1991 wurden im Stadtkern von Brandenburg
[Brandenburg] an der Havel hunderte archäologischer Untersuchungen
durchgeführt, die sich auch an den Thesen von K. Grebe, W. Schich und G.
Mangelsdorf orientierten. Bestätigt wurden deren Überlegungen zur frühen
Topographie und zu den Vorgängersiedlungen. Darüber hinaus zeigten sich eine
gezielte, einheitliche Stadtplanung und ein schneller Ausbau beider Städte in
der Zeit um 1200, die wohl schon damals in ihrem vollen Umfang angelegt worden
und gleichzeitig in bisher unbekanntem Maße durch Wege und Brücken in das
überregionale Verkehrsnetz eingebunden wurden.
Abstract
Since 1991 were made hundreds of archaeological
documentations in the town of Brandenburg [Brandenburg], which followed the
considerations of K. Grebe, W. Schich and G. Mangelsdorf. Concerning the
questions of early topography and older settlements their hypotheses were mostly
approved. In addition, archaeological research suggest a systematic
city-planning and a rapid development around 1200 A.D. It seems, that both towns
have been built at once in their later extent. At the same time they were
integrated in the road-network by new-built ways und bridges.
A. Einleitung (283-284)
- Bedeutung von Brandenburg an der Havel
- Hevellische Hauptburg in der slawischen Epoche
- Zentralort von Landesaubau und Christianisierung
- Städtisches Zentrum der Mark Brandenburg
- Zahlreiche archäologische Untersuchungen in Zuge von
Baumaßnahmen zwischen 1991-2007
B. Dominsel (284-285)
- Petrikapelle Nachfolger der Burgkapelle 1. Hälfte
12. Jh.
- Einnahme der Burg Albert den Bären 1157
- Neue Ausgrabungen
- Friedhof
- Spiegelburg
- Bauten östlich der Klausur aus dem späten
Mitelalter
 |
Warmluftheizung |
 |
Fußboden aus
Tonplatten |
- Spuren frühslawischer Besiedlung, fünfphasige
mittelslawische Burg des 10. Jhs.
- Barocke Kurien
C. Vorgängersiedlungen: Burgsiedlung und “civitas
Parduin”, Deutsches Dorf und Luckenberg
(285-289)
- Parduin, auf natürlicher Halbinsel gelegen
- Nachweis einiger Gruben mit spätslawischen
Scherben [„Übergangsware“]
- Grubenhaus mit Kuppelofen
- Deutsches Dorf, gehöftartige lockere Siedlung
- Holzkastenbrunnen
- Einzelgebäude und Keller
- Luckenberg, aus Quellen bekannte Ortswüstung
D. Gründungstadt oder gewachsene Stadt ?
(289-290)
- Vorgängersiedlungen vorhanden
- Hinweise auf Markgrafenhof
- Teilweise städtische Bebauung bereits im 13. Jh.
E. Die planmäßige Anlage der Neustadt
(290-292)
- Systematische Planung zum Stadtausbau
- Beibehaltung der Straßenführung
F. Stadtgrenze und Stadtbefestigung der Neustadt
(292-293)
- Ältere Stadtbefestigung
- Neue Stadtmauer aus Backsteinen auf der Landseite im
14. Jh.
- Neue Stadtmauer aus Backsteinen und Mühlenturm auf
der Wasserseite im 15. Jh.
G. Die planmäßige Anlage der Altstadt
(293)
- Weniger regelmäßig als die Neustadt, aber ähnlich
- Einteilung der Parzellen geht ins 12. Jh. zurück
H. Stadtgrenze und Stadtbefestigung der Altstadt
(293-294)
- 1209 erster Hinweis auf Befestigung
I. Die Kietze (294-295)
- Altstädtischer Kietz
- Besiedlung schon in der Bronzezeit
- Mittelslawisches Handwerkerquartier
- Domkietz
- Öfen / Ofen zur Eisenverhüttung
- Keine Wohnbebauung
J. Verkehrswege, Dämme, Brücken
(295)
- Befestigungsgräben / Befestigungsgraben 12./13. Jh.
- Mühlendamm
- Im Kern noch mittelalterlich
- Datierung nach Dendrochronologie: um 1236
- Stadtgraben des 13. Jhs.
- Grillendamm
- „Neue Brücke“
- Datierung nach Dendrochronologie: um 1208
K. Was gibt es Neues ?
(295-297)
- Altstadt, Neustadt und Dominsel haben
urgeschichtliche Vorgänger
- Siedlung aus dem Neolithikum in der Neustadt
- Siedlung der Frühbronzezeit im Altstädtischen
Kiez
- Stadtplanung bei Altstadt und Neustadt zu erkennen
- Sekundäre Siedlungsverdichtung
L. Wie geht es weiter ?
(297-298)
- Kontrolle der Baustellen und baubegleitende
Untersuchungen durch die Bodendenkmalpflege
- Rettungsgrabungen durch Grabungsfirmen
- Publikationsstand unbefriedigend
- Errichtung eines „Slawendorf“ zwischen
Nikolaiplatz und Salzhofufer – ABM-Projekt seit 1996
M. Literatur (299-300)
Schmidt , Beatrix <S0401>:
Archäologisch-historische Betrachtungen zum „stedeken“ Prillwitz, Lkr.
Mecklenburg-Strelitz (301-306).
Archaeological-historical reflections on the
small town of Prillwitz, district of Mecklenburg-Strelitz.
Zusammenfassung
Der in den 1240er Jahren genannte Ort Prillwitz
lässt sich anhand archäologischer Funde und Befunde bislang nicht in der
heutigen Ortslage nachweisen. Ein weiter südlich gelegener Platz kommt
aufgrund von Oberflächenfunden und kleineren Untersuchungen in Betracht.
Offenbar haben mit dem Bau der erstmals 1286 erschließbaren Burg
Siedlungstätigkeiten auch an deren Fuße und somit im heutigen Prillwitz
begonnen. Es wurde eine Kirche errichtet und ab 1320 wird Prillwitz als „civitas“
[1320], „stedeken“ [1364, 1408, 1505] und „stadt“ [1366] bezeichnet.
Letztmalig erscheint 1505 der Ort als Städtchen in den schriftlichen
Nachrichten. Prillwitz war sicher bis dahin ein Verwaltungsmittelpunkt für
die ansässige Familie der Peckatels. Mit der Zersplitterung der Besitzung
geht diese Funktion verloren. Typische städtische Merkmale und Strukturen
lassen sich aber vorerst nicht nachweisen.
Abstract
In the 1240s the place-name Prillwitz is mentioned
in written sources, but up to now there is no archaeological trace for this site
in the area of today’s village. Due to field surveys obviously the site was
situated south of the village. In 1286 the hillfort is mentioned first and we
may assume that settlement started in the area of the hillfort and in today’s
village. A church was built and from 1320 on Prillwitz is called “civitas”
[1320], “stedeken” [1364, 1408, 1505] and “stadt” [1366]. Being until
then a centre of administration for the resident family of the Peckatel’s, in
1505 Prillwitz is mentioned in written sources for the last time as a village.
When the Peckatel’s no longer lived here, the village lost its function. Up to
now there are no traces for typical urban structures.
A. Einleitung (301-304)
- Schriftliche Quellen zur „civitas“, „stedeken“
bzw. „stadt“ Prillwitz
- Name taucht in den Urkunden des Klosters Broda
von 1170 und 1244 auf
- Reste einer mittelalterlichen Kirche unter der
bestehenden Fachwerkkirche
- Archäologische Zufallsfunde aus dem 19. Jh.
- Zahlreiche blaugraue Scherben aus dem Mittelalter
- Dreiknubbenkanne und Netzsenker aus Harter
Grauware 2. Hälfte 13. Jh.
- Ausgrabungen 2005 bei Verlegung von Leitungstrassen
- 11 Gruben
- Mehrere Siedlungs- und Planierschichten aus dem
Mittelalter
- Funde aus dem 13./14. Jh.
 |
Armbrustbolzen
aus Eisen |
 |
Steilkamm / Kamm
aus Tierknochen |
 |
Zweizeiliger
Dreilagenkamm |
 |
Schlittknochen
– Schlittschuh |
 |
Knochenknebel –
Knebel |
 |
2 Messer aus
Eisen |
 |
Kalfaterklammer
aus Eisen |
- Keramik
B. Siedlungskontinuität von Prillwitz
(304-305)
- Keine slawische Siedlung Mitte des 13. Jhs.
- Fast keine slawische Keramik
- Ableitung des Namens aus dem Slawischen
- Fundplatzhäufung jungslawischer Keramik ca. 1,2
km SO der Kirche von Prillwitz
- Burg, Dorf, später Stadt Prillwitz im 15. Jh.
C. Prillwitz zur Zeit des Landesausbaus ungeklärt
(305)
- Schmettausche Karte von 1780 mit Plan von Prillwitz
- Direktorialvermessungskarte von 1759
- Bericht von Christian Friedrich Lisch [1801-1883] aus
den Jahren 1837 und 1838
- Prillwitz verliert den städtischen Charakter
D. Literatur (305-306)
Ruchhöft , Fred <R0135>:
Wüstungen auf Stadtfeldmarken –
Ein Kapitel der Stadt-Land-Beziehungen im Mittelalter (307-316).
Deserted medieval settlements on towns’ marches
–
A chapter in the history of relations between town and country in the middle
ages.
Zusammenfassung
Ein nicht zu unterschätzender Anteil der
mittelalterlichen Ortswüstungen geht auf städtische Expansionspolitik
zurück. Besonders wenn sich die Stadt nicht in einem unbesiedelten Gebiet
herausbildete, fielen die ersten Dörfer schon dem Gründungsakt zum Opfer. In
der folgenden Konsolidierungsphase wurden seitens der Städte gezielt
benachbarte Dörfer angekauft, niedergelegt und die Gemarkungen der
Stadtfeldmark angegliedert. Zum einen dienten die zusätzlichen Landflächen
der Sicherung der wirtschaftlichen Grundlagen der Stadt, zum anderen waren die
Bauern willkommene Neubürger. Die Stadtfeldmarken konnten auf diese Weise
einen beträchtlichen Umfang annehmen. Nachdem nun dieser Bedarf gedeckt war,
wuchs die Bedeutung von Landkauf als Kapitalanlage. Es entstanden der
kommunale Kämmereibesitz, aber auch der meist im Lehnsverband verbleibende
bürgerliche Grundbesitz und der Grundbesitz innerstädtischer geistlicher
Institutionen. Zugleich errichteten die ersten Städte noch im Mittelalter auf
ihrem Besitz Pachthöfe. In diesem Zusammenhang entstanden keine Wüstungen
mehr, allerdings konnte noch die eine oder andere bereits aus anderen Gründen
aufgelassene Siedlung in städtischen Besitz kommen.
Abstract
Many medieval deserted villages are the result of
the territorial expansion of the towns. Especially if the town developed in an
already settled territory, villages were teared down while the town was founded.
In the following time of consolidation the towns bought neigbouring villages,
deserted them and integrated their areas to the town fields. These new fields
became parts of the town‘s economic base, and the peasants were welcome as new
town inhabitants. So some town fields became an enormous size. Later the
importance of land as capital investment further developed. The town council,
the urban citizens and urban religious institutions became owners of such fields.
The towns founded farms on their land. In this context no villages were deserted
anymore, but some already deserted settlements could become part of communal
possession
A. Einleitung (307-308)
- Überblick über den Stand der Forschung und der
Publikationen
- Mangel an Arbeiten über Wüstungen in
Mecklenburg-Vorpommern
B. Einteilung der Wüstung
(308)
- Wüstung der slawisch-deutschen Übergangszeit
- Aufgabe der stadtnahen Dörfer
- Wüstungsphase im 14. und 15. Jh. mit teilweiser
Wiederbesiedlung im 16. Jh.
- Wüstungen des 17.-19. Jhs.
C. Die stadtnahen Wüstungen kommen in den Stadtbereich
(308-315)
- Grundausstattung in den Stadtrechtsurkunden
unterschiedlich beschrieben
- Stadtrechtsurkunde
- Stadtrechtsbestätigung mit Grenzbeschreibung
- Gründungsfluren setzten sich aus mehreren alten
Dorffluren zusammen
- Zusammenfassung mehrere Dorffeldmarken zu einer neuen
Stadtfeldmark
- Kauf von Flächen, Dörfern, Wälder für die
Vergrößerung der Städte
- Nutzung der Flächen zur Eigenversorgung
- Geldanlage und Einnahmequelle
- Errichtung von Pachthöfen / Pachthof aus
städtischem Grundbesitz
- Neuansiedlungen
D. Literatur (315-316)
V. Gotteshäuser und ihr Umfeld / Places
of worship and their surroundings
(317-387)
Langer , Thomas <L0143>:
Die spätromanische Burgkapelle in Belzig (317-326).
The late Romanesque castle chapel in Belzig.
Zusammenfassung
Durch die Entdeckung der spätromanischen
Burgkapelle auf der Burg Eisenhardt in Belzig [Brandenburg] konnte ein
wichtiges Kapitel der Geschichte dieses Ortes fortgeschrieben werden. Hier
zeigt sich insbesondere, wie eng die Stellung und das Wirken der Landesherren
mit der von ihnen geschaffenen Architektur verbunden sind. So schuf das
Belziger Grafenhaus auf dem Burgberg die ersten Steinbauten, darunter die
Kapelle. Auch wenn sie nur in Resten erhalten ist, erlaubt sie uns doch
wesentliche Einblicke in das Baugeschehen.
Abstract
The excavation of the late Romanic chapel in the
Eisenhardt Castle at Belzig [Brandenburg] is an important chapter in the history
of that place. It is a good example for the strong relation between the social
position of the rulers, their activities and their architecture. The counts of
Belzig errected the first stone buildings in the castle, beneath them the
mentioned chapel. Even if there are only some relicts of the sacral building we
get important information about the building process.
A. Topographie (317)
- Stadt Belzig 30 km südlich der Stadt Brandenburg
- Burg Eisenhardt
- Bricciusberg
B. Historischer Abriß
(317-318)
- 997 Nennung von Burgward Belizi
- 12. Jh. Mittelpunkt einer Grafschaft, Burg mit Wall
und Graben
- 1422-1815 im Besitz des Hauses Wettin
C. Die hochmittelalterliche Burg Belzig
(318-320)
- Reste der ersten steinernen Burganlage von 1200
- Polygonale Randhausburg
- Bergfried
- Festungstor Mitte 15. Jh.
- Hölzerne Zugbrücke
- Berichte von Erneuerungen 1588 / 1589
- Erwähnung eines Gebäude 1613, wahrscheinlich
Kapelle
D. Die spätromanische Kapelle
(320-323)
- Freistehender Bau, dreigliedrig mit Apsis, Chor und
Saal
- Datierung: vor 1200
- Profanierung im 14. Jh.
E. Zwei Burgkapellen ?
(323-326)
- Bricciuskirche: einfacher Saalbau vor der Burg
- Datierung: Mitte 14. Jh., Erweiterung 17. Jh.
- Neue Kirche vor der Burg löst spätromanische
Kapelle ab / Burgkapelle
F. Literatur (326)
Rębkowski , Marian
<R0150>:
Die Heilig-Geist-Kapelle –
Eine verschollene Kirche aus dem mittelalterlichen
Kolberg (327-335).
The Heilig-Geist-Kapelle
[Chapel of the Holy Ghost] –
A lost church from medieval Kolberg.
Zusammenfassung
Der Beitrag betrifft die Heilig-Geist-Kapelle
– eine der verschollenen Kirchen der mittelalterlichen Gründungsstadt
Kolberg [ehm. Lkr. Kolberg-Körlin, heute Polen]. In den Schriftquellen findet
sich eine erste Erwähnung der Kapelle 1282. Kurz nach 1860 wurde sie
endgültig abgetragen. Die schriftlichen und kartografischen Quellen weisen
darauf hin, dass die Kapelle mit dem Spital am Stadtrand nahe vom Stadttor
errichtet wurde. Während archäologischer Ausgrabungen im Jahre 1990 wurden
die Reste einer gotischen Backsteinkirche freigelegt, deren Bau in die 1.
Hälfte des 14. Jhs. datiert. Die Kirche kann als Backsteinhalle mit Maßen
von ca. 13 x 27 m rekonstruiert werden. Leider konnten keine Spuren der
ursprünglichen Kapelle aus dem 13. Jh. registriert werden.
Abstract
The paper concerns the chapel of St. Spiritus –
one of the disappeared medieval churches of the town of Kołobrzeg in
Poland. In the written records the chapel had been mentioned for the first time
in 1282 and soon after 1860 was finally demolished. Analysis of the written and
cartographic sources indicates that the church together with the hospital were
located at the edge of the town, near to one of the urban gateways. The
archaeological excavations conducted in 1990 revealed among others also remains
of the gothic church erected in the first half of the 14th century.
The rectangular structure made of brick stones measured c. 27 x 13 m and had no
apse. Unfortunately no traces of the primary chapel from the 13th
century have been registered.
A. Einleitung (327-328)
- Mitte 13. Jh. Gründung von Kolberg in der Nähe
einer slawischen Burgstadt
- Mitglieder des Stadtrat von Greifswald
[Mecklenburg-Vorpommern] sind Zeugen in Gründungsurkunde
- Ausgrabungen im Bereich vom Heilig-Geist Spital und
deren Kapellen
- Schriftliche Quellen vom 13.-15. Jh. nennen 11
Kirchen und Kapellen
B. Die Heilig-Geist-Kapelle
(328)
- Urkundliche Erwähnung Ende 13. Jh.
- 1860 Abriss und Neubau eines zweistöckigen
Wohnhauses
- 1990 Abriss des Wohnhauses und anschließende Grabung
vor erneutem Neubau
C. Quellenlage zum Hospital und der Kapelle
(328-332)
- Schriftliche Quellen
- Kartographische Quellen J. F. Sachse 18. Jh.
- Ikonographische Quellen
D. Ergebnisse der Ausgrabungen
(332-334)
- Lage intra muros am Stadtrand
- Zwei gotische Mauern aus Ziegeln in „wendischer
Anordnung“
- Rekonstruktion als einschiffige Backsteinhalle
- Keine Spuren einer Innengliederung oder Apsis
- Keine Ost-West-Orientierung, sondern Anpassung an
Bebauungsblöcken
- Nutzung des Terrains vor Bau der gotischen Kapelle
- 2 ältere Ständergebäude
- Überreste von Friedhof mit Gräbern in
Ost-West-Richtung
- Annahme eines älteren Kirchenbaus, erwähnt 1282
- Datierung: 1. Hälfte 14. Jh., im 19. Jh. abgerissen
E. Literatur (334)
Rütz , Torsten / Ansorge,
Jörg <R0161, A0071>:
Abseits der Straßenflucht –
Mittelalterliche Bebauung auf dem Pfarrhof von St. Jakobi in Greifswald (337-346).
Away from the street frontage –
Medieval building activity on the rectory yard of St. Jakobi in Greifswald.
Zusammenfassung
Das Lübische Stadtrecht verpflichtete die
Bauherren dazu, ihre Haupthäuser an der Straßenflucht zu errichten. Das
Abweichen von diesem Gebot war nur der Geistlichkeit und dem Adel gestattet.
So entstanden neben Giebelhäusern und Budenzeilen an der Straße auch einige
Haupthäuser hinter der Straßenflucht. Ein derartiges freistehendes Haupthaus
konnte 2004 / 2005 auf dem ehemaligen Pfarrhof der Greifswalder Jakobikirche
freigelegt werden. Der Bau aus der Zeit um 1400 besaß eine Grundfläche von 9
x 10 m und war in seinem südwestlichen Viertel unterkellert. Aus einer
Ziegellatrine im Keller des Hauses konnte Fundmaterial des 15. Jhs., u.a. ein
aufwendiges Truhenschloss, geborgen werden. Dem Greifswalder Pfarrgebäude ist
ein Baubefund aus Wismar sehr verwandt, der durch eine geistliche Bruderschaft
[Kaland] genutzt wurde. Möglicherweise wird so ein von der Norm abweichender
Gebäudetyp aus städtisch-kirchlichem Umfeld fassbar.
Abstract
In accordance with the Lübeck town law owners
were obliged to build their main houses directly alongside the frontage,
exceptions were allowed to nobility and clergy only. Due to this, besides
gabelhouses and lines of minor houses alongside frontages, main houses of
nobility and clergy were established in the backyards. In Greifswald, some of
such court yards are situated in the quarter between Domstraße and the town
wall in the South. Ruins of such an isolated standing house were discovered
during archeological investigations on the court yard of St. Jacobs church in
2004 / 2005. The house covering an area of 9 x 10 m and was built about 1400
A.D. 15th century archeological finds, including pottery, a brass
snuffers and a complete iron chest lock were discovered. A building similar to
the rectory of St. Jacobs church in Greifswald is known from Wismar. Probably
these houses represent a special type of building established on court yards of
the clergy in the late Middle Ages.
A. Die Gebäudestruktur des Grundstückes Domstraße 9
(337-338)
- Quadratischer Grundriß, mehrgeschossig
- Keller auf einem Viertel der Fläche, mit Nischen und
Fensterschlitzen
B. Mauerwerk und Gründungstechnik
(338-341)
- Fundament aus Feldsteinen
- Läufer-Läufer-Binder Verband aus Ziegeln
C. Datierung (341)
- Um 1400 bzw. 1. Hälfte 15. Jh.
- Vorgängerbau Anfang 14. Jh. mit ähnlichem Grundriß
- Fußboden aus Backsteinen
- Herdplatte
D. Der Abfallschacht im Keller
(341-343)
- In Nordostecke vom Keller aus Feldsteinen und Ziegeln
erbaut
- Späterer Umbau zu Kellerlatrine, dafür zwei Nischen
zugebaut
- Auf Schachtsohle Fäkalienpaket mit Funden des 15.
Jhs.
- Datierung: Mittelalter
- Funde im Umfeld der Latrine
- Mehrere Gefäße sekundär als Nachtopf verwendet
- Becherkachel, 15. Jh.
- Dochtschere / Schere aus Messing
- Buch-Verschlußhaken aus Messing / Buchschließe
– Anfang 15. Jh.
- Vollständiges Truhenschloß der Gotik für
Bartschlüssel / Truhe
Schloss stimmt mit kurz nach 1241 gefertigten Truhe aus Kloster
Wienhausen / Niedersachsen überein
E. Der Pfarrhof von St. Jakobi Domstraße 8 und 9
(343-345)
- Seit 1336 mehrfach genannt
- 2 eingeschossige mittelalterliche Buden
- Pfarrhaus im Fachwerk-Ständerbau
- „Hinterbaute“ oder „Kammer“: freistehendes
Bauwerk durch Fachwerkneubau 1688 ersetzt
F. Weitere Curien in der Greifswalder Domstraße
(345-346)
- 5 Curien-Grundstücke auf der südlichen Domstraße
G. Literatur (346)
Auge , Oliver <A0072>:
Der so genannte Ratiborstein in der Usedomer Marienkirche –
Neue Erkenntnisse zum frühesten epigraphischen Zeugnis einer Greifenmemoria
(347-355).
The so-called Ratibor-stone in St Mary’s church
on Usedom –
New insights on the earliest epigraphic evidence for the memorial of the ducal
Greifen-family [Greifenmemoria].
Zusammenfassung
Der sogenannte Ratiborstein in der Marienkirche von Usedom ist wohl ein
Epitaph, das Ratibor und seiner Gemahlin Pribislawa zu Ehren in der 1. Hälfte
des 15. Jhs., vielleicht in den 1420er Jahren für die Kapelle eingerichtet
wurde, die man damals an der Stelle neu erbaute, welche man für den
ursprünglichen Standort des Prämonstratenserstift von Grobe hielt. Die von
Thümmel [2002, 39, 45] einmal vorsichtig entwickelte Theorie, dass der
Standort der Usedomer Marienkirche vielleicht mit dem ersten von Grobe
identisch sein könnte, scheint – auch weil von der späteren Überführung
des Epitaphs in die Marienkirche nach Usedom ausdrücklich die Rede ist –
damit widerlegt. Das Epitaph wurde weder vom Camminer Bischof noch von der
herzoglichen Familie veranlasst, sondern vom Prämonstratenserkonvent in
Pudagla. Reformbemühungen wie Auseinandersetzungen um seinen Besitz mussten
dem Stift damals die Erinnerung an die Gründung durch Ratibor I. und an die
dadurch gegebene enge Beziehung zum Herzogshaus mehr als angeraten erscheinen
lassen.
Abstract
The so-called “Ratiborstein” in Usedom’s St. Mary’s Church is possibly
an epitaph that was set up in honour of Ratibor and his wife Pribislawa during
the first half of the 15th century, perhaps set up in the 1420s in
the chapel that was build up in the same place that was considered to be the
original location of Grobe’s Premonstratensian convent. Thümmel’s carefully
developed theory that the location of Usedom’s St. Mary’s Church and Grobe’s
convent could be identical with each other, seems to be defeated, also because
the epitaph’s transportation to St. Mary’s Church is mentioned explicitly.
The epitaph was neither arranged by the bishop of Cammin nor by the ducal family,
but by Pudagla’s Premonstratensian convent. Back then, reformatory efforts and
the dispute about the convent’s possessions seemed to recommend the memory of
its founding by Ratibor I. and the consequently tight relationship to the ducal
family.
A. Einleitung (347)
- Lokalisierung von Prämonstratenserstift Grobe noch
immer unklar
- Ursprüngliche Aufstellung des Steines in der Kirche
von Grobe
B. Der Ratiborstein
(347-353)
- Ursprügliche Lage: Usedom, St. Marien, Fußboden des
Chores, deshalb schlechter Erhaltungszustand
- Heutige Lage: Usedom, St. Marien, eingemauert in der
Ostwand vom Turm
- Material: Kalkstein aus Gotland / Schweden
- Darstellung
- Stehendes Ehepaar unter Baldachin, wohl Ratibor
und Pribislawa
- 4 Eckmedaillons wohl mit den 4 Evangelisten
- Umlaufende noch nicht entzifferte Inschrift am
Rand der Platte
- Vorschlag für eine Lesung der Inschrift
- Herstellungszeit: 1. Hälfte 15. Jh., vielleicht in
den 1420er Jahren für die Kapelle
- Auftraggeber: Prämonstratenserkonvent in Pudagla
C. Literatur und Quellen
(353-354)
Herold , Jürgen <H0250>:
Äbte, Ritter, Bürger und Priester – Aber keine Mönche:
Die Grabplatten des Klosters Eldena im Licht der Inschriftenforschung
(357-370).
Abbots, knights, citizens and priests - but no
monks:
The grave slabs of the Eldena monastery in the light of their inscriptions.
Zusammenfassung
Von den einst zahlreichen, den Fußboden der
Eldenaer Klosterkirche [Stadt Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern] bedeckenden
Grabplatten sind heue noch 16 erhalten, die in der Klosterruine und an drei
weiteren Orten innerhalb der Stadt Greifswald aufbewahrt werden. Die Bergung
und Sicherung der Platten begann in den 1820er Jahren im Zusammenhang mit der
Herrichtung der Klosterruine als Denkmal. Gleichzeit versuchten sich
Greifswalder Gelehrte an der Lesung und Deutung der häufig nur unvollständig
erhaltenen Inschriften auf diesen Platten. Anfängliche Irrtümer wurden zum
Teil später ausgeräumt, zum Teil blieben sie aber bestehen und bestimmen bis
heute das Bild vom Personenkreis der hier Bestatteten. Durch neue
Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass dieser Kreis sich aus Adligen,
Vertretern des Stadtbürgertums und des städtischen Patriziats sowie einigen
Äbten zusammensetzt. Anders als bislang angenommen befinden sich darunter
aber keine einfachen Mönche oder Konversen des Eldenaer Konvents. Besondere
Aufmerksamkeit verdient die Grabplatte für Nikolaus Friso, für die eine
Entstehungszeit um 1290 nachgewiesen werden konnte, wodurch sie sich
wesentlich älter als bislang angenommen erweist. Sie ist nicht nur die
vermutlich älteste Grabplatte des östlichen Hanseraumes, sondern aufgrund
des paläographischen Befundes und ihres Bildprogramms auch eine
außergewöhnliche Arbeit von überregionaler Bedeutung. Diese und die anderen
bis heute in der Klosterruine anzutreffenden Grabplatten sind jedoch auf
dramatische Weise der Zerstörung und dem Verfall preisgegeben und bedürfen
daher dringend einer Unterbringung an einem sicheren Ort.
Abstract
Originally, there must have been many graveslabs
which covered the church floor of Eldena Monastery [Greifswald,
Mecklenburg-Vorpommern]. Today only sixteen have survived and are stored in the
ruins of the monastery and at three other locations in the city of Greifswald.
The recovery and conservation of the funerary slabs began in the 1820ies, when
the monastery was established as a cultural monument. Scholars attempted to
decipher and interpret the inscriptions on the slabs, which in many cases had
been only partially preserved. While some early errors were corrected later,
some mistakes have persisted until today and still determine the image of the
buried persons. However, this article demonstrates that this group consisted of
noblemen, patricians and burghers. Furthermore there are slabs dedicated to
abbots, but – in contrast to the established opinion – graveslabs of plain
monks are not represented. The graveslab of Nicolaus Friso merits special
attemption. The slab was made around the year 1290 and is probably the oldest
slab of the eastern Hanse-area. The object is also particularly remarkable
because of its palaeographical features and its unique iconography. Because the
graveslabs are constantly exposed to vandalism and environmental disruption, a
better protection of the pieces is necessary.
A. Einleitung (357)
- 16 Grabplatten im Kloster Eldena
- Lesung und Deutung der Platten ab dem 19. Jh.,
teilweise fehlerhaft
- 2002 Einrichtung einer Arbeitstelle zur Erforschung
der mittelalterlichen und neuzeitlichen
Inschriften In Mecklenburg-Vorpommern an der Universität Greifswald
- Neue Edition der Inschriften geplant
B. Denkmalpflegerische Maßnahmen
(357-361)
- Verfall des Klosters im 17. Jh., Nutzung als
Steinbruch für Bauten der Universität
- Verschiedene Sicherungsmaßnahmen der Ruine und der
Grabplatten seit Anfang 19. Jh.
- Grabplatten in die Wände der Klosterruine
eingelassen
- 2 Grabplatten aus Eldena, danach in der Kirche
Wieck, dann in die Universität verbracht
- 2 Grabplatten im 18. Jh. in die Nikolaikirche in
Greifswald gebracht
- 1 Grabplatte im Lapidarium des Pommerschen
Landesmuseum
- Verschiedene Ausgrabungen
- Systematische Untersuchungen 1926-1927
- 1995 bei Kanalisationsarbeiten Klosterfriedhof
entdeckt
 |
Ca. 1.000
Bestattungen aus dem 13.-15. Jh. |
- Bestattungen im Klosterbereich nachgewiesen
C. Die Inschriften (361-362)
- Vorstellung der Ergebnisse der älteren Publikationen
aus dem 19. und 20. Jh.
D. Grabplatte A (362-363)
- Grabinhaber: Nikolaus Friso, Greifswalder Bürger
- Heutiger Aufbewahrungsort: Klosterruine, Westwand der
Sakristei
- Darstellung: Architekturelemente, Ehepaar
- Datierung: um 1290
E. Grabplatte B (363-365)
- Grabinhaber: Johannes von Kiel, Greifswalder
Patrizier
- Heutiger Aufbewahrungsort: Universität Greifswald,
Hauptgebäude
- Darstellung: Griechisches Kreuz
- Datierung: Tod des Johannes am 31.3.1295
F. Grabplatte C [‘Mönch
Philippus’] (365-366)
- Grabinhaber: unbekannt
- Heutiger Aufbewahrungsort: Klosterruine, Südwand des
Chores
- Darstellung: Mann in langem Gewand, unleserliches
Wappenbild
- Datierung: 1. Hälfte 14. Jh. wegen Verwendung
gotischer Majuskeln
G. Grabplatte D (366-367)
- Grabinhaber: Albert Schinkel, Ritter
- Heutiger Aufbewahrungsort: Klosterruine, Ostwand der
Sakristei
- Darstellung: Mann in langem Gewand, Mantel, Schuhen,
Inschrift in gotischen Minuskeln
- Datierung: Tod von Schinkel 21.4.1397
H. Grabplatte E [‘Niekerken-Platte’]
(367-368)
- Grabinhaber: Priester
- Heutiger Aufbewahrungsort: Klosterruine, Südwand des
Chores
- Darstellung: Kelch
- Datierung: ?
I. Fazit (368-369)
- Korrektur der Irrtümer
- Bestattung von Priestern und Laien fürstlicher oder
bürgerlicher Herkunft
J. Quellen und Literatur
(369)
Krüger , Joachim <K0266>:
Das Pfarrwitwenhaus in Groß Zicker auf Mönchgut / Rügen –
Ein dänischer Regierungsbau (371-377).
The parish house for widows in Groß Zicker on
Mönchgut / Rügen –
A Danish government building.
Zusammenfassung
Der Beitrag thematisiert die Errichtung des
Pfarrwitwenhauses in Groß Zicker auf der Insel Rügen. Bisherige
kunsthistorische Forschungen deuteten auf einen schwedischen Hintergrund hin.
Im Verlauf des Großen Nordischen Krieges fiel der Teil Schwedisch-Pommerns
nördlich der Peene unter dänische Herrschaft, die vom Dezember 1715 bis zum
Januar 1721 dauerte. Akten aus dem dänischen Reichsarchiv in Kopenhagen
weisen nun nach, dass das Pfarrwitwenhaus im Auftrag der dänischen
Provinzialregierung errichtet worden ist.
Abstract
The article is concerned with a report about the
building of the Pfarrwitwenhaus [house of the pastor widows] in Groß Zicker on
the isle of Rügen. Early building researches has dated the house in the swedish
period of Pomerania. In the course of the Great Nordic War the part of
Swedish-Pomerania situated north of the Peene river fell again under danish
sovereignty in December 1715. The danish rule lasted until January 1721. Based
on the results of the investigations of records in the Danish National Archiv in
Copenhagen the building was identified as a danish “administration house”.
A. Einleitung (371)
- Hoher Bestand an sehr alten Bauern- und
Büttnerhäusern auf Rügen, besonders auf der Halbinsel Mönchgut
- Hallenhaus der Familie Besch in Kleinhagen, Mitte
17. Jh.
B. Das Pfarrwitwenhaus in Groß Zwicker
(371)
- Regionaltypisches Niederdeutsches Hallenhaus
- Eingeschossiges verputztes Fachwerkhaus
- Schwellenlose Ständerbauweise / Ständerbau
- Rohrgedecktes Walmdach
- Datum der Errichtung: um oder nach 1700 / nach 1720
- Quellen
- Pfarrarchiv in Groß Zwicker
- Landesarchiv in Greiswald
- Reichsarchiv in Kopenhagen
 |
Bauakte vom
Pfarrwitwenhaus |
C. Die dänische Zeit in Vorpommern
(372-373)
- Kurze Dauer: 1715-1721
- Dänische Provinzialregierung in Stralsund
- 1721 Dänemark – Rückgabe des vorpommerschen
Gebietes an Schweden
D. Der Bau des Pfarrwitwenhauses in Groß Zicker
(373-376)
- Konservierung / Konservation der Pfarren bis ins 18.
Jh.
- Nachfolgender Pfarrer muß Witwe oder Tochter
heiraten
- 1719 Abschaffung dieser Konservierung durch die
Dänische Provinzialregierung
- Der dänische König besetzt die vakante Pfarrstelle
mit einem verheirateten Pfarrer
- Witwe des verstorbenen Pfarrer Cadow erwirkt
erfolgreich ihre Altersversorgung,
- Neubau eines Hauses / Witwenhaus
- Finanzierung aus der Kirchenkasse
E. Fazit (376)
- Pfarrwitwenhaus eines der wenigen Gebäude aus
dänischen Zeit in Vorpommern
F. Quellen und Literatur
(376-377)
Jungklaus , Bettina <J0015>:
Sit tibi terra levis – „Die Erde möge Dir leicht sein“.
Sonderbestattungen auf dem Friedhof des mittelalterlichen Diepensee, Lkr.
Dahme-Spreewald (379-387).
Sit tibi terra levis - “May the earth be light
to you“.
Special burials on the medieval cemetery of Diepensee, district of
Dahme-Spreewald.
Zusammenfassung
Südöstlich des Flughafens Berlin-Schönefeld
wurde im Ausbaugelände des geplanten Großflughafens die gesamte Ortslage
Diepensee archäologisch untersucht. Eine Überraschung war dabei die
Entdeckung eines mittelalterlichen Friedhofs, denn die Quellen gaben keinen
Hinweis auf eine mittelalterliche Kirche und auch der moderne Ort Diepensee
besaß keine. Der gesamte Friedhof konnte archäologisch und die Skelette
anthropologisch untersucht werden. Insgesamt wurden dabei 418 Gräber mit 422
Individuen erfasst, die aus der Besiedlungszeit des Ortes vom Anfang des 13.
bis Mitte des 14. Jhs. stammen. So kann erstmals in Brandenburg eine gesamte
Dorfbevölkerung des Mittelalters untersucht werden. Es ergaben sich
interessante Einblicke in die Bestattungspraktiken und die Glaubenswelt der
Dorfbewohner. Zahlreiche Sonderbestattungen, wie Manipulationen am Leichnam
oder Versteinungen zeugen von einem ausgeprägten Aberglauben.
Abstract
On the grounds of a planned airport southeast of
the airport Berlin-Schönefeld, the village Diepensee was archaeologically
investigated. The discovery of a medieval cemetery was as a surprise as none of
the written sources ever mentioned a church and modern- day Diepensee did not
even have a chapel. The complete cemetery underwent archaeological examination
and the skeletal remains were anthropologically analysed. 418 graves containing
the remains of 422 individual skeletons were recovered, dating back to the
beginning of settlement in the early 13th to middle 14th century. For the first
time a complete mediaeval village population from Brandenburg was studied.
Interesting details of the mortuary practices and the beliefs of the people at
that time could be unfolded. Several special burial rites, such as manipulations
of the bodies or stones situated on top of the bodies, reflect a pronounced
superstition among the villagers.
A. Einleitung (379)
- 2004-2006 Untersuchung von Diepensee vor Ausbau des
Flughafens Berlin Brandenburg International [BBI]
- Friedhof aus dem Mittelalter
- Reste vom Fundament der Kirche
- Anthropologische Untersuchungen der Skelette
B. Historischer Hintergrund (379)
- Frühes 13. Jh.: Planmäßige Anlage von einem
Angerdorf
- Mitte 14. Jh. wird Diepensee bzw. „Dypensey“ zur
Wüstung – lt. Landbuch Karl IV. von 1375
- Mitte 18. Jh.: Wiederbesiedlung
- Anfang 21. Jh.: Aufgabe des Ortes
C. Friedhof und Gräber
(379-380)
- 418 Gräber mit 422 Individuen auf dem Friedhof
- Bestattung in Rückenlage und in
West-Ost-Richtung
- 1/3 Särge / Sarg, 2/3 Bestattung im Leichentuch
oder Leichenhemd
- 15 Gräber mit Särgen in der Kirche für höhere
soziale Stellung
- 13 Kopfnischengräber / Kopfnischengrab
- Funde
- Fingerring aus Bronze
- 2 Gürtelschnallen / Gürtel, Schnalle
- Nadeln / Nadel
- Sichel
D. Sonderbestattungen
(380-385)
- 29 Gräber abweichend
- Lage der Bestatteten bei 5 Gräbern in Bauchlage oder
Seitenlage
- Lage der Bestatteten bei 2 Gräbern in
Nord-Süd-Richtung
- Männliches Skelett mit abgetrenntem Bein /
Hiebverletzung
- Exkurs über Wiedergänger
- Versteinungen bei 22 Gräbern
- 1-5 Steine auf dem Skelett bei 12 weiblichen und
10 männlichen Individuen
 |
Festmachen der
Leiche im Grab |
 |
Spuren von
Erkrankungen bei 4 Individuen |
 |
Steine im Mund
für ‘Nachzehrer’ oder als ‘Zehrpfennig’ |
- Exkurs zu Gegenständen im Mund der Bestatteten
- Münzen für Nachzehrer oder Charonspfennig
- Metallgegenstände [Schere, Schlüssel, Sichel]
ebenfalls Abwehrmaßnahme gegen Wiedergänger
- Zwei weitere Bedeutungen der Sichel im Grab
 |
In Gräbern von
sozial höher gestellten Personen: Symbol für Landbesitz |
 |
In Gräbern von
Frauen und Kindern in christlichen Gräbern: apotropäische
Bedeutung |
E. Schlußbetrachtungen
(385-386)
- Zusammenhang zwischen Sonderbestattung und Krankheit,
Verletzung oder körperlicher Fehlentwicklung
- Anwendung bei Annahme einer schädlichen Wirkung auf
die Hinterbliebenen
- Fortleben heidnischer Gebräuche
F. Quellen und Literatur
(386-387)
VI. Mittelalterliches Handwerk / Medieval
crafts
(389-450)
Jeute , Gerson H. <J0051>:
Ost und West im Vergleich –
Eine Skizze zur wirtschaftlichen Entwicklung Mitteleuropas zwischen dem 7. und
9. Jahrhundert (389-400).
Comparing east and west –
A sketch of the economic development of central Europe from the 7th to
the 9th century.
Zusammenfassung
Es werden Aspekte der Wirtschaft des 7. bis 9. Jhs.
im Raum zwischen Elbe und unterer Weichsel sowie zwischen Nordsee und Alpen
miteinander verglichen. Vieles wurde in beiden Regionen in einfacher Weise
produziert. Dabei kamen regionale Rohstoffe zur Anwendung. Im Westen setzte
frühzeitig eine zunehmende Spezialisierung und Exportorientierung ein. Andere
Handwerke erforderten bereits erfahrene Handwerker. Sie waren im Osten nur in
den Zentren zu finden. Durch herrschaftliche Kontrolle gelenkt, produzierten sie
im Westen qualitätvolle Waren. Herausragend sind das in Ost und West nur selten
vorkommende Glashandwerk und die Bernsteinverarbeitung.
Abstract
The article compares aspects of the economy of 7th-9th
centuries in the territory between Elbe and lower Weichsel and between North Sea
and Alps. Many things were produced in both regions in a simple way, on the base
of local or regional ressources. In the West we registrate early beginnings of
specialisation and trade. Some crafts needed specialists. These crafts were
realised in the East only in the Central Places. Unter control of the dominions
were made in the west high-standard products. Outstanding are the glass-crafts
and the amber working, seldom in the East as well as in the West.
A. Einleitung (389)
B. Ost und West (389-390)
- Nachweise nichtagrarischer Tätigkeit
- Töpferofen
- Erzeugungsgruben für Teer
- Eisenschlacke – Schlacke
- Gussformen
- Schmelztiegel
- Mehrdeutige Objekte
 |
Wirtschaftsgruben |
 |
Geweihhalbfabrikate |
 |
Mahlstein und
Reibstein |
 |
Gruben mit
zerglühten Steinen |
 |
Lehmwannen |
- Knochenpfrieme – Pfriem
- Spinnwirtel
C. Vergleich (390-392)
- Gemeinsamkeiten zwischen Ost und West
- Befunde im Osten 82,1 % ländliche Siedlungen,
19,9 % Burg- und Ringwälle
- Befunde im Westen im Rheinland Keramik,
Eisengewinnung
D. Eisengewinnung und Eisenverarbeitung
(392)
- Eisenschlacken 23,2 % auf 5,2 % der Fundplätze im
Osten
- Eisenschlacken 33,9 % im Westen
E. Buntmetallverarbeitung und Edelmetallverarbeitung
(392-393)
- Buntmetall 14,3 % im Osten, das sind 3,2 % von 248
Fundplätzen
- Buntmetallverarbeitung an 18,5 % der Fundplätze
F. Glasverarbeitung
(393-394)
- Keine Glasgewinnung im Osten, aber Perlen, zerglühte
Steine
- Geringe Glasverarbeitung im Westen, anteilig 7,7 %
- Fensterglas
- Hohlgläser / Hohlglas
G. Keramikproduktion (394)
- Zwei Fundplätze mit Töpferöfen im Osten, das ist
weniger als 1 %
- Töpferei im Westen anteilig 23,1 %
H. Knochenverarbeitung und Geweihverarbeitung
(394-395)
- Knochen und Geweihe in beiden Gebieten bedeutend
I. Textilherstellung und Lederverarbeitung
(395)
- Spinnwirtel 53,6 % nichtagrarisches Gebiet, 12,1 %
Siedlung und Burg im Osten
- Lederverarbeitung 4,8 % insgesamt, 21,4 % in
nichtagrarischem Gebiet im Osten
- Webgewichte 16,9 % insgesamt im Westen
- Lederverarbeitung im Westen deutlicher
J. Bernsteinbearbeitung und Holzverarbeitung
(395)
- Bernsteinwerkstatt und –handel / Bernstein
- Verarbeitung von Holz
K. Teerproduktion / Pechproduktion
(395-396)
- Teerverarbeitung im Osten erst im 13. Jh.
L. Sonstiges (396)
- Lehmwannen im gesamten Gebiet
- Backen von Brot- und Fladen
- Salzgewinnung
M. Fazit (396)
- Im Osten nichtagrarische Tätigkeit zu 82,1 % in
Siedlungen
- Einwanderung der Bevölkerung, Konsolidierung
- Im Westen nichtagrarische Tätigkeit zu 61,5 % in
Siedlungen
- Antike Traditionen leben fort, zunehmende
Spezialisierung und Export
- In beiden Regionen Eisenverarbeitung, Keramik- und
Textilproduktion, selten Glas- und Bernsteinverarbeitung
N. Quellen und Literatur
(396-397)
O. Listen [Kat.-Nr. 1-119]
(397-400)
- Nichtagrarische Tätigkeit im östlichen
Vergleichsraum
[Kat.-Nr. 1-56]
(398)
- [ 1] Radziejów Kujawski / Polen
- [ 2] Kruszwica / Polen
- [ 3] Polanwice / Polen
- [ 4] Siedlmin / Polen
- [ 5] Żytowiecko / Polen
- [ 6] Bruszczewo / Polen
- [ 7] Bonikowo / Polen
- [ 8] Racot / Polen
- [ 9] Góra / Polen
- [10] Giecz [Grodziszczko] / Polen
- [11] Ujście / Polen
- [12] Kowalewko / Polen
- [13] Żółwin / Polen
- [14] Nowy Dworek / Polen
- [15] Obra / Polen
- [16] Osiecznica / Polen
- [17] Nowa Wieś / Polen
- [18] Dziedzice / Polen
- [19] Lobzany / Polen
- [20] Warszkowo / Polen
- [21] Bardy / Polen
- [22] Kędrzyno / Polen
- [23-24] Berlin-Marzahn / Berlin
- [25] Altlandsberg, Lkr.
Märkisch-Oderland / Brandenburg
- [26] Hasenfelde, Lkr. Oder-Spree /
Brandenburg
- [27] Schulzendorf, Lkr. Dahme-Spreewald
/ Brandenburg
- [28] Waltersdorf, Lkr. Dahme-Spreewald
/ Brandenburg
- [29] Kiekebusch, Lkr. Dahme-Spreewald /
Brandenburg
- [30] Dahlewitz, Lkr. Teltow-Fläming /
Brandenburg
- [31] Mittenwalde, Lkr. Dahme-Spreewald
/ Brandenburg
- [32] Schenkendorf – Mittenwalde-Schenkendorf,
Lkr. Dahme-Spreewald / Brandenburg
- [33] Tornow-Borchelt, Lkr. Eberswalde /
Brandenburg
- [34] Tornow-Lütjenberg, Lkr.
Oberspree-Lausitz / Brandenburg
- [35] Fichtenberg, Elbe-Elster-Kreis /
Brandenburg
- [36] Berlin-Rudow / Berlin
- [37] Leegebruch, Lkr. Oberhavel /
Brandenburg
- [38] Wustermark, Lkr. Havelland /
Brandenburg
- [39] Hohennauen, Lkr. Havelland /
Brandenburg
- [40] Prützke, Lkr. Potsdam-Mittelmark
/ Brandenburg
- [41] Wallwitz, Lkr. Jerichower Land /
Sachsen-Anhalt
- [42] Grieben a.d. Elbe, Lkr. Stendal /
Sachsen-Anhalt
- [43] Bösel – Lüchow-Bösel,
Lkr. Lüchow-Dannenberg / Niedersachsen
- [44] Kähmen, Lkr. Lüchow-Dannenberg /
Niedersachsen
- [45] Brünkendorf, Lkr.
Lüchow-Dannenberg / Niedersachsen
- [46] Kuhbier, Lkr. Prignitz /
Brandenburg
- [47] Friedrichsruhe, Lkr. Parchim /
Mecklenburg-Vorpommern
- [48] Rostock-Dierkow, Stadt Rostock /
Mecklenburg-Vorpommern
- [49-51] Groß Strömkendorf, :Lkr.
Nordwestmecklenburg / Mecklenburg-Vorpommern
- [52] Buchholz bei Röbel, Lkr. Müritz
/ Mecklenburg-Vorpommern
- [53] Panten „Hammerburg“,
Lkr. Herzogtum Lauenburg / Schleswig-Holstein
- [54] Vorwerk
- [55] Bosau-Bischofswarder, Lkr.
Ostholstein / Schleswig-Holstein
- [56] Kassebohm, Rostock-Kassebohm /
Mecklenburg-Vorpommern
Handwerk im westlichen Vergleichsraum
[Kat.-Nr. 1-65] (399-400)
- [ 1] Aachen, Katschhof – Stadt
Aachen/ Nordrhein-Westfalen
- [ 2] Albersdorf, Lkr. Dithmarschen /
Schleswig-Holstein
- [ 3] Audorf, Lkr. Rendburg-Eckernförde
/ Schleswig-Holstein
- [ 4] Augsburg, Stadt Augsburg / Bayern
- [ 5] Bad Hersfeld, Stadt Bad Hersfeld /
Hessen
- [ 6] Badorf, Rhein-Erft-Kreis /
Nordrhein-Westfalen
- [ 7] Bardowick, Lkr. Lüneburg /
Niedersachsen
- [ 8] Basel / Schweiz
- [ 9] Böhming, Lkr. Eichstätt / Bayern
- [10] Bokelerburg, Lkr. Ammerland /
Niedersachen
- [11] Bonn, Stadt Bonn /
Nordrhein-Westfalen
- [12] Bramfeld, Hamburg-Bramfeld /
Hamburg
- [13] Bremen, Hansestadt Bremen / Bremen
- [14] Brunshausen – Bad
Gandersheim-Brunshausen, Lkr. Northeim / Niedersachsen
- [15] Büraburg bei Fritzlar,
Schwalm-Eder-Kreis / Hessen
- [16] Burgheim, Lkr.
Neuburg-Schrobenhausen / Bayern
- [17] Corvey, Lkr. Höxter /
Nordrhein-Westfalen
- [18] Ditzingen, Lkr. Ludwigsburg /
Baden-Württemberg
- [19] Donzdorf, Lkr. Göppingen /
Baden-Württemberg
- [20] Dötlingen, Lkr. Oldenburg /
Niedersachsen
- [21] Düna, Lkr. Osterode /
Niedersachsen
- [22] Eckdorf – Badorf-Eckdorf,
Rhein-Erft-Kreis / Nordrhein-Westfalen
- [23] Eichstätt, Lkr. Eichstätt /
Bayern
- [24] Gaulskopf bei Warburg, Lkr.
Höxter / Nordrhein-Westfalen
- [25] Geseke, Lkr. Soest /
Nordrhein-Westfalen
- [26] Grambke – Bremen-Burglesum /
Bremen
- [27] Hasselweiler, Lkr. Neuss /
Nordrhein-Westfalen
- [28] Hesel, Lkr. Leer / Niedersachsen
- [29] Hohne, Lkr. Celle / Niedersachsen
- [30] Kirchheim
- [31] Kottenheim, Lkr. Mayen-Koblenz /
Rheinland-Pfalz
- [32] Kreuzdorf
- [33] Krückling, Lkr. Borken /
Nordrhein-Westfalen
- [34] Ladenburg, Rhein-Neckar-Kreis /
Baden-Württemberg
- [35] Mainz, Stadt Mainz /
Rheinland-Pfalz
- [36] Mayen, Lkr. Mayen-Koblenz /
Rheinland-Pfalz
- [37] Münchingen –
Korntal-Münchingen, Lkr. Ludwigsburg / Baden-Württemberg
- [38] Münster, Stadt Münster /
Nordrhein-Westfalen
- [39] Neuhausen auf den Fildern, Lkr.
Esslingen / Baden-Württemberg
- [40] Niens, Lkr. Wesermarsch /
Niedersachsen
- [41] Northum, Lkr. Cuxhaven /
Niedersachsen
- [42] Obernjesa, Lkr. Göttingen /
Niedersachsen
- [43] Oldenburg, Stadt Oldenburg /
Niedersachsen
- [44] Paderborn, Stadt Paderborn /
Nordrhein-Westfalen
- [45] Petersberg, Lkr. Rosenheim /
Bayern
- [46] Pfünz, Lkr. Eichstätt / Bayern
- [47] Regensburg, Stadt Regensburg /
Bayern
- [48] Reinach, Kt. Basel / Schweiz
- [49] Rohrberg, Lkr.
Weißenburg-Gunzenhausen / Bayern
- [50] Roßtal, Lkr. Fürth / Bayern
- [51] Bad Urach, Runder Berg, Lkr.
Reutlingen / Baden-Württemberg
- [52] Schaffhausen / Schweiz
- [53] Schnaitheim, Lkr. Heidenheim a.d.
Brenz / Baden-Württemberg
- [54] Sechtem – Bornheim-Sechtem,
Rhein-Sieg-Kreis / Nordrhein-Westfalen
- [55] Soest, Stadt Soest /
Nordrhein-Westfalen
- [56] Therwil, Kt. Baselland / Schweiz
- [57] Uphusen, Stadt Emden /
Niedersachsen
- [58] Verden a.d. Aller, Lkr. Verden a.d.
Aller / Niedersachsen
- [59] Walberberg – Bornheim-Walberberg,
Rhein-Sieg-Kreis / Nordrhein-Westfalen
- [60] Warendorf, Lkr. Warendorf /
Nordrhein-Westfalen
- [61] Wega – Bad Wildungen, Lkr.
Waldeck-Frankenberg / Hessen
- [62] Westrup, Stemwede-Westrup, Lkr.
Minden-Lübbecke / Nordrhein-Westfalen
- [63] Wittorf, Lkr. Lüneburg /
Niedersachsen
- [64] Wülfingen, Forchtenberg,
Hohenlohekreis / Baden-Württemberg
- [65] Wüstweiler, Flur Hambach 500, Lkr.
Düren / Nordrhein-Westfalen
Pust , Alexander <P0158>:
Die Keramik der slawischen Siedlung von Lietzen, Lkr. Märkisch-Oderland
(401-416).
The pottery from the Slavic settlement of Lietzen,
district of Märkisch-Oderland.
Zusammenfassung
Die Gurtfurchenware bildet das umfangreichste
Keramikensemble der slawischen Siedlung von Lietzen [Brandenburg], während
über ein Viertel zur unverzierten Ware gehört. Nach der typologischen
Zusammensetzung des Gefäßmaterials fand eine slawische Erstbesiedlung ab
Mitte des 8. Jhs. statt, die gegen Ende des 11. Jhs. endgültig abreißt. Der
Mangel charakteristischer Kammstrich- und Rippenschulterware zeugt von einem
Hiatus, der etwa von der ersten Hälfte des 9. bis zur zweiten Hälfte des 10.
Jhs. reicht. In der frühslawischen Besiedlungsperiode wurde die Tonware für
den haus- und dorfeigenen Bedarf gefertigt, wohingegen sich für die
spätslawische Niederlassung eine serienmäßige Töpfereiproduktion
beschränkten Umfangs herauskristallisiert.
Abstract
The furrowed ware is the most frequent ceramic
ensemble of the slavonic settlement from Lietzen [Brandenburg], whereas more
than a quarter belongs to the undecorated ware. According to the typological
composition of vessel material a slavonic colonization took place from mid of
the 8th century on, which finally ended in the late 11th century.
The lack of characteristic ceramics with comblined or ribbed shoulder
demonstrate a hiatus from about the first half of the 9th to the
second half of the 10th century. In the early slavonic settlement
period the earthenware was made for home and village requirement, during the
late slavonic phase there was a limited series production of pottery.
A. Einleitung (401)
- Lietzen, Fundplatz 3 mit einer Fläche von 2.000 qm
beim Bau einer Pipeline untersucht
- Früh- und Spätslawischer Siedlungshorizont
- Doppelgraben
- Landwirtschaft, Jagd, Fischfang / Fisch
- Umfangreiche Keramik
- Zeugnisse für Textilherstellung
- Erzeugung von Eisen und Teer
- Verarbeitung von Geweih und Tierknochen
- Fernhandel
B. Umfang und Methode
(401-402)
- 7.096 Scherben
- 13 urgeschichtliche Scherben
- 10 mittelalter- / neuzeitliche Scherben
- Zusammensetzung der Slawischen Keramik
 |
743 Randscherben |
 |
338 Bodenscherben |
 |
5.992
Wandungsscherben |
- 1.581 gebrannte bzw. verziegelte Lehmreste
C. Keramikgruppen (402-403)
- 26,9 % Unverzierte Ware
- Sukower Typ in 3 Varianten
- 1,8 % Kammstrichware / Kammstrich
- Feldberger Typ
- Menkendorfer Typ
- 62, 6 % Gurtfurchenware
D. Formale und technologische Merkmale
(403-412)
(403)
- Hauptsächlich Töpfe / Topf
- Wenig Schalen / Schale, Schüsseln / Schüssel,
Kümpfe / Kumpf
Randformen
(403-405)
- Entenschnabel
- Hammerprofil
Verzierung
(405)
- 229 Scherben der 743 Randstücke mit Verzierung
Wandungsstärke
(405-407)
- Zwischen 5 und 13 mm, Durchschnitt 8 mm
- Entwicklung von dick- zu dünnwandigen Gefäßen
Magerung (407)
- Gurtfurchenware erhöht sandige Bestandteile
- Verwendung von rötlichem Keramikbruch [Schamott]
Brandhärte
(407)
- Vorwiegend mittelharte Brennung
Brandart
(407-408)
- 5,4 % überfeuert und hitzedeformiert
- 29,3 % überwiegend oxydierender Brand
- 30,6 % schwarz-graue Farbschattierungen
Oberflächenstruktur und Oberflächenbehandlung
(408-409)
- Uneben und eben, Knetspuren
- Wisch- und Drehspuren, Drehrillen
- Wisch- und Glättspuren
Bodenformen
(409-410)
- Standring mit gewölbtem Boden
- Eingewölbter Standboden
- Flacher Standboden
Bodenzeichen auf ca. jeder neunten Bodenscherbe (410-412)
- 6 Einfaches Kreuz
- 6 Positiver Achsabdruck
- 5 Radkreuz
- 4 Doppelkreuz
- 4 Holzmaserung
- 3 Zugeschmierter Achsabdruck
- 2 Hakenkreuz
- 2 negativer Achsabdruck
- 2 Quellboden
- 1 Sternkreuz
E. Funktion (412-413)
- Kochtöpfe / Kochtopf
- Vorratsbehälter und Transportbehälter
- Schüsseln, Schalen und Siebgefäße / Sieb für
Molkereiprodukte
- Teerschwelkeramik zur Teererzeugung
- Lehmwannen zum Reinigen und Aufbewahren von Getreide
F. Fazit (413-414)
- Qualitativer und dekorativer Unterschied zwischen der
unverzierten Keramik und der Gurtfurchenkeramik
- Besiedlung um 750, Besiedlungsabbruch vor 1100
- Fehlen mittelslawischer Keramik
G. Literatur (414-415)
Frey , Katrin <F0099>:
Spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Keramik aus jahrringdatierten
Brunnen von Kausche in der Niederlausitz (417-429).
Late medieval and early modern pottery from
dendro-dated wells at Kausche in the Lower Lausitz.
Zusammenfassung
Vorgestellt wird die Keramik aus fünf
jahrringdatierten Brunnen der Mitte des 13. bis zur 1. Hälfte des 16. Jhs.
aus Kausche [Niederlausitz]. Das Material ist von besonderer Bedeutung, weil
es zum einen aus einer ländlichen Siedlung stammt, zum anderen, weil aus
diesem Übergangsgebiet zwischen Kugelboden- und Standbodenkreis bislang kaum
dendrodatierte Fundkomplexe vorliegen. Im Ergebnis eines Vergleichs mit den
benachbarten Regionen ordnet sich das Kauscher Keramikinventar deutlich dem
Kugelbodenkreis zu, doch weist es auch starke Einflüsse aus dem Süden auf.
Die allgemeinen technologisch-typologischen Entwicklungen des
Kugeltopfgebietes werden nachvollzogen, doch ist der Anteil oxydierend
gebrannter Waren höher, es gibt mehr Standbodentöpfe und deren Randformen
sowie mehr Deckel. Das geringe Auftreten von Faststeinzeug, Steinzeug und
früher glasierter Keramik ist wohl durch das bäuerliche Milieu bedingt.
Abstract
This article deals with ceramics from five wells
from Kausche [Lower Lusatia] dendrochronologically dated to the 13th to
16th century. The ceramic is very interesting because it illustrates
a rural settlement find complex and the border zone between two main stylistic
territories of medieval ceramics: The northern region with spheroidal and the
southern region with flat bottom vessels. The ceramic from Kausche is related to
the Northern region, but influences from the South are visible, too. The general
typological and technological development of the northern ceramics can be
recognized in the Kausche material, but many oxydated burned vessels, many pots
with flat bottom, typical southern rim types, and many caps indicate connections
to the South. The small proportion of protostoneware, stoneware and early glazed
pottery in Kausche seems to be a result of the rural background of the site.
A. Einleitung (417)
- Ausgrabungen in Keusche, Lkr. Spree-Neiße /
Brandenburg
- Übergangsgebiet von Kugelboden- zu Standbodenkreis
- Absolutchronologische und typologische Entwicklung
der Keramik vom 13. -16. Jh.
B. Brunnen 1787 (417-420)
- Datierung nach Dendrochronologie: 1240, 1241, 1242
- 345 Scherben aus einer Verfüllphase
- 13 % uneinheitlich gebrannte Ware
- 6 % oxydierte Ware
- 81 % reduziert gebrannte Ware
- Gefäßarten
- 22 Töpfe, davon 8 Kugelgefäße / Kugeltopf, 6
Standbodengefäße
- 14 Kannen / Kanne, davon 2 Dreiknubbenkanne, 3
mit Kugelboden, 3 mit Deckel
- 13 Flachböden / Flachboden, 11 davon abgehoben
- Randformen 22, 13, 38
- Datierung der Keramik: 2. Hälfte 13. Jh.
- Nutzung des Brunnen bis ins 14. Jh.
C. Brunnen 2242 (420-421)
- Datierung nach Dendrochronologie: ca. 1259
- 1.647 Scherben
- 3 % uneinheitlich gebrannte Ware
- 5 % oxydierte Ware
- 92 % reduziert gebrannte Ware
- 4 Fragmente Sinterware
- 8 glasierte Fragmente
- Gefäßarten
- 82 Töpfe, davon 35 Kugelgefäße, 16
Standbodengefäße
- 43 Kannen, davon 3 Dreiknubbenkannen, 5 mit
Kugelboden, 1 mit Standboden
- 1 Mündelbecher
- Tiegel
- Schüssel
- Napf
- 5 Deckel
- Fragment einer Kachel
- Randformen breit gestreut 2, 33, 8, 25-29
- 31 Flachböden, davon 22 abgehoben
- Keramik stärker durchmischt als Brunnen 2242
- Nutzung des Brunnens: 13.-14. Jh.
D. Brunnen 2.224 A (421-423)
- Datierung von Brunnen A nach Dendrochronologie: 1239,
1222, 1229
- 1.575 Scherben
- 2 % uneinheitlich gebrannte Ware
- 4 % oxydierte Ware
- 94 % reduziert gebrannte Ware
- Gefäßarten
- 54 Töpfe / Topf, davon 20 Kugelgefäße, 9
Standbodengefäße
- 55 Kannen, davon 3 Dreiknubbenkannen, 5 mit
Kugelboden
- 18 Fragmente von Dreiknubbenkannen
- 108 bestimmbare Ränder mit 30 Formen
- Randformen 13, 15, 6, 7, 8, 20-22, 25, 36
- Nutzung des Brunnens: bis in 1. Hälfte 14. Jh.
E. Brunnen 2.224 B (423)
- Datierung von Brunnen B nach Dendrochronologie: 1242,
1246, 1247, 1238, 1220
- 112 Fragmente
- 11% Uneinheitlich und oxydierend gebrannte
Gefäße
- Gefäßarten
- 5 Töpfe, darunter ein Kugeltopf und ein
Standbodentopf
- 1 Kanne
- Randformen 15, 22, einmal 28
- Datierung: nicht wesentlich älter als Brunnen A
F. Brunnen 1.510 (423-424)
- Feldsteinbrunnen basiert auf Wagenradfelge – Felge
von einem Rad
- Datierung nach Dendrochronologie: 1295
- Zahlreiche Scherben
- 93 % reduzierend gebrannte graue Irdenware Ware
- 2 % Fragmente uneinheitlich gebrannte Ware
- 33 % Scherben von oxydierter Ware
- 7 Scherben Faststeinzeug
- Gefäßarten
- 20 Kannen, davon 17 Kugelböden und drei Knubben
- 14 Töpfe, davon drei mit Standböden, vier
Flachböden
- Randformen 12, 13
- Nutzung bis 1. Drittel 14. Jh.
G. Brunnen 1.277 (425-426)
- Feldsteinbrunnen mit Holzrahmen
- Datierung nach Dendrochronologie: 1510
- 164 Scherben
- 4 Fragmente uneinheitliche gebrannte Ware
- 20 % oxydierte Ware
- 32 % reduziert gebrannte Ware
- 25 % Faststeinzeug
- 19 % glasierte Ware
- Gefäßformen
- 11 Töpfe, davon drei mit Kugel-, fünf mit
Standboden
- 5 Kannen
- 9 Flachböden
- Randformen verändert
- Nutzung nur kurze Zeit im 16. Jh.
H. Auswertung (426-428)
- Brunnen 1.277, 1.787, 1.510 mit kurzer Laufzeit
- Brunnen 2.224 und 2.242 längere Laufzeit
- Dominanz der Kugelbodenkeramik
- Geringe Anteile an Faststeinzeug, Steinzeug und
früher glasierter Keramik deuten auf bäuerliche Bevölkerung hin
- Vergleich mit Fundaufkommen an Keramik in Chemnitz /
Sachsen
I. Literatur (428-429)
Schaake , Kai <S0402>:
Der Töpferofen aus der Wollenweberstraße 21 in der Neustadt Brandenburg an
der Havel (431-436).
The pottery kiln from 21 Wollenweber Street in
the new town of Brandenburg on the Havel.
Zusammenfassung
Bei Grabungsarbeiten in der Wollenweberstraße
21 in der Neustadt von Brandenburg an der Havel [Brandenburg] im März 2003
wurden Reste eines Töpferofens gefunden. Der ovale und große Lehmkuppelofen
wurde im späten 13. Jh. bis zur 1. Hälfte des 14. Jhs. betrieben. Er lag auf
der Wallschüttung der Stadtmauer. Nach der Aufgabe des Ofens wurde vor Ort
weiter Keramik gebrannt; es dürfen weitere Reste von Töpferöfen vermutet
werden.
Abstract
During excavations in the Wollenweberstraße 21 in
Brandenburg / Havel [Brandenburg] close to the city wall remains of a medieval
pottery kiln were dtected. This former oval shaped kiln was made of clay. It was
built in the late 13th to the first half of the 14th
century and based on the rampart of the city wall. After the oven went out of
use its remainder was refilled with younger ceramics. Therefore further kilns
under the neighbouring buildings might be expected.
A. Einleitung (431)
- 2002 / 2003 Ausgrabungen Wollenweberstraße 21
B. Der Ofen (431-435)
- Liegender Lehmkuppelofen mit sockelförmiger
Ofenzunge
- Arbeitsgrube mit 7 vollständig erhaltenen
Fehlbränden / Fehlbrand
C. Die Datierung des Ofens
(435-436)
- Nach Form und Aufbau vom Ofen [Typ 2] 12.-14./15. Jh.
- Nach geomagnetischer Untersuchung zwischen 1250 und
1350 / Geomagnetik
- Nach Keramik Ende 13. bis 1. Hälfte 14. Jh.
- 117 Fragmente aus dem Ofen, darunter 16
Randscherben, ein Netzsenker, ein Grapenfuß
- 7 Gefäße und 428 Fragmente aus der
Arbeitsgrube, darunter 359 Wand- und 65 Randscherben
- Insgesamt 11.053 Scherben mit Fragmenten aus den
angrenzenden Schichten
 |
Typisch für
städtische Töpferei im späten Mittelalter |
- Datierung: Nutzung der Brennanlage vom Ende 13. Jh.
bis 1. Hälfte 14. Jh.
D. Literatur (436)
Schich , Winfried <S0385>:
Die havelländische Mühle Klinke und die Frühzeit der Wassermühlen in der
Mark Brandenburg (437-450).
The mill of Klinke in the Havelland and the early
history of water mills in the march Brandenburg.
Zusammenfassung
Der Beitrag stützt sich v.a. auf die
schriftliche Überlieferung, berücksichtigt aber auch archäologische
Forschungsergebnisse und dendrochronologische Daten. Im Mittelpunkt des ersten
Teils steht die Mühle Klinke im Havelland, die um 1175 als erste Wassermühle
der Mark Brandenburg in einer Quelle erscheint. Sie war an einem Bach inmitten
einer kleinen slawischen Siedlungskammer errichtet worden, als ein Element der
Innovation innerhalb der alten Kulturlandschaft. Im zweiten Teil wird eine
neue Phase in der Nutzung der Wasserkraft behandelt, die durch die Verbindung
des Baues der Mühlen mit dem der neuen Bürgerstädte charakterisiert wird.
Beispiele dafür sind die Neuanlage von Prenzlau [1234] im noch pommerschen
Uckerland und der etwa gleichzeitige Ausbau von Berlin. Die Verbindung von
Städte- und Mühlenbau im Fall von Brandenburg a.d.H. ist noch nicht
geklärt.
Abstract
The present article uses mainly written sources,
although it considers archaeological and dendrochronological data. In the first
part its focus is the mill “Klinke” in the Havelland, which is the first
watermill in the Mark Brandenburg that is being mentioned in a written source [around
1175]. It was founded on a brook in the midst of several Slavonic settlements,
as an element of western innovation in the old agricultural cultivated landscape.
In the second part the article discusses a new period of waterpower use that was
characterized by the establishment of mills in close connection with the
foundation or extension of communal towns. Examples include Prenzlau [1234] in
the Uckerland, at that time yet a part of Pomerania, and Berlin, experiencing
significant extension around the same time. The situation in Brandenburg on
Havel is still unclear.
A. Einleitung (437)
- Prenzlauer Urkunde von 1234 erwähnt Bau von
Wassermühlen
- Wassermühlen im 12. Jh. zwischen Elbe und Oder
eingeführt
- Weite Verbreitung im 13. Jh.
- Erste Erwähnung einer Wassermühle in der Mark
Brandenburg in Urkunde von König Otto III. von 993
B. Die Mühle Klinke im Havelland
(437-441)
- Um 1175 erste Erwähnung einer Wassermühle in der
Mark Brandenburg
- Quellen
- Urkunde von Bischof Siegfried von Brandenburg von
1174 / 1176
- 1247 zum Zisterzienserkloster Lehnin gehörig
- 1375 im Besitz der Domkirche
- Im 16. Jh. nicht mehr genügend Wasser vorhanden
- Lage: am Wasserlauf, der den Klein Behnitzer See mit
dem Riewensee verbindet
- Name: deutsch, slawische Besiedlung durch deutsche
und niederländische Zuwanderer verdichtet
C. Beziehung zwischen Burgwall bei Riewend und Mühle
(441-445)
D. Beziehungen zwischen Kloster und Mühle
(445-446)
- Vergleiche mit Mühle in Lehnin und Nahmitz –
Zisterzienser
E. Beziehung zwischen Städten und Mühle im 13. Jh.
(446-447)
- Neue Phase in der Nutzung der Wasserkraft
- Verbindung der Mühlen mit den neuen Bürgerstädte
- Neuanlage von Prenzlau [1234] im noch pommerschen
Uckerland
- Wassermühle von Spandau gleichzeitiger Ausbau
- Mühlendamm zwischen Cölln und Berlin im 13. Jh.
- Bedeutung von Mühlen
- Sachsenspiegel von 1220 / 1235: Todesstrafe auf
Niederbrennen von Mühlen
- Heidelberger Bilderhandschrift des
Sachsenspiegels: Wassermühle ist befriedetes Objekt
F. Fazit (447)
- Wassermühlen mit den Städten verbunden
- Ausgestattet als größerer agrarischer Betrieb mit
zahlreichen Bewohnern
- Ausstattung mit Privilegien / Privileg
- Stadt übernimmt den Schutz der Mühle
- Städte- und Mühlenbau im Fall von Brandenburg noch
zu klären
G. Karten und gedruckte Quellen
(448)
H. Literatur (448-450)
VII. Handel, Kommunikation und
Kulturaustausch / Trade, communication and cultural transfer
(451-560)
Hårdh, Birgitta <H0198>:
Eine kleine Silberfigur aus Uppåkra (451-456).
A small silver figurine from Uppåkra.
Zusammenfassung
Unter den oft spektakulären Funden von Uppåkra
im südlichen Schweden gibt es viele Unikate, die sich nur bei eingehender
Analyse in ihren Zeit-, Raum- und Funktionszusammenhang einordnen lassen.
Dieser Artikel behandelt eine kleine männliche Figur aus Silber. Sie zeigt
Beziehungen zu den gotländischen Bildsteinen / Gotland, zu den Geweben aus
Oseberg sowie zu den Funden aus dem Hafen von Hedeby.
Abstract
Among the often sensational finds from Uppåkra in
Southern Sweden there are several unique items, which only after laborious
detective work might be classified according to date, origin and function. This
article presents a small male figure of silver. It can be stated that it shows
connections to the Gotlandic picture stones, the textiles from the Oseberg grave
and finds from the harbour of Hedeby.
A. Beschreibung der Figur und Vergleiche
(451-456)
- Fundort der kleinen männlichen Figur aus Silber:
1997 in Uppåkra in Südschweden
- Auf Rückseite Reste einer Öse
- Vergleiche von Darstellungen mit Pumphose
- Stein von Broa in Halla auf Gotland aus dem 8./9.
Jh. / Schweden
- Mehrere Bildgewebe aus dem Schiffsgrab von
Oseberg / Norwegen
- Textilfunde aus dem Hafen von Haithabu /
Schleswig-Holstein
- Kleine gegossene Figuren
- Möglicherweise durch östliche Kontakte [Skythen,
Parther] in die Tracht aufgenommen
- Vergleiche der Schuhe / Schuh
- Reste von wikingerzeitlichen Schuhen aus dem
Hafen von Haithabu
- Vergleiche für winklig angebrachte Furchen am
Oberkörper
- Darstellung von Knut dem Großen in einer
Handschrift / Großbritannien
- Krieger auf dem Helm von Vendel
- Figuren aus Goldfolien
- Mehrere Bildgewebe aus dem Schiffsgrab von
Oseberg / Norwegen
- Vergleiche für den eigenartig geformten Kopf /
Deutung als Maske
- Figuren mit Tiermasken auf Textilien von Oseberg
/ Norwegen
- 2 Gesichtsmasken aus Stoff von Haithabu
- Ledermasken von Novgorod / Russland
- Menschenfigur aus Bronze in Brandgrab der
Wikingerzeit von Ekhammar – Kungsängen / Schweden
- Bildstein von Hammars in Lärbro auf Gotland /
Schweden
- Pressblech von Sutton Hoo / Großbritannien
- Münzen aus Birka / Schweden
- Vergleiche für das Objekt in der Hand der Figur
- Stein von Hunninge in Klinte – Figur mit Bogen
/ Schweden
B. Fazit (456)
- Maskierte Figur / Maske
- Zugehörig zu Prozessionen, Zeremonien,
Reiterumzügen o.ä.
C. Literatur (456)
Müller-Wille , Michael
<M0052>:
Zur Fundüberlieferung mittelalterlicher Prachtfibeln (457-471).
On the survival of elaborate medieval fibulae.
Zusammenfassung
Im Mittelpunkt der Studie steht die
Fundüberlieferung von Prachtfibeln und verwandtem Schmuck, zu deren
herausragenden Exemplaren die vermutlich in einer kaiserlichen Werkstatt der
Salierzeit hergestellten Schmuckstücke von Østergård, Sønderjylland
[Dänemark], gehören. Die Silberfibeln mit ovalem Bergkristall sind aus
wenigen Gräbern und Siedlungen sowie in größerer Anzahl aus
Edelmetalldepots und als Einzelfunde, vorwiegend im nördlichen Europa,
bekannt. Die Goldfibeln hingegen sind größtenteils als Einzelfunde und ohne
Kontext [Museumsstandorte, Spolien], in geringer Anzahl auch aus Siedlungen
und Schatzfunden [Versteckhorte] Mitteleuropas überliefert. Der Schmuckhort
aus einem Langhaus der ländlichen Siedlung von Østergård wird in einen
größeren Kontext vergleichbarer Deponierungen gestellt, die unter anderem
als Bauopfer / Gebäudeopfer oder als Schatz- / Versteckfunde gedeutet werden.
Abstract
The study investigates the origin of brooches of
outstanding quality and corresponding jewellery. Special attention is paid to
the notable pieces from the treasure of Østergård in southern Jutland [Denmark],
which presumably were produced in imperial Salian workshops. Silver
disc-brooches with oval rock crystal mainly came to light in treasure hoards or
as single finds in northern Europe, only few of these brooches were found in
graves or in settlement sites. Gold brooches, however, are mostly single findes
without context, only some examples are known from settlement sites or hoards in
central Europe. The treasure hoard found in a long-house of the rural settlement
of Østergård is presented in a wider context of corresponding deposits
interpreted as construction sacrifices or treasure/concealed hoards.
A. Einleitung (457)
- Fundort beider Fibeln: mittelalterliche Siedlung
Østergård bei Hyrup in Sønderjylland / Dänemark
- Silberscheibenfibel mit ovalem Bergkristall
- Große Goldfibel mit ovalem Bergkristall
- Untersuchung der Parallelen und ihre
Fundüberlieferung
B. Silberfibeln /
Silberfibel (457-461)
- Gruppe von 20 kleinen ovalen Scheibenfibeln aus
Silber / Gold mit Bergkristallen in Cabochonschliff
- Fundorte überwiegend südwestliches und nördliches
Ostseegebiet
- [ 1] Masku Humikkala, Grab 8 /
Finnland
- [ 2] Masku Humikkala, Grab 14 /
Finnland
- [ 3] Masku Humikkala, Grab 33 /
Finnland
- [ 4] Lund, Fibel aus Zinn und
Messing / Dänemark
- [ 5] Dörby auf Öland, Depotfund,
um 1100 / Dänemark
- [ 6] Vmtl. Gåtebo auf Öland,
Kirchspiel Bredsättra, Reliquiarkreuz
- [ 7] Gundslevmagle auf Falster,
Depotfund / Dänemark
- [ 8] Kongens Mark auf Bornholm,
Einzelfund / Dänemark
- [ 9] Vester Marie Lyng auf
Bornholm, Einzelfund
- [10] Gerdrupgård auf Seeland,
Einzelfund / Dänemark
- [11] Østergård, Schmuckhort /
Dänemark
- [12] Nørholm in Jütland,
Detektorfund / Dänemakr
- [13] Alt-Lübeck, Grabfund /
Schleswig-Holstein
- [14] Alt-Lübeck, Grabfund
- [15] Klein-Roschaden, Schatz I /
Niedersachsen
- [16] Würzburg, Baugrube vom Dom,
10./11. Jh. / Bayern
- [17] Werle, Grabfund 1995, 2
Bergkristallfibeln / Mecklenburg-Vorpommern
- [18] Dobin, Siedlungsfund 1998 /
Mecklenburg-Vorpommern
- [19] Želenky, „Fürstinnengrab“,
2. H. 9. Jh. / Tschechien
- [20] Nylarsker auf Bornholm,
Einzelfund / Dänemark
C. Goldfibeln / Goldfibel
(461-465)
- Insgesamt 30 Funde vorwiegend in Mitteleuropa
- Herstellung vmtl. im nördlichen Europa
- Vergleiche mit Einzelfunden ohne Kontext
- Hasselt, Prov. Limburg / Belgien
- Schleswig / Schleswig-Holstein
- Minden / Nordrhein-Westfalen
- Vergleiche mit Hortfunden
- Mainz / Rheinland-Pfalz
„Gisela-Schatz“ / „Mainzer Hort der Kaiserinnen“ / „Agnes-Schatz“,
Hortfund mit zwei Buckelfibeln /
Buckelfibel mit Trommelkranz, Goldkegelfibeln / Goldkegelfibel mit
Trommelkranz
Schatzfund vmtl. von Pogrom im Judenviertel im Jahre 1097
- Mainz, Keller NW vom Chor im Dom, Hortfund mit
zwei Sternfibeln / Sternfibel aus Gold
- Mainz, ehm. Stadionerhof-Kaserne, Hortfund
Kugeltöpfe / Kugeltopf – Pingsdorf, Goldmünze von Kaiser Romanos
III. Argyros
Halbmondring aus Gold mit Edelsteinen
D. Der Schmuckhort von Østergård und vergleichbare
Deponierungen (465-468)
- Eine Gold- und eine Silberfibel
- Datierung Mitte bis Ende 11. Jh.
- Deutung als Familienschatz und Versteck [A. B.
Sørensen]
- Deutung als Bauopfer [H. Geißlinger]
- Vergleich mit 327 Fundkomplexen von dänischen
Schatzfunden,
nur 12 bei archäologischer Ausgrabung entdeckt, Deutung als Bauopfer
- Kirche Østerild, um 1160
- Kirche Vindinge, um 1320-1325
- Kirche Fensmark, 12. Jh.
- Kirche Tune, 14. Jh.
- Kirche Rønne, 14. Jh.
- Übersicht der Publikationen zu Bauopfer /
Gebäudekult
- Schmuckfunde älterer Siedlungen
- Gudme, Fünen, 1. Hälfte 6. Jh.
- Bjørnebanke, 5. Jh.
- Fraugde, Fünen, um 500, „Schatz des
Goldschmiedes“ / Bruchsilberdepot
- Tissø auf Seeland, römische Kaiserzeit /
Völkerwanderungszeit
E. Østergård Schatzfund oder Bauopfer
(468-469)
- Trotz Übereinstimmungen mit Bauopfer Deutung als
Schatz / Versteck wahrscheinlicher
F. Literatur (470-471)
Bleile , Ralf <B0330>:
Archäologische Quellen zur mittelalterlichen Binnenschifffahrt in
Mecklenburg-Vorpommern (473-496).
Archaeological sources on medieval inland
navigation in Mecklenburg-Vorpommern.
Zusammenfassung
Einbäume, Fragmente von Planken und Spant,
hölzerne Nägel, eiserne Doppelniete und Kalfatklammern belegen den Einsatz
von Binnenfahrzeugen im Zeitraum des 8.-13. Jhs. auf den Seen und Flüssen
Mecklenburg-Vorpommerns. Neben den Unterläufen von Warnow und Recknitz sind
nach ihrem Auftreten insbesondere Peene und Elde bis weit in das Binnenland
hinein spätestens seit dem 11. und 12. Jh. von Plankenfahrzeugen oder mit
Planken erweiterten Einbäumen befahren worden. In Belehnungen und
Privilegierungen involvierte Schiffszölle / Schiffszoll und Wasserzölle /
Wasserzoll des 12. und 13. Jhs. unterstreichen dieses Bild. Neben der Elbe
werden vorrangig für Elde und Peene Zollstationen / Zollstation, Schiffstypen
oder Schifffahrtsrechte benannt. Kalfatklammern aus dem 13. Jh. sprechen für
prahmartige Schiffe auf Peene und Tollense seit dieser Zeit.
Abstract
Logboats, wooden fragments of planks and frames,
treenails, iron rivets and sintels reflect the use of boats and ships on lakes
and rivers in Mecklenburg and western Pomerania in the period from the 8th to 13th century. At latest since the
11th and 12th century logboats with planks or
clinker-built vessels were shipping on the lower Warnow and Recknitz as well as
on the rivers Peene and Elde. Documents from the 13th century indicate that
water-duty on the Elbe, Peene and Elde were introduced. Sintels dating to the 13th century can be taken as references for flat-bottom ships like barges on the
rivers Peene and Tollense.
A. Einleitung (473)
- DFG-Projekt „Binnengewässernutzung in slawischer
und frühdeutscher Zeit“,
Landesamt f. Bodendenkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern
und Institut f. Osteuropäische Geschichte der Universität Greifswald
- Archäologische Prospektionen unter Wasser
- Entdeckung von Wasserfahrzeugen
B. Einbäume / Einbaum
(473-478)
- Nutzung von Einbaum / Stammboot vom Mesolithikum bis
in das 20. Jh.
- Fundorte, Zuweisung zu Siedlungsplätzen selten
- Ostseeküste
- Boddengewässer
- Seen im Binnenland
- Fluß / Flüsse
- Mühlenbäche, -gräben, -teichen / Bach, Graben,
Teich
- Verwendung
- Fischerei
- Transportmittel / Fähre
- Baumaßnahmen
- Absichtliches Versenken
- Datierung nach;
- Stratigraphie
- Dendrochronologie oder Beifunden [selten]
- C14-Daten
 |
Schwerineer See
ca. 150 v.Chr. |
 |
Klein Upahl, 7.
Jh. |
 |
Vipperow, um 1049 |
 |
Bolzsee, 15. oder
16. Jh. |
- Konstruktionsmerkmale
- Durchschnittliche Länge der Boote: 3-6 m
 |
27 Einbäume 4-6
m |
 |
12 Einbäume 3-4
m |
 |
6 Einbäume 8-12
m |
- Einbau von Querwänden in über 30 Einbäumen
- Regelmäßige Löcher im Boden nicht erklärbar
C. Plankenfahrzeuge /
Plankenfahrzeug (478-483)
- Geklinkerte Plankenfahrzeuge in
Mecklenburg-Vorpommern vom 8.-12. Jh.
- Fundorte am Wasser oder in der Nähe
- Fast ausschließlich Ostseeküste
- Insel Hiddensee
- An der Peene bei Menzlin
- Undatierte Bootsreste aus Flüssen: Planken,
verschiedene Nieten und Nägel,
Kalfatklammern / Kalfatklammer – Klammer
- In Gräbern Doppelnieten, Bootsteile [Kartierung
der Doppelniete in Siedlungen und Gräbern]
- Seetüchtige Handelsschiffe
- Kleinere geklinkerte Fahrzeuge für Flüsse
D. Häfen und Anlegestellen
(483-484)
- Menzlin, kein Nachweis von einem Hafen
- Loitz an der Peene, Hafen und Anlegestelle
- Groß Raden, Anlegestelle
- Parchim-Löddigsee an der Elbe, Hafen
E. Binnenwasserwege des 8.-13. Jhs.
(484-485)
- Kartierung der eisernen Doppelnieten belegt
Klinkerboote im Binnenland
- Urkunden im 12. und 13. Jh. belegen Schiffs- und
Wasserzölle
- Zollstationen an Elbe, Elde und Peene
- Lauenburg
, Lkr.
Herzogtum Lauenburg / Schleswig-Holstein
- Boizenburg
, Lkr.
Ludwigslust / Mecklenburg-Vorpommern
- Plate
, Lkr. Parchim
/ Mecklenburg-Vorpommern
- Schwerin
/
Mecklenburg-Vorpommern
- Loitz
, Lkr. Demmin
/ Mecklenburg-Vorpommern
Orte mit Verbindung zur Binnenschiffahrt
- Lenzen
, Lkr.
Prignitz / Brandenburg
Malchin, Lkr.
Demmin / Mecklenburg-Vorpommern
Kloster Dargun, Lkr.
Demmin / Mecklenburg-Vorpommern
Zollfreiheit für 12 Schiffe
Demmin /
Mecklenburg-Vorpommern
freie Schiffahrt auf der Peene und dem Kummerower See
Kasibór, ehm.
Kaseburg auf Insel Wollin / Polen
F. Fazit (485)
- Binnenschifffahrt in Mecklenburg-Vorpommern
- 11. und 12. Jh. Einbäume und erweiterte
Einbäume, Klinkerboote
- 13. Jh. Prähmen auf Peene und Tollense [Kalfatklammern]
- Elde und Peen intensiver und weiter ins Binnenland
genutzt als andere Flüsse
- Evtl. Verbindung zu Oder und Elbe
G. Literatur (485-489)
H. Listen (489-495)
- Einbaumfunde aus Mecklenburg-Vorpommern
[Kat.-Nr.1-95] (489-494)
- [ 1] Alt Gaarz, Lkr. Müritz
- [ 2] Alt Schwerin, Lkr. Müritz
- [ 3] Altentreptow, Lkr. Demmin
- [ 4] Baabe, Lkr. Rügen
- [ 5] Bassin, Lkr. Nordvorpommern
- [ 6] Beckerwitz, Lkr.
Nordwestmecklenburg
- [ 7] Blankensee, Lkr.
Mecklenburg-Strelitz
- [ 8] Boitin, Lkr. Güstrow
- [ 9] Boock, Lkr. Uecker-Randow
- [10] Born-Forst, Lkr. Nordvorpommern
- [11] Bredenfelde, Lkr.
Mecklenburg-Strelitz
- [12] Burow, Lkr. Demmin
- [13] Dahlen, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
- [14] Dalkendorf, Lkr. Güstrow
- [15] Dambeck, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
- [16] Dehmen, Lkr. Güstrow
- [17] Diemitz, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
- [18] Eggesin, Lkr. Uecker-Randow
- [19] Eggesin, Lkr. Uecker-Randow,
Jägerbrück
- [20] Fahrbinde, Lkr. Ludwigslust
- [21] Feldberg, Lkr.
Mecklenburg-Strelitz
- [22] Fürstensee, Lkr.
Mecklenburg-Strelitz
- [23] Garftitz, Gde. Lancken-Granitz,
Lkr. Rügen
- [24] Gielow, Lkr. Demmin
- [25] Goldberg, Lkr. Parchim
- [26] Goldenbaum, Lkr.
Mecklenburg-Strelitz
- [27] Granzin, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
- [28-29] Groß Ernsthof, Lkr.
Ostvorpommern
- [30-31] Grünow, Lkr.
Mecklenburg-Strelitz
- [32] Gützkow, Lkr. Ostvorpommern
- [33] Hartwigsdorf, Lkr.
Mecklenburg-Strelitz
- [34] Jürgenshof, Lkr. Müritz
- [35] Jürgenstorf, Lkr. Demmin
- [36-37] Karstorf, Lkr. Güstrow
- [38] Klein Upahl, Lkr. Güstrow
- [39] Koldenhof, Lkr.
Mecklenburg-Strelitz
- [40-42] Kratzeburg, Lkr.
Mecklenburg-Strelitz
- [43] Kreckow, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
- [44] Kuhstorf, Lkr. Ludwigslust
- [45] Löcknitz, Lkr. Uecker-Randow
- [46] Loitz, Lkr. Demmin
- [47] Ludorf, Lkr. Müritz
- [48-49] Lütgendorf, Lkr. Müritz
- [50] Malchin, Lkr. Demmin
- [51] Marienthal, Lkr. Uecker-Randow
- [52] Mölschow, Lkr. Ostvorpommern
- [53] Moraas, Lkr. Ludwigslust
- [54] Neuburg, Lkr. Parchim
- [55] Neuburg / Poel, Ostsee II
[Timmendorf-Nordmole I]
- [56] Neuendorf, Lkr.
Nordwestmecklenburg
- [57] Neuendorf, Lkr. Ostvorpommern
- [58-59] Neustrelitz, Lkr.
Mecklenburg-Strelitz
- [60] Neu Ziddorf, Lkr. Güstrow
- [61] Nienhagen bei Lohmen, Lkr.
Güstrow
- [62] Parum, Lkr. Güstrow
- [63-64] Pasewalk, Lkr. Uecker-Randow
- [65] Penzlin, Lkr. Müritz
- [66] Plöwen, Lkr. Uecker-Randow
- [67] Poggelow, Lkr. Güstrow
- [68] Prerow, Lkr. Nordvorpommern
- [69] Rankwitz, Lkr. Ostvorpommern
- [70] Reinstorf, Lkr. Güstrow
- [71] Rethwisch, Lkr. Bad Doberan
- [72] Ribnitz, Lkr. Nordvorpommern
- [73] Schwanbeck, Lkr.
Mecklenburg-Strelitz
- [74] Schwarz, Lkr. Müritz
- [75] Schwennenz, Lkr. Uecker-Randow
- [76] Schweriner See, Lkr.
Nordwestmecklenburg
- [77] Sietow, Lkr. Müritz
- [78] Siggelkow, Lkr. Parchim
- [79] Stolpe bei Anklam, Lkr.
Ostvorpommern
- [80] Stolpe bei Usedom, Lkr.
Ostvorpommern
- [81] Stralendorf, Lkr. Ludwigslust
- [82] Stralsund, Kreisfreie Stadt
- [83-84] Verchen, Lkr. Demmin
- [85] Vipperow, Lkr. Müritz
- [86-87] Waren, Lkr. Müritz
- [88] Warnemünde, Lkr. Rostock-Stadt
- [89] Weisdin, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
- [90] Weltzin, Lkr. Demmin
- [91] Wendorf, Lkr. Parchim
- [92] Woldegk, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
- [93] Wrodow, Lkr. Demmin
- [94] Wustrow, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
- [95] Zachariae, Lkr. Demmin
Slawenzeitliche und undatierte Funde von
Schiffsteilen und Bootsteilen aus Mecklenburg-Vorpommern
[Kat.-Nr. 1-11] (494)
- [ 1-2] Menzlin, Lkr. Ostvorpommern,
11.-12. Jh.
- [ 3] Neuendorf, Lkr. Rügen, um 1000
- [ 4] Palmer Ort, Lkr., Rügen, um /
nach 670
- [ 5] Ralswiek, Lkr. Rügen, 10. Jh.,
9.-11. Jh.
- [ 6] Warnemünde, Lkr. Hansestadt
Rostock, slawisch
- [ 7] Wustrow, Lkr. Nordvorpommern,
10.-13. Jh.
- [ 8] Bad Sülze, Lkr.
Nordvorpommern
- [ 9] Dudinghausen, Lkr. Güstrow
- [10] Kühlungsborn, Lkr. Bad Doberan
- [11] Marienthal, Lkr. Uecker-Randow
Funde von Schiffsnieten aus
Mecklenburg-Vorpommern [Kat.-Nr. 1-35]
(494-495)
- [ 1] Anklam, Lkr. Ostvorpommern,
10.-12. Jh.
- [ 2] Basedow, Lkr. Demmin, 13.-15.
Jh.
- [ 3] Blengow, Lkr. Bad Doberan,
11.-12. Jh.
- [ 4] Carlewitz, Lkr. Nordvorpommern
- [ 5] Damm, Lkr. Bad Doberan, 11.-12.
Jh.
- [ 6] Damgarten, Lkr. Nordvorpommern
- [ 7] Demmin, Lkr. Demmin
- [ 8] Garz, Lkr. Rügen, 11.-12. Jh.
- [ 9] Gehlsdorf, Lkr. Hansestadt
Rostock, 11.-13. Jh.
- [10] Görke, Lkr. Ostvorpommern,
8.-10. Jh.
- [11] Gramzow, Lkr. Ostvorpommern,
11.-12. Jh.
- [12] Groß Strömkendorf, Lkr.
Nordwestmecklenburg, 8.-9. Jh.
- [13] Kassebohm, Lkr. Hansestadt
Rostock, 8.-9. Jh.
- [14] Kirchdorf / Poel, Lkr.
Nordwestmecklenburg, 11.-12. Jh.
- [15] Kützerhof, Lkr. Demmin, 11.-12.
Jh.
- [16] Klein Below, Lkr. Ostvorpommern,
11.-12. Jh.
- [17] Klein Kiesow, Lkr.
Ostvorpommern, 11.-12. Jh.
- [18] Laschendorf, Lkr. Müritz,
13.-15. Jh.
- [19] Menzlin, Lkr. Ostvorpommern,
8.-10. Jh.
- [20] Nonnendof, Lkr. Ostvorpommern,
11.-12. Jh.
- [21] Parchim, Lkr. Parchim, 13. Jh. ?
- [22] Parchow, Lkr. Rügen, 11.-13.
Jh.
- [23] Pasewalk, Lkr. Uecker-Randow,
11.-12. Jh.
- [24] Pudagla, Lkr. Ostvorpommern,
10.-13. Jh.
- [25] Putgarten, Lkr. Rügen, 9.-12.
Jh.
- [26] Ralswiek, Lkr. Rügen, 8.-11.
Jh.
- [27] Rerik, Lkr. Bad Doberan, 13.-15.
Jh.
- [28] Rostock, Lkr. Hansestadt
Rostock, 8.-15. Jh.
- [29] Schmantewitz, Lkr. Rügen,
13.-15. Jh.
- [30] Usedom, Lkr. Ostvorpommern,
10.-13. Jh.
- [31] Vipperow, Lkr. Müritz, 10.-12.
Jh.
- [32] Wendelstorf, Lkr. Bad Doberan,
11.-12. Jh.
- [33] Wolgast, Lkr. Ostvorpommern,
11.-12. Jh.
- [34] Wustrow, Lkr.
Mecklenburg-Strelitz, 10.-12. Jh.
- [35] Zirkow, Lkr. Rügen, 11.-12. Jh.
Kinkeldey , Thomas <K0267>:
Figürliche Darstellungen auf mittelslawischer Keramik vom Burgwall Repten bei
Calau (497-501).
Figural representations on middle Slavic pottery
from the castle site of Repten near Calau.
Zusammenfassung
Im mittelslawischen Keramikmaterial des
Burgwalls vom Tornower Typ in Repten [Lkr. Oberspreewald-Lausitz, Brandenburg]
stechen zwei figural in Ritztechnik verzierte Scherben hervor. Sie lassen sich
mit einer äußerst kleinen Gruppe entsprechend dekorierter Keramik
vergleichen, die uns Einblicke in die Vorstellungswelt des slawischen
Mittelalters gewährt. Das eine Stück zeigt eine Jagd- oder Kriegsszene mit
Pferden, einem Reiter und einem Bogenschützen. Das andere zeigt Menschen,
vermutlich Tänzer. Diese Darstellungen werden vorgestellt und unter
Einschluss von Vergleichsfunden interpretiert.
Abstract
The ceramics from the Slavonic stronghold of
Repten [Brandenburg] provide two fragments with special decoration. The
fragments are decorated with schematic illustrations of men and animals. One
piece shows a hunting- or war scene and the second one can probably be
interpeted as a dancing scene. These motifs are presented and are interpreted on
the background of parallels from other sites.
A. Einleitung (497)
- 1983-1989 Untersuchung bzw. Rettungsgrabung des
slawischen Burgwalls von Repten bei Calau, Lkr. Oberspreewald-Lausitz
- Dreiphasiger kleiner Ringwall mit Tunneltor / Tor
- Datierung nach 22 dendrochronologischen Proben -
898, 929, 937
- Baubeginn spätes 9. Jh.
- Über 120.000 Scherben mittelslawischer Keramik
- Typ Menkendorf
- Typ Tornow
B. Die figürlich verzierten Keramikscherben
(497-498)
- 2 Fragmente vom Menkendorfer Typ, spätes 9. Jh. / 1.
Hälfte 10. Jh.
- Größeres Fragment 1, mehrere Bruchstücke:
Bogenschütze mit Tierherde / Pferde
- Kleineres Fragment 2: zwei flüchtig ausgeführte
menschliche Figuren mit erhobenen Armen
C. Vergleichsstücke
(498-499)
, Lkr. Bad
Doberan, Randstück der Menkendorfer Ware: Pferd, evtl. mit Reiter
Wessenstin, Lkr. Müritz,
verziertes Gefäßfragment: Reiter
Stargard Gubiński,
Randstück: evtl. zwei Pferde
Gallin, Lkr. Parchim,
Scherbe: hinterer Teil von einem Pferd
Sternberg, Lkr. Parchim,
Gefäßfragment: Bogenschütze, evtl. beritten
Schulzendorf, Lkr.
Dahme-Spreewald, Gefäß: Mensch mit Boot oder Wagen
Presenchen, Lkr.
Dahme-Spreewald, Fragment: Reh oder Pferd
Haithabu /
Schleswig-Holstein, Gefäß: Hirsch, Swastika, wohl nicht slawisch
D. Interpretation der Reptener Motive
(499-501)
- Fragment 1: Darstellung einer kriegerischen
Auseinandersetzung oder Jagd
- Fragment 2: Darstellung von Tänzern / Tanz,
ritueller Akt
- Gefäße evtl. für religiöse Zwecke, Darstellung
von Sagen und Mythen
E. Literatur (501)
Filipowiak , Władysław
<F0105>:
Wolliner Kerbstöckchen (503-509).
Tally sticks from Wollin.
Zusammenfassung
Der Beitrag widmet sich einer Reihe von
Kerbstöckchen mit Markierungen, die aus frühmittelalterlichen Schichten des
bedeutenden Fundplatzes Wollin ergraben wurden. Nach ethnographischen [Moszyński
1967] und archäologischen Quellen [Müller 1997] können sie als Abakusse
interpretiert werden. Sieben solche Stäbchen aus dem 11.-12. Jh. wurden im
Hafengebiet entdeckt. Besondere Beachtung verdient die große Zahl von
Einkerbungen, z.B. 241 Kerben in acht Reihen [Abb. 2a] oder 154 Kerben in
fünf Reihen. Auch die Anordnung der Kerben ist bedeutsam. Es wird angenommen,
dass die Einkerbungen langfristige Transaktionen bezeugen. Exemplare mit
wiederholten Reihen von 10-20 Kerben weisen auf die Verwendung des
Dezimalsystems, was auch für Opole nachgewiesen ist [Hołubowicz 1956].
Abstract
The article deals with the finds of wooden sticks
with incisions which were excavated in some early medieval central places.
According to ethnographic [Moszyński 1967] and archaeological [Müller
1997] sources the objects are interpreted as the abacuses. Seven such sticks,
dated to the 11th-12th century, were also discovered in
harbours of Wolin. Of special interest is the high number of incisions
registered on the sticks from Wolin: for example 241 cuttings in 8 rows [Fig.
2a] or 154 cuttings in 5 rows. Also the arrangements of the incisions, including
alternating 3 dual and 3 single rows [Fig. 2b] or 4 double records [Fig. 1,1-4],
look very interesting. It is supposed that the incisions signed the long-term
transactions. A few repeated records 10-20 indicate the use of the decimal
system, what was also proved in Opole [Hołubowicz 1956].
A. Einführung (503-504)
- Kerbhölzer – Kerbholz / Kerbstöckchen [polnisch:
birki] aus frühstädtischen Zentren
- Quadratisch oder rechteckig, Enden gerundet,
Einkerbungen
- Kerbenschnitte sind Eintragung von
Rechnungszahlen / Rechenbrett
- Eintragung von Ereignissen der Dorfgemeinschaft
Hungersnot, Brand, Pest, Regenfälle, Frost
- Vergleichsfunde
- Freiburg im Breisgau
/ Baden-Württemberg
- Konstanz
–
spätes Mittelalter / Baden-Württemberg
Baumart – Ahorn / Acer und Tanne / Bies
- Winchester
–
Anfang 11. Jh. / Großbritannien
Baumart – Hasel / Corylus
- Gross Raden
–
9.-10. Jh. / Mecklenburg-Vorpommern
Baumart – Weide / Salix
- Kołobrzeg
,
ehm. Kolberg – 13. Jh. / Polen
Baumart – Kiefer / Pinus
B. Die Wolliner Kerbstöckchen
(504-506)
- 7 Kerbstöckchen – datiert durch Stratigraphie und
Dendrochronologie
- [ 1] Wollin, Haupthafen,
Grabungsstelle 8, Schicht 10, 10.-11. Jh.
- [ 2] Wollin, Haupthafen,
Grabungsstelle 8, Schicht 4, 12.-13. Jh.
Baumart - Kiefer
- [ 3] Wollin, Zentrum, ehm. Tempel,
Grabungsstelle 6, Schicht 10, 1. Hälfte 11. Jh.
Baumart – Ahorn / Dendrochronologie:
965 – 966 n.Chr.
- [ 4] Ogrody, Grabungsstelle 2
[Hafen], Schicht 5, 2. Hälfte 10. Jh.
Baumart – Ahorn
- [ 5] Ogrody, Grabungsstelle 2
[Hafen], Schicht 4, 10.-11. Jh.
Baumart – Ahorn
- [ 6] Ogrody, Grabungsstelle 2
[Hafen], Schicht 5, 10.-11. Jh.
Baumart – Eiche
- [ 7] Ogrody, Grabungsstelle 5
[Produktions- / Wohnbebauung], Schicht 7, Ende 10. Jh.
Baumart – Ahorn
C. Interpretation der Kerbstöckchen
(506-507)
- Dezimalsystem bereits in slawischer Zeit verwendet
- In Wollin keine Dezimalmarkierung, vielleicht erste
Spuren
D. Die Kerbstöckchen im Kontext
(507-508)
- Von 564 Kerben auf 473 Exemplaren aus dem Hafen
- Anfänge der Buchhaltung
- Häufigster Fundort in einem Hafen spricht für
Seehandel und Seetransport
- Im Hafen von Ogrody Schiffswrack aus Skandinavien –
Dendrochronologie datiert auf 1027
Inhalt – Funde im Ringerike-Stil, Mammen-Stil und Borre-Stil
sowie Schnalle vom Typ Sp 2 Terslev und einen Sonnenkompass – Kompass
E. Literatur (508)
Bräunig , René / Hanik,
Susanne / Kersting, Thomas / Pötschke, Dieter <B0315,
H0190, K0130, P0159>:
Siedlung und Münzschatz der Slawenzeit von Leest an der Wublitz (511-530).
The Slavic settlement and coin hoard of Leest on
the Wublitz.
Zusammenfassung
Ausgrabungen bei der Errichtung eines
Einfamilienhauses auf einem frühmittelalterlichen slawischen Fundplatz am
Wublitzufer in Leest [Brandenburg] nahe Potsdam führten zur Aufdeckung eines
dicht belegten Siedlungsausschnittes der mittleren und späten Slawenzeit [9.
bis 12. Jh.] mit zahlreichen Speichergruben, Spuren eines Grubenhauses und
technischen [Ofen-] Anlagen. Die außerordentlich hohe Nutzungsdichte
entspricht der benachbarten, etwa gleichzeitigen Siedlung von Dyrotz. Neben
typischer, verzierter Keramik und Tierknochen sind es z.T. aus größerer
Entfernung stammende Wetz- und Mahlsteine, vor allem aber ein Schatz von 33
Magdeburger Münzen vom Ende des 11. / Anfang des 12. Jhs., die den Platz in
einen größeren Rahmen von Handelsverbindungen dieser Zeit einordnen lassen.
Dabei wird auch die Lage von Leest an der Wublitzrinne, einer Nord-Süd-
Verbindung von bislang wohl unterschätzter Bedeutung, eine Rolle gespielt
haben.
Abstract
Rescue Excavations on an early medieval Slavonic
site on the Wublitz river bank in Leest [Brandenburg] near Potsdam delivered
relics of an intensively used settlement area of middle and late Slavonic period
[9th to 12th centuries]. Many pits, a sunken hut and
technical features, maybe furnaces, were found. The very high density of
settlement traces is comparable to a site in the nearby Dyrotz. Interesting
finds are characteristic ceramic sherds, animal bones as well as mill- and
whetstones brought here from distant regions. These stones, and first of all a
hoard of 33 Magdeburg coins from the end of 11th/beginning of 12th
century, make visible far trade connections. The location of Leest at the
Wublitz river, a north-south connection, could have been important for this.
A. Einleitung (511)
- Fundplatz Leest an der Wublitz seit 19. Jh. bekannt
durch Münzschatz des 11./12. Jhs.
- Mehrere slawische Fundstellen in der Gemarkung Leest
- Körpergräberfeld
- 3 Siedlungen
- Ausgrabungen 2005 vor Bau von einem Einfamilienhaus
B. Topographie und Geomorphologie
(511-512)
C. Befundlage (512-515)
- 34 Gruben
- 6 Speichergruben / Speicher
- Flache verstreut liegende grubenartige Befunde
- 2 Pfostengruben
- 5 Gruben als Feuerstelle, technische Anlage,
einmal Grubenhaus
- Datierung: mittel- und spätslawische Zeit
- Vergleiche der Befunde und Befunddichten [Tabelle
1]
- Alt Negentin
- Bandelin
- Berlin-Hellersdorf
- Berlin-Marzahn
- Dyrotz
- Falkenwalde
- Göslow
- Groß Zastrow
- Klein Zastrow
- Neubrandenburg-Fritschehof
- Schmergow
- Tornow-Sechzehneichen
- Triwalk
- Zechlin
- Zirzow
D. Fundmaterial (515-521)
(515)
- Funde der Eisenzeit ohne genaue Zuordnung
- Intensive Nutzung des Areals in slawischer Zeit
Keramik (515-516)
- Nördlicher Menkendorfer Kreis
- Spätslawische Gurtfurchenware
- Keine Stempelverzierungen
- Keine Bodenzeichen
Stein (516-517)
- Rest vom Drehmühlenstein aus Sandstein des
Rotliegenden, Import aus Thüringen
- Wetzstein aus Grauwacke, vmtl. Import aus Schlesien /
Polen
- Wetzstein Import aus Rüdersdorf
- Fragment vom Mahlstein aus Kreidequarzit, Import aus
Schlesien
Tierknochen, 181 Skelettreste
(517-521)
- 92 Reste von Nutztieren: Rind, Schwein, Pferd, Hund,
8 Fisch, 3 Singvögel / Vogel, Rest unbestimmt
- Keine Knochen vom Wildtier
- Fischschuppen / Fisch
- Kein Knochengerät – Gerät aus Tierknochen
nachgewiesen
E. Münzschatz (521-525)
- Grube 2 a: 33 Münzen aus Silber, Prägungen in
Magdeburg / Sachsen-Anhalt vom Ende 11. Jh. / Anfang 12. Jh.
so genannter Magdeburger Pfennig bzw. Magdeburger Denar
- Einteilung in 4 Typen, Durchmesser 17-19 mm, Gewicht
0,53-1,01 g
- Typ 1a und 1b: Av: Kopf Otto d. Großen, Rv:
Kirchenansicht mit Zwiebeltürmen, 1090-1105
- Typ 2: Av: Kopf von St. Mauritius, Rv: Stadttor
oder Kirche, 1105-1120
- Typ 3: Av: Kopf Otto d. Großen, Rv: Stadttor,
1106-1125
- Typ 4: Av: Hüftbild von gepanzertem Krieger mit
Helm und Kettenhemd, 1120-1125
- Niederlegung ungeklärt, Versteck, kultische
Bedeutung
- Zwei Münzschätze von 1050 und 1119 aus dem gleichem
Areal weitgehend verloren
F. Landesgeschichtliche Bezüge
(525-527)
- Besiedlung der Region durch den slawischen Stamm der
Heveller
- Widerstand der Slawen gegen die eindringenden Sachsen
- Lage an Handelsstraße von Brandenburg über Leest
nach Potsdam
G. Schlussbetrachtung
(527-528)
- Handwerks- und Speicherareal
- Beginn der Spätslawischen Keramik
- Nutzung der Siedlung: 2. Hälfte 9. Jh. bis um 1150
- Name Leer evtl. niederländisch
- Struktur der Siedlung slawisch, Zuwanderer aus
westlichen Gebieten [siehe Münzfund]
H. Quellen (528)
I. Literatur (528-530)
Fried , Torsten / Fried,
Wolfgang <F0103, F0104>:
Zwei seltene Denare aus Bremen und Verdun (531-536).
Two rare denarii from Bremen and Verdun.
Zusammenfassung
Die beiden Denare aus Bremen und Verdun, die
hier beschrieben werden, sind in ihrer Art äußerst selten. Deshalb ist es
umso wichtiger, dass sie nicht nur als Zahlungsmittel betrachtet werden,
sondern auch der Versuch unternommen wird, ihren Quellenwert tiefer auszuloten
und ihre vielschichtigen Botschaften zu entschlüsseln. Denn eines sollte
immer präsent sein: Münzpolitik war stets auch Machtpolitik. Und Münzen
wurden immer genutzt, um als Herrschaftszeichen zu dienen. Besonders
sinnfällig wird uns diese Tatsache bei Königsmünzen aus Bischofsstädten
vor Augen geführt [wie im Falle des Bremer Denar]. Aber auch der Denar König
Heinrichs I. aus Verdun macht deutlich, dass mit einer solchen Prägung über
den finanzpolitischen Aspekt hinaus herrscherliche Interessen verbunden waren.
Abstract
The article deals with two deniers from Bremen and Verdun. Both specimens are of
an extremely rare type of denier. Therefore it is very important that we go
beyond viewing them as currency and attempt to plumb the depths of their
documentary value as well as decipher their complex messages. In this respect we
must bear in mind that the politics of coinage have always been intermingled
with the politics of power. Coins have always been used as symbols of power and
this fact becomes especially obvious when considering the royal coins from
episcopal towns [as in the case of the denier from Bremen]. However, also the
denier of King Henry I from Verdun makes it clear that, in addition to financial
policy aspects, monarchical interests were also involved in such mintings.
A. Einleitung (531)
- Frühe Münzgeschichte des Erzbistums Hamburg-Bremen
Recht zur Münzprägung durch König Arnulf 888 an Bremen verliehen
2. Verleihung durch Kaiser Otto den Großen im Jahre 965
Münzprägung in Bremen jedoch erst Anfang des 11. Jhs. belegt
- Eroberung der Brennaburg, später Brandenburg durch
König Heinrich I. 928 / 929
- Verhältnis von königlicher und geistlicher
Münztätigkeit an einem Ort
- Münzprägung Ausdruck von königlich-bischöflicher
Partnerschaft
B. Die Münzen (531-535)
- Denar aus Bremen, 11. Jh.
- Av: Gekrönter [?] Kopf nach rechts, +HEINRI CIM
- Rv: S / BREMA / A
- Gewicht 1,19 g
- Denar König Heinrich I. aus Verdun / Frankreich
- Av: REX +HEINRICV[S]
- Rv: im Perlkreis Tatzenkreuz, in den Winkeln eine
Kugel +VIRDV[NI]
- Material fast reines Silber –
Röntgenfluoreszensanalyse
- Gewicht 1,769 g
- Schlacht von Soissons 923 Rückeroberung von
Lothringen durch Heinrich I.
- Verdun, Mainz, Prag wichtige Umschlagplätze für den
Sklavenhandel im 10. Jh.
- Münzprägung in Verdun seit der Merowingerzeit
- Nachprägungen
- Schatzfund von 975-980 aus Fecamp, Dep.
Seine-Maritime / Frankreich
C. Quellen und Literatur
(535-536)
Möller , Gunnar <M0144>:
„… so sende ic to 1 tunne, dar es inne 13 dosin potte …“ –
Anmerkungen zum Keramikhandel im Ostseeraum des 13. bis 17. Jahrhunderts
aufgrund der schriftlichen Quellen (537-554).
“… thus I send a barrel, wherein 13 pots…”
–
Remarks on the trade in ceramics in the Baltic region during the 13th
- 17th centuries on the basis of written sources.
Zusammenfassung
Die Auswertung der historischen Archivalien zum
Keramikhandel im Ostseeraum liefert eine Fülle von Informationen zu den
Vermittlern, den Handelswegen und zum Zwischenhandel, die zu Erkenntnissen
führen, die sich allein aus den archäologischen Quellen nicht erschließen
lassen. Der Schiffsweg spielte bei der Distribution von Keramiken im Gebiet
von Nordsee und Ostsee die entscheidende Rolle. Die Häfen fungierten dabei
als Zwischenhandelsstationen. Die großen, in die südliche Ostsee mündenden
Flüsse Oder und Weichsel waren wichtige Transportwege für binnenländisch
produzierte und über die Seestädte vertriebene Keramiken. Weitere
interdisziplinäre Forschungen zum Keramikhandel sind auch zukünftig
notwendig.
Abstract
The analysis of historical archive materials with
regards to pottery trade in the Baltic region has revealed ample information on
intermediaries, trading routes, and the intermediate trade in general. From
these we can gain insights which would not be possible to procure from
archaeological sources only. Shipping routes played the most decisive role in
the distribution of pottery in the region of the North Sea and the Baltic. Ports
functioned as intermediary stations. For domestically produced pottery objects
which were distributed via seaside towns the great rivers Oder and Vistula –
flowing into the southern Baltic Sea – were important routes. Further
interdisciplinary research regarding the trade in pottery will continue to be
imperative.
A. Einleitung (537-538)
- Umfangreiches Material an Keramik
- Frage an die schriftlichen Quellen nach dem
Keramikhandel
B. Quellenlage (538-540)
- Zollrollen
- Abgaberegister
- Inventare
Überregionale Verzeichnisse
- Sundzollregister
 |
Seit 1429 Sundzoll
für alle nichtdänischen Schiffe |
 |
Über 700 Aktenbände
im Nationalarchiv Kopenhagen |
 |
Seit 1567 Steuern auf
die Ladung der Schiffer, wenig Keramik genannt |
- Kaufmannsbücher / Kaufmannsbuch
- Rechnungsbücher / Rechnungsbuch
- Schuldklagen
- Schadensklagen, Aufstellungen über geraubte Güter
in Urkundenbüchern
Kritische Bewertung der Bezeichnungen
- Namen können Gefäße aus Keramik, Holz oder Metall
meinen
- Hinweise evtl. durch Preisangaben, Mengenangaben und
Gewichtsangaben
- Angabe von Keramik meist in Mengenangaben
 |
Zählung der Keramik
in Schock oder Dutzend, selten Fuder |
 |
Kisten oder Fässer /
Fass als Verpackung für Keramik |
C. Einfuhr von Keramik in Ostseehansestädte
(540-542)
- Keine schriftlichen Quellen für das 13. Jh., nur
allgemein Hausrat
- Wirtschaftsregister und Ausgaberechnungen des 14. Jhs.
- 1325 Haushaltsrechnung von Fürst Wizlaw III. von
Rügen: Lieferung von Keramik
- Rechnungen der Stadt Greifswald /
Mecklenburg-Vorpommern: Kauf von Keramik
- 1373 Rechnung von Vogt in Schwerin /
Mecklenburg-Vorpommern: Kauf von Keramik
- Pfundzoll-Liste für Waren von und nach Lübeck
von 1368, 1492-1496
- Ab 1400 Verdichtung der Quellen, 16. / 17. Jh.
weitere Vermehrung
- Pfundzoll-Liste für Waren aus den Jahren
1492-1496von und nach Lübeck / Schleswig-Holstein
- Schiffslisten aus den Jahren 1425-1471 von Reval
– Tallin / Estland
- Unterlagen aus den Jahren 1628, 1666-1668 von
Stralsund / Mecklenburg-Vorpommern
D. Ausfuhr von keramischen Erzeugnissen aus
Ostseehansestädten (542-543)
- Ausfuhr besonders von Lübeck, Rostock, Stettin und
Danzig / Polen
- Zwischenhandel nach Skandinavien
E. Distributionswege
(543-545)
- Seeweg für Keramik sicherer, schneller und mit
weniger Zollstationen behaftet als der Landweg
- Bisher nur wenige Schiffswracks in der Ostsee mit
Keramik bekannt
- Flußhandel, besonders Rhein, Weser, Oder, Weichsel
- Amtsrollen der Töpfer
- Stralsunder Töpferstatut
- Landweg
- Zollrollen von 1484, 1500 und 1566 der Stadt
Lüneburg / Niedersachsen
- Töpferrolle von 1577 aus Anklam /
Mecklenburg-Vorpommern
F. Wer handelte mit Keramik ?
(546-549)
- 5 Gruppen im Untersuchungsgebiet
- Großkaufleute / Kaufmann
- Kleinkaufleute / Krämer
- Eigenhandel der Schiffsbesatzung / „Führung“
- Töpfer
- Keramikhandel durch andere Berufsgruppen
- Spezialisierte Händler für Töpferwaren erst in der
Neuzeit
- Statuten der Töpfer von Riga aus dem 17. Jh. /
Lettland
G. Keramik als Emballage
(549)
- Keine sicheren Angaben
- Urkundliche Erwähnungen
- Ölamphoren des 15.-17. Jh. aus Spanien
- Transport von Ingwer, Rosinen, Öl und Zucker
H. Keramik als Mitbringsel [Souvenir]
(549-550)
- Exotische Keramik
- Spanische Lüsterware des 14. / 15. Jhs.
- Spanisch-maurische und italienische Fayence
- Um 1600 kostbares Geschirr in fürstlichen
Schausammlungen
I. Der Handel und Transport von Töpfertonen im Ostseeraum
(550-551)
- Seit dem 16. Jh. in schriftlichen Quellen erwähnt,
vermutlich älter
- Einfuhr von Töpfererde
- Lüneburger Zollrolle von 1564 und 1566 nennt „Helmstedtesche
Erde“
- 1583 bezieht Danzig Töpfererde aus Kolberg
- 1680 bezieht Stralsund Töpfererde aus Rostock /
Mecklenburg-Vorpommern,
- aus Bornholm / Dänemark sowie aus Holland und
England
J. Schlußbetrachtung (551)
- Archivalische Quellen bestätigen das archäologische
Fundgut
- Bevorzugung der Schiffswege
- Hafenstädte übernehmen Zwischenhandel
- Keramikhandel nur von untergeordneter Bedeutung
K. Quellen (551)
L. Literatur (551-554)
Harck , Ole <H0013>:
Zwei jüdische Antiquitäten aus Mecklenburg (555-560).
Two Jewish antiquities from Mecklenburg.
Zusammenfassung
Aus Mecklenburg gibt es zwei jüdische
Antiquitäten, die bisher in der archäologischen Forschung wenig Beachtung
fanden: ein fundortloses, undatiertes Amulett mit hebräischen Buchstaben
sowie ein Fingerring aus Silber mit einem Menora-verzierten Stein, auf dem
sich eine hebräische Inschrift befindet. Er stammt aus einem Münz-Hortfund
des 11. Jhs., der 1833 bei Warlin, Lkr. Neubrandenburg, entdeckt worden ist.
Beide Fundstücke sind heute verschollen, aber ihre Inschriften überliefert.
Die Herkunft des Fingerringes – der älteste Beleg des Judentums in
Norddeutschland – aus Osteuropa, dem Nahen Osten oder aus Westeuropa ist
unbekannt.
Abstract
There are two Jewish antiques in Mecklenburg which
have so far received little attention in archaeological research: an undated
amulet with Hebrew letters and a silver ring comprising a precious stone showing
an engraved menorah surrounded by a Hebrew inscription. The ring was found in a
treasure-hoard from the 11th century A.D. discovered in 1833 near
Warlin, distr. Neubrandenburg. Althoug both objects are missing, the
inscriptions have been documented. The provenance of the silver ring, the oldest
evidence of Jewish culture in Northern Germany, is unknown.
A. Einleitung (555)
- 1874 Bericht des Rabbiner Leopold Donath über zwei
jüdische Fundstücke
- Amulett mit hebräischen Buchstaben und
Kupfermünzen
- Silberring mit hebräischer Inschrift
- Alle Funde sind verschollen
B. Viereckiges Amulett mit hebräischen Buchstaben
(555-556)
- Fundort unbekannt, evtl. Hortfund oder Mitbringsel
aus Osteuropa / Osmanisches Reich
- Datierung: unbekannt
- Lesung der Inschrift: evtl. Jathniel
- Keine jüdischen Amulettfunde aus dem Mittelalter
bekannt [nur Antike und seit früher Neuzeit]
C. Fingerring aus Silber mit einem Menora-verzierten Stein
und hebräischer Inschrift (556-558)
- Fundort: Münzhort des 11. Jhs. in einem Gefäß 1833
nahe Warlin, Lkr. Neubrandenburg bei Erdarbeiten gefunden
- 7 Münzen für die Forschung bewahrt
- 200 Münzen verstreut
- 1840 konnten noch 25 Münzen beschrieben werden
- Einige Münzen dem Fund heute zugerechnet,
verändern die Datierung
 |
Münzfund von
Mecklenburg-Strelitz |
 |
Kufische Münze
im Museum Neubrandenburg |
- Neue Untersuchungen der Prägeorte
 |
1 Ex. Samarkand /
Usbekistan |
 |
2 Ex.
Großbritannien |
 |
3 Ex. Dänemark |
 |
14 Ex. aus Prag /
Tschechien |
 |
Unbekannte Anzahl
deutscher Münzen |
- Neue Datierung: 10. bis 11. Jh.
- Ring mit Karneol, in Goldeinlage eine Menora, Flammen
in Silber, am Fuß zwei Sternchen
- Inschrift in Goldeinlage: „laadlik nêr sel
sabbat“ – Übersetzung: „Anzuzünden den Leuchter des Sabbats“
- Deutung: Geschenk an eine Frau, die die Kerzen am
Beginn des Sabbat anzünden muß – vmtl. auch Hochzeitsring
- Vergleich – Fingerring aus Gold des 18. Jhs.
im Schmuckmuseum Pforzheim
- Herkunft des Ringes
- Import aus dem Osten [wie Münze aus
Samarkand?], vielleicht auch Westeuropa
- Seit 1679 jüdische Zuwanderung nach
Mecklenburg bezeugt
D. Fazit (559)
- Evtl. ältester archäologischer Beleg für Judentum
aus dem Mittelalter in Mitteleuropa
- Erste jüdische Gemeinden im 11. Jh. am Rhein sowie
in Magdeburg und Merseburg / Sachsen-Anhalt
E. Literatur (559-560)
Autorenverzeichnis / List of contributors
(561-564).
|