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Archäologie und Geschichte im Ostseeraum
Archaeology and history of the Baltic

[ISSN 1863-0855]

Herausgegeben von
Felix Biermann und Thomas Terberger

Cover: „Die Dinge beobachten ...“

[Letzte Aktualisierung: 29.07.2008]

[ AGO 2 ]

„Die Dinge beobachten ...“.

Archäologische und historische Forschungen zur frühen Geschichte Mittel- und Nordeuropas.
Festschrift für Günter Mangelsdorf zum 60. Geburtstag.

Felix Biermann, Ulrich Müller und Thomas Terberger (Hrsg.)

Hardcover

INHALTSVERZEICHNIS

 
 
Vorwort der Herausgeber / Editors’ Foreword [Felix Biermann, Ulrich Müller, Thomas Terberger] (7-8)
Laudatio anlässlich der Emeritierung von Prof. Dr. Günter Mangelsdorf am 6. Juli 2005 /
Laudatio on the occasion of the retirement of Prof. Dr. Günter Mangelsdorf on the 6th of July 2005 [Roderich Schmidt] (13-16)
Schriftenverzeichnis von Günter Mangelsdorf / Bibliography of works by Günter Mangelsdorf (17-22)

 

Beiträge:

I. Geschichte und Theorie der Forschung / Research history and theory (23-90)

 

Leube, Achim <L0020>:
Erinnerungen an Pommerns Ur- und Frühgeschichtsforschung im 19. und 20. Jahrhundert (23-35).
Reminiscences of 19th and 20th century research into Pomerania’s prehistory and early history.

Zusammenfassung
Der Artikel beschreibt die Entwicklung der Vorgeschichtsforschung in Pommern von ihren Anfängen in den 1820er Jahren bis in die Mitte des 20. Jhs. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf den 1920er und 1930er Jahren und der Verknüpfung der Vor- und Frühgeschichte und ihrer Fachvertreter mit den politischen Gegebenheiten. Dargestellt wird dies besonders durch den beruflichen Werdegang von Otto Kunkel, der von 1929 bis 1945 hauptamtlicher Direktor des Provinzialmuseums pommerscher Altertümer in Stettin war.

Abstract
The article describes the development of prehistoric archaeology in Pomerania from the beginning in the 1820s to the mid of the 20th century. The author concentrates on the 1920s and 1930s and shows the connections of Pre- and Protohistory and their scholars with the political circumstances. As an example the career of Otto Kunkel is described, the full-time director of the ‘Provincial-Museum of Pomeranian Antiquities’ at Stettin from 1929 to 1945.

A. Einleitung (23-24)

  • Geschichte der deutschen Prähistorie von 1824-1945
  • Johann August Sack [1764-1831]
  • Otto Kunkel [1895-1984]
  • 1824 Gründung der „Gesellschaft für pommersche Geschichte und Alterthumskunde“
  • 1864 Gründung der „Gesellschaft Pommersches Museum“
  • Mitbegründer: Ludwig Giesebrecht [1792-1873]

B. Otto Kunkel – der neue und zugleich erste Museumsdirektor (24-25)

  • 1922 Promotion „Mäander in den ur- und frühgeschichtlichen Kulturen Europas“
  • Nebenamtliche Tätigkeit am Oberhessischen Museum in Gießen
  • 1926 Quellenwerk „Oberhessens vorgeschichtliche Altertümer“
  • 1921 „Vorgeschichte unserer Heimat“
  • 1924 Studienassessor Stettin, Stadtgymnasium und Kustos der „Provinzialsammlung Pommersche Altertümer“
  • 1925 Vortrag „Alltäglichkeiten als kulturgeschichtliche Denkmäler“
  • Staatlicher Vertrauensmann für die kulturgeschichtlichen Bodenaltertümer

C. Die Jahre 1924 bis 1926 (25-26)

  • 1924 Umbenennung von „Kulturgeschichtliche Sammlung“ in „Provinzialsammlung Pommerscher Altertümer“
    anläßlich der Hundertjahrfeier der Gesellschaft für pommersche Geschichte und Altertumskunde
  • 1925 Sachkatalog vom Museum
  • 1926 Ausstellung der Neuerwerbungen

D. Das Jahr 1927 (27)

  • Schwierigkeiten beim Umzug und Neuaufbau des Museums im „Landhaus“
  • 1928 Eröffnung des neuen Museums
  • Kunkel wird hauptamtlicher Museumsdirektor
  • 1927 Gründung einer „Arbeitsgemeinschaft der pommerschen Heimatmuseen“
  • 1934 Kunkel wird Mitglied im „Deutsches Archäologisches Institut“ zu Berlin
  • 1934 Umbenennung in „Pommersches Landesmuseum“

E. „Grenzlandkampf“ (27-28)

  • Deutschnationale und antipolnische Ausstellungskonzeption

F. Slawentum und Wikingertum in Pommern (28-29)

  • Allgemeine negative Sicht und Bewertung des Slawentum
  • Kunkel bemüht sich um Objektivität
  • Kunkel hält „wikingisch-normannische Kultur- und Blutseinflüsse“ allenfalls für wahrscheinlich

G. Politische Einbindungen in der NS-Zeit (29-33)

  • Kunkel war Mitglied der 1927 gegründeten „Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung der nord- und ostdeutschen
    vor- und frühgeschichtlichen Wall- und Wehranlagen zusammen mit Carl Schuchardt und Wilhelm Unverzagt
  • 1934 Kunkel übernimmt die Leitung der Ausgrabung in Wollin / Polen
  • 1928 Gründung „Ostdeutscher Verband für Altertumsforschung“ in Elbing / Westpreußen, Kunkel war Vorstandsmitglied
  • 1934 Umbenennung der „Gesellschaft für Deutsche Vorgeschichte“ in „Reichsbund für Deutsche Vorgeschichte“
  • 1934 Vortrag von Kunkel über die Ausgrabungen in Wollin bei der „1. Tagung des Reichsbundes für Deutsche Vorgeschichte“
  • 1935 Absage von Kunkel für einen Vortrag bei der „2. Tagung des Reichsbundes für Deutsche Vorgeschichte“
  • Unstimmigkeiten mit Hans Reinerth
  • 1933 Gründung innerhalb der SS von einer „Abteilung für Vor- und Frühgeschichte“ durch Oberführer Weisthor
  • 1935 Gründung des SS-„Ahnenerbe“ e.V. durch Himmler
  • Erfolglose Verhinderung des Baus einer „Altgermanischen Kulthalle der Steinzeit“ / Hans-Mallon-Denkmal
  • 1939-1940 Erfolgloser Versuch von Dr. Rudolf Schütrumpf Hertha-See in der Stubnitz auf Rügen / Mecklenburg-Vorpommern
    für die Suche nach dem „Goldenen Wagen der Nerthus“ abzusenken

H. Das Ende der deutschen Prähistorie in Pommern (33)

  • 1944 Rettung der Museumsobjekte durch Auslagerung
  • 1945 Flucht von Kunkel aus Stettin, Verlust von Bibliothek, Aufzeichnungen und Besitz
  • 1945-1947 Gutssekretär in Gorow bei Bad Doberan / Mecklenburg-Vorpommern
  • 1948 in Bayern: Hauptkonservator in Würzburg, Vorgeschichtsreferent für Franken
  • 1955 „Die Jungfernhöhle bei Tiefenellern“ in Bayern / Paläolithikum
  • 1980 „Pommerscher Kulturpreis für Wissenschaft“
  • Ehrenmitglied der Gesellschaft für Pommersche Geschichte, Altertumskunde und Kunst
  • 1984 Tod von Kunkel

I. Literatur (34-35)

 

Halle, Uta <H0008>:
„Westausbreitung und Wehranlagen der Slawen in Mitteldeutschland“ –
Anmerkungen zu einer Publikation im Nationalsozialismus (37-47).
“Westward expansion and fortifications of the Slavs in central Germany“ –
Comments on a publication at the time of National Socialism.

Zusammenfassung
1941 wurde die Publikation „Westausbreitung und Wehranlagen der Slawen in Mitteldeutschland“ von Werner Hülle und Werner Radig durch den NS-Staat beschlagnahmt. Sie galt als Propagandamittel für den Kriegsgegner Polen. Nach einer Überarbeitung konnte sie ab 1942 wieder ausgeliefert werden. Anfragen vom Volksgerichtshof bzw. der Abteilung „Biologische Volktumsfragen“ des Reichsinnenministeriums zeigen, für welche politischen Zwecke das Buch herangezogen werden sollte. Der Beitrag zeigt anhand der Aktenlage auf, wie welche politischen Instanzen Einfluss auf die Zensur nahmen und warum bis heute zwei unterschiedliche Ausgaben der Studie in den Bibliotheken vorhanden sind.

Abstract
In 1941 the NS-State confiscated „Westausbreitung und Wehranlagen der Slawen in Mitteldeutschland“, a book written by Werner Hülle and Werner Radig, under the accusation of it being a Polish propaganda resource. After a revision of parts of the book, the new version was released in 1942. Requests from the „Volksgerichtshof“ and the Department for „biologische Volkstumsfragen“ to be allowed to use the book as a support for high treason charges make it obvious for what kind of purposes the book was supposed to be used. This report uses existing documents to show which political instances influenced this censorship and why there are two different editions of the book in the libraries, up to the present.

A. Einleitung (37)

  • Streitfrage „germanisch oder slawisch“ / Germanen
  • Seit 20er Jahren Abwertung der slawischen Kultur / Slawen

B. Quellenlage (37-38)

  • Akte der Publikationsstelle Dahlem, Bundesarchiv Berlin Nr. 1.130
    • Briefwechsel anlässlich der Beschlagnahmung der Publikation von Werner Hülle,
      Westausbreitung und Wehranlagen der Slawen in Mitteldeutschland 1941 / 1942
  • Aufarbeitung des Briefwechsels durch Kroll, Wietog, Fahlbusch und Haar

C. Zur gesellschaftlichen und politischen Situation (38)

  • Wachstum der „slawischen Rasse“ seit den 1920er Jahren überbetont
  • Vorurteile gegenüber slawischer Kultur und Geschichte
  • Himmler wird zum „Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums“ ernannt
  • „Verordnung über die Deutsche Volksliste und die deutsche Staatsangehörigkeit in den eingegliederten Ostgebieten“

D. Das Buch und seine Autoren (38-40)

  • Titel: Westausbreitung und Wehranlagen der Slawen in Mitteldeutschland
  • Autor: Werner Hülle
  • Beitrag von Werner Radig: Die sorbischen Burgen Westsachsens und Ostthüringens
  • Reihe: Mannus-Bücherei, Band 68
  • Erscheinungsort und -jahr: Leipzig, Johann Ambrosius Barth Verlag, 1940
  • Gekürzte Habilitationsschrift von 1936

E. Werner Hülle [1903-1974] (39-40)

  • Bis heute keine quellenkritische Biographie
  • Letzte große Publikation „Die Ilsenhöhle unter Burg Ranis Thüringen“, 1977 postum erschienen
  • [Herausgeber und Vorwort J. Hahn und H. Müller-Beck]
  • Politische Gesinnung: Mitglied der NSDAP, aber wissenschaftlich sachlich
  • Hülle übernimmt die Idee des germanisch-slawischen Kulturgefälles, betont aber die Lücken der archäologischen Quellen

F. Werner Radig [1903-1985] (40)

  • Mehrere Aufsätze über Radig und seine Tätigkeit am „Institut für deutsche Ostarbeit“ in Krakau zwischen 1940 und 1943
  • Beitrag noch keine negative Konnotation der Slawen
  • Politische Gesinnung: Anhänger des NS-Systems

G. Die Beschlagnahmung (40-45)

  • Werbeanzeige für das Buch in der Zeitschrift Germanen-Erbe 1940
  • Positive Rezension von einem unbekannten Verfasser im Germanen-Erbe 1940
  • 20.2.1941: Brief vom Reichsministerium des Innern an die Publikationsstelle Dahlem
    • Aufforderung einer politischen Prüfung des Buches
  • 6.5.1941: Antwort mit Gutachten von dem Archivar J. von Papritz
    • Text wird gelobt
    • Karte politisch bedenklich, da Hinweise auf deutsche Besiedlung fehlen
  • 27. Juni 1941: Anweisung von dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda
    • Verlag soll den Verkauf einstellen
    • Rückruf schon ausgelieferter Bücher
  • Einspruch von Hans Reinerth
  • 10. und 23. August 1941: Zwei Schreiben an die Publikationsstelle mit Aufforderung einer erneuten Prüfung des Buches
  • Antwort bzw. Vorschlag der Publikationsstelle
    • Keine Kritik an wissenschaftlicher Arbeitsweise
    • Auslieferung des Buches ohne Karte
    • Auslieferung des Buches nur an ausgewählte Wissenschaftler
  • Kompromiß von Reinerth wird am 4.5.1942 vom Propagandaministerium angenommen
    • Überarbeitung der Karte mit roter Angabe der germanischen Fundorte
  • 4.9.1942: Brief vom Ministerium an den Verlag
    • Genehmigung der Neuauflage mit neuer Karte
    • Bereits ausgelieferte Exemplare mit einfarbiger Karte der ersten Auflage müssen unter Verschluß

H. Der Vorgang im historischen Kontext (45-46)

  • Anstoß erregte nur die erste Ausführung der Karte
  • NS-Staat benutzt Ergebnisse der ur- und frühgeschichtlichen Forschung zur Legitimation seiner Politik
  • Volksgerichtshof fordert eine Zusammenstellung der Literatur zur Vorbereitung
    bei Strafverfahren wegen „Hochverrats in den eingegliederten Ostgebieten“
  • Forscher konnten relativ frei arbeiten, Schwierigkeiten erst bei den publizierten Werken
  • Rückrufaktion des Buches blieb unwirksam, da heute noch beide Auflagen in den Bibliotheken vorhanden sind

I. Literatur (46-47)

 

Kieseler, Andreas <K0264>:
Ernst Petersen [1905-1944] –
Ein Beitrag zur Erforschung der ur- und frühgeschichtlichen Archäologie in der Zeit des Nationalsozialismus (47-64).
Ernst Petersen [1905-1944]
A contribution to the study of prehistoric and early historical Archaeology at the time of National Socialism.

Zusammenfassung
Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Prähistoriker Ernst Petersen, der im Dritten Reich eine bedeutende Stellung in der Vorgeschichtsforschung Ostdeutschlands einnahm. Während sein Schaffen von seinem Einsatz beim Kunst- und Kulturraub im besetzten Polen überschattet wird, fokussiert diese Darstellung auf sein Wirken am Breslauer Landesamt für Vorgeschichte in den 1930er Jahren.

Abstract
This paper deals with Ernst Petersen, who was an important prehistorian in Eastern Germany during the Third Reich. While his work is overshadowed by his participation in plundering and seizure prehistorical collections and art in occupied Poland during wartime, this description focuses on his work at the Silesian Landesamt für Vorgeschichte in Breslau in the 1930ies.

A. Einleitung (49)

  • Ernst Petersen [1905-1944]
  • Rolle des Prähistorikers im Dritten Reich
    • Zahlreiche Publikationen von Petersen
    • Archivmaterial
    • Gesamter wissenschaftlicher Apparat ging 1942 bei Luftangriff verloren
    • Polnische und deutsche forschungsgeschichtliche Untersuchungen

B. Elternhaus, Jugend und Studium (50)

  • 28.4.1905 Geburt in Berlin-Steglitz
  • 1913 Umzug nach Danzig-Langfuhr
  • 1923 Abitur
  • 1920 Beitritt zur der vom Vater gegründeten „Danziger Ortsgruppe des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes“
  • Studium der Vorgeschichte, Osteuropäische Geschichte
    • Studienorte: Danzig, München, Heidelberg, Berlin
    • Forschungsreisen zu den polnischen Museen in Warschau, Posen, Krakau, Lemberg
    • 1928 Dissertation: „Die frühgermanische Kultur in Ostdeutschland und Polen“
    • 1930 Forschungsreise in die baltischen und skandinavischen Länder unterstützt
      von der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft

C. Die Breslauer Jahre [1929-1939] (50-56)

  • 1929 Assistentenstelle in Breslau, Schlesisches Museum für Kunstgewerbe und Altertümer
  • 1931 Erster Kustos und Stellvertreter vom Direktor Martin Jahn, Schlesisches Landesamt für Vorgeschichtliche Denkmalpflege
  • 1934-1939 Ordentlicher Professor für Vorgeschichte und Direktor am Schlesischen Landesamt für Vorgeschichtliche Denkmalpflege
    • Objektive wissenschaftliche Arbeit ohne ideologische oder politische Ausrichtung
    • Gegen Änderung der Ortsnamen mit slawischen Wurzeln
    • Auseinandersetzung mit polnischen Kollegen über Besiedlung im ostdeutsch-polnischen Raum in 4 Büchern und über 50 Artikel
  • 1930 bis 1935 Stellungnahmen zum Konflikt zwischen B. Freiherr v. Richthofen und J. Kostrzewski
    • Gegen die Urslawentheorie der Archäologen in Posen
    • Gegen die Gebietsforderungen der Polen
  • 1941 Vortrag „Germanen im Osten“ mit politisch angepasster Meinung
  • Gute wissenschaftliche Beziehungen zu Wissenschaftlern in Polen und der Ukraine
  • Mitglied: Polnische Vorgeschichtliche Gesellschaft

D. Volkstumsforschung und Germanophilie (56-58)

  • Petersen begrüßt die „Volkstumsforschung“
  • Vorträge und Schulungen zur Vor- und Frühgeschichte in ganz Schlesien
    • Besonders zur Besiedlung der Germanen im östlichen Gebiet
    • Recht der Deutschen auf Ostelbien
    • Schilderung einer primitiven slawischen Kultur
  • Publikationen
    • 1935 „Schlesien von der Eiszeit bis ins Mittelalter“ zeichnet einfaches Lebensbild der Slawen
    • 1935 „Wie unsere Vorväter lebten. Bilderreihe aus der Vor- und Frühgeschichte des deutschen Ostens“ schildert primitive slawische Kultur
    • 1939 „Der ostelbische Raum als germanisches Kraftfeld im Lichte der Bodenfunde des 6.-8. Jhs.“
      Einfluß der nordgermanischen Wikinger auf die Staatenbildung der Slawen
      Slawische Kultur unter westlichem Kultureinfluß

E. Kriegszeit [1939-1944] (58-61)

  • 1939 Ruf an die Universität Rostock / Mecklenburg-Vorpommern
  • 1939 Schutzmaßnahmen kulturgeschichtlicher Denkmäler in Polen
    • Sicherungsmaßnahmen für vor- und frühgeschichtliches Material
    • Verzeichnis aller wichtigen archäologischen Institute, Museen, Sammlungen, Ausgrabungsstätten und wissenschaftlichen Vereinigungen
  • 2.11.1939 Sonderkommando Paulsen
    • Teilnahme an den „Sicherungsmaßnahmen“ in Krakau
    • 9.-30.11.1939 Plünderung des Museums in Warschau
    • 5 Eisenbahnwaggons mit Beutegut nach Posen
  • 1939-1940 Wehrmacht
  • 1940-1941 Freistellung für Posen
    • Aufgabe: Sicherstellung aller im Reichsgau Wartheland befindlichen kunst- und kulturgeschichtlichen Gegenstände
    • Überführung vieler Funde aus dem Warthegau in das Landesamt für Vorgeschichte in Posen
    • Artikel im einzigen Band des Posener Jahrbuchs über Material aus Warschau und dem Warthegau
  • 1941 ordentlicher Professor an der neu gegründeten Reichsuniversität Posen
  • 1941 Einzug zum Heer
  • 1942-1944 Feldpostbriefe von der Front
  • 14.3.1944 Tod von Oberleutnant Petersen

F. Schlussbetrachtung (61-62)

  • Anhänger der NSDAP
  • Antisemitische Tendenzen, Funde aus jüdischem Besitz an das Landesmuseum requiriert
  • Würdigung des wissenschaftlichen Schaffens der polnischen Kollegen

G. Archivalische Quellen (62-63)

H. Literatur (63-64)

 

Fassbinder, Stefan <F0036>:
Die archäologischen Objekte der Sammlung Schmiterlöw aus Franzburg, Lkr. Nordvorpommern (65-72).
The archaeological objects from the Schmiterlöw collection from Franzburg, district of Nordvorpommern.

Zusammenfassung
2002 übernahm das Pommersche Landesmuseum Greifswald den größten Teil der Sammlung Schmiterlöw. Erik von Schmiterlöw [1882-1964] hatte in seinem Wohnhaus in Franzburg, Kr. Nordvorpommern, eine äußerst vielfältige und umfassende Sammlung von Objekten aller Art angelegt, darunter auch zahlreiche Grabungs- und Lesefunde aller Epochen. Der Beitrag schildert die Geschichte der Sammlung und gibt einen ersten Überblick über die Funde.

Abstract
In 2002 the Pommersches Landesmuseum Greifswald took over most of the Schmiterlöw-collection. Erik von Schmiterlöw [1882-1964] set up in his home in Franzburg, Kr. Nordvorpommern, an overwhelming manifold and comprehensive collection of all kind of items, including many archaeological finds dating from all periods. The article describes the collection’s history and gives a first summary of the objects.

A. Geschichte der Sammlung (65-66)

  • Erik von Schmiterlöw [1882-1964]
  • Sammlung Schmiterlöw ist in zwei Weltkriegen erhalten geblieben
  • 1892 Beginn der Sammlertätigkeit
  • 1896 Beitritt zur Gesellschaft für pommersche Geschichte, Altertumskunde und Kunst
  • Objekte der Sammlung
    • Geologische Objekte
    • Fossilien
    • Naturkundliche Objekte
    • Archäologische Funde
    • Militaria
    • Gegenstände aus dem Besitz der Verwandtschaft
    • Möbel
    • Textilien / Stoffe
    • Numismatische Objekte / Münzen
    • Mitbringsel von Seemännern
    • Gemälde
    • Bauplastik
    • Glas
    • Keramik
    • Kacheln / Kachel
    • Objekte aus Landwirtschaft, Handel und Haushalt
    • Landkarten
    • Photographien
    • Ansichten
    • Postkarten
    • Plakate
    • Druckschriften
    • Kuriositäten
    • Umfangreiches Archiv
  • 1935 ehrenamtlicher Pfleger der Bodenaltertümer für den südlichen Teil des Kreises Franzburg-Barth
  • Abgabe eines Teils der Neufunde an das Landesmuseum in Stettin / Polen
  • Bevorzugte Sammlungsobjekte
    • Kacheln
    • Archäologische Funde
  • Herkunft der Funde
    • Hauptsächlich aus der Region zwischen Rügen, Greifswald und Ostmecklenburg
    • Wenige Objekte aus Ostpreußen, Mainz / Rheinland-Pfalz und vom Niederrhein / Nordrhein-Westfalen
  • 1964 Übernahme der Sammlung von Bertram Schmiterlöw nach dem Tod des Vaters
  • Einrichtung eines privaten Museums mit Hilfe von Hans-Erich Runge, Heinz Bartels, Herbert Manske und Uwe Hein
  • 2002 Überführung des größten Teils der Sammlung in das Pommersche Landesmuseum

B. Archäologische Funde (66)

  • Gründe für den Wert der Sammlung
    • Angabe der Fundorte
    • Angabe der Fundumstände / Prospektion
      Archäologische Ausgrabung
      Fluß / Flüsse
      Acker / Äcker
      Baugrube / Baugruben
      Trümmergrundstücke / Trümmer, Grundstück
      Kauf
  • Rekonstruktion einiger Gefäße mit Gips und Farbe

C. Stand der Erfassung und Publikation (66-67)

  • Objekte zum größten Teil unpubliziert
  • Unpublizierte Dissertationen und weitere Arbeiten erwähnen Objekte aus der Sammlung
  • Teilweise Überführung der anthropologischen Funde in das Landesamt für Bodendenkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern
  • Kurzkataloge für einzelne Objektgruppen ohne Datierung
    • Urnen der Bronzezeit und Eisenzeit
    • Keramik aus Bodenfunden – Mittelalter und Neuzeit
    • Grapen aus Bronze
    • Bauplastik
    • Architekturelemente aus Stein und Holz
    • Frühneuzeitliche Ofenkacheln / Kachel
    • Stangenwaffen / Waffe
    • Silexgerät und Felsgesteingeräte / Steingerät

D. Paläolithikum und Mesolithikum (67)

  • Silex- und Felsgesteingeräte
    • Klingen, Schaber, Stichel aus dem Spätpaläolithikum
    • Kernbeile der Lietzow-Gruppe der Ertebøllekultur / Beil
  • Weitere Funde
    • Axt aus Hirschgeweih aus Tribsees, Lkr. Nordvorpommern – Mesolithikum
    • Hacke aus Hirschgeweih aus Werder, Gde. Drechow, Lkr. Nordvorpommern

E. Neolithikum (67)

  • Scherben noch unbearbeitet
  • Steinbeile und Steinäxte / Beil, Axt
    • Wulsthammeraxt der Trichterbecherkultur aus Vellin, Lkr. Schlawe
    • Bootaxt aus Alt-Seehagen, Gde. Weitenhagen, Lkr. Nordvorpommern
    • 2 Silexdolche aus Pritzwald, Gde. Wusterhausen, Lkr. Ostvorpommern
      Dicke Spitzen endneolithischer Zeit
      Wittenhagen, Lkr. Nordvorpommern
      Plütte, Gde. Pantelitz, Lkr. Nordvorpommern
    • Flintbeil spätneolithischer Zeit aus Sassnitz, Lkr. Rügen

F. Bronzezeit (67-69)

  • Flintdolche / Dolch
    • Altenhagen / Schlemmin, Lkr. Nordvorpommern
    • Quitzin, Gde. Splietsdorf, Lkr. Nordvorpommern
    • Vorland, Gde. Splietsdorf, Lkr. Nordvorpommern
  • Flintsichel / Sichel
    • Elmenhorst, Lkr. Nordvorpommern
    • Buschenhagen, Gde. Neu Bartelshagen, Lkr. Nordvorpommern
  • Kannelurenstein aus Greifswald-Ladebow
  • Metallobjekte der älteren Bronzezeit
  • Beile / Beil
    • 3 frühbronzezeitliche Randleistenbeile
      Tribsees, Lkr. Nordvorpommern
      Franzburg [?], Lkr. Nordvorpommern
      Garz, Lkr. Rügen
    • 1 mittelbronzezeitliches Absatzbeil aus Altenhagen, Gde. Velgast, Lkr. Nordvorpommern
    • 2 jungbronzezeitliche Tüllenbeile aus Landsberg an der Warthe
  • Weitere Metallobjekte
    • Knopfsichel aus Stedar, Gde. Buschvitz, Lkr. Rügen
    • Armring mit Strickdekor aus Wolfsdorf, Gde. Gremersdorf-Buchholz, Lkr. Nordvorpommern
    • Griffzungenschwert aus Neumühl, Gde. Gremersdorf-Buchholz, Lkr. Nordvorpommern
  • Metallobjekte aus der jüngeren Bronzezeit
    • Lanzenspitze aus Altenhagen, Gde. Veltgast, Lkr. Nordvorpommern
    • Henkelgefäß aus Stranz, Lkr. Deutsch-Krone
  • 3 Gefäße aus Schlesien [?] von der Lausitzer Kultur
  • Zahlreiche Urnen aus der Jungbronzezeit und Eisenzeit
    • Gräberfelder der Region rund um Franzburg / Mecklenburg-Vorpommern
      Drechow
      Neubauhof, Gde. Franzburg
      Grenzin, Gde. Gremersdorf-Buchholz
      Katzenow, Gde. Drechow
      Kavelsdorf, Gde. Eixen
      Neumühl, Gde. Gremersdorf-Buchholz
    • Göhren, Lkr. Rügen
    • Nielebock, Lkr. Jerichower Land / Sachsen-Anhalt

G. Eisenzeit (69-70)

  • Früheisenzeitliche Objekte der Gesichtsurnenkultur aus ehm. Kreis Schlawe
    • Stöpseldeckel aus Pollnow, Lkr. Schlawe [Polanów]
    • 2 Falzdeckel aus Vellin
    • 2 Urnen aus Vellin, Lkr. Schlawe
    • Gefäße aus der Umgebung von Rummelburg
    • Gefäße von dem Gräberfeld Krangen, Lkr. Schlawe
    • Fragment einer Gesichtsurne unbekannten Fundortes mit drei Ringen und Perlen
  • Doppelkonisches Gefäß der Lausitzer Kultur aus Varbelow, Lkr. Schlawe
  • 8 Urnen aus Gräberfeldern der vorrömischen Eisenzeit
    • Burtevitz, Gde. Seedorf, Lkr. Rügen
    • Katzenow, Lkr. Nordvorpommern
    • Papenhagen, Lkr. Nordvorpommern
    • Pöglitz, Gde. Gremersdorf-Buchholz, Lkr. Nordvorpommern
    • Buchholz, Gde. Gremersdorf-Buchholz, Lkr. Nordvorpommern
    • Wolfsdorf, Gremersdorf-Buchholz, Lkr. Nordvorpommern
  • Urnen der Stufe Ib-IIa nach Keiling aus Gräberfeldern
    • Düvier, Lkr. Demmin
    • Franzburg, Lkr. Nordvorpommern
    • Grenzin, Gde. Gremersdorf-Buchholz, Lkr. Nordvorpommern
    • Hohenbarnekow, Gde. Gremersdorf-Buchholz, Lkr. Nordvorpommern
    • Hugelsdorf, Lkr. Nordvorpommern
    • Kavelsdorf, Gde. Eixen, Lkr. Nordvorpommern
    • Neubauhof, Gde. Franzburg, Lkr. Nordvorpommern
    • Oebelitz, Gde. Millienhagen-Oebelitz, Lkr. Nordvorpommern
    • Upatel, Gde. Kölzin, Lkr. Ostvorpommern
  • Nichtkeramische Funde der römischen Kaiserzeit
    • Rollenkappenfibel aus Seetz, Gde. Karstädt, Lkr. Prignitz
    • Fibel mit umgeschlagenen Fuß aus Greifswald

H. Slawenzeit (70)

  • Zwei Fundplätze mit zahlreichen Scherben und bemerkenswerten Objekten
    • Trebelufer in Tribsees, Lkr. Nordvorpommern
      1 silberplattierter Sporn aus Eisen
      3 Schlittknochen / Schlittschuh
      1 Kopfdeckel
      1 Wetzstein aus Schiefer
      1 Standbodentopf / Topf
    • Burgwall Schwedt, Lkr. Uckermark
      2 Schläfenringe / Schläfenring aus Bronze
      1 Axt aus Eisen
      Messer
      Mehrlagige Kämme / Kamm
      Geräte aus Knochen
  • Weitere Funde
    • Vipperower Gefäß aus Dolgen, Gde. Millienhagen-Oebelitz, Lkr. Nordvorpommern
    • Knopfdeckel aus Kowall, Gde. Gartz, Lkr. Rügen
    • Schläfenring aus Mölln, Lkr. Demmin
    • Knochennadel aus Stralsund

I. Hoch- und Spätmittelalter (70-71)

  • 23 Gefäße, weitgehend erhalten oder rekonstruiert
    • Handaufgebauter Kugeltopf von der Burganlage Altenhagen, Gde. Velgast, Lkr. Nordvorpommern
  • Bodenfliese von der Burganlage Altenhagen, Gde. Velgast, Lkr. Nordvorpommern
  • Harte graue Irdenware, besonders Kannen und Kugeltöpfe
    • Franzburg
    • Duisburg-Brüggen / Nordrhein-Westfalen
    • Polnisch Kessel, Lkr. Grünberg [Stary Kisielin]
  • Importware
    • Rheinländisches Steinzeug
    • Steinzeug aus Waldenburg / Sachsen
  • Ziegelrote Irdenware des 15./16. Jhs.
    • Grapentöpfe / Grapentopf aus Grünkordshagen, Lkr. Nordvorpommern
    • Grapentöpfe von der Halbinsel Zingst
    • Flachdeckel aus Franzburg
    • Schüsselkachel / Kachel aus Stralsund
  • Weitere Funde
    • Schreibgriffel / Griffel aus Mainz / Rheinland-Pfalz
    • Grapen aus Bronze des 15. Jhs.
    • Netzsenker aus Ton aus der Trebel
    • Formsteine aus gebranntem Ton
    • Reste von Architektur aus Zisterzienserkloster Neuenkamp
    • Steinplatte des 15./16. Jhs. mit Hausmarke aus Stralsund
    • Rest von einem Wappenstein des 14./15. Jhs.

J. Neuzeit (71)

  • Zahlreiche Scherben
  • 2 Tiegelböden / Tiegel aus Franzburg mit gleichen Stempeln
  • Tabakpfeifen / Pfeife
  • Bildkacheln / Kachel
  • Zahlreiche Lesefunde aus Metall
  • Reste von Architektur aus Naturstein, gebranntem Ton, Holz
  • Reste von Architektur mit Aufschrift „Schloß Franzburg“

K. Literatur (71-72)

 

Müller, Ulrich <M0327>:
Räume – Zeiten – Menschen:
Historische Archäologie zwischen Strukturalismus und historischer Anthropologie (73-80).
Spaces - times - people:
Historical Archaeology between structuralism and historical Anthropology.

Zusammenfassung
Der Artikel positioniert die Historische Archäologie im Schnittpunkt von strukturalistischen Ideen und Ansätzen der „Historischen Anthropologie“. Beide Zugänge sind für die Archäologie befruchtend, beschreiben sie doch vielfach nur unterschiedliche Positionen. Strukturen und Handlungen bedingen sich gegenseitig. Handlungen schaffen in ihrem zeitlichen Verlauf Regeln und Regelhaftigkeiten. „Orte / Räume“ und „Identitäten“ als archäologische Kategorien werden als Ausdruck von „Handlungen“ und „Bedeutungen“ beschrieben.

Abstract
The article represents Historical Archaeology as a subject between “Structuralism” and “Historical Anthropology”. With their special views of society both concepts are important. A structure-centred view often contains a great deal of agency-based models. Structures and agency are mutually dependent. Action means creating rules and regularities in terms of continuous rule observance. The article refers to “places/spaces” and “identities” as basic expressions of “action” and “meaning”.

A. Einleitung (73-75)

  • Debatte um Theorie und Methoden oder Standorte der Mittelalterforschung
  • Streit der Mittelalterarchäologen wegen unterschiedlicher Zugängen zur Geschichte
    • Forderung nach Gleichsetzung der schriftlichen und gegenständlichen Quellen
    • Konzeption einer Mittelalterkunde
  • Konzept der Historischen Anthropologie nach W. Reinhard
    • Biologische und kulturelle Kategorien
      Umwelt
      Mitmenschen
      Körper
  • Konzept der historischen Entwicklungen nach F. Braudel
    • Ebenen- und Zeitkonzeption
      Strukturen
      Konjunkturen
      Ereignisse
  • Strukturgeschichtliche Beschreibung nach S. Brather
    • Wirtschaft und Kultur
    • Gesellschaft
  • Neues Konzept aus handlungstheoretischer Sicht
    • Handlungen
    • Bedeutungen

B. Orte und Räume (75-76)

  • Archäologische Objekte definiert nach Fund / Befund und Zeit
  • Menschliches Verhalten im Raum

C. Identitäten (76-77)

  • Identitätsbildung und Identitätswechsel
  • Einwanderung und Stammesbildung
  • Sozialstrukturen
  • Erinnerung und Gedächtnis

D. Handlungen und Bedeutungen (77-78)

  • Agency-Konzepte
  • Kommunikation
  • Ritual und Performativität
  • Gesten und Zeichen

E. Fazit (78)

  • Historische Archäologie soll Bedeutung von Strukturen erfragen
  • Beachtung menschlicher Phänomene

F. Literatur (79-80)

 

Brather, Sebastian <B0113>:
Mentalitäten und Identitäten –
Vorstellungswelten in der frühgeschichtlichen Archäologie (81-91).
Mentalities and identities –
Worldviews in early historical Archaeology.

Zusammenfassung
Mentalitäten und Identitäten gehören zu den wichtigen Fragestellungen der Archäologie. Vorstellungswelten bezogen sich auf die zeitgenössischen Verhältnisse in Gesellschaft und Kultur einerseits sowie auf Religion und Jenseits andererseits. Aussagen darüber ermöglichen nicht nur Gräber und Horte, sondern Siedlungen gleichermaßen, denn sie folgten in ihrer Gestaltung neben wirtschaftlichen Erfordernissen auch kulturell geprägten Vorstellungen. Auch die Funde selbst geben wichtige Hinweise auf Vorstellungen. Das trifft für bildliche Darstellungen ebenso zu wie für Symbole, doch selbst Verzierungen lassen sich entsprechend interpretieren. Archäologische Befunde und Funde – die Überreste der Sachkultur – ergeben eine Fülle von Hinweisen auf einstige Vorstellungswelten. Ihre Rekonstruktion gelingt vor allem strukturell; Einzelheiten lassen sich ohne gleichzeitige Texte nicht mehr interpretieren. Zu den methodischen Problemen der Rekonstruktion gehört schließlich, dass seinerzeitige Vorstellungen die Welt idealisierten und dass bei weitem nicht alle archäologisch erfassten Merkmale grundlegende ideelle Bedeutung besaßen.

Abstract
Mentalities and identities belong to the main questions in archaeology. The worlds of ideas were related to contemporary circumstances in society and culture on one hand and to religion and the hereafter on the other. Evidence is possible not only by graves and hoards, but by settlements equally, because they were determined by economic requirements as well as by culturally formed ideas. Even the finds themselves give important information about ideas. This is relevant for pictorial representations and for symbols, and even decorations can be interpreted in this way. Archaeological finds and structures – the remains of material culture – yield much information about contemporary ideological worlds. Their reconstruction is successful mainly structurally; details cannot be seen without texts of the past. Finally a methodological methodical problem is, that ideas idealised the contemporary world and that not all characteristics described by archaeology were of fundamental intellectual importance.

A. Einleitung (81)

  • Mentalität und Identität aus Fund und Befund ermitteln

B. Aspekte und Fragestellungen (81)

  • Zwei unterschiedliche Bereiche
    • Gesellschaft und Kultur im Diesseits
    • Religiöse und jenseitige Aspekte
  • Voraussetzungen und Bedingungen menschlichen Handelns
  • Ergebnisse und Folgen menschlichen Handelns

C. Quellen und Interpretationen (82-88)

  • Gräber / Grab (82-83)
    • Persönlicher Besitz als Grabbeigabe
    • Gegenstände für das Leben im Jenseits
    • Keine Grabbeigaben mehr seit Beginn des 8. Jhs.
    • Grabausstattung gesellschaftsbezogen
    • Brand- oder Körperbestattung kein Hinweis auf unterschiedliche Jenseitsvorstellungen
  • Horte / Hort (83-85)
    • Religiöse oder wirtschaftliche Gründe
    • Heeresausrüstungsopfer der römischen Kaiserzeit
    • Karte der Depotfunde mit arabischen Münzen des 8.-11. Jhs.
  • Siedlungen / Siedlung (85-86)
    • Auskunft über Vorstellungen der Bevölkerung
    • Kulturell geprägte Auffassungen beim Hausbau
    • Strukturierung in sakrale und profane Areale
  • Stilistik und Herstellungstechnik (86-88)
    • Typologische und technikgeschichtliche Aufschlüsse
    • Riemenzunge aus Messing mit Silber des 8. Jhs. von Hohenberg / Steiermark – Österreich
    • Vermischung von eigenen, römischen, byzantinischen Bilderwelten
    • Unterschiedliche Herkunft der Herstellungstechniken
    • Verschiedene Deutung von Symbolen und Attributen
    • Deutung der Darstellungen auf Situla von Vače / Slowenien – Eisenzeit

D. Aussagemöglichkeiten und Aussagegrenzen (88-89)

  • Kulturelles und kommunikatives Gedächtnis
  • Nicht jeder Fund / Befund ist bedeutungsvoll
  • Überlagerung verschiedener Motive
  • Vermutete Vorstellungen oft nicht rekonstruierbar
  • Vorstellung der Archäologen oft nicht realistisch
  • Situation mit Begriffen wie Mentalität und Identität erfassen
  • Berücksichtigung des Kontextes

E. Literatur (89-90)

 

II. Von den Germanen zu den frühen Slawen / From Germans to early Slavs (93-156)

 

Keiling, Horst <K0101>:
Bemerkungen zu den eisernen v-förmigen Gürtelhaken der Jastorf-Kultur (93-105).
Notes on the iron v-shaped belt hooks of the Jastorf culture.

Zusammenfassung
Die bisher 28 aus der Jastorf-Kultur bekannt gewordenen zweischenkligen Gürtelhaken von V-Formgebung werden vorgelegt und hinsichtlich Form, Zeitstellung und Verbreitung untersucht. Es heben sich zwei Typen, die mit Jeserig und Schafstädt bezeichnet werden, zahlenmäßig besonders hervor. Sie wurden am Ende der älteren und zum Teil noch zu Beginn der jüngeren vorrömischen Eisenzeit getragen, waren also nicht so lange in Benutzung wie die auch zahlenmäßig häufigeren und weiter verbreiteten Sporengürtelhaken. Das Verbreitungsgebiet der Gürtelhaken von V-Form ist auf zwei Räume der Jastorf-Kultur konzentriert, das Havel-Spree- und das Saale-Elbe-Gebiet. Angefügt ist eine Anzahl von ähnlichen und verwandten Gürtelhakenformen.

Summary
The previous well-known 28 double shanked belt hooks of v-form are presented and examined concerning form, timing and dissemination. Two types are especially figured out which are described as types „Jeserig“ and „Schafstädt“. They were used at the end of older and at the beginning of younger Pre-Roman Iron Age. They were not as long as spurs belt hooks of u-form in use, which were more disseminated and frequented. The circulation area of the double shanked belt hooks (v-shape) is the Havel-Spree- and the Saale-Elbe-area, which are two areas of the Jastorf-Kultur. Furthermore many forms of similar and related belt hooks are mentioned.

A. Einleitung (93)

  • Gürtel bzw. Gürtelverschluß wichtiger Bestandteil der Tracht der Jastorf-Kultur in Norddeutschland
  • Material
    • Organisches Material mit Metallbesätzen / Metallbesatz
    • Metallblech
  • Fundorte: besonders häufig in Urnengräbern

B. Vorrömische Eisenzeit (93)

  • Stufe Ia: Zungengürtelhaken aus Eisenblech
  • Stufe Ib: zusätzlich stabile Haken
  • Stufe Ic: zunehmendes Auftreten von Metallbestandteilen am Gürtel, große Vielfalt der Formen
    • Entwickelte Zungengürtelhaken
    • Dreieckige und runde Gürtelhaken
    • Einarmige Ringplattengürtelhaken
    • Zweiteilige Typen in V- und U-Form
    • Zweiarmige Typen in V- und U-Form

C. Jüngere vorrömische Eisenzeit (93)

  • Stufe IIa: bislang unbekannte Hakentypen
    • Haftarmgürtelhaken
    • Zweischenklige Hakenformen
    • Lange bandförmige Haken
    • Stabförmige Haken
    • Zwei- und dreiteilige Gürtelverschlüsse
    • Scharniergürtelhaken
    • Tierknopfgürtelhaken
  • Stufe IIb: verschiedene Plattengürtelhakentypen
    • Lochgürtelhaken
    • Ringgürtelhaken
    • Zweischenklige Tierknopfgürtelhaken
    • Sporengürtelhaken
    • V-förmige Haken

D. Frührömische Kaiserzeit (93-94)

  • Spezielle Hakenverschlüsse weiterhin in Gebrauch

E. Zweischenklige Gürtelhaken (94-97)

  • Definition
    • U-förmige Gürtelhaken
    • V-förmige Gürtelhaken
  • Vorläufer
    • Dreieckige Gürtelhaken aus Mitteldeutschland
    • Zweischenklige Tierkopfgürtelhaken
    • Sporengürtelhaken - Haken von Gera / Thüringen

F. Einteilung der v-förmige Gürtelhaken in vier Typen (97-102)

  • Bücknitzer Typ
  • Schafstädter Typ
  • Ammendorfer Typ
  • Jeseriger Typ
  • Verschiedene Stücke nicht einzuordnen

G. Verbreitung der Gürtelhaken hauptsächlich in v-Form in zwei Regionen (102)

  • Havel-Spree-Gebiet
  • Saale-Elbe-Gebiet

H. Literatur (102-103)

I. Liste 1: V-förmige Gürtelhaken [Kat.-Nr. 1-28] (103-104)

  • [ 1] Jastorf, Lkr. Uelzen / Niedersachsen
  • [ 2] Kricheldorf, St. Salzwedel, Altmarkkreis Salzwedel / Sachsen-Anhalt
  • [ 3] Mützlitz, Lkr. Havelland / Brandenburg
  • [ 4] Börnicke, Lkr. Havelland / Brandenburg
  • [ 5] Jeserig, Lkr. Potsdam-Mittelmark / Brandenburg
  • [ 6] Bücknitz, St. Ziesar, Lkr. Potsdam-Mittelmark / Brandenburg
  • [ 7] Wietstock, Lkr. Teltow-Fläming / Brandenburg
  • [ 8] Löwenbruch, Lkr. Teltow-Fläming
  • [ 9] Lüdersdorf, Lkr. Teltow-Fläming
  • [10] Ragow, Lkr. Dahme-Spreewald / Brandenburg
  • [11] Landwehr, Gde. Golßen, Lkr. Dahme-Spreewald
  • [12] Paserin, Gde. Uckro, Lkr. Dahme-Spreewald
  • [13] Jüterborg-Waldau, Lkr. Teltow-Fläming / Brandenburg
  • [14] Calbe, Lkr. Schönebeck / Sachsen-Anhalt
  • [15] Ammendorf, Stadtkreis Halle / Sachsen-Anhalt
  • [16] Schafstädt, Lkr. Merseburg-Querfurt / Sachsen-Anhalt
  • [17] Liederstädt, Gde. Vitzenburg, Lkr. Merseburg-Querfurt / Sachsen-Anhalt
  • [18] Kleinkorbetha, Lkr. Weißenfels / Sachsen-Anhalt
  • [19] Roßdorf, Gde. Jeßnitz, Lkr. Bitterfeld / Sachsen-Anhalt
  • [20] Markkleeberg-West [Gautzsch], Lkr. Leipziger Land / Sachsen
  • [21] Zwethau, Gde. Großtreben-Zwethau, Lkr. Torgau-Oschatz / Sachsen
  • [22] Treben, Gde. Thallwitz, Muldentalkreis / Sachsen
  • [23] Zehmen, Lkr. Leipziger Land / Sachsen
  • [24] Seebschütz, Gde. Diera-Zehren, Lkr. Meißen / Sachsen
  • [25] Pirna, Lkr. Sächsische Schweiz / Sachsen
  • [26] Podmokly – ehm. Bodenbach / Tschechien
  • [27] Marianowo, pow. Stargard Szczecinski / Polen
  • [28] Poieneşti / Rumänien

J. Liste 2: Sonderformen und verwandte Formen [Kat.-Nr. 1-9] (104-105)

  • [ 1] Netzeband, Lkr. Ostvorpommern / Mecklenburg-Vorpommern
  • [ 2] Trollenhagen, Lkr. Mecklenburg-Strelitz / Mecklenburg-Vorpommern
  • [ 3] Hamfelde, Lkr. Herzogtum Lauenburg / Niedersachsen
  • [ 4] Roßdorf, Lkr. Bitterfeld / Sachsen-Anhalt
  • [ 5] Pirna-Copitz, Lkr. Sächsische Schweiz / Sachsen
  • [ 6] Mücheln, Lkr. Merseburg-Querfurt / Sachsen-Anhalt
  • [ 7] Groß Machnow, Lkr. Teltow-Fläming / Brandenburg
  • [ 8] Priemern, Gde. Bretsch, Lkr. Stendal / Sachsen-Anhalt
  • [ 9] Rockenthin, Gde. Henningen, Altmarkkreis Salzwedel / Sachsen-Anhalt

 

Saalow, Lars <S0399>:
Eiserne Trensenfragmente aus einem Gehöft der römischen Kaiserzeit bei Siemersdorf, Lkr. Nordvorpommern (107-113).
Iron snaffle fragments from a Roman Imperial farmstead near Siemersdorf, district of Nordvorpommern.

Zusammenfassung
Bei den Ausgrabungen im Vorfeld des Autobahnbaus wurde in Siemersdorf, Lkr. Nordvorpommern, ein Siedlungsplatz der römischen Kaiserzeit großflächig aufgedeckt. Im nordöstlichen Bereich lässt sich ein Gehöft abgrenzen, das zunächst durch eine unbebaute zentrale Hoffläche gekennzeichnet ist. Im Süden schließen daran die Reste von einem dreischiffigen Langhaus, im Nordwesten und Nordosten zwei Brunnenanlagen an. Um den Hofplatz herum gruppieren sich technische Anlagen, die zusammen mit typischem Fundmaterial einen wirtschaftlichen Schwerpunkt bei der Verhüttung von Eisenerz erkennen lassen. Zwei Fragmente von eisernen Ringtrensen stellen aufgrund der Seltenheit von Pferdegeschirrteilen in kaiserzeitlichen Siedlungen wichtige Neufunde auf dem Gebiet Mecklenburg-Vorpommerns dar.

Abstract
A large area of a Roman Iron Age settlement was uncovered at Siemersdorf, Nordvorpommern County, during major excavations in advance of the construction of motorway A 20. In the northeastern part a farmstead could be located, which is marked by an undeveloped yard. In the south lay a three-aisled longhouse, in the northwest and northeast remains of wells appeared. Technical constructions were arranged around the open yard, which point together with specific finds to iron-melting activities. Because of the rareness of horse harnesses in settlements of the Roman Iron Age two fragments of iron ring-snaffles represent important new finds in Mecklenburg-Vorpommern.

A. Einleitung (107)

  • Großflächige Untersuchungen beim Bau der Ostseeautobahn A 20
    • Dichte Besiedlung im Süden des Lkr. Nordvorpommern in der jüngeren Eisenzeit und römischen Kaiserzeit
  • Siedlungen
    • Leyerhof, Lkr. Nordvorpommern
  • Siedlung und Produktionsanlagen
    • Nütschow, Lkr. Nordvorpommern
    • Kirch Baggendorf, Lkr. Nordvorpommern
    • Wendisch Baggendorf, Lkr. Nordvorpommern
  • Gräberfelder
    • Zarrentin, Lkr. Nordvorpommern
    • Gremersdorf, kaiserzeitliche Brandgräber
    • Vorland, kaiserzeitliche Brandgräber
    • Kirch Baggendorf, Körperbestattung und Brandbestattung

B. Die kaiserzeitliche Siedlung Siemersdorf 7 (107-108)

  • 2003 Untersuchung der Siedlung
  • 1.600 Befunde der jüngeren vorrömischen Eisenzeit und römischen Kaiserzeit

C. Das Gehöft (108-111)

  • Befundfreie Fläche von ca. 12 m Durchmesser umgeben von Befunden
  • Reste von dreischiffigem Gebäude
    • 5-8 Trägerpfostenpaare / Pfosten
    • Pfostengrube in der Mittelachse vom Gebäude
  • Brunnen, ovaler Grundriß [Befund 1.236]
    • Reste von Eichenholz / Eiche – Baumart
    • Vergleich mit frühvölkerwanderungszeitlichen Brunnen 6 in Buschow, Lkr. Havelland
  • Brunnen [Befund 1.156 A]
  • 2 Kalkbrennöfen [Befund 984 und 1.156 C] / Kalk, Kalkbrennofen – Kalk
  • 2 Rennfeueröfen mit Schlackengrube [Befund 989 und 987] / Rennfeuerofen
  • 7 rundliche Feuerstellen / Feuerstelle

D. Die Keramik (111-112)

  • Handgeformte graue und braune Keramik
    • Magerung des Tons mit Quarzitgrus
  • Grobe Siedlungskeramik
  • Feine Keramik
  • Einzelgefäß mit Rollrädchenverzierung / Rollrad und Hakenkreuz

E. Die Trensenfragmente (112)

  • 2 Fragmente von einer Ringtrense / Trense aus Eisen
  • Datierung: jüngere Phase der römischen Kaiserzeit

F. Sonstige Funde (112-113)

  • Unterteil einer Rundmühle / Handmühle
  • Große Mengen von Fließschlacke / Schlacke
  • Schmiedeschlacke
  • Fragmente von Essesteinen / Esse

G. Synthese (113)

  • Hofplatz, Wohnhaus und Werkbereich von einem Gehöft
  • Verhüttung von Eisenerz
  • Herstellung von Branntkalk
  • Vergleiche mit anderen Schmiedegehöften
    • Joldelund, Lkr. Nordfriesland / Schleswig-Holstein
  • Kurzzeitige Nutzung der Schmiede in älterer römischer Kaiserzeit

H. Literatur (113-114)

 

Starke, Wiebke <S0400>:
Aspekte der kaiserzeitlichen Siedlungskeramik von Wackerow [Fpl. 1], Lkr. Ostvorpommern (115-121).
Aspects of the Imperial Period settlement ceramics from Wackerow [site 1]
, district of Ostvorpommern.

Zusammenfassung
Die Merkmalsanalyse der Siedlungskeramik von Wackerow, Fundplatz 1, Lkr. Ostvorpommern, zeigt typische Elemente der Keramik der älteren Kaiserzeit wie bauchige, weitmündige Gefäße, eine Variation von Siebgefäßen und feine schwarz polierte Ware. Eine typologische Einordnung in die ältere römische Kaiserzeit B1 bis B2 / C1 mit einem Schwerpunkt in B2 wird durch die dendrochronologischen Daten gestützt. Besonderheiten im Inventar stellen die dreigliedrigen, engmündigen Gefäße dar, die nicht nur aufgrund der Gliederung, sondern auch durch die Ornamentik eine Sonderstellung einnehmen. Da sich für die Kombination aus beidem keine Vergleiche fanden, ist hier eine lokale Form anzunehmen, die Einflüsse aus dem Osten und Westen verbindet. Ein weiterer Sonderfall ist der sich auf dem Fragment eines schwarz polierten Gefäßes befindliche mehrfache Hakenkreuzmäander, für den bisher befriedigende Vergleiche ausstehen.

Abstract
Results from the ceramic analysis of the Early Roman Iron Age settlement at Wackerow, site 1, in West Pomerania, showed the typical features of Germanic pottery from the first two centuries A.D. along the southern Baltic and in the Elbe-Oder region. Nevertheless influences from both the East and the West formed special characteristics in the inventory according to the vessels’ form and ornamentation. Outstanding are triparted, narrow mouthed vessels, decorated on the shoulder with a chevron or zigzag line. The hanging triangles are roughened with fine sand whereas the others are smoothened. The lower part of the vessel is roughened with medium/coarse sand. Unfortunately it is not yet possible to retrieve satisfying comparisons either in Germany or in the inventories of the Wielbark Culture in Poland. Vessels with a similar outline are known from within the wider local area but they lack the type of ornamentation. Another remarkable piece is a sherd of black polished ware decorated with a double swastika-meander, applied by using a roller stamp. Although motive and technique are common in this period, a satisfying parallel for this ornament could not be found.

A. Einleitung (115-117)

  • Lage von Wackerow
    • 2 km westlich von Greifswald / Mecklenburg-Vorpommern
    • Fundplatz 1 in der Gemarkung Wackerow, Siedlung der römischen Kaiserzeit
  • Fundort
    • Fundort seit 19. Jh. bekannt
    • Erste Grabungen in den 1950er Jahren ohne Ergebnisse
    • Regulierung des Ryck in den 1960er Jahren
    • Fundplatz 1 um 1960 angeschnitten und zerstört
    • Leitungsverlegungen und archäologische Untersuchungen in den 1970er Jahren
    • Weitere Untersuchungen in den 90er Jahren
  • Funde
    • Brunnenanlagen / Brunnen
    • Dendrochronologie: um/nach 10 n.Chr. und 39 ±10 n.Chr. [B1 bis B2/C1]
    • Eisengewinnung
    • Bohlenweg
  • Bauarbeiten für Westumgehung in den 1990er Jahren
    • Verschiedene Grabungen mit Funden aus unterschiedlichen Epochen
    • Aus Funden keine Ergebnisse zur Siedlungsstruktur

B. Untersuchung der Keramik aus der Grabung der 1970er Jahre (117)

  • Weniger als 8.000 Scherben
  • Auswertung von ca. drei Viertel möglich
  • Handgemachte, lokal hergestellte, reduziert gebrannte Gefäße
  • Gliederung in 5 Warengruppen
    • 16 % schwarzpolierte Ware [Gruppe IV] / Politur
    • 38 % [Gruppe II]
    • 27,9 % [Gruppe III]
    • [Gruppe I]
    • [Gruppe V]
  • Insgesamt 5 Randformen mit Untergruppen
    • Form 2: kurze, von der halslosen Schulter abgesetzte senkrechte Ränder
    • Form 3 am häufigsten: kurze abgesetzte nach außen gestellte Ränder mit oder ohne Halsbildung und mit Randlippe
  • Insgesamt 4 Bodenformen mit Untergruppen
    • Variante 1b am häufigsten: Wandung vom Boden in Winkel von 45-60° schräg nach außen
    • Form 3: Standringe / Standring
    • Form 4: Stengelfüße / Stengelfuß
  • Henkelformen / Henkel
    • 3 Varianten nur singulär vertreten
      Variante 1a: Mittelständiger Henkel mit waagrecht ausgezogenen Attaschen
      Variante 2: Waagrechter Henkel
      Variante 3a: X-förmiger Henkel
    • Knickhenkel: 5 Exemplare

C. Rekonstruktion von 9 Gefäßtypen mit Unterformen (117-118)

  • Siebgeräte / Sieb
  • Siebgefäße
  • Napfartige und becherförmige Gefäße / Gefäß
  • Eingliedrige Gefäße mit einziehender Mündung
  • Tassen / Tasse
  • Töpfe und Terrinen / Topf, Terrine
    • Umfangreichste Gruppe
    • Unterformen a-j
    • Überwiegend bauchige, weitmündige Gefäße mit hoch liegendem Umbruch
  • Weitmündige Schalen / Schale
  • Standfußgefäße / Standfuß
  • Miniaturgefäße / Miniatur

D. Rekonstruktion der Oberflächengestaltung (118-120)

  • Insgesamt 12 Verzierungselemente
    • 4 lineare Elemente von eingeschnittenen Linien zu breiteren Glättstreifen
    • Einstiche, Kerben, Verzierungen in 5 Varianten mit Rollstempel – Rollrad, ein- bis dreizeilig
    • Kammstich, Schlicküberfänge / Schlicküberfang
  • Insgesamt 41 Ornamente
    • 2 herausragende Ornamente
      T-Mäander
      Hakenkreuzmäander / Hakenkreuz
      Vergleichsfunde in Lalendorf, Lkr. Güstrow und Stare Łysogórki, Stettin / Polen
      Wielbark-Kultur
    • 2 beachtliche Ornamente
      Einfaches Zickzackband mit Feinsandrauhung der stehenden Dreiecke
      Doppelte, alternierend auf der Schulter angeordnete Sparren /
      Zickzackbänder mit Feinsandrauhung der stehenden Dreiecke
      Vergleichsfunde in ehm. Kreisen Regenwalde, Dramburg, Schlawe, Bütow, Lauenburg

E. Literatur (120-121)

 

Schoknecht, Ulrich <S0159>:
Vendelzeitliche Funde aus Mecklenburg-Vorpommern (123-130).
Vendel Period finds from Mecklenburg-Vorpommern.

Zusammenfassung
Der Neufund einer skandinavischen vendelzeitlichen Schnabelfibel bei Usedom ist Anlass, die Funde dieser Periode aus Mecklenburg-Vorpommern vorzustellen. Es zeigt sich eine Bindung an die Ostsee und den Raum der Peene sowie ein räumlicher Kontakt zu den etwas jüngeren skandinavischen Seehandelsplätzen. Diskutiert wird, auf welche Bevölkerungsgruppen die Besucher im 6./7. Jh. in Mecklenburg-Vorpommern stießen. Zu den spätvölkerwanderungszeitlichen Funden [meist einer Elite] kommen erste Funde slawischer Zuwanderer. Es wird die These vertreten, dass sich die Germanen und Slawen in den slawischen Stämmen assimilierten, allerdings ohne skandinavischen Einfluss.

Abstract
A new Vendel-period “Schnabelfibel“ near Usedom is presented together with all known finds of this period from Mecklenburg and Western Pomerania. The finds show a close connection to the Baltic Sea, the Peene river valley and to the younger Scandinavian sites of sea trade. It is discussed, which kind of population the visitors met. It is suggested that besides the finds of late migration period (often by an elite) first finds of the Slavic immigrants exist. It is supposed that the Slavs and the Germanic tribes assimilated, but without Scandinavian influence.

A. Einleitung (123)

  • Vendelzeitliche Funde aus Mecklenburg-Vorpommern
    • Neufund: Schnabelfibel bei Usedom, Lkr. Ostvorpommern
  • Funde an Wasserwegen oder bei slawischen Zentren

B. Fundorte (123-126)

  • Singuläre Fibel aus Benzin bei Gadebusch, Lkr. Nordwestmecklenburg
    • Fundort altslawische Siedlungsgrube
    • Skandinavischer Typ
    • Datierung: jüngere Vendelzeit
  • Unpublizierte Fibeln aus Groß Strömkendorf
  • Vogelfibel aus Rostock-Dierkow am Breitling
    • Reiche Flechtbandverzierung, Kreisornamente
    • Datierung: Mitte oder 2. Hälfte 7. Jh.
  • Drachenfibel aus Nehringen an der Trebel, Lkr. Nordvorpommern
    • Zwei ineinander verwobene Schlangen
    • Datierung: 675-700
  • Gleicharmige Fibel aus Verchen an der Peene, Lkr. Demmin
    • Datierung: vor Mitte des 6. Jhs.
  • Vogelfibel aus Schönfeld bei Verchen, Lkr. Demmin
    • Kreis- und Bogenornamente
    • Datierung: Mitte oder 2. Hälfte 7. Jh.
  • Schnabelfibel aus Menzlin an der Peene, Lkr. Ostvorpommern
    • Typ G2 von M. Ørsnes
    • Datierung: um 600
  • Schnabelfibel von Usedom
    • Gruppe G1 nach M. Ørsnes
    • Datierung: vor Mitte des 7. Jhs.

C. Verbreitung der Schnabelfibeln im Norden (126)

  • Schnabelfibeln stellen häufigste vendelzeitliche Fibelform dar
  • Hauptverbreitung
    • Nördliches Jütland / Dänemark
    • Dänische Inseln einschließlich Bornholm
    • Südliches Schweden mit Gotland und Öland
    • Fundplätze mit starker skandinavischer Dominanz
      Grobin-Seeburg
  • Fundplätze mit Massenproduktion von Schnabelfibeln
    • Uppåkra / Schweden
      Fund von über 200 Schnabelfibeln durch Metalldedektoren
      120 gleicharmige Fibeln
      110 Vogelfibeln / Vogelfibel
    • Gudme / Dänemark
      Fund von 16 Schnabelfibeln vom Typ G2

D. Funde von Schnabelfibeln auch in Sachsen-Anhalt (126)

  • Verbreitung über die Elbe bis zur Mündung der Saale
  • Funde lassen auf starke Einwanderung skandinavischer Stämme schließen
    • 2 Krötenfibeln / Krötenfibel aus Wulfen bei Köthen / Sachsen-Anhalt
    • Gleicharmige Fibel aus Aken a.d. Elbe / Sachsen-Anhalt
    • 2 gleicharmige Fibeln aus der Wüstung Marsleben bei Quedlinburg / Sachsen-Anhalt

E. Funde von mehreren gleicharmigen und fischförmigen Fibeln aus der Altmark (126)

  • Altenzaun, Lkr. Stendal / Sachsen-Anhalt
  • Kläden, Lkr. Stendal
  • Sanne, Lkr. Stendal
  • Ünglingen, Lkr. Stendal

F. Germanische Funde des 6. Jhs. in Mecklenburg-Vorpommern (126-128)

  • Zangenfibeln / Zangenfibel aus Schwanbeck, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
  • Zangenfibeln aus Friedland, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
  • Kopfplatte einer Bügelfibel aus Rossow, Lkr. Uecker-Randow
    • Vergleich Bügelfibel aus Altenhausen in der Altmark bei Haldensleben / Sachsen-Anhalt
  • Fibel aus Grab in Kleinlangheim, Lkr. Kitzingen / Bayern
  • Fibel aus Bremen
  • Bügelfibel mit Tierkopffuß aus Groß Pankow, Lkr. Parchim
  • Bügelfibel aus Kölln, Lkr. Demmin
  • Schnalle aus Rowa, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
  • Vogelwirbelfibel aus Gold aus Schwerin-Mueß
  • Völkerwanderungszeitliche und altslawische Keramik
  • Spangenhelm und Schnalle aus Bronze aus Demmin
  • Große Spatha aus Hafen von Demmin
  • Fragment von Spangenhelm aus Todendorf, Lkr. Güstrow
  • Goldbrakteat / Brakteat aus Sukow, Lkr. Parchim / Mecklenburg-Vorpommern

G. Kontakte zwischen Germanen und vendelzeitlichen Einwanderern (128-129)

  • Germanische Funde elitär
  • Bislang keinen germanischen Herrensitz gefunden
  • Frage nach slawischer Einwanderung
    • Neben- und Miteinander von germanischer Restbevölkerung und slawischer Zuwanderer im 6. und 7. Jh.

H. Literatur (129-130)

 

Makiewicz, Tadeusz <M0082>:
Das Problem der Kontinuität zwischen Altertum und Mittelalter in Polen im Lichte neuer sprachwissenschaftlicher Forschungen –
Betrachtungen eines Archäologen (131-137).
The problem of continuity between antiquity and the medieval period in Poland in the light of new linguistic research –
Reflections of an archaeologist.

Zusammenfassung
In jüngerer Zeit erschienen einige wichtige Publikationen über die Informationen, die wir zur ethnischen Situation im Gebiet Polens am Ende des Altertums besitzen. Neue linguistische Forschungen können keine Spuren von venetischen Namen in den polnischen Gebieten erkennen; zugleich stimmen die Sprachforscher darin überein, dass der Name „Veneter“ ein Pseudo-Ethnonym sei. Am überzeugendsten ist die Hypothese, dass es ein germanischer Name für Fremde oder „die anderen“ gewesen ist. Gesichert erwähnt werden die Slawen erstmals vom byzantinischen Historiker Jordanes im mittleren 6. Jh. Jordanes verwendet die Bezeichnung „Veneter“ als generelle Bezeichnung und teilt sie dann in zwei [Sclavenen und Anten] oder drei Gruppen [Veneter, Anten und Sclavenen]. J. Koder zeigte, dass in der griechischen Sprache jener Zeit kein „sl“-Anlaut existierte. Entsprechend gab es keine Möglichkeit für eine exakte phonetische Übernahme des Namens „Slawen“, welche von den Griechen „Sklavenoi“ oder „Sthlavenoi“ genannt wurden. Daher meint der Name „Sclavenen“ einfach die Slawen, während die Anten eine kleine multiethnische Gruppe im Gebiet der heutigen Moldau gewesen sein müssen. Sie verlieren sich zu Beginn des 7. Jhs. aus den historischen Quellen. Anscheinend versuchte Jordanes mit der Verwendung des Begriffs “Veneter” und der weiteren Unterteilung in verschiedene Gruppen, traditionelle römische Bezeichnungen für die Völker östlich der Germanen mit den neuen Informationen über die Existenz von Slawen in jenen Gebieten zu vereinbaren.

Abstract
Recently there appeared some important publications concerning the oldest information available about the ethnic situation on the territories of Poland at the end of Antiquity. New linguistic research shows no traces of Venetian names on Polish territories; at the same time language scholars reached agreement that the name “Venetes” must be a pseudoethnonym and that it was a Germanic name for foreigners or “the other”. In a certainly identifiable way the Slavs are mentioned for the first time by the Byzantine historian Jordanes in the middle of the 6th century. Jordanes uses the term “Venetes” to describe them generally and then divides them into two [Sclavenes and Antes] or three [Venetes, Antes, Sclavenes] groups. J. Koder demonstrated, however, that in the Greek language of the time there was no “sl”-phoneme. Consequently there was no possibility of exact phonetic rendering of the name “Slavs” whom the Greeks called “Sklavenoi” or “Sthlavenoi”. Thus the name “Sclavens” means simply Slavs while Antes must have been a small multiethnic group living in the territory of present Moldova. They disappear from historical records at the beginning of the 7th century. It seems that using the name “Venetes” and then suddividing them into different groups Jordanes was trying to reconcile traditional Roman terminology applied to the peoples living east of the Germanic tribes with the newly available information about the presence of Slavs on those territories.

A. Einleitung (131)

  • Neue sprachwissenschaftliche Forschungen verändern das Problem der Slawensitze

B. Die älteste Namensschicht in den polnischen Gebieten (131-132)

  • Publikation von Z. Babik [2001] in polnischer Sprache
    • Analyse der ältesten onomastischen Schicht in Polen
    • Flußnamen in Polen sind indoeuropäisch / Indoeuropäer
      Anders J. Udolph [2005]: Noteć [Netze] und Warta [Warthe] sind germanischer Abstammung
    • Wenige baltische und germanische, aber keine anderen Namen
    • Germanische Namen ohne Lautverschiebung
    • Keine Namen venetischer Abstammung
    • Kontinuität des mündlichen Kontaktes [Namen] von Altertum zum frühen Mittelalter
    • Kulturanknüpfung vom Altertum zum Frühmittelalter bei Keramik
  • Bestätigung der Kulturkontinuität durch Fundstellen der jüngsten Phase der Przeworsk-Kultur
    • Eiförmige Gefäße mit 70-100% bestimmbarer Formen
    • Neue Kategorie der scheibengedrehten Tonware [spätantik] identisch
      mit der „pseudomittelalterlichen Keramik“ und Keramik der „Boege-Gruppe
    • Datierung: 5./6. Jh.

C. Neues zu den Venetern (132-133)

  • Veneter in der älteren polnischen Geschichtsforschung
    • Sonderethnikon oder Splitter eines großen Volkes
  • Publikation von Z. Gołąb [2004] in polnischer Sprache
    • Bezeichnung Veneter in verschiedenen Epochen für unterschiedliche Völker verwendet
    • Bedeutung: Krieger oder Eroberer
  • Publikation von W. P. Schmidt [1992]
    • Veneter ist Pseudoethnonym, das keinem konkreten Volk entspricht
    • Bedeutung: Bewohner der flachen, sumpfigen Tiefebenen
  • Publikation von R. Nedoma [2006]
    • Fremdbezeichnung für Nachbarn, kein konkretes Ethnos gemeint
    • Bedeutung wie H. Krahe: Geliebte, Befreundete, Verwandte, Adoptierte
  • Publikation von J. Banasziewics [1998] in polnischer Sprache
    • Bezeichnung für verschiedene Völker in ganz Europa
    • Pseudoethnonym, das von außen vergeben wurde
    • Erklärung wie R. Wenskus [1961], Begriff bezieht sich auf alle Fremden
    • Germanische Bezeichnung
  • Fazit
    • Es gab kein Volk der Veneter
    • Pseudoethnonym, ein von außen bzw. von Fremden gegebener Scheinname
    • Der Name Slawen stammt aus der eigenen Sprache
      Sprachvergleich mit Wales bei Giraldus Cambrensis
    • Der Name Slawen erst ab deren Erscheinen an den Grenzen des Byzantinischen Reiches
    • Vorher bei Plinius, Tacitus, Ptolemaios, Jordanes sind die Slawen Veneter

D. Exkurs über Jordanes (133)

  • Zwei widersprüchliche Angaben über die Veneter
    • Einteilung der Veneter in Sklavenen und Anten
    • Einteilung der Veneter in Veneter, Sklavenen und Anten

E. Wer waren Sklavenen ? (133-134)

  • Publikation von J. Koder [2002]
    • Bezeichnung der Slawen als Veneter vor Iustinian I.
    • Byzantinische Quellen belegen den Begriff Slawen auf dem Balkan seit Anfang 6. Jh.
    • Übernahme in die griechische Phonetik als Slavenen
    • Auftreten von sl in der griechischen Sprache nicht nachweisbar
    • Zwei Formen im Griechischen
      Sthlav-, nur in höfischen Texten
      Sklav-, bei Prokopios von Caesarea und weiteren Texten
    • Ähnlicher phoenetischer Weg bei dem Namen Wisla [Vistula, Viskla]

F. Wer waren die Anten ? (134-135)

  • Nach neuen sprachwissenschaftlichen und archäologischen Quellen multiethnische Gruppe mit einem hohen Anteil an Slawen
    • Slawische Sprache
    • Slawischer Lebensstil
  • Gegenmeinung
    • Fachliteratur: Anten verschiedene Ethnien
    • G. Schramm: Der Name Anten stammt nicht aus der slawischen Sprache

G. Resümee (135-136)

  • Kontakt der älteren indoeuropäischen mit der späteren slawischen Bevölkerung
  • Keine Nachweise für ein altes Volk der Veneter
  • Die in den römischen Quellen genannten Veneter bezeichnen ein Pseudoethnonym
  • Veneter ist ein Sammelbegriff für Fremde, der im germanischen Bereich für Slawen verwendet wurde
  • Die Römer übernahmen den Begriff Veneter von den Germanen
  • Slavenen sind die phonetisch gräzisierten Slawen
  • Die multiethnischen Anten besaßen einen hohen Anteil an Slawen

H. Literatur (137)

 

Herrmann, Joachim <H0178>:
Slawen seit dem Ende des 6. Jahrhunderts u.Z. an der südwestlichen Ostseeküste ?
Probleme interdisziplinärer Forschungen zu slawischen Wanderungen nach Mitteleuropa (139-156).
Slavs on the south-western shores of the Baltic from the late 6th century A.D. ?
Problems of interdisciplinary research on the Slavic migrations into central Europe.

Zusammenfassung
Die slawische Besiedlung der Gebiete westlich der Weichsel und der Oder bildete eine wesentliche Grundlage für die geschichtliche Entwicklung seit dem frühen Mittelalter bis in die Gegenwart. Es wird versucht, die Diskussionen der teilweise sehr unterschiedlichen Forschungsergebnisse über die slawische Einwanderung und die slawische Frühgeschichte in der 2. Hälfte des 1. Jts. u.Z. in den historischen Zusammenhang einzuordnen. Herausgehoben werden v.a. das slawisch-antike Zusammentreffen im Donaugebiet in Verbindung mit den slawisch-byzantinischen Auseinandersetzungen und die Rolle der Awaren. Daraus gingen bedeutende kulturgeschichtliche Synthesen und Auswirkungen auf die Besiedlung und auf dessen Gestaltung hervor.

Abstract
The immigration of slavs into the regions west of the river Wisla and Oder since the 6th century determines the paper. A new basis for the historical development up to our days was created. The discussion about the reasons and the origins of the slavonic migration escalated in the last years. The frame of the paper is to compare the various ideas with the historical and archaeological evidence. It seems quite clear, that the Slavonic immigration into the regions of Central Europe had two sources: the original one coming from the regions east of the Carpathian Mountains and an other one, connected with a Slavonic-Antique synthesis in the regions of the originally Byzantine Empire, came from the central Danubian Region.

A. Einleitung (139-141)

  • Schriftliche Überlieferung
    • byzantinische Quellen
    • fränkische Quellen / Franken
  • Archäologische Befunde
  • Naturwissenschaftliche Funddatierungen
    • 14C-Daten
    • Dendrochronologie
    • Pollenanalyse
  • Sprachwissenschaftliche Aussagen zu Stammesnamen und hydronomischen Bezeichnungen
  • Geschichtliche Ereignisse
    • Bedrohung der byzantinischen Donaugrenze durch Slawen Ende 5. / Anfang 6. Jh.
    • Slawinien / Sklawinen entstehen nördlich der Donau
      Dauritas, Ardagast, Musokios, Peragast
      Ipotesti-Ciureli-Cindesti-Kultur
    • Slawische Einfälle bis zur Peloponnes und Thessaloniki / Griechenland
    • Synthese und Assimilation von Autochthonen, Romanen und Slawen
    • Nach 568 erhebt der Khagan der Awaren Anspruch auf die Herrschaft über alle Barbaren

B. Schriftliche Berichte zu den Verhältnissen in Mitteleuropa im 6. Jh. (141-147)

  • Berichte über den Herulerzug vom mittleren Donauraum 510 / 512 / Österreich
    • Eine Gruppe zieht in byzantinisches Gebiet
    • Eine Gruppe zieht nach Norden bis nach Thule
    • Unterschiedliche Rekonstruktionen der Wege
    • Herculer von Slawen besiegt
  • Berichte über die Beziehungen zwischen Slawen und Langobarden um 550
    • Langobardenkönig Hildigis sucht Schutz bei den Slawen
    • Hildigis zieht mit 6.000 slawischen Reitern nach Oberitalien
  • Berichte über das Vordringen der Awaren in das Donaugebiet
    • Angriffe der Awaren gegen Franken und Thüringen 561 / 562, 565, 596
    • Zug nach Gallien und entlang der Elbe bis zur Küste
    • Geringe Bedeutung für die slawische Nordwanderung
    • 626 Niederlage der Awaren, die aus slawischen Gebieten vertrieben wurden
  • Berichte über die Sorben 631 und später
    • In Thüringen und Frankenreich sesshaft seit Ende 6. Jh.
      Entsprechend der Verbreitung der Keramik Rüssener Typ
    • Um 600 im Elbe-Saale-Gebiet / Sachsen-Anhalt
      Burgen im 7. Jh. in sorbischen Gebiet

C. Rugier, Rujane und Rügen (147)

  • Bericht von Beda über die Ostseeslaven
    • Slavische Bewohner Rügens, Ruani, Rugiani, Rujanie, Rojani genannt
  • Fundmaterial auf Rügen
    • Wenig Sukower und Feldberger Keramik
    • Fresendorfer Keramik ab dem 8. Jh.
  • Wanderung von südlicher Ostseeküste zur mittleren Donau während der Völkerwanderung
  • Vielleicht Rückwanderung Ende 6. / Anfang 7. Jh. nach Norden

D. Wilzen und Obodriten (148-150)

  • Weg in die Küstengebiete nicht zu ermitteln
  • Nach literarischen Quellen sind Wilzen und Obodriten Gegner
  • Menkendorfer Keramik ebenso früh wie Donautyp im Mittelelbegebiet
  • Feldberger Keramik verbreitet in wilzischen Stammesgebieten

E. Zur Keramik des Feldberger und des Tornower Typs (150-153)

  • Schatzfund von Biesenbrow / Uckermark aus frühslawischer oder germanischer Siedlung
    • 200 römisch-byzantinische Münzen
    • Schwierige Datierung
  • Neue Dendrodaten in der Forschung unberücksichtigt
    • Keramik wurde zu früh datiert
  • Feldberger Typ: ab Mitte 8. Jh.
  • Tornower Typ und polierte Ware: ab 9 Jh.

F. Quellen (153)

G. Literatur (153-156)

 

III. Burgen, Herrschaft und Machtpolitik / Castles, lordship and power politics (157-256)

 

Biermann, Felix <B0127>:
Der Burgwall Zantoch bei Landsberg an der Warthe –
Ein Kommentar zu den bisherigen Forschungen (157-170).
The castle site at Zantoch near Landsberg on the Warthe –
A commentary on research so far.

Zusammenfassung
Der Beitrag kommentiert die Vor- und Nachkriegsforschungen an dem früh- und hochmittelalterlichen Burgwall Zantoch [Santok] bei Landsberg / Warthe [Gorzów Wielkopolski]. Zunächst werden die Resultate der Grabungen kurz vorgestellt, dabei die Datierung, Stratigraphie und Phasengliederung besprochen. Hernach geht es v.a. um die Befestigungsentwicklung und ihren politischen Hintergrund, bestimmte Merkmale des Wallbaus sowie die Abfolge vom großflächigen zum kleinen und wieder großen Ringwall. Schließlich werden forschungsgeschichtliche Gesichtspunkte angesprochen.

Abstract
This article gives some comments on the pre- and post-war excavations at the important early and high medieval stronghold from Zantoch [Santok] near Landsberg on Warta [Gorzów Wielkopolski]. First are discussed the results of the excavations, the chronology of the site, its stratigraphy and the phases. The second topic are cultural-historical aspects of the fortification development and its political background, some details of the rampart construction and the changes in the size of the fortification. At least the article deals with some scientific historical aspects of the German pre-war excavations.

A. Einleitung (157)

  • Lage
    • Burgwall Zantoch [Santok] 12 km östlich von Landsberg [Gorzów Wlk.] am Zusammenfluß von Warthe und Netze
  • Kritische Betrachtung slawenzeitlichen Befestigung der deutschen Grabung der 1930er Jahre

B. Der Burgwall (157)

  • Kontrolle der Zantocher Enge
  • Mehrere Befestigungsanlagen und Schanzwerke anstelle des Burgwalls Alt-Zantoch
  • Große ovale Wallbefestigung von 200-240 m Durchmesser
  • Kleiner Ringwall von 80-120 m Durchmesser
  • Burghügel
  • Friedhof auf dem östlichen Wallabschnitt
  • Gebäude aus Stein in Form eines Donjon, evtl. Rest einer Kirche
  • Schanzwerke in der Neuzeit

C. Die Ausgrabungen und ihre Ergebnisse (157-159)

  • 1932-1934 erste Grabungen wegen Erweiterung der Zantocher Enge für die Schiffahrt
    • Leitung der Grabung: W. Unverzagt, O. Doppelfeld
    • Grabungsareal: kleinere Burg im Nordwesten der großen Wallanlage
    • 1936 erste teilweise Publikation der Ergebnisse
  • 1958-1965 polnische Ausgrabungen
    • Leitung: W. Hensel
    • Anlegen von 2 Schnitten im nördlichen Bereich des Innenraumes der großen Burg
    • 1961-1975 Publikation der Ergebnisse in Vorbereichten und Monographien
  • 1997 Fund- und Holzbergung
    • Leitung: Z. Kurnatowska
  • 1997-1999 Ausgrabung im Westabschnitt vom großen Ringwall
    • Leitung: K. Zamelska-Monczak
    • Fund von Holzkonstruktionen mit Kästen und Asthaken
    • Fund einer Steinfront
    • Bislang keine ausführliche Publikation
  • 1994 Tagung in Zantoch zu den Anfängen der Burg
  • Seit 2007 erneute Ausgrabungen am großen Burgwall
    • Auswertungsarbeiten in Posen

D. Ergebnisse der Grabung 1932-1934 (159-160)

  • 5 früh- bis hochmittelalterliche Befestigungsphasen
    • Phase 1: Anfang 9. Jh., Palisade mit 60 m Durchmesser
    • Phase 2: bald nach 1000, große Burg mit Holz-Erde-Wall mit Rostsubstruktionen und Asthakenverbindungen
    • Phase 3: nach 1025, nach Zerstörung der großen Burg Erneuerung des großen Wallrings, Einbau des kleine Ringwalls
    • Phase 4: um 1100, Verstärkung der Burg durch Wälle mit Anbauten
    • Phase 5: 12. / frühes 13. Jh., Schwächung der Wälle durch Überbauung
  • Das Innere der Burg
    • Dichte Bebauung aus regelmäßig angeordneten Gebäuden
    • Zunächst ein- oder zweiräumige Flechtwerkhäuser / Flechtwerk
    • Später Blockhäuser / Blockhaus
  • Datierung nach Keramikfunden
    • Phase 1: Verzierter Menkendorfer Typ und Tornower Typ
    • Phase 2: Mittel- und spätlawische Typen
    • Phase 3-5: Spätslawische Gurtfurchenware
  • Bauherren
    • Phase 1: Werk der Pomoranen zur Grenzsicherung
    • Phase 2-5: Werk der Polen als Grenz- und Kastellansburgen

E. Ergebnisse der Grabung 1958-1965 (160-161)

  • Untersuchungen im Innenraum der großen Burg
  • Fund von einem weiteren zur kleinen Burg gehörenden Wall
  • Einteilung in 7 Horizonte
    • 1. Horizont: ältester Siedlungshorizont mit Flechtwerkbehausungen
      Palisadenburg: 200 m statt 60 m Durchmesser
      Keramik
      80% Sukower bzw. unverzierter Menkendorfer Typ
      Wenig wellenverzierte Keramik und verzierter Menkendorfer Typ
      Datierung: Ende 7./ 1. Hälfte 8. Jh.
    • 2. Horizont: mit Flechtwerkbauten
      Keramik
      Unverzierte Ware und Menkendorfer Ware
      11,4 % Feldberger Typ
      Datierung: 2. Hälfte 8. Jh.
    • 3. Horizont: mit Blockbauten und einem Bohlenweg
      Keramik
      Verzierter und unverzierter Menkendorfer Typ
      Erstmals Tornower Typ
      Datierung: 1. Hälfte 9. Jh.
    • 4. Horizont: mit Blockhäusern und einem Wall, vielleicht Teil der kleinen Burg
      Keramik
      Mittelslawische Keramik
      Mehr Tonower Ware
      Weitere Funde
      Lyraförmige Schnalle mit ostslawisch-altrussischen Parallele
      Datierung: Mitte bis Ende des 9. Jhs.
    • 5. Horizont: mit Blockbauten
      Ausbau des mittleren Walls
      Keramik
      Mittelslawische Keramik
      Weitere Funde
      Reitersporn
      Datierung: 1. Hälfte 10. Jh.
    • 6. Horizont: mit Resten von Blockhäusern und Steinfundament
      Keramik
      40 % Spätslawische Keramik
      Datierung: 950-1050
    • 7. Horizont: mit Holzarchitektur
      Keramik
      93,5 % Spätslawische Keramik
      Blaugraue Scherben
      Datierung: 12./13. Jh.
  • Vergleich Grabungen 1932-1934 und 1958-1965
    • Keine Phase entspricht Horizont 1+2
    • Phase 1 entspricht Horizont 3-5
    • Phase 2-5 entsprechen Horizont 6-7

F. 1990er Jahre Überprüfung der Phasen / Horizonte durch Z. Hilczer-Kurnatowska und M. Kara (161-162)

  • Neue Datierung der Horizonte der Grabung 1958-1965
    • Horizont 1: 2. Hälfte 8. Jh.
    • Horizont 2-4: 9. Jh.
    • Horizont 5-6: 10 Jh.
  • Dendrochronologie einer Berme – Datierung läßt auf zwei Bauphasen schließen
    • Berme: um 970
    • Abschnitt des inneren Walls: nach 912

G. Anmerkungen zu den bisherigen Forschungen (162-165)

  • Datierung nach Keramik, da noch zu wenige dendrochronologische Daten vorliegen
  • Zustimmung zu den Ergebnissen von Z. Hilczer-Kurnatowska und M. Kara

H. Forschungsgeschichtliche Aspekte (165-168)

  • 1927 Gründung der „Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung der nord- und ostdeutschen vor- und frühgeschichtlichen Wall- und Wehranlagen“ in Kiel
  • 1932 Umbenennung in „ Arbeitsgemeinschaft für die Vor- und Frühgeschichte Ostdeutschlands“
  • 1934 Auflösung der Arbeitsgemeinschaft
  • Ausgrabung Zantocher Burgwall gehörte zu den Projekten dieser Arbeitsgemeinschaft
  • Sehr wissenschaftliche und methodische Ausgrabung und Lehrgrabung
  • Öffentlichkeitsarbeit mit Ausstellung, Führungen, Zeitungsartikeln, Kongress
  • Beachtliche Publikation
  • Politische Nutzen der Grabung
    • Bewertung der Phase 1 als germanisch

I. Quellen (168)

J. Literatur (168-170)

 

Ulrich, Jens <U0018>:
Interessante Neufunde vom Burgwall Klempenow, Lkr. Demmin (171-175).
Interesting new finds from the castle site at Klempenow, district of Demmin.

Zusammenfassung
Die Funde vom Burgwall Klempenow weisen auf eine nicht periodische, wohl nahezu ausschließlich militärisch genutzte Anlage zum Schutz eines Flussüberganges. Die Münzen und Kleinfunde datieren in das 8.-9. Jh., was in einem gewissen Widerspruch zu den durch die Dendrochronologie erbrachten Ergebnissen von der Burg Glienke, Lkr. Mecklenburg-Strelitz, steht.

Abstract
Following the finds made in the hillfort of Klempenow, obviously this site was used as a military basis to defend the river crossing. Contradictory to dendrochronological results concerning the hillfort Glienke, distr. Mecklenburg-Strelitz, coins and small finds of Klempenow date to the 8th-9th centuries A.D.

A. Lage vom Burgwall Klempenow (171)

  • Eingliedrige Anlage mit Wall an der Nord- und Ostseite
  • Süd- und Westseite durch die steilen Hänge des Tollensetal geschützt
  • Verkehrsgünstige Lage am Fluß und mindestens einer Furt
  • Luftbild

B. Alte Funde (171)

  • Steinzeit
  • Bronzezeit
  • Germanische Funde / Germanen
  • Hauptsächlich altslawische Scherben von Feldberger Typ
  • Wenige mittelalterliche und neuzeitliche Funde

C. Neue Funde nach der Publikation durch GPS eingemessen (171)

  • Funde der Bronzezeit
    • Rasiermesser
    • Bruchstück einer großen Nadel
    • Armring

D. Münzen (171-173)

  • Altfund von 1828: Arabischer Dirham
  • 8 arabische Münzen bzw. Bruchstücke von Münzen
    • Fragment von einem Dirham aus der Zeit der Umayyaden, Kalif Hischâm, 724-743
    • Fragment von einem Dirham aus der Zeit der Umayyaden, 1. Hälfte 8. Jh.
    • Zeitgenössische subaeratische Fälschung eines Tabari Dirhams der Post Yasdgard-Ara, 777-778
    • Dirham abbassinischer Gouverneure von Ifriqiya, Yazid ibn Hatim al Muhallabi, 788-798
    • Fragment von einem Dirham der Abbasiden, Hârûn ar Rashîd, 799-800
    • Fragment von einem Dirham der Samaniden, Ahmad ibn Ismâ îl, 909-910
    • Fragment von einem Dirham der Abbasiden, al-Mu’azza billâ, 868-869
    • Fragment von einem Dirham der Abbasiden, Hârûn ar Rashîd, 796-799
  • Slawische Münzen

E. Kleinfunde (173-174)

  • Schwertknauf
  • Beschlag von einem Zaumzeug mit Blütendekor / Awaren
    Vergleich mit Grabfund von Hortobágy-Ákus / Ungarn
  • Zaumzeugbeschlag aus dem westdeutschen Raum
  • 2 Sporen
  • Trense
  • Pfeilspitzen / Pfeilspitze
  • Dreieckiger Schwertknauf, 9, Jh.
  • Polyedrischer Endknopf einer Nadel oder Ringfibel
  • Eiserner Schlüssel

F. Fazit (174)

  • Burgwall Klempenow hatte keine Vorburgsiedlung
  • Kein Nachweis von Handwerk wie Verarbeitung von Knochen oder Eisen
  • Münzen zeugen von Umlauf von Edelmetall, Wägestücke fehlen / Waage
  • Nutzung des Burgwalls Klempenow wohl nahezu ausschließlich als militärisch Anlage zum Schutz eines Flussüberganges
  • Geistiges und admistrative Zentrum in den beiden Burgen von Hohenbüssow westlich der Tollense

G. Literatur (175)

 

Goßler, Norbert <G0149>:
Neue Überlegungen zur Interpretation des spätslawischen Siedlungskomplexes am Tollensesee und an der Lieps (177-188).
New thoughts on the interpretation of the late Slavic settlement complex at lake Tollense and on the Lieps.

Zusammenfassung
Die bisherige Interpretation des spätslawischen Siedlungskomplexes am Südende des Tollensesees und in der Lieps [Mecklenburg-Vorpommern] wird einer Überprüfung unterzogen: Die Besiedlungsdauer reichte bis in die 2. Hälfte des 13. Jhs., doch die unumschränkte Herrschaft einer slawischen Elite, auf die Luxus- und Importfunde und aufwändige Grablegen hindeuten, dürfte schon seit der 2. Hälfte des 12. Jhs. unter dem Einfluss der pomoranischen Oberherrschaft zu Ende gegangen sein. Die Reitzubehörfunde des Siedlungskomplexes können nur mit Einschränkungen als Attribute der slawischen Eliten gelten: Sporen lassen sich auch dem Gefolge zuordnen, während andere Bestandteile der Pferdeausrüstung erst im Zuge der veränderten Machtverhältnisse des 13. Jhs. mit fremden Herren in die Region gelangten.

Abstract
The article investigates the state of research concerning late Slavonic settlements at the southern bank of Lake Tollense and in Lake Lieps [Mecklenburg-Vorpommern]: These settlements were inhabited until the second half of the 13th century AD, but we may assume that the absolute reign of a Slavonic elite – indicated by luxury and imported goods and special burials – ceased already in the second part of the 12th century A.D. under the influence of Pomeranian rulers. Horse harness found on the settlement sites only partially can be attributed to the Slavonic elite: i. e. spurs may also have belonged to the entourage; some pieces of horse harness only reached the region with new landlords in the course of the 13th century A.D.

A. Geländeforschungen in der 1960er Jahren am Südende des Tollensesees und in der Lieps (177)

  • Befestigungen
  • Inselsiedlungen
  • Dorfanlagen
  • Gräberfelder
  • Funde von Import und Luxusgut sowie Reitzubehör lassen auf Adelsschicht schließen

B. Insel Hanfwerder (177)

  • Holzkasten-Wallmauer
  • Toranlage
  • Gräberfeld von Usadel in 500 m Entfernung auf dem Festland
  • Vermutlich Brückenverbindung zum Festland
  • Zahlreiche Siedlungsbefunde lassen auf ständige Besiedlung schließen
  • Deutung als Herrschaftszentrum mit regionaler Bedeutung

C. Insel Kietzwerder (177)

  • 80 cm starke Kulturschicht mit Funden lassen auf ständige Besiedlung schließen
  • Vermutlich spätslawische Brückenverbindung: Prillwitz – Kietzwerder – Halbinsel Nonnenhof
  • Deutung umstritten
    • V. Schmidt: Handwerker
    • E. Gringmuth-Dallmer: Dienstsiedlung

D. Insel Binsenwerder (177)

  • Heute weitgehend überflutet
  • Vermutlich Brückenverbindung zum Festland
  • Zahlreiche Scherben lassen auf ständige slawische Besiedlung schließen

E. Fischerinsel am Südende des Tollensesees (177-178)

  • Reste mehrere Bauten in Flechtwerk- und Blockbautechnik
  • Reste von Palisaden
  • Reste einer Toranlage
  • Vermutlich Brückenverbindung zum Festland
  • Deutung
    • Marktsiedlung mit ansässigen Handwerkern
    • Nach Fund von 2 hölzernen Kultfiguren auch sakrale Zwecke

F. Blütezeit der Siedlungen in der Lieps ab dem 11 Jh. (178-179)

  • Ab 1200 Grundwasseranstieg und Überflutung
  • Münzen
    • 2 Münzen von der Fischerinsel, Prägung: 1187 und 1219 / 1220
    • 1 Münze vom Kietzwerder: 1200-1220
  • Bautätigkeit nach Dendrochronologie
    • Fischerinsel: Bautätigkeit von der 2. Hälfte 12. Jh. bis in erste Jahrzehnte 13. Jh.
    • Hanfwerder: keine Daten, trotzdem vier Besiedlungsperioden vom Anfang des 11. Jhs bis um 1270 angenommen
  • Keramik
    • Alle Fundplätze neben slawischer Tonware auch geringe Anteile früher Kugeltopfware
  • Fortbestand der Besiedlung bis um Mitte 13. Jh.
    • Stiftungsurkunde von Kloster Broda bei Neubrandenburg nennt Besitz von Ortschaften in der „Lipiz“ und einem „Wuzstrowe castrum cum villa“
    • Urkunde von 1236 nennt „terra Wostrowe“
  • Gräberfeld von Usadel
    • Nutzungsdauer: frühes 12. Jh. bis um 1200

G. Reitzubehör (179-181)

  • Funde
    • 10 Sporen aus Eisen von Hanfwerder, 11/12.-13. Jh.
    • Sporen aus dem Gräberfeld von Usadel, 12. Jh. und um 1200
    • Sattelgestell aus Holz aus Hanfwerder
    • Striegelblech aus Hanfwerder, 13. Jh.
      Vergleichsfund von der Gesslerburg in Küssnacht / Schweiz
    • Hufbeschläge / Hufbeschlag – Hufeisen aus Hanfwerder
    • Steigbügel von der Fischerinsel, 13./14. Jh.
    • Striegelblech von der Fischerinsel
    • Ringtrense mit einteiligem stangenförmigen Mundstück aus Kietzwerder
    • Zapfenförmiger Buntmetallanhänger aus Kietzwerder
    • Radsporn aus Eisen aus Kietzwerder
    • 7 Hufnägel / Hufnagel aus Kietzwerder
    • Funde und Lesefunde von Reitzubehör von Fundplätzen bei Wustrow
  • Zwei Horizonte des Reitzubehörs
    • Formen mit Parallelen aus dem slawischen Kulturraum, 12. und frühes 13. Jh.
    • Neue Formen ohne Parallelen aus dem slawischen Kulturraum, 13 Jh.
  • Bedeutung des Pferdes
    • Reitpferd
    • Rituelle Zusammenhänge

H. Handelsgüter und Luxuswaren (181-186)

  • Hanfwerder
    • Glasierte Keramik
    • Fragmente von Steinzeug
    • Keramik der Pingsdorfer Art
    • Fragmente von Glasgefäßen
    • Gürtelschnallen aus Silber
    • Kästchenbeschläge / Kästchenbeschlag
    • Silbertauschierte Axt
  • Fischerinsel
    • Messergriff mit Flechtbandornamentik / Messer
    • Bernsteinperle / Perle, Bernstein
  • Kretzwerder
    • Bergkristallperle / Perle, Bergkristall
  • Verbindungen zur westlichen Schriftkultur
    • Beigabe von Büchern in zwei Gräbern in Usedal
      Ein Buch in Seidenstoff gewickelt
      Buchschließen erhalten
  • Funde vom Marktverkehr auf der Fischerinsel
    • Fundkonzentration von Messern, Spinnwirteln, Sicheln, Nägeln
    • 11 Schlüssel
    • Handel mit Pelzen
    • Bleibarren / Barren - Blei
  • Funde von Tierknochen
    • Hoher Anteil von Wild
  • Aufwendige Grabanlagen bis Mitte 12. Jh.
    • Grab 100 in Usedal mit einem hölzernen Totenhaus mit Beigaben von Reitzubehör und Waffen
    • Dreiteiliges Holzkammergrab mit Schwertbeigabe

I. Deutung von Reitzubehör (186)

  • Berittene Kaufleute
  • Stationierung von Reitern
  • Pferdeausrüstung erst im Zuge veränderter Machtverhältnisse im 13. Jh. mit fremden Herren in die Region gelangt

J. Literatur (187-188)

 

Kóčka-Krenz, Hanna <K0265>:
Die Gemmen von der Dominsel in Posen als Zeugnisse der Kulturkontakte des Staates der Piasten im Frühmittelalter (189-197).
The cameos from the Dominsel [cathedral island]
in Posen as evidence of the cultural contacts of the Piastic state in the early Middle Ages.

Zusammenfassung
Die archäologischen Untersuchungen der Adam Mickiewicz-Universität auf der Dominsel zu Posen haben – neben den Überresten des frühmittelalterlichen Steinpalatiums – vielfältiges Fundmaterial geliefert. Zu diesen Objekten gehören u.a. zwei Gemmen und ein einzigartiger Tongegenstand mit Abdrücken eines Siegelrings. Die erste Gemme [Abb. 2] ist zu den so genannten Alsengemmen zu rechnen, welche abstrakte Motive zeigen. Die zweite Gemme ist ein ovales Intaglio aus Karneol, das eine Löwendarstellung abbildet [Abb. 6]. Wahrscheinlich gelangten diese Gemmen um das 12. Jh. zusammen mit liturgischen Geräten aus Westeuropa nach Posen. Bei dem dritten Gegenstand handelt es sich um einen Tonbehälter [Abb. 7], der aus einer Schicht des 11.-12. Jhs. geborgen wurde. Dieser zeigt einen Gemmenabdruck mit der Darstellung eines Hundes. Der Tonbehälter ist ein bislang einzigartiger Fund. Insgesamt bezeugen die Objekte enge Kulturbande des Fürstenhofs in Posen mit Westeuropa im Frühmittelalter und bezeugen seine wichtige militärische, administrative sowie auch sakrale und kulturbildende Rolle.

Abstract
The paper deals with some early medieval finds from Ostrów Tumski [Cathedral Island] in Poznań. Two of them are gems made of glass [with an abstractive motif] and of karneol [with a lion figure], both used as a decoration of liturgical objects. The third object was made of clay. It represents an exceptional container for a seal or a seal-stamp, signed with the prints of a finger-ring stone with a dog motif. These finds confirm the cultural relationship of the prince’s court with western Europe and the role of the Poznań stronghold in the Piast state.

A. Einleitung (189)

  • Schriftliche Quellen gering
    • Burg Posen im 10. Jh. wichtige Rolle
  • Ausgrabungen auf der Dominsel seit 1938, 1946-1961, seit 1999
    • Befunde der Bebauung
    • Zahlreiche Kleinfunde, u.a. Gemmen

B. Gemme 1 (189-191)

  • Fundort: 1938 Posen, auf dem Platz vor dem Dom, heute verloren
  • Aussehen: ovale Form, lilafarben, Zweischichtenglas
  • Herstellung: Intagliotechnik
  • Zuordnung: Alsengemme – Typ I c nach M. Schulze-Dörrlamm, abstraktes Einfigurenmotiv
  • Vergleiche
    • 2 Gemmen am Godehard-Reliquienschrein, Hildesheim / Niedersachsen
    • Gemme auf dem Kreuz von Heinrich dem Löwen, Hildesheim
    • Gemme aus Belgorod bei Kiev, 12. Jh. / Ukraine
    • Gemme im Zimborium, Lüneburg, 13. Jh. / Niedersachsen
    • Gemme aus dem Rheinland / Nordrhein-Westfalen
  • Datierung nach M. Schulze-Dörrlamm zwischen 11. Jh. und Anfang 13. Jh.
  • Herstellungsort: vmtl. Köln / Nordrhein-Westfalen

C. Gemme 2 (191-192)

  • Fundort: 2006 Posen, Steinpalatium der Burg
  • Aussehen: ovales Intaglio aus Karneol, mit Darstellung eines Löwen
  • Herstellung: Intagliotechnik
  • Datierung: späte römische Kaiserzeit
    In Kulturschicht des 12. Jhs. zusammen mit Keramik gefunden
  • Herstellungsort: vmtl. Rheinland

D. Interpretation der Gemmen (192-194)

  • Fund im kirchlichen oder sepulkralen Kontext
  • Vermutlich im 12. Jh. mit liturgischen Geräten aus Westeuropa nach Posen gelangt
    • Gemme 1 vielleicht in der Einfassung von einem Evangeliar
    • Gemme 2 vielleicht von Rückwand von einem Reliquienschrein
  • Weitere Funde von Gemmen aus Polen
    • Gnesen, Woj. Großpolen mit Darstellung der Athena mit Nike auf der Hand, 2.-3. Jh.
    • Międzyrzecz, Woj. Großpolen mit Büste von Gordian III. auf dem Avers und Victoria und Fortuna auf dem Revers, 3. Jh.

E. Einzigartiger kugelförmiger Tonbehälter mit Stempelabdruck (194-195)

  • Abdruck von einem Siegelring mit der Darstellung von einem Hund
  • Vergleiche
    • Gemme am Godehard-Reliquienschrein, Hildesheim
  • Deutung: Zerbrochener Verschluß an einem Gefäß, Eigner nicht zu ermitteln

F. Schlussbetrachtung (195-196)

  • Objekte bezeugen enge Kulturbeziehungen des Fürstenhofs in Posen mit Westeuropa im Frühmittelalter
  • Posen mit wichtiger militärischer, administrativer sowie auch sakraler und kulturbildender Rolle

G. Literatur und Quellen (196-197)

 

Kirsch, Eberhard <K0254>:
Ein keulenkopfförmiges Steingerät mit romanischer Ornamentik
vom Schlossberg zu Gützkow, Lkr. Ostvorpommern (199-206).
A stone implement in the form of a macehead with Romanesque ornaments
from the Schlossberg
[castle hill]
at Gützkow, of Ostvorpommern.

Zusammenfassung
Anhand eines Altfundes aus dem Märkischen Museum Berlin, einem keulenkopfförmigen Steingerät vom Schlossberg bei Gützkow, können einige Aspekte der mittelalterlichen Geschichte Pommerns um 1200 beleuchtet werden. Die reiche Ornamentik des Gerätes weist stilistische Bezüge insbesondere zur romanischen Bauplastik Dänemarks auf. Das Fundstück unterstreicht, dass mit dem dänischen Anspruch nach Vorherrschaft in dieser Region auch eine kulturelle Einflussnahme einherging. Außerdem werden Beispiele dafür vorgestellt, dass auch nach dem Rückzug der Dänen infolge der Schlacht von Bornhöved 1227 stilistische Traditionen des nordischen Kulturraums nachwirkten.

Abstract
A mace head shaped stone object from the collection of Märkisches Museum Berlin, found long time ago on the slavic stronghold at Gützkow, illustrates some interesting aspects of the medieval history of Pomerania. The rich ornamentation of the object finds analogies in the Romanic building art of Denmark. The artefact shows, that Northern cultural influences had an effect in context with the expansion of Danish power to Pomerania. There are given also some examples for Danish traditions still existing after the battle of Bornhöved 1227.

A. Einleitung (199)

  • Befunde und Funde aus spätem Mittelalter 1878 von E. Friedel [1837-1918] bei Ausgrabungen am Schlossberg in Gützkow gefunden
  • Aufbewahrungsort der Funde: Märkisches Provinzialmuseum Berlin

B. Erhaltene Funde (199-204)

  • 2 Fragmente von Bechern aus 14./15. Jh.,
    Typ mit dreieckiger Mündung und abgesetzter Fußplatte mit Wellenbändern / Wellenband
  • ‘Kunkelstein’, Keulenkopfförmiges Steingerät mit Ritzornamenten / geritztem Blattornament und Durchbohrung in der Mitte
    • Material: Kalkstein – vmtl. Ostseekalk
    • Verwendungszweck: unbekannt
    • Vergleiche zu Form und Ornament
      Steingerät des 11./12. Jhs. aus Daugmale / Lettland
      Taustabornament an dänischen und pommerschen Kirchen
      Kugelförmiger Knauf von Bischofsstab oder Abtstab
      Formale Ähnlichkeit mit Kugelknauf von aus Holz gedrechseltem Thronsessel
      Ähnliche Ausformung bei Osterleuchter aus Stein oder Marmor
      Vergleiche in Kloster Jerichow / Sachsen-Anhalt bzw. in Königslutter / Niedersachsen
      Blattranke
      Vergleiche: Kugelstachelsporn aus Prenzlau / Berlin
      Dolchscheibe von Nierendolch vom Rugard auf Rügen / Mecklenburg-Vorpommern
      Taufbecken von Husby und Rieseby / Schleswig-Holstein
      Zeitstellung und Verbreitung des Ringkettenornament

C. Fazit (204)

  • Nachweis weit reichender politischer und kultureller Beziehungen
  • Beginn der Christianisierung

D. Quellen und Literatur (205)

 

Gringmuth-Dallmer, Eike <G0059>:
Adel im Abseits ?
Beobachtungen zur Lage niederadliger Befestigungen in Mecklenburg-Vorpommern (207-215).
Aristocracy at the margins ?
Observations on the location of fortifications of the lower aristocracy in Mecklenburg-Vorpommern.

Zusammenfassung
Gegenüber den „klassischen“ Burgenlandschaften des Mittelgebirgsraumes weist Nordostdeutschland im hohen Mittelalter einige Besonderheiten auf, die insbesondere aus der fehlenden Möglichkeit einer „Vertikalisierung“ resultieren, aber auch aus dem generellen Bruch der historischen Entwicklung, den die Ostsiedlung mit sich brachte. Insgesamt aber zeigen sich weitgehende Übereinstimmungen. Der Ortsadel hat sich vornehmlich in den Dörfern bzw. an ihrem Rand niedergelassen. Das geschah teils in bestehenden Dörfern, in anderen Fällen scheinen Dorf und Befestigung gleichzeitig errichtet worden zu sein. Ortsferne der Anlagen lässt sich nur bei der Weiternutzung slawischer Burgen, der Zugehörigkeit zu einer Wüstung oder bei einer anderen Funktion, z.B. als Wartturm, mit einiger Sicherheit erklären. Hingegen ist die andernorts vielfach belegte bewusste räumliche Absonderung des Adels in einigen Fällen zwar möglich, aber nicht zu beweisen.

Abstract
Contrary to the “classical” hillfort landscape in the low mountain regions, in Northeastern Germany during the High Middle Ages we find some peculiarities resulting from the impossibility of “verticalization” and the historical development caused by settling the East; but in all the features are corresponding. In most cases the local gentry settled down within an already existing village or at its outskirts, but in some cases obviously village and hillfort were erected at the same time. Hillforts built in a distance to the village can be explained with some certainty only by continuing settling in a former Slavonic hillfort, as a part of a now deserted village, or when used for example as a watchtower. In other regions often an intentional physical distance of the gentry can be stated; in Northeastern Germany this also may be true in some cases, but there is no clear evidence.

A. Einleitung (207-209)

  • Burgen in Norddeutschland fehlt die Möglichkeit zur Anlage von Höhenburgen
  • Einzelne Formen von Burgen
    • Burghügel
    • Turmhügel - Motte
    • Kemlade
    • Befestigtes Herrenhaus
    • Befestigter Hof
    • Turmhügelburg – Bergfried
    • Unbefestiger Herrensitz
  • Kurze vergleichende Vorstellung der Publikationen über Burgen in verschiedenen Gebieten
  • Niederadlige Befestigungen in Mecklenburg-Vorpommern
    • [ 1] Karchow
    • [ 2] Detershagen
    • [ 3] Schmarsow
    • [ 4] Feldberg
    • [ 5] Kittendorf
    • [ 6] Schwanbeck
    • [ 7] Weitin

B. Die Lokalisierung der Anlagen (209)

  • Altkreis Altentreptow, Demmin, Anklam
    • 37 Anlagen im Ortsbereich
    • 11 Anlagen ortsfern
  • Wittenburg, Boizenburg
    • 33 Anlagen im Ortsbereich
    • 11 Anlagen ortsfern
  • Westliches Mecklenburg
    • 97 Anlagen im Ortsbereich
    • 8 Anlagen ortsfern

C. Der „Normalfall: Die Ansiedlungen des Ortsadligen im Dorf oder am Ortsrand (209-210)

  • Karchow, Lkr. Müritz
  • Alt Kentzlin, Lkr. Demmin
  • Faulenrost, Lkr. Demmin
  • Dammereez, Lkr. Ludwigslust
  • Ihlenfeldt, Lkr. Mecklenburg-Strelitz im Land Stargard
  • Helpt, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
  • Eickhof, Lkr. Güstrow

D. Anlagen ohne direkte Verbindung zu bestehenden Dörfern (210-214)

  • Weiternutzung slawischer Burgwälle / Burgwall
    • Neu Canow, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
    • Marnitz, Lkr. Parchim
    • „Duggenkoppel“ bei Detershagen, Lkr. Bad Doberan
    • „Schlossberg“ im Park von Göhren, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
    • Besitz, Lkr. Ludwigslust
    • „Tempelberg“ bei Woddow, Lkr. Uckermark
    • Teßmannsdorf, Lkr. Bad Doberan
  • Topografisch bestimmte Anlagen
    • Osten bei Schmarsow, Lkr. Demmin, Insel
    • Neverin, Lkr. Mecklenburg-Strelitz , Halbinsel
  • Zu Wüstungen gehörende Anlagen
    • Burg Cumerovve bei Wodarg, Lkr. Demmin
    • „Telliner Hof“ bei Lindenberg, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
    • Wüstung Merchrade bei Grünhof, Lkr. Ludwigslust
    • Wüstung Panitz bei Banzin, Lkr. Ludwigslust
  • Ortsferne als Ausdruck bewusster Separierung des Adels [?]
    • Quitzenow, Lkr. Güstrow
    • „Schlauchburg“ bei Gut von Drönnewitz, Lkr. Ludwigslust
    • „Schlossberg“, Gemarkung Dümmer, Lkr. Ludwigslust
    • „Oll Hoff“ bei Kittendorf, Lkr. Demmin
  • Andere Funktionen
    • Turmburg bei Schwanbeck, Lkr. Mecklenburg-Strelitz , Grenz- und Straßensicherung
    • Gothmann, Lkr. Ludwigslust, Sicherung Elbübergang / Elbe
    • Weitun, Neubrandenburg, Sicherung vom Kloster
    • „Salzburgen“ bei Neukirchen, Lkr. Güstrow, Schutz der Salzquellen und Töpfereien
  • Fehlinterpretationen
    • Turmhügel bei Neu Nieköhr/Walkendorf, Lkr. Güstrow Ofen einer Glashütte
    • Außenwall im Gutsbereich von Alt-Schwerin, Lkr. Güstrow Basis für Pavillon

E. Literatur (214-215)

 

Olesen, Jens E. <O0034>:
Dänische Strategie in den wendischen Kreuzzügen (217-224).
Danish strategy during the Wendish crusades.

Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht die dänische Politik gegen heidnische slawische Stämme in der 2. Hälfte des 12. Jhs. Unter dem Dänenkönig Waldemar I. wurde zunächst Rügen erobert, unter seinem Sohn und Nachfolger König Knut VI. gelangte Vorpommern bis zur Oder unter dänische Herrschaft. Mit ihren Verbündeten [besonders dem Sachsenherzog Heinrich dem Löwen] entwickelten sie im Verlauf mehrerer Kriegszüge eine bestimmte taktisch-strategische Vorgehensweise: Verwüstung des feindlichen Landes unter Vermeidung von Belagerungen und allgemeine Schwächung der Slawen, Errichtung von Brückenköpfen / Brückenkopf wie Stettin und Wolgast. Mit der Missionierung der heidnischen Bevölkerung und der Gründung von Klöstern festigte sich die dänische Herrschaft über Rügen und Pommern.

Abstract
This article investigates the Danish policy against the pagan Slavonic tribes in the course of the 12th century A.D. The Danish king Waldemar I conquered the isle of Rugen, in the reign of his son king Knut VI western Pomerania up to the river Oder became Danish. With their allies [esp. the Saxon duke Henry the Lion] in the course of several military expeditions they developed a certain strategy: devastation of the enemies’ country and avoiding siege of fortified places as well as weakening the Slavs in general, establishing bridgeheads like Stettin and Wolgast. The Danish predominance in Rugen and western Pomerania was consolidated by Christianisation of the pagan Slavs and the founding of monasteries.

A. Plünderungs- und Eroberungszüge der Dänen in Norddeutschland (217)

  • Dänische Gegenreaktion auf wendische Angriffe

B. Taktik der Dänen (217-222)

  • Schneller Überfall, Verwüstung des eroberten Landes
  • Plünderungen von Arkona auf Rügen, slawisches Hauptheiligtum
  • Errichtung von Brückenköpfen wie Stettin / Polen und Wolgast / Mecklenburg-Vorpommern
  • Bündnis der Dänen mit Heinrich dem Löwen wechselhaft
  • Eroberung von Rügen und Odergebiet
  • Christianisierung der eroberten Gebiete
  • Bündnis mit Kaiser Friedrich Barbarossa
  • 1185 wird Knut VI. König der Dänen und Wenden
  • Bau von Befestigungen und Turmburgen

C. Taktik der Slawen (222-223)

  • Angriffe gegen die Sachsen
  • Heinrich der Löwe wiegelt die Slawen zu Raubzügen gegen Dänemark auf
  • Bündnisse der Pommernherzöge mit Heinrich
  • Verlassen und Niederbrennen der eigenen Siedlungen

D. Literatur (223-224)

 

Escher, Felix <E0075>:
Brandenburgische Burgen und ihr Zubehör –
Gedanken zum Burgenverzeichnis im Landbuch von 1375 (225-230).
The castles of Brandenburg and their fittings –
Thoughts on the castle inventories in the Landbuch of 1375.

Zusammenfassung
Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 gehört zu den großen urbarialen Quellen zur Geschichte des östlichen Deutschlands. In dem Werk sind vor dem Dorfregister Aufzeichnungen über die Einnahmen des Landesherrn vorangestellt. Dazu gehören Verzeichnisse der Einnahmen aus Burgen und Städten. Die Verzeichnisse sind in der Kanzlei des Markgrafen – zu dieser Zeit Karl IV. – erstellt worden. Die Mehrzahl der in dem Verzeichnis der Burgen enthaltenen Befestigungen haben noch ein ländliches Zubehör, manchmal ganze Dörfer. Dies weist auf ihre ältere Bedeutung als Mittelpunkt eines „Burgwardium“ genannten Komplexes hin. Die in diesem Kontext genannten Dörfer gehören wie die Burgen der Übergangszeit von der slawischen zur deutschen Herrschaft [11./12. Jh.] an. Zu ihnen zählt eine beträchtliche Zahl von Wüstungen.

Abstract
The so-called „Land book“ of the Mark Brandenburg from 1375 is one of the main sources of history in Eastern Germany. A registrum of castles and towns precedes in the survey the main record of villages. All registers were made by the office of the marchio [Markgraf], this time the German emperor Charles IV. Most of the castles still had their rural possessions, even whole villages. This hints to the former meaning of the castles as the centres of a socalled „burgwardium“. The named villages belong to the age of change between the Slavonic and German domination of the country [12th/13th century]. There are many deserted villages within that survey.

A. Das Landbuch (225)

  • 1375 im Auftrag von Kaiser Karl V. erstellt
  • Allgemeiner Teil ‘Rubrum’ mit Burgenverzeichnis
  • Hauptteil Dorfregister

B. Burgenverzeichnis nennt Name, Einkünfte und Zubehör (225-226)

  • Teil 1: Allgemeine Übersicht mit Einnahmen aus Zöllen, Mühlen, Gewässern, Wäldern, Städten
  • Teil 2: Übersicht nach Landschaften

C. Altmark (226-227)

  • Arneburg
  • Tangermünde
  • Gardelegen
  • Salzwedel
  • Schnakenburg

D. Mittelmark (227)

  • Köpenick / Berlin
  • Trebbin
  • Saarmund
  • Mittenwalde

E. Havelland (227-228)

  • Potsdam
  • Spandau / Berlin
  • Bötzow [Oranienburg]

F. Barnim (228)

  • Biesenthal

G. Uckermark (228)

  • Boitzenburg
  • Breten / Breden am Werbellinsee
  • Oderberg

H. Prignitz (228)

  • Lenzen

I. Burgwardverfassung im 12./13. Jh. in die vormals slawischen Gebiete übertragen (228-229)

J. Literatur (229-230)

 

Ribbe, Wolfgang <R0159>:
Entstehung und Aufgaben einer brandenburgischen Landvogtei (231-236).
The origins and duties of a rural Vogtei in Brandenburg.

Zusammenfassung
Die aus der slawischen Burgwardverfassung heraus entwickelten Vogteien gliederten sich in Beritte und bildeten zusammen [innerhalb der „terrae“] eine mittlere Verwaltungsebene, die im Wesentlichen für die wirtschaftliche und finanzielle Ausstattung der Landesherrschaft und des markgräflichen Hofes zuständig war. Mit der fortschreitenden Veräußerung landesherrlichen Besitzes sind mehrere Vogteien zu Landvogteien zusammengeschlossen worden. Sie bildeten die Grundlage für die frühneuzeitliche Kreisverfassung. Auch die gegenwärtigen Landkreise und ihre Vorgänger im 19. und 20. Jh. gehen – trotz abweichender äußerer Gestalt, verfassungsrechtlicher Struktur und politischem Aufgabenbereich – historisch gesehen auf die mittelalterlichen Burgwarde und Vogteien zurück, lehnen sich aber namentlich teilweise an die mittelalterlichen „terrae“ an.

Abstract
The Vogteien, developed from the Slavonic constitution of the Burgwarde, were subdivided into Beritte and formed together a middle level of administration within the terrae. They were essentially responsible for he economic and financial provisions of the sovereign and the margravial court. In the course of progressing alienation of the property of the sovereigns, a lot of Vogteien were merged to Landvogteien, forming the basis for the constitution of the administrative districts in the early modern times. From the historian’s point of view even the present administrative districts and their predecessors in the 19th and 20th century, in spite of different outward appearence, constitutional structure and political area of responsibility, go back to the medieval Burgwarde and Vogteien but follow partly the names of the medieval terrae.

A. Burgwardverfassung (231-232)

  • Umwandlung der Burgward-Bezirke des 10. Jh. in Vogteien und Vogtei-Berzirke im 12. Jh.
  • Neugründungen von Vogteien
  • Umwandlung der Vogteien und Landvogteien bzw. Landeshauptmannschaften im 14 Jh.
  • Vogteiverbindungen

B. Ständiger Prozeß der Vergrößerung der Verwaltungseinheiten (232)

  • Rückgang der Einkünfte
  • Askanische Landesteilungen

C. Quellen (232-235)

  • Landbuch von 1375
  • Register eines wittelsbachischen Vogtes, 1340-1345 / 1346
  • Neumärkisches Landbuch von 1337
  • Hohenzollersche Schloßregister, 2. Hälfte 15. Jh.
  • Hofrechnungen der Wittelsbacher
    • Marquard von Lauterbach
    • Peter von Trautenberg

D. Literatur (235)

 

Rahde, Stefan <R0160>:
Von der Burg zum Schloss –
Die Wolgaster Residenz der Pommernherzöge an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit (237-246).
From castle to palace –
The residence of Pomerania’s dukes in Wolgast at the threshold from the Middle Ages to the modern period.

Zusammenfassung
Der vorliegende Artikel befasst sich mit dem Übergang in der Entwicklung von der mittelalterlichen Burg zum frühneuzeitlichen Repräsentationsbau um 1500 am Beispiel des Bogislaw-Flügels des Wolgaster Herzogsschlosses auf der Schlossinsel im Peenestrom [Mecklenburg-Vorpommern]. Für die Wolgaster Schlossinsel kann eine fast 550-jährige Platzkontinuität als Herrschafts- und Verwaltungszentrum angenommen werden. Diese reicht vom slawischen Burgwall des frühen 12. Jhs. über die Steinburg, spätestens seit dem 14. Jh. fassbar, hin zur frühneuzeitlichen Residenz der Herzöge der Pommern-Wolgaster Line. Mit der Errichtung des dreigeschossigen Bogislawflügels im Nordwesten des Burgrondells im Jahre 1496 löste sich Bogislaw X. vom Randhausburgkonzept und initiierte den frühen Schlossbau in Pommern. Die Formensprache des Neubaus war jedoch noch spätgotisch, ähnlich dem Südflügel des Stettiner Schlosses, ebenfalls durch Bogislaw X. veranlasst, oder dem Westflügel des Wismarer Fürstenhofes. Unter Bogislaws Nachfolgern Philipp I., Ernst Ludwig und schließlich Philipp Julius erhielt das Wolgaster Schloss sein Renaissancegepräge, wie es in der Stralsunder Bilderhandschrift, der Lubinschen Karte von 1618 und den Merianstichen wiedergegeben ist. Nach dem Westfälischen Frieden gehörte Wolgast zum schwedischen Landesteil. Vor allem der schwedische Generalgouverneur Karl Gustav Wrangel trieb in den 50ern und 60ern des 17. Jhs. Reparatur- und Umbaumaßnahmen am Wolgaster Schloss voran, um hier die schwedischen Landesbehörden zu konzentrieren. Nach den Zerstörungen durch die brandenburgische Belagerung 1675 und dem Tod Wrangels 1676 wurde der Schlosskomplex von der schwedischen Provinzialregierung aufgegeben. Die Stadt Wolgast versuchte in der Folgezeit der Schlossinsel habhaft zu werden und die Bevölkerung nutzte die Schlossruine zur Baumaterialgewinnung.

Abstract
This article deals with the transition from a stronghold to a representative palace on the example of the “Bogislav-Flügel” [Bogislav-Wing] of Wolgast Castle on the Peene-river with a focus on the late 15th and early 16th century. A spatial continuity of almost 550 years can be assumed for the centre of government and administration on the Schlossinsel, from an early 12th century Slavic stronghold and a 14th century German castle to the early modern residence of the Greifen-dynasties Wolgast branch. In 1496 Bogislav X. initiated the construction of the 3-story “Bogislav- Flügel” on the north-western side of castle-complex, thereby not only breaking the traditional setup of said complex, but also introducing representative palace building style to Pomerania. The „Bogislav-Flügel“ still beared late-gothic traces, much like the contemporary southern wing of Stettin castle or the court of the Henry V., Duke of Mecklenburg, in Wismar. Under Bogislav’s successors Phillip I., Ernst Ludwig and Philipp Julius, the rest of the medieval castlecomplex was rebuilt as a palace integrating medieval components. The end of this process saw the renaissance- castle, as it is depicted in the “Stralsunder Bilderhandschrift”, Lubin’s map of 1618 or the four prints of Merian. From 1648 on, Wolgast was part of the swedish domain. After repairs in the 1650s and 1660s the buildings served as the center of administration for Swedish Pomerania. After Carl Gustav Wrangel’s death and the siege by brandenburgian forces in 1675, it lost its status as the seat of government. The badly damaged castle was now completely abandoned. While the town of Wolgast tried to get hold of the newly free real estate, its citizens enjoyed the vast supplies of cheap building materials.

 

A. Wolgaster Schlossinsel fast 550-jährige Platzkontinuität als Herrschafts- und Verwaltungszentrum (237-239)

  • 10. Jh. slawische Besiedlung
  • 12. Jh. Herrschaftszentrum und slawisches Heiligtum
    • Erwähnung in der Slawenchronik von Helmold von Bosau
    • 1128 Otto von Bamberg [um 1065-1139] veranlasst den Abbruch vom slawischen Tempel
      für den Kriegsgott Gerovit und Bau einer Kirche, Vorgängerbau der heutigen Petrikirche
  • Slawischer Burgwall auf der Schloßinsel, frühes 12. Jh., kaum Reste erhalten, da beim Bau der Burganlage abgerissen
  • Deutsche steinerne Burganlage aus dem 14. Jh. auf slawischem Burgwall

B. Übergang in der Entwicklung von der mittelalterlichen Burg zum frühneuzeitlichen Repräsentationsbau um 1500 (239-243)

  • 1496 Spätgotischer dreigeschossiger Neubau an Nordwestseite durch Bogislaw X. [1454-1523]
  • Rekonstruktion nach Plänen und Zeichnungen möglich
  • Vergleich mit dem Umbau vom Südflügel des Schlosses in Stettin / Polen, ebenfalls durch Bogislaw X. veranlasst

C. Renaissance-Schloß durch Philipp I., Ernst Ludwig und Philipp Julius (244)

  • Aussehen auf Stralsunder Bilderhandschrift, Lubinschen Karte, 4 Stiche von Merian
  • Eigenständiges Hofgericht
  • Herzogliches Archiv

D. Nach dem Westfälischen Frieden gehörte Wolgast zum schwedischen Landesteil (244-245)

  • Repartur und Umbau durch schwedischen Generalgouverneur Karl Gustav Wrangel [1613-1676] in den 50ern und 60ern des 17. Jhs.
  • Nach Zerstörungen durch die brandenburgische Belagerung 1675 und dem Tod Wrangels
  • 1676 Schlosskomplex von der schwedischen Provinzialregierung aufgegeben
  • Verkauf des Schlosses
  • 1840er Jahre: Abbruch der Schloßruine, Errichtung von einem Getreidespeicher

E. Quellen (245)

F. Literatur (245)

 

Thümmel, Hans Georg <T0098>:
Usedomer Urkunden (247-256).
Charters from Usedom.

Zusammenfassung
Vorgelegt werden drei Urkunden von 1422 / 1423, die sich auf die Memorie der Stifter des Klosters Grobe auf Usedom beziehen. Genannt sind zwei Orte in und bei Usedom.

Abstracts
The article presents three documents from 1422 / 1423 concerning the memory of the founders of the monastery Grobe/Usedom. The documents mention two localities in and near Usedom.

A. Ausgangssituation (247-248)

  • 1150 Gründung vom Prämonstratenkloster [Grobe] durch Herzog Ratibor I. und seiner Frau Pribislawa
  • 1184 Verlegung des Klosters an den Marienberg durch Bogislaw beschlossen
    • Verlegung aber nicht durchgeführt
    • Dafür Errichtung von zwei Memoria in und bei Usedom
  • 1307-1309 Verlegung des Klosters nach Pudagla [Pudglove]

B. Drei Urkunden [lateinischer Text mit deutscher Übersetzung] (248-256)

  • Landesarchiv Greifswald, Rep. 1, Pudagla, Nr. 199 (248-250)
    • 27.8.1422 Stiftung für eine Maria, Sabinus und Godehard geweihte Kapelle durch
      zwei Priester, die Brüder Konrad und Marquard Slutow, im alten Kloster bei Usedom
  • Landesarchiv Greifswald, Rep. 1, Pudagla, Nr. 200 (250-252)
    • 10.9.1422 Bestätigung der Stiftung durch Bischof Magnus mit einem Transsumpt
  • Landesarchiv Greifswald, Rep. 1, Pudagla, Nr. 202 (252-256)
    • Bischof Magnus stellt fest, daß die Stiftermemorie vernachlässigt ist
    • Neubau einer Kirche am Platz der Erstgründung des Klosters

C. Literatur (256)

 

IV. Städte / Towns (257-316)

 

Gläser, Manfred <G0111>:
Die frühen Siedlungen auf dem Lübecker Stadthügel (257-269).
The early settlements on Lübeck’s town hill.

Zusammenfassung
Lübeck ist die mit Abstand älteste deutsche Stadtgründung an der Ostsee und entwickelte sich im 13./14. Jh. zur mittelalterlichen Großstadt und zur „Königin der Hanse“. Die Stadt und ihre Strukturen gelten als beispielhaft und normbildend für spätere Stadtgründungen. Von besonderer Bedeutung sind somit die ersten Jahrzehnte der Stadtentwicklung. Seit rund 150 Jahren beschäftigt sich die Geschichtswissenschaft mit den so genannten Gründungssiedlungen. Dies führte zu sehr kontroversen Thesen, die nunmehr, nach mehr als 50 Jahren Stadtarchäologie, überprüft werden können. Wenn auch die Lokalisierung der schauenburgischen Siedlung von 1143 noch nicht überzeugend gelungen ist, besteht doch kein Zweifel, dass sich der Siedlungskern spätestens der welfischen Neugründung von 1158 / 1159 im Bereich zwischen Hafen und Markt / Marienkirche befand, also im so genannten Gründungsviertel. Die Stadt dehnte sich anschließend zunächst nach Osten bis an die Wakenitz aus, erst im frühen 13. Jh. werden die Siedlungen südlich der Burg und nördlich des Doms einbezogen.

Abstract
Being by far the earliest German foundation of a town at the Baltic Sea, in the course of the 13th/14th centuries A.D. Lübeck became a medieval city – the “Queen of the Hanseatic League”. This city and its structures are regarded as a standard for later foundations of towns, so the first decades of its development are of special importance. Since about 150 years historians are studying the so-called Gründungssiedlungen [earliest settlements] resulting in a great number of very controversial theses, which now – after 50 years of urban archaeology – can be examined. Although up to now the settlement of 1143 founded by the Schauenburgians could not be localized clearly, without doubt the centre of the Welfic foundation in 1158 / 1159 was situated in the area between harbour and market/Church of St Mary, i. e. in the so-called Gründungsviertel. During the following years the city spread to the east to the banks of the river Wakenitz. Only in the early 13th century the settlements in the south of the fortress and in the north of the cathedral were integrated.

A. Einleitung (257-259)

  • Schriftquellen
    • Chronik von Helmold von Bosau
    • Chronik von Arnold von Lübeck
    • Urkunden weltlicher und kirchlicher Fürsten
      Barbarosa-Privileg von 1181 / 1188

B. Urlandschaft vor der Besiedlung (259)

  • Lage der Erstgründung nach Helmold: Halbinsel von Wakenitz und Trave umgeben
  • Geologische Bohrungen und Tiefbaumaßnahmen im 20. Jh.

C. Vorgeschichtliche und frühgeschichtliche Besiedlung (259-261)

  • Besiedlung im Neolithikum durch zahlreiche Funde im Burgkloster nachgewiesen
  • Funde aus der Bronzezeit und vorrömischen Eisenzeit
  • Befunde vom Stadthügel in situ aus der jüngeren Bronzezeit, Grabung Dr.-Julius-Leber-Straße
  • Älteste Befestigungsanlage aus römischer Zeit
  • Slawischer Vorläufer, „Alt-Lübeck“ am Zusammenfluß von Schwartau und Trave 6 km flußabwärts
  • Slawische Scherben auf der Lübecker Halbinsel
    • Größter Anteil aus dem 8.-10 Jh., nur 4% aus dem 11./12. Jh.
    • Bedeutung: Bericht von Helmold nicht richtig
  • Slawische Befunde und Funde außerhalb der Burg im suburbium, Grabung seit 1998

D. Die Gründungssiedlungen von 1143 und 1158 / 1159 (261-264)

  • Gründe für Fehlen von archäologischen Funden zwischen 1143 und 1159
  • Grabungen im „Kaufleuteviertel“ in der 1980er und 1990er Jahren,
    vier aufeinander folgende Siedlungsperioden Mitte bis Ende 12. Jh.
    • Periode 1: gartenwirtschaftliche Nutzung
    • Periode 2-3: 1-4schiffige Pfostenbauten, Nebengebäude, Blockbauten, Abfallgruben, Brunnen
    • Periode 4: Ständerbauten auf Schwellen, Keller, Öfen / Ofen
      Dendrochronologie: um 1180 bis 1188

E. Die Burg (264-266)

  • Schriftliche Erwähnung: 1147 von Helmold und 1217 von Detmar
  • Umwandlung in ein Dominikanerkloster
  • Bestätigung einer deutschen Burganlage durch archäologische Ausgrabungen 1976 und 1986
    • Graben- und Wallsystem mit Tor und Erdbrücke
    • 3 Pfostenbauten
    • Holzkastenbrunnen, Datierung nach Dendrochronologie: 1155 / 1156

F. Der Hafen (266-267)

  • Sicherung des Ufers durch Pfähle, Datierung nach Dendrochronologie: um 1157 und um 1195
  • Backsteinmauer, evtl. von Stadtmauer
  • Holzhäuser / Holzhaus, Datierung nach Dendrochronologie: um 1184, um 1195, um 1201
  • Bohlenweg, Datierung nach Dendrochronologie: um/nach 1187
  • Funde aus Handel und Fischerei

G. Ausblick (267-268)

  • Dichte Bebauung mit Backsteinhäusern im 13. Jh.

H. Quellen und Literatur (268-269)

 

Schneider, Manfred <S0248>:
Archäologie im Lübecker Gründungsviertel –
Fragestellungen, Chancen und Perspektiven neuer Großgrabungen (271-282).
Archaeology in Lübeck’s founding quarter –
Questions, opportunities and perspectives of new large-scale excavations.

Zusammenfassung
Im so genannten Gründungs- oder Kaufleuteviertel der Hansestadt Lübeck [Schleswig-Holstein], zwischen Traveufer und Marienkirche, werden im Rahmen einer städtebaulichen Neuordnung des historischen Zentrums der Stadt voraussichtlich ab 2008 wieder großflächige archäologische Untersuchungen notwendig. Diese schließen an die vor über 20 Jahren begonnenen Ausgrabungen auf den 1942 durch eine Bombardierung zerstörten Flächen an. Damit besteht die letzte Chance zur umfangreichen archäologischen Dokumentation, Erfassung und Auswertung von Befunden zur Entstehung der ältesten deutschen Stadt an der Ostsee, die als beispielgebend für die späteren Stadtgründungen an der Ostsee gilt. Der Beitrag referiert die bisherigen Ergebnisse der Altgrabungen und diskutiert die Chancen, Fragestellungen, Risiken und Perspektiven neuer umfangreicher Großgrabungen, die mit über 30 historischen Parzellen weit über den Umfang der früheren Grabungen hinausgehen werden. Die Ergebnisse besitzen zentrale Bedeutung für die Archäologie des nordeuropäischen Städtewesens des 12. und 13. Jhs..

Abstract
The town planning of today’s city of Lübeck [Schleswig-Holstein] with the construction of new buildings concerns the historical centre, the so-called “Gründungsviertel” [earliest quarter] between the banks of the river Trave and the Church of St Mary with its centuries-old houses and cellars preserved in the ground. Probably in 2008 in this area large-scale archaeological excavations will be necessary continuing the archaeological research which started here 20 years ago in the properties destroyed by the air raids of 1942. This is our last chance to document the beginnings of the earliest German town at the Baltic Sea which later on became the standard for the foundation of other towns at the southern coast of the Baltic Sea. The article reviews the results of the excavations of the 1980s and 1990s and discusses perspectives of the future large-scale excavations which with more than 30 historical properties will exceed by far the area of the former excavations. The results will be of great importance for the archaeology of northern European towns of the 12th and 13th centuries.

A. Neuplanung des Gründungs- oder Kaufleuteviertel (271-275)

  • 1942 Zerstörung des Viertels
  • Abbruch der Nachkriegsbauten vorgesehen
  • Einteilung der Siedlungsgeschichte in 7 Perioden vom 12.-20. Jh.
    • Periode 1-4: Holzbauten des Gründungsjahrhunderts ab Mitte 12. Jh.
    • Periode 5-7: Backsteingebäude seit dem frühem 13. Jh. mit Veränderungen

B. Grabungen (275-176)

  • Altgrabung 1985-1990: 2.000 qm
  • Grabung 2008 geplant: 8.000 qm
  • Stratigraphie von 6-8 m anzunehmen
  • Mehrere 100.000 Einzelfunde zu erwarten
  • Schriftquellen über Grundstücke und Parzellen – Oberstadtbücher / Oberstadtbuch ab 1284

C. Fragestellungen und Ziele (276-280)

  • Vergleich mit Ergebnissen der Altgrabung
  • Untersuchung der slawischen und deutschen Kontinuität der Besiedlung
  • Vergleich mit der Entwicklung anderer Stadtgründungen

D. Literatur (280-282)

 

Müller, Joachim <M0146>:
Neuen Fragen auf der Spur –
Stadtarchäologie in Brandenburg an der Havel seit 1991 (283-300).
On the trail of new questions –
Urban archaeology in Brandenburg on the Havel since 1991.

Zusammenfassung
Seit 1991 wurden im Stadtkern von Brandenburg [Brandenburg] an der Havel hunderte archäologischer Untersuchungen durchgeführt, die sich auch an den Thesen von K. Grebe, W. Schich und G. Mangelsdorf orientierten. Bestätigt wurden deren Überlegungen zur frühen Topographie und zu den Vorgängersiedlungen. Darüber hinaus zeigten sich eine gezielte, einheitliche Stadtplanung und ein schneller Ausbau beider Städte in der Zeit um 1200, die wohl schon damals in ihrem vollen Umfang angelegt worden und gleichzeitig in bisher unbekanntem Maße durch Wege und Brücken in das überregionale Verkehrsnetz eingebunden wurden.

Abstract
Since 1991 were made hundreds of archaeological documentations in the town of Brandenburg [Brandenburg], which followed the considerations of K. Grebe, W. Schich and G. Mangelsdorf. Concerning the questions of early topography and older settlements their hypotheses were mostly approved. In addition, archaeological research suggest a systematic city-planning and a rapid development around 1200 A.D. It seems, that both towns have been built at once in their later extent. At the same time they were integrated in the road-network by new-built ways und bridges.

A. Einleitung (283-284)

  • Bedeutung von Brandenburg an der Havel
    • Hevellische Hauptburg in der slawischen Epoche
    • Zentralort von Landesaubau und Christianisierung
    • Städtisches Zentrum der Mark Brandenburg
  • Zahlreiche archäologische Untersuchungen in Zuge von Baumaßnahmen zwischen 1991-2007

B. Dominsel (284-285)

  • Petrikapelle Nachfolger der Burgkapelle 1. Hälfte 12. Jh.
  • Einnahme der Burg Albert den Bären 1157
  • Neue Ausgrabungen
    • Friedhof
    • Spiegelburg
    • Bauten östlich der Klausur aus dem späten Mitelalter
      Warmluftheizung
      Fußboden aus Tonplatten
    • Spuren frühslawischer Besiedlung, fünfphasige mittelslawische Burg des 10. Jhs.
  • Barocke Kurien

C. Vorgängersiedlungen: Burgsiedlung und “civitas Parduin”, Deutsches Dorf und Luckenberg (285-289)

  • Parduin, auf natürlicher Halbinsel gelegen
    • Nachweis einiger Gruben mit spätslawischen Scherben [„Übergangsware“]
    • Grubenhaus mit Kuppelofen
  • Deutsches Dorf, gehöftartige lockere Siedlung
    • Holzkastenbrunnen
    • Einzelgebäude und Keller
  • Luckenberg, aus Quellen bekannte Ortswüstung

D. Gründungstadt oder gewachsene Stadt ? (289-290)

  • Vorgängersiedlungen vorhanden
  • Hinweise auf Markgrafenhof
  • Teilweise städtische Bebauung bereits im 13. Jh.

E. Die planmäßige Anlage der Neustadt (290-292)

  • Systematische Planung zum Stadtausbau
  • Beibehaltung der Straßenführung

F. Stadtgrenze und Stadtbefestigung der Neustadt (292-293)

  • Ältere Stadtbefestigung
  • Neue Stadtmauer aus Backsteinen auf der Landseite im 14. Jh.
  • Neue Stadtmauer aus Backsteinen und Mühlenturm auf der Wasserseite im 15. Jh.

G. Die planmäßige Anlage der Altstadt (293)

  • Weniger regelmäßig als die Neustadt, aber ähnlich
  • Einteilung der Parzellen geht ins 12. Jh. zurück

H. Stadtgrenze und Stadtbefestigung der Altstadt (293-294)

  • 1209 erster Hinweis auf Befestigung

I. Die Kietze (294-295)

  • Altstädtischer Kietz
    • Besiedlung schon in der Bronzezeit
    • Mittelslawisches Handwerkerquartier
  • Domkietz
    • Öfen / Ofen zur Eisenverhüttung
    • Keine Wohnbebauung

J. Verkehrswege, Dämme, Brücken (295)

  • Befestigungsgräben / Befestigungsgraben 12./13. Jh.
  • Mühlendamm
    • Im Kern noch mittelalterlich
    • Datierung nach Dendrochronologie: um 1236
  • Stadtgraben des 13. Jhs.
  • Grillendamm
  • „Neue Brücke“
    • Datierung nach Dendrochronologie: um 1208

K. Was gibt es Neues ? (295-297)

  • Altstadt, Neustadt und Dominsel haben urgeschichtliche Vorgänger
    • Siedlung aus dem Neolithikum in der Neustadt
    • Siedlung der Frühbronzezeit im Altstädtischen Kiez
  • Stadtplanung bei Altstadt und Neustadt zu erkennen
  • Sekundäre Siedlungsverdichtung

L. Wie geht es weiter ? (297-298)

  • Kontrolle der Baustellen und baubegleitende Untersuchungen durch die Bodendenkmalpflege
  • Rettungsgrabungen durch Grabungsfirmen
  • Publikationsstand unbefriedigend
  • Errichtung eines „Slawendorf“ zwischen Nikolaiplatz und Salzhofufer – ABM-Projekt seit 1996

M. Literatur (299-300)

 

Schmidt, Beatrix <S0401>:
Archäologisch-historische Betrachtungen zum „stedeken“ Prillwitz, Lkr. Mecklenburg-Strelitz (301-306).
Archaeological-historical reflections on the small town of Prillwitz, district of Mecklenburg-Strelitz.

Zusammenfassung
Der in den 1240er Jahren genannte Ort Prillwitz lässt sich anhand archäologischer Funde und Befunde bislang nicht in der heutigen Ortslage nachweisen. Ein weiter südlich gelegener Platz kommt aufgrund von Oberflächenfunden und kleineren Untersuchungen in Betracht. Offenbar haben mit dem Bau der erstmals 1286 erschließbaren Burg Siedlungstätigkeiten auch an deren Fuße und somit im heutigen Prillwitz begonnen. Es wurde eine Kirche errichtet und ab 1320 wird Prillwitz als „civitas“ [1320], „stedeken“ [1364, 1408, 1505] und „stadt“ [1366] bezeichnet. Letztmalig erscheint 1505 der Ort als Städtchen in den schriftlichen Nachrichten. Prillwitz war sicher bis dahin ein Verwaltungsmittelpunkt für die ansässige Familie der Peckatels. Mit der Zersplitterung der Besitzung geht diese Funktion verloren. Typische städtische Merkmale und Strukturen lassen sich aber vorerst nicht nachweisen.

Abstract
In the 1240s the place-name Prillwitz is mentioned in written sources, but up to now there is no archaeological trace for this site in the area of today’s village. Due to field surveys obviously the site was situated south of the village. In 1286 the hillfort is mentioned first and we may assume that settlement started in the area of the hillfort and in today’s village. A church was built and from 1320 on Prillwitz is called “civitas” [1320], “stedeken” [1364, 1408, 1505] and “stadt” [1366]. Being until then a centre of administration for the resident family of the Peckatel’s, in 1505 Prillwitz is mentioned in written sources for the last time as a village. When the Peckatel’s no longer lived here, the village lost its function. Up to now there are no traces for typical urban structures.

A. Einleitung (301-304)

  • Schriftliche Quellen zur „civitas“, „stedeken“ bzw. „stadt“ Prillwitz
    • Name taucht in den Urkunden des Klosters Broda von 1170 und 1244 auf
  • Reste einer mittelalterlichen Kirche unter der bestehenden Fachwerkkirche
  • Archäologische Zufallsfunde aus dem 19. Jh.
    • Zahlreiche blaugraue Scherben aus dem Mittelalter
    • Dreiknubbenkanne und Netzsenker aus Harter Grauware 2. Hälfte 13. Jh.
  • Ausgrabungen 2005 bei Verlegung von Leitungstrassen
    • 11 Gruben
    • Mehrere Siedlungs- und Planierschichten aus dem Mittelalter
    • Funde aus dem 13./14. Jh.
      Armbrustbolzen aus Eisen
      Steilkamm / Kamm aus Tierknochen
      Zweizeiliger Dreilagenkamm
      Schlittknochen – Schlittschuh
      Knochenknebel – Knebel
      2 Messer aus Eisen
      Kalfaterklammer aus Eisen
    • Keramik

B. Siedlungskontinuität von Prillwitz (304-305)

  • Keine slawische Siedlung Mitte des 13. Jhs.
    • Fast keine slawische Keramik
    • Ableitung des Namens aus dem Slawischen
    • Fundplatzhäufung jungslawischer Keramik ca. 1,2 km SO der Kirche von Prillwitz
  • Burg, Dorf, später Stadt Prillwitz im 15. Jh.

C. Prillwitz zur Zeit des Landesausbaus ungeklärt (305)

  • Schmettausche Karte von 1780 mit Plan von Prillwitz
  • Direktorialvermessungskarte von 1759
  • Bericht von Christian Friedrich Lisch [1801-1883] aus den Jahren 1837 und 1838
  • Prillwitz verliert den städtischen Charakter

D. Literatur (305-306)

 

Ruchhöft, Fred <R0135>:
Wüstungen auf Stadtfeldmarken –
Ein Kapitel der Stadt-Land-Beziehungen im Mittelalter (307-316).
Deserted medieval settlements on towns’ marches –
A chapter in the history of relations between town and country in the middle ages.

Zusammenfassung
Ein nicht zu unterschätzender Anteil der mittelalterlichen Ortswüstungen geht auf städtische Expansionspolitik zurück. Besonders wenn sich die Stadt nicht in einem unbesiedelten Gebiet herausbildete, fielen die ersten Dörfer schon dem Gründungsakt zum Opfer. In der folgenden Konsolidierungsphase wurden seitens der Städte gezielt benachbarte Dörfer angekauft, niedergelegt und die Gemarkungen der Stadtfeldmark angegliedert. Zum einen dienten die zusätzlichen Landflächen der Sicherung der wirtschaftlichen Grundlagen der Stadt, zum anderen waren die Bauern willkommene Neubürger. Die Stadtfeldmarken konnten auf diese Weise einen beträchtlichen Umfang annehmen. Nachdem nun dieser Bedarf gedeckt war, wuchs die Bedeutung von Landkauf als Kapitalanlage. Es entstanden der kommunale Kämmereibesitz, aber auch der meist im Lehnsverband verbleibende bürgerliche Grundbesitz und der Grundbesitz innerstädtischer geistlicher Institutionen. Zugleich errichteten die ersten Städte noch im Mittelalter auf ihrem Besitz Pachthöfe. In diesem Zusammenhang entstanden keine Wüstungen mehr, allerdings konnte noch die eine oder andere bereits aus anderen Gründen aufgelassene Siedlung in städtischen Besitz kommen.

Abstract
Many medieval deserted villages are the result of the territorial expansion of the towns. Especially if the town developed in an already settled territory, villages were teared down while the town was founded. In the following time of consolidation the towns bought neigbouring villages, deserted them and integrated their areas to the town fields. These new fields became parts of the town‘s economic base, and the peasants were welcome as new town inhabitants. So some town fields became an enormous size. Later the importance of land as capital investment further developed. The town council, the urban citizens and urban religious institutions became owners of such fields. The towns founded farms on their land. In this context no villages were deserted anymore, but some already deserted settlements could become part of communal possession

A. Einleitung (307-308)

  • Überblick über den Stand der Forschung und der Publikationen
  • Mangel an Arbeiten über Wüstungen in Mecklenburg-Vorpommern

B. Einteilung der Wüstung (308)

  • Wüstung der slawisch-deutschen Übergangszeit
  • Aufgabe der stadtnahen Dörfer
  • Wüstungsphase im 14. und 15. Jh. mit teilweiser Wiederbesiedlung im 16. Jh.
  • Wüstungen des 17.-19. Jhs.

C. Die stadtnahen Wüstungen kommen in den Stadtbereich (308-315)

  • Grundausstattung in den Stadtrechtsurkunden unterschiedlich beschrieben
  • Stadtrechtsurkunde
  • Stadtrechtsbestätigung mit Grenzbeschreibung
  • Gründungsfluren setzten sich aus mehreren alten Dorffluren zusammen
  • Zusammenfassung mehrere Dorffeldmarken zu einer neuen Stadtfeldmark
  • Kauf von Flächen, Dörfern, Wälder für die Vergrößerung der Städte
    • Nutzung der Flächen zur Eigenversorgung
    • Geldanlage und Einnahmequelle
    • Errichtung von Pachthöfen / Pachthof aus städtischem Grundbesitz
    • Neuansiedlungen

D. Literatur (315-316)

 

V. Gotteshäuser und ihr Umfeld / Places of worship and their surroundings (317-387)

Langer, Thomas <L0143>:
Die spätromanische Burgkapelle in Belzig (317-326).
The late Romanesque castle chapel in Belzig.

Zusammenfassung
Durch die Entdeckung der spätromanischen Burgkapelle auf der Burg Eisenhardt in Belzig [Brandenburg] konnte ein wichtiges Kapitel der Geschichte dieses Ortes fortgeschrieben werden. Hier zeigt sich insbesondere, wie eng die Stellung und das Wirken der Landesherren mit der von ihnen geschaffenen Architektur verbunden sind. So schuf das Belziger Grafenhaus auf dem Burgberg die ersten Steinbauten, darunter die Kapelle. Auch wenn sie nur in Resten erhalten ist, erlaubt sie uns doch wesentliche Einblicke in das Baugeschehen.

Abstract
The excavation of the late Romanic chapel in the Eisenhardt Castle at Belzig [Brandenburg] is an important chapter in the history of that place. It is a good example for the strong relation between the social position of the rulers, their activities and their architecture. The counts of Belzig errected the first stone buildings in the castle, beneath them the mentioned chapel. Even if there are only some relicts of the sacral building we get important information about the building process.

A. Topographie (317)

  • Stadt Belzig 30 km südlich der Stadt Brandenburg
  • Burg Eisenhardt
  • Bricciusberg

B. Historischer Abriß (317-318)

  • 997 Nennung von Burgward Belizi
  • 12. Jh. Mittelpunkt einer Grafschaft, Burg mit Wall und Graben
  • 1422-1815 im Besitz des Hauses Wettin

C. Die hochmittelalterliche Burg Belzig (318-320)

  • Reste der ersten steinernen Burganlage von 1200
    • Polygonale Randhausburg
    • Bergfried
  • Festungstor Mitte 15. Jh.
  • Hölzerne Zugbrücke
  • Berichte von Erneuerungen 1588 / 1589
  • Erwähnung eines Gebäude 1613, wahrscheinlich Kapelle

D. Die spätromanische Kapelle (320-323)

  • Freistehender Bau, dreigliedrig mit Apsis, Chor und Saal
  • Datierung: vor 1200
  • Profanierung im 14. Jh.

E. Zwei Burgkapellen ? (323-326)

  • Bricciuskirche: einfacher Saalbau vor der Burg
  • Datierung: Mitte 14. Jh., Erweiterung 17. Jh.
  • Neue Kirche vor der Burg löst spätromanische Kapelle ab / Burgkapelle

F. Literatur (326)

 

Rębkowski, Marian <R0150>:
Die Heilig-Geist-Kapelle –
Eine verschollene Kirche aus dem mittelalterlichen Kolberg (327-335).
The Heilig-Geist-Kapelle [Chapel of the Holy Ghost]

A lost church from medieval Kolberg.

Zusammenfassung
Der Beitrag betrifft die Heilig-Geist-Kapelle – eine der verschollenen Kirchen der mittelalterlichen Gründungsstadt Kolberg [ehm. Lkr. Kolberg-Körlin, heute Polen]. In den Schriftquellen findet sich eine erste Erwähnung der Kapelle 1282. Kurz nach 1860 wurde sie endgültig abgetragen. Die schriftlichen und kartografischen Quellen weisen darauf hin, dass die Kapelle mit dem Spital am Stadtrand nahe vom Stadttor errichtet wurde. Während archäologischer Ausgrabungen im Jahre 1990 wurden die Reste einer gotischen Backsteinkirche freigelegt, deren Bau in die 1. Hälfte des 14. Jhs. datiert. Die Kirche kann als Backsteinhalle mit Maßen von ca. 13 x 27 m rekonstruiert werden. Leider konnten keine Spuren der ursprünglichen Kapelle aus dem 13. Jh. registriert werden.

Abstract
The paper concerns the chapel of St. Spiritus – one of the disappeared medieval churches of the town of Kołobrzeg in Poland. In the written records the chapel had been mentioned for the first time in 1282 and soon after 1860 was finally demolished. Analysis of the written and cartographic sources indicates that the church together with the hospital were located at the edge of the town, near to one of the urban gateways. The archaeological excavations conducted in 1990 revealed among others also remains of the gothic church erected in the first half of the 14th century. The rectangular structure made of brick stones measured c. 27 x 13 m and had no apse. Unfortunately no traces of the primary chapel from the 13th century have been registered.

A. Einleitung (327-328)

  • Mitte 13. Jh. Gründung von Kolberg in der Nähe einer slawischen Burgstadt
  • Mitglieder des Stadtrat von Greifswald [Mecklenburg-Vorpommern] sind Zeugen in Gründungsurkunde
  • Ausgrabungen im Bereich vom Heilig-Geist Spital und deren Kapellen
  • Schriftliche Quellen vom 13.-15. Jh. nennen 11 Kirchen und Kapellen

B. Die Heilig-Geist-Kapelle (328)

  • Urkundliche Erwähnung Ende 13. Jh.
  • 1860 Abriss und Neubau eines zweistöckigen Wohnhauses
  • 1990 Abriss des Wohnhauses und anschließende Grabung vor erneutem Neubau

C. Quellenlage zum Hospital und der Kapelle (328-332)

  • Schriftliche Quellen
  • Kartographische Quellen J. F. Sachse 18. Jh.
  • Ikonographische Quellen

D. Ergebnisse der Ausgrabungen (332-334)

  • Lage intra muros am Stadtrand
  • Zwei gotische Mauern aus Ziegeln in „wendischer Anordnung“
  • Rekonstruktion als einschiffige Backsteinhalle
  • Keine Spuren einer Innengliederung oder Apsis
  • Keine Ost-West-Orientierung, sondern Anpassung an Bebauungsblöcken
  • Nutzung des Terrains vor Bau der gotischen Kapelle
    • 2 ältere Ständergebäude
    • Überreste von Friedhof mit Gräbern in Ost-West-Richtung
    • Annahme eines älteren Kirchenbaus, erwähnt 1282
  • Datierung: 1. Hälfte 14. Jh., im 19. Jh. abgerissen

E. Literatur (334)

 

Rütz, Torsten / Ansorge, Jörg <R0161, A0071>:
Abseits der Straßenflucht –
Mittelalterliche Bebauung auf dem Pfarrhof von St. Jakobi in Greifswald (337-346).
Away from the street frontage –
Medieval building activity on the rectory yard of St. Jakobi in Greifswald.

Zusammenfassung
Das Lübische Stadtrecht verpflichtete die Bauherren dazu, ihre Haupthäuser an der Straßenflucht zu errichten. Das Abweichen von diesem Gebot war nur der Geistlichkeit und dem Adel gestattet. So entstanden neben Giebelhäusern und Budenzeilen an der Straße auch einige Haupthäuser hinter der Straßenflucht. Ein derartiges freistehendes Haupthaus konnte 2004 / 2005 auf dem ehemaligen Pfarrhof der Greifswalder Jakobikirche freigelegt werden. Der Bau aus der Zeit um 1400 besaß eine Grundfläche von 9 x 10 m und war in seinem südwestlichen Viertel unterkellert. Aus einer Ziegellatrine im Keller des Hauses konnte Fundmaterial des 15. Jhs., u.a. ein aufwendiges Truhenschloss, geborgen werden. Dem Greifswalder Pfarrgebäude ist ein Baubefund aus Wismar sehr verwandt, der durch eine geistliche Bruderschaft [Kaland] genutzt wurde. Möglicherweise wird so ein von der Norm abweichender Gebäudetyp aus städtisch-kirchlichem Umfeld fassbar.

Abstract
In accordance with the Lübeck town law owners were obliged to build their main houses directly alongside the frontage, exceptions were allowed to nobility and clergy only. Due to this, besides gabelhouses and lines of minor houses alongside frontages, main houses of nobility and clergy were established in the backyards. In Greifswald, some of such court yards are situated in the quarter between Domstraße and the town wall in the South. Ruins of such an isolated standing house were discovered during archeological investigations on the court yard of St. Jacobs church in 2004 / 2005. The house covering an area of 9 x 10 m and was built about 1400 A.D. 15th century archeological finds, including pottery, a brass snuffers and a complete iron chest lock were discovered. A building similar to the rectory of St. Jacobs church in Greifswald is known from Wismar. Probably these houses represent a special type of building established on court yards of the clergy in the late Middle Ages.

A. Die Gebäudestruktur des Grundstückes Domstraße 9 (337-338)

  • Quadratischer Grundriß, mehrgeschossig
  • Keller auf einem Viertel der Fläche, mit Nischen und Fensterschlitzen

B. Mauerwerk und Gründungstechnik (338-341)

  • Fundament aus Feldsteinen
  • Läufer-Läufer-Binder Verband aus Ziegeln

C. Datierung (341)

  • Um 1400 bzw. 1. Hälfte 15. Jh.
  • Vorgängerbau Anfang 14. Jh. mit ähnlichem Grundriß
    • Fußboden aus Backsteinen
    • Herdplatte

D. Der Abfallschacht im Keller (341-343)

  • In Nordostecke vom Keller aus Feldsteinen und Ziegeln erbaut
  • Späterer Umbau zu Kellerlatrine, dafür zwei Nischen zugebaut
  • Auf Schachtsohle Fäkalienpaket mit Funden des 15. Jhs.
  • Datierung: Mittelalter
  • Funde im Umfeld der Latrine
    • Mehrere Gefäße sekundär als Nachtopf verwendet
    • Becherkachel, 15. Jh.
    • Dochtschere / Schere aus Messing
    • Buch-Verschlußhaken aus Messing / Buchschließe – Anfang 15. Jh.
    • Vollständiges Truhenschloß der Gotik für Bartschlüssel / Truhe
      Schloss stimmt mit kurz nach 1241 gefertigten Truhe aus Kloster Wienhausen / Niedersachsen überein

E. Der Pfarrhof von St. Jakobi Domstraße 8 und 9 (343-345)

  • Seit 1336 mehrfach genannt
  • 2 eingeschossige mittelalterliche Buden
  • Pfarrhaus im Fachwerk-Ständerbau
  • „Hinterbaute“ oder „Kammer“: freistehendes Bauwerk durch Fachwerkneubau 1688 ersetzt

F. Weitere Curien in der Greifswalder Domstraße (345-346)

  • 5 Curien-Grundstücke auf der südlichen Domstraße

G. Literatur (346)

 

Auge, Oliver <A0072>:
Der so genannte Ratiborstein in der Usedomer Marienkirche –
Neue Erkenntnisse zum frühesten epigraphischen Zeugnis einer Greifenmemoria (347-355).
The so-called Ratibor-stone in St Mary’s church on Usedom –
New insights on the earliest epigraphic evidence for the memorial of the ducal Greifen-family
[Greifenmemoria]
.

Zusammenfassung
Der sogenannte Ratiborstein in der Marienkirche von Usedom ist wohl ein Epitaph, das Ratibor und seiner Gemahlin Pribislawa zu Ehren in der 1. Hälfte des 15. Jhs., vielleicht in den 1420er Jahren für die Kapelle eingerichtet wurde, die man damals an der Stelle neu erbaute, welche man für den ursprünglichen Standort des Prämonstratenserstift von Grobe hielt. Die von Thümmel [2002, 39, 45] einmal vorsichtig entwickelte Theorie, dass der Standort der Usedomer Marienkirche vielleicht mit dem ersten von Grobe identisch sein könnte, scheint – auch weil von der späteren Überführung des Epitaphs in die Marienkirche nach Usedom ausdrücklich die Rede ist – damit widerlegt. Das Epitaph wurde weder vom Camminer Bischof noch von der herzoglichen Familie veranlasst, sondern vom Prämonstratenserkonvent in Pudagla. Reformbemühungen wie Auseinandersetzungen um seinen Besitz mussten dem Stift damals die Erinnerung an die Gründung durch Ratibor I. und an die dadurch gegebene enge Beziehung zum Herzogshaus mehr als angeraten erscheinen lassen.

Abstract
The so-called “Ratiborstein” in Usedom’s St. Mary’s Church is possibly an epitaph that was set up in honour of Ratibor and his wife Pribislawa during the first half of the 15th century, perhaps set up in the 1420s in the chapel that was build up in the same place that was considered to be the original location of Grobe’s Premonstratensian convent. Thümmel’s carefully developed theory that the location of Usedom’s St. Mary’s Church and Grobe’s convent could be identical with each other, seems to be defeated, also because the epitaph’s transportation to St. Mary’s Church is mentioned explicitly. The epitaph was neither arranged by the bishop of Cammin nor by the ducal family, but by Pudagla’s Premonstratensian convent. Back then, reformatory efforts and the dispute about the convent’s possessions seemed to recommend the memory of its founding by Ratibor I. and the consequently tight relationship to the ducal family.

A. Einleitung (347)

  • Lokalisierung von Prämonstratenserstift Grobe noch immer unklar
  • Ursprüngliche Aufstellung des Steines in der Kirche von Grobe

B. Der Ratiborstein (347-353)

  • Ursprügliche Lage: Usedom, St. Marien, Fußboden des Chores, deshalb schlechter Erhaltungszustand
  • Heutige Lage: Usedom, St. Marien, eingemauert in der Ostwand vom Turm
  • Material: Kalkstein aus Gotland / Schweden
  • Darstellung
    • Stehendes Ehepaar unter Baldachin, wohl Ratibor und Pribislawa
    • 4 Eckmedaillons wohl mit den 4 Evangelisten
    • Umlaufende noch nicht entzifferte Inschrift am Rand der Platte
  • Vorschlag für eine Lesung der Inschrift
  • Herstellungszeit: 1. Hälfte 15. Jh., vielleicht in den 1420er Jahren für die Kapelle
  • Auftraggeber: Prämonstratenserkonvent in Pudagla

C. Literatur und Quellen (353-354)

 

Herold, Jürgen <H0250>:
Äbte, Ritter, Bürger und Priester – Aber keine Mönche:
Die Grabplatten des Klosters Eldena im Licht der Inschriftenforschung (357-370).
Abbots, knights, citizens and priests - but no monks:
The grave slabs of the Eldena monastery in the light of their inscriptions.

Zusammenfassung
Von den einst zahlreichen, den Fußboden der Eldenaer Klosterkirche [Stadt Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern] bedeckenden Grabplatten sind heue noch 16 erhalten, die in der Klosterruine und an drei weiteren Orten innerhalb der Stadt Greifswald aufbewahrt werden. Die Bergung und Sicherung der Platten begann in den 1820er Jahren im Zusammenhang mit der Herrichtung der Klosterruine als Denkmal. Gleichzeit versuchten sich Greifswalder Gelehrte an der Lesung und Deutung der häufig nur unvollständig erhaltenen Inschriften auf diesen Platten. Anfängliche Irrtümer wurden zum Teil später ausgeräumt, zum Teil blieben sie aber bestehen und bestimmen bis heute das Bild vom Personenkreis der hier Bestatteten. Durch neue Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass dieser Kreis sich aus Adligen, Vertretern des Stadtbürgertums und des städtischen Patriziats sowie einigen Äbten zusammensetzt. Anders als bislang angenommen befinden sich darunter aber keine einfachen Mönche oder Konversen des Eldenaer Konvents. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Grabplatte für Nikolaus Friso, für die eine Entstehungszeit um 1290 nachgewiesen werden konnte, wodurch sie sich wesentlich älter als bislang angenommen erweist. Sie ist nicht nur die vermutlich älteste Grabplatte des östlichen Hanseraumes, sondern aufgrund des paläographischen Befundes und ihres Bildprogramms auch eine außergewöhnliche Arbeit von überregionaler Bedeutung. Diese und die anderen bis heute in der Klosterruine anzutreffenden Grabplatten sind jedoch auf dramatische Weise der Zerstörung und dem Verfall preisgegeben und bedürfen daher dringend einer Unterbringung an einem sicheren Ort.

Abstract
Originally, there must have been many graveslabs which covered the church floor of Eldena Monastery [Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern]. Today only sixteen have survived and are stored in the ruins of the monastery and at three other locations in the city of Greifswald. The recovery and conservation of the funerary slabs began in the 1820ies, when the monastery was established as a cultural monument. Scholars attempted to decipher and interpret the inscriptions on the slabs, which in many cases had been only partially preserved. While some early errors were corrected later, some mistakes have persisted until today and still determine the image of the buried persons. However, this article demonstrates that this group consisted of noblemen, patricians and burghers. Furthermore there are slabs dedicated to abbots, but – in contrast to the established opinion – graveslabs of plain monks are not represented. The graveslab of Nicolaus Friso merits special attemption. The slab was made around the year 1290 and is probably the oldest slab of the eastern Hanse-area. The object is also particularly remarkable because of its palaeographical features and its unique iconography. Because the graveslabs are constantly exposed to vandalism and environmental disruption, a better protection of the pieces is necessary.

A. Einleitung (357)

  • 16 Grabplatten im Kloster Eldena
  • Lesung und Deutung der Platten ab dem 19. Jh., teilweise fehlerhaft
  • 2002 Einrichtung einer Arbeitstelle zur Erforschung der mittelalterlichen und neuzeitlichen
    Inschriften In Mecklenburg-Vorpommern an der Universität Greifswald
  • Neue Edition der Inschriften geplant

B. Denkmalpflegerische Maßnahmen (357-361)

  • Verfall des Klosters im 17. Jh., Nutzung als Steinbruch für Bauten der Universität
  • Verschiedene Sicherungsmaßnahmen der Ruine und der Grabplatten seit Anfang 19. Jh.
    • Grabplatten in die Wände der Klosterruine eingelassen
    • 2 Grabplatten aus Eldena, danach in der Kirche Wieck, dann in die Universität verbracht
    • 2 Grabplatten im 18. Jh. in die Nikolaikirche in Greifswald gebracht
    • 1 Grabplatte im Lapidarium des Pommerschen Landesmuseum
  • Verschiedene Ausgrabungen
    • Systematische Untersuchungen 1926-1927
    • 1995 bei Kanalisationsarbeiten Klosterfriedhof entdeckt
      Ca. 1.000 Bestattungen aus dem 13.-15. Jh.
    • Bestattungen im Klosterbereich nachgewiesen

C. Die Inschriften (361-362)

  • Vorstellung der Ergebnisse der älteren Publikationen aus dem 19. und 20. Jh.

D. Grabplatte A (362-363)

  • Grabinhaber: Nikolaus Friso, Greifswalder Bürger
  • Heutiger Aufbewahrungsort: Klosterruine, Westwand der Sakristei
  • Darstellung: Architekturelemente, Ehepaar
  • Datierung: um 1290

E. Grabplatte B (363-365)

  • Grabinhaber: Johannes von Kiel, Greifswalder Patrizier
  • Heutiger Aufbewahrungsort: Universität Greifswald, Hauptgebäude
  • Darstellung: Griechisches Kreuz
  • Datierung: Tod des Johannes am 31.3.1295

F. Grabplatte C [‘Mönch Philippus’] (365-366)

  • Grabinhaber: unbekannt
  • Heutiger Aufbewahrungsort: Klosterruine, Südwand des Chores
  • Darstellung: Mann in langem Gewand, unleserliches Wappenbild
  • Datierung: 1. Hälfte 14. Jh. wegen Verwendung gotischer Majuskeln

G. Grabplatte D (366-367)

  • Grabinhaber: Albert Schinkel, Ritter
  • Heutiger Aufbewahrungsort: Klosterruine, Ostwand der Sakristei
  • Darstellung: Mann in langem Gewand, Mantel, Schuhen, Inschrift in gotischen Minuskeln
  • Datierung: Tod von Schinkel 21.4.1397

H. Grabplatte E [‘Niekerken-Platte’] (367-368)

  • Grabinhaber: Priester
  • Heutiger Aufbewahrungsort: Klosterruine, Südwand des Chores
  • Darstellung: Kelch
  • Datierung: ?

I. Fazit (368-369)

  • Korrektur der Irrtümer
  • Bestattung von Priestern und Laien fürstlicher oder bürgerlicher Herkunft

J. Quellen und Literatur (369)

 

Krüger, Joachim <K0266>:
Das Pfarrwitwenhaus in Groß Zicker auf Mönchgut / Rügen –
Ein dänischer Regierungsbau (371-377).
The parish house for widows in Groß Zicker on Mönchgut / Rügen –
A Danish government building.

Zusammenfassung
Der Beitrag thematisiert die Errichtung des Pfarrwitwenhauses in Groß Zicker auf der Insel Rügen. Bisherige kunsthistorische Forschungen deuteten auf einen schwedischen Hintergrund hin. Im Verlauf des Großen Nordischen Krieges fiel der Teil Schwedisch-Pommerns nördlich der Peene unter dänische Herrschaft, die vom Dezember 1715 bis zum Januar 1721 dauerte. Akten aus dem dänischen Reichsarchiv in Kopenhagen weisen nun nach, dass das Pfarrwitwenhaus im Auftrag der dänischen Provinzialregierung errichtet worden ist.

Abstract
The article is concerned with a report about the building of the Pfarrwitwenhaus [house of the pastor widows] in Groß Zicker on the isle of Rügen. Early building researches has dated the house in the swedish period of Pomerania. In the course of the Great Nordic War the part of Swedish-Pomerania situated north of the Peene river fell again under danish sovereignty in December 1715. The danish rule lasted until January 1721. Based on the results of the investigations of records in the Danish National Archiv in Copenhagen the building was identified as a danish “administration house”.

A. Einleitung (371)

  • Hoher Bestand an sehr alten Bauern- und Büttnerhäusern auf Rügen, besonders auf der Halbinsel Mönchgut
    • Hallenhaus der Familie Besch in Kleinhagen, Mitte 17. Jh.

B. Das Pfarrwitwenhaus in Groß Zwicker (371)

  • Regionaltypisches Niederdeutsches Hallenhaus
    • Eingeschossiges verputztes Fachwerkhaus
    • Schwellenlose Ständerbauweise / Ständerbau
    • Rohrgedecktes Walmdach
  • Datum der Errichtung: um oder nach 1700 / nach 1720
  • Quellen
    • Pfarrarchiv in Groß Zwicker
    • Landesarchiv in Greiswald
    • Reichsarchiv in Kopenhagen
      Bauakte vom Pfarrwitwenhaus

C. Die dänische Zeit in Vorpommern (372-373)

  • Kurze Dauer: 1715-1721
  • Dänische Provinzialregierung in Stralsund
  • 1721 Dänemark – Rückgabe des vorpommerschen Gebietes an Schweden

D. Der Bau des Pfarrwitwenhauses in Groß Zicker (373-376)

  • Konservierung / Konservation der Pfarren bis ins 18. Jh.
    • Nachfolgender Pfarrer muß Witwe oder Tochter heiraten
    • 1719 Abschaffung dieser Konservierung durch die Dänische Provinzialregierung
  • Der dänische König besetzt die vakante Pfarrstelle mit einem verheirateten Pfarrer
    • Witwe des verstorbenen Pfarrer Cadow erwirkt erfolgreich ihre Altersversorgung,
  • Neubau eines Hauses / Witwenhaus
  • Finanzierung aus der Kirchenkasse

E. Fazit (376)

  • Pfarrwitwenhaus eines der wenigen Gebäude aus dänischen Zeit in Vorpommern

F. Quellen und Literatur (376-377)

 

Jungklaus, Bettina <J0015>:
Sit tibi terra levis – „Die Erde möge Dir leicht sein“.
Sonderbestattungen auf dem Friedhof des mittelalterlichen Diepensee, Lkr. Dahme-Spreewald (379-387).
Sit tibi terra levis - “May the earth be light to you“.
Special burials on the medieval cemetery of Diepensee, district of Dahme-Spreewald.

Zusammenfassung
Südöstlich des Flughafens Berlin-Schönefeld wurde im Ausbaugelände des geplanten Großflughafens die gesamte Ortslage Diepensee archäologisch untersucht. Eine Überraschung war dabei die Entdeckung eines mittelalterlichen Friedhofs, denn die Quellen gaben keinen Hinweis auf eine mittelalterliche Kirche und auch der moderne Ort Diepensee besaß keine. Der gesamte Friedhof konnte archäologisch und die Skelette anthropologisch untersucht werden. Insgesamt wurden dabei 418 Gräber mit 422 Individuen erfasst, die aus der Besiedlungszeit des Ortes vom Anfang des 13. bis Mitte des 14. Jhs. stammen. So kann erstmals in Brandenburg eine gesamte Dorfbevölkerung des Mittelalters untersucht werden. Es ergaben sich interessante Einblicke in die Bestattungspraktiken und die Glaubenswelt der Dorfbewohner. Zahlreiche Sonderbestattungen, wie Manipulationen am Leichnam oder Versteinungen zeugen von einem ausgeprägten Aberglauben.

Abstract
On the grounds of a planned airport southeast of the airport Berlin-Schönefeld, the village Diepensee was archaeologically investigated. The discovery of a medieval cemetery was as a surprise as none of the written sources ever mentioned a church and modern- day Diepensee did not even have a chapel. The complete cemetery underwent archaeological examination and the skeletal remains were anthropologically analysed. 418 graves containing the remains of 422 individual skeletons were recovered, dating back to the beginning of settlement in the early 13th to middle 14th century. For the first time a complete mediaeval village population from Brandenburg was studied. Interesting details of the mortuary practices and the beliefs of the people at that time could be unfolded. Several special burial rites, such as manipulations of the bodies or stones situated on top of the bodies, reflect a pronounced superstition among the villagers.

A. Einleitung (379)

  • 2004-2006 Untersuchung von Diepensee vor Ausbau des Flughafens Berlin Brandenburg International [BBI]
    • Friedhof aus dem Mittelalter
    • Reste vom Fundament der Kirche
    • Anthropologische Untersuchungen der Skelette

B. Historischer Hintergrund (379)

  • Frühes 13. Jh.: Planmäßige Anlage von einem Angerdorf
  • Mitte 14. Jh. wird Diepensee bzw. „Dypensey“ zur Wüstung – lt. Landbuch Karl IV. von 1375
  • Mitte 18. Jh.: Wiederbesiedlung
  • Anfang 21. Jh.: Aufgabe des Ortes

C. Friedhof und Gräber (379-380)

  • 418 Gräber mit 422 Individuen auf dem Friedhof
    • Bestattung in Rückenlage und in West-Ost-Richtung
    • 1/3 Särge / Sarg, 2/3 Bestattung im Leichentuch oder Leichenhemd
  • 15 Gräber mit Särgen in der Kirche für höhere soziale Stellung
  • 13 Kopfnischengräber / Kopfnischengrab
  • Funde
    • Fingerring aus Bronze
    • 2 Gürtelschnallen / Gürtel, Schnalle
    • Nadeln / Nadel
    • Sichel

D. Sonderbestattungen (380-385)

  • 29 Gräber abweichend
  • Lage der Bestatteten bei 5 Gräbern in Bauchlage oder Seitenlage
  • Lage der Bestatteten bei 2 Gräbern in Nord-Süd-Richtung
    • Männliches Skelett mit abgetrenntem Bein / Hiebverletzung
    • Exkurs über Wiedergänger
  • Versteinungen bei 22 Gräbern
    • 1-5 Steine auf dem Skelett bei 12 weiblichen und 10 männlichen Individuen
      Festmachen der Leiche im Grab
      Spuren von Erkrankungen bei 4 Individuen
      Steine im Mund für ‘Nachzehrer’ oder als ‘Zehrpfennig’
  • Exkurs zu Gegenständen im Mund der Bestatteten
    • Münzen für Nachzehrer oder Charonspfennig
    • Metallgegenstände [Schere, Schlüssel, Sichel] ebenfalls Abwehrmaßnahme gegen Wiedergänger
    • Zwei weitere Bedeutungen der Sichel im Grab
      In Gräbern von sozial höher gestellten Personen: Symbol für Landbesitz
      In Gräbern von Frauen und Kindern in christlichen Gräbern: apotropäische Bedeutung

E. Schlußbetrachtungen (385-386)

  • Zusammenhang zwischen Sonderbestattung und Krankheit, Verletzung oder körperlicher Fehlentwicklung
  • Anwendung bei Annahme einer schädlichen Wirkung auf die Hinterbliebenen
  • Fortleben heidnischer Gebräuche

F. Quellen und Literatur (386-387)

 

VI. Mittelalterliches Handwerk / Medieval crafts (389-450)

 

Jeute, Gerson H. <J0051>:
Ost und West im Vergleich –
Eine Skizze zur wirtschaftlichen Entwicklung Mitteleuropas zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert (389-400).

Comparing east and west –
A sketch of the economic development of central Europe from the 7th to the 9th century.

Zusammenfassung
Es werden Aspekte der Wirtschaft des 7. bis 9. Jhs. im Raum zwischen Elbe und unterer Weichsel sowie zwischen Nordsee und Alpen miteinander verglichen. Vieles wurde in beiden Regionen in einfacher Weise produziert. Dabei kamen regionale Rohstoffe zur Anwendung. Im Westen setzte frühzeitig eine zunehmende Spezialisierung und Exportorientierung ein. Andere Handwerke erforderten bereits erfahrene Handwerker. Sie waren im Osten nur in den Zentren zu finden. Durch herrschaftliche Kontrolle gelenkt, produzierten sie im Westen qualitätvolle Waren. Herausragend sind das in Ost und West nur selten vorkommende Glashandwerk und die Bernsteinverarbeitung.

Abstract
The article compares aspects of the economy of 7th-9th centuries in the territory between Elbe and lower Weichsel and between North Sea and Alps. Many things were produced in both regions in a simple way, on the base of local or regional ressources. In the West we registrate early beginnings of specialisation and trade. Some crafts needed specialists. These crafts were realised in the East only in the Central Places. Unter control of the dominions were made in the west high-standard products. Outstanding are the glass-crafts and the amber working, seldom in the East as well as in the West.

A. Einleitung (389)

  • Bisherige Publikationen

B. Ost und West (389-390)

  • Nachweise nichtagrarischer Tätigkeit
    • Töpferofen
    • Erzeugungsgruben für Teer
    • Eisenschlacke – Schlacke
    • Gussformen
    • Schmelztiegel
    • Mehrdeutige Objekte
      Wirtschaftsgruben
      Geweihhalbfabrikate
      Mahlstein und Reibstein
      Gruben mit zerglühten Steinen
      Lehmwannen
    • Knochenpfrieme – Pfriem
    • Spinnwirtel

C. Vergleich (390-392)

  • Gemeinsamkeiten zwischen Ost und West
    • Befunde im Osten 82,1 % ländliche Siedlungen, 19,9 % Burg- und Ringwälle
    • Befunde im Westen im Rheinland Keramik, Eisengewinnung

D. Eisengewinnung und Eisenverarbeitung (392)

  • Eisenschlacken 23,2 % auf 5,2 % der Fundplätze im Osten
  • Eisenschlacken 33,9 % im Westen

E. Buntmetallverarbeitung und Edelmetallverarbeitung (392-393)

  • Buntmetall 14,3 % im Osten, das sind 3,2 % von 248 Fundplätzen
  • Buntmetallverarbeitung an 18,5 % der Fundplätze

F. Glasverarbeitung (393-394)

  • Keine Glasgewinnung im Osten, aber Perlen, zerglühte Steine
  • Geringe Glasverarbeitung im Westen, anteilig 7,7 %
    • Fensterglas
    • Hohlgläser / Hohlglas

G. Keramikproduktion (394)

  • Zwei Fundplätze mit Töpferöfen im Osten, das ist weniger als 1 %
  • Töpferei im Westen anteilig 23,1 %

H. Knochenverarbeitung und Geweihverarbeitung (394-395)

  • Knochen und Geweihe in beiden Gebieten bedeutend

I. Textilherstellung und Lederverarbeitung (395)

  • Spinnwirtel 53,6 % nichtagrarisches Gebiet, 12,1 % Siedlung und Burg im Osten
  • Lederverarbeitung 4,8 % insgesamt, 21,4 % in nichtagrarischem Gebiet im Osten
  • Webgewichte 16,9 % insgesamt im Westen
  • Lederverarbeitung im Westen deutlicher

J. Bernsteinbearbeitung und Holzverarbeitung (395)

  • Bernsteinwerkstatt und –handel / Bernstein
  • Verarbeitung von Holz

K. Teerproduktion / Pechproduktion (395-396)

  • Teerverarbeitung im Osten erst im 13. Jh.

L. Sonstiges (396)

  • Lehmwannen im gesamten Gebiet
    • Backen von Brot- und Fladen
    • Salzgewinnung

M. Fazit (396)

  • Im Osten nichtagrarische Tätigkeit zu 82,1 % in Siedlungen
  • Einwanderung der Bevölkerung, Konsolidierung
  • Im Westen nichtagrarische Tätigkeit zu 61,5 % in Siedlungen
  • Antike Traditionen leben fort, zunehmende Spezialisierung und Export
  • In beiden Regionen Eisenverarbeitung, Keramik- und Textilproduktion, selten Glas- und Bernsteinverarbeitung

N. Quellen und Literatur (396-397)

O. Listen [Kat.-Nr. 1-119] (397-400)

  • Nichtagrarische Tätigkeit im östlichen Vergleichsraum [Kat.-Nr. 1-56] (398)
    • [ 1] Radziejów Kujawski / Polen
    • [ 2] Kruszwica / Polen
    • [ 3] Polanwice / Polen
    • [ 4] Siedlmin / Polen
    • [ 5] Żytowiecko / Polen
    • [ 6] Bruszczewo / Polen
    • [ 7] Bonikowo / Polen
    • [ 8] Racot / Polen
    • [ 9] Góra / Polen
    • [10] Giecz [Grodziszczko] / Polen
    • [11] Ujście / Polen
    • [12] Kowalewko / Polen
    • [13] Żółwin / Polen
    • [14] Nowy Dworek / Polen
    • [15] Obra / Polen
    • [16] Osiecznica / Polen
    • [17] Nowa Wieś / Polen
    • [18] Dziedzice / Polen
    • [19] Lobzany / Polen
    • [20] Warszkowo / Polen
    • [21] Bardy / Polen
    • [22] Kędrzyno / Polen
    • [23-24] Berlin-Marzahn / Berlin
    • [25] Altlandsberg, Lkr. Märkisch-Oderland / Brandenburg
    • [26] Hasenfelde, Lkr. Oder-Spree / Brandenburg
    • [27] Schulzendorf, Lkr. Dahme-Spreewald / Brandenburg
    • [28] Waltersdorf, Lkr. Dahme-Spreewald / Brandenburg
    • [29] Kiekebusch, Lkr. Dahme-Spreewald / Brandenburg
    • [30] Dahlewitz, Lkr. Teltow-Fläming / Brandenburg
    • [31] Mittenwalde, Lkr. Dahme-Spreewald / Brandenburg
    • [32] SchenkendorfMittenwalde-Schenkendorf, Lkr. Dahme-Spreewald / Brandenburg
    • [33] Tornow-Borchelt, Lkr. Eberswalde / Brandenburg
    • [34] Tornow-Lütjenberg, Lkr. Oberspree-Lausitz / Brandenburg
    • [35] Fichtenberg, Elbe-Elster-Kreis / Brandenburg
    • [36] Berlin-Rudow / Berlin
    • [37] Leegebruch, Lkr. Oberhavel / Brandenburg
    • [38] Wustermark, Lkr. Havelland / Brandenburg
    • [39] Hohennauen, Lkr. Havelland / Brandenburg
    • [40] Prützke, Lkr. Potsdam-Mittelmark / Brandenburg
    • [41] Wallwitz, Lkr. Jerichower Land / Sachsen-Anhalt
    • [42] Grieben a.d. Elbe, Lkr. Stendal / Sachsen-Anhalt
    • [43] BöselLüchow-Bösel, Lkr. Lüchow-Dannenberg / Niedersachsen
    • [44] Kähmen, Lkr. Lüchow-Dannenberg / Niedersachsen
    • [45] Brünkendorf, Lkr. Lüchow-Dannenberg / Niedersachsen
    • [46] Kuhbier, Lkr. Prignitz / Brandenburg
    • [47] Friedrichsruhe, Lkr. Parchim / Mecklenburg-Vorpommern
    • [48] Rostock-Dierkow, Stadt Rostock / Mecklenburg-Vorpommern
    • [49-51] Groß Strömkendorf, :Lkr. Nordwestmecklenburg / Mecklenburg-Vorpommern
    • [52] Buchholz bei Röbel, Lkr. Müritz / Mecklenburg-Vorpommern
    • [53] Panten „Hammerburg“, Lkr. Herzogtum Lauenburg / Schleswig-Holstein
    • [54] Vorwerk
    • [55] Bosau-Bischofswarder, Lkr. Ostholstein / Schleswig-Holstein
    • [56] Kassebohm, Rostock-Kassebohm / Mecklenburg-Vorpommern
  • Handwerk im westlichen Vergleichsraum [Kat.-Nr. 1-65] (399-400)
    • [ 1] Aachen, Katschhof – Stadt Aachen/ Nordrhein-Westfalen
    • [ 2] Albersdorf, Lkr. Dithmarschen / Schleswig-Holstein
    • [ 3] Audorf, Lkr. Rendburg-Eckernförde / Schleswig-Holstein
    • [ 4] Augsburg, Stadt Augsburg / Bayern
    • [ 5] Bad Hersfeld, Stadt Bad Hersfeld / Hessen
    • [ 6] Badorf, Rhein-Erft-Kreis / Nordrhein-Westfalen
    • [ 7] Bardowick, Lkr. Lüneburg / Niedersachsen
    • [ 8] Basel / Schweiz
    • [ 9] Böhming, Lkr. Eichstätt / Bayern
    • [10] Bokelerburg, Lkr. Ammerland / Niedersachen
    • [11] Bonn, Stadt Bonn / Nordrhein-Westfalen
    • [12] Bramfeld, Hamburg-Bramfeld / Hamburg
    • [13] Bremen, Hansestadt Bremen / Bremen
    • [14] Brunshausen – Bad Gandersheim-Brunshausen, Lkr. Northeim / Niedersachsen
    • [15] Büraburg bei Fritzlar, Schwalm-Eder-Kreis / Hessen
    • [16] Burgheim, Lkr. Neuburg-Schrobenhausen / Bayern
    • [17] Corvey, Lkr. Höxter / Nordrhein-Westfalen
    • [18] Ditzingen, Lkr. Ludwigsburg / Baden-Württemberg
    • [19] Donzdorf, Lkr. Göppingen / Baden-Württemberg
    • [20] Dötlingen, Lkr. Oldenburg / Niedersachsen
    • [21] Düna, Lkr. Osterode / Niedersachsen
    • [22] Eckdorf – Badorf-Eckdorf, Rhein-Erft-Kreis / Nordrhein-Westfalen
    • [23] Eichstätt, Lkr. Eichstätt / Bayern
    • [24] Gaulskopf bei Warburg, Lkr. Höxter / Nordrhein-Westfalen
    • [25] Geseke, Lkr. Soest / Nordrhein-Westfalen
    • [26] Grambke – Bremen-Burglesum / Bremen
    • [27] Hasselweiler, Lkr. Neuss / Nordrhein-Westfalen
    • [28] Hesel, Lkr. Leer / Niedersachsen
    • [29] Hohne, Lkr. Celle / Niedersachsen
    • [30] Kirchheim
    • [31] Kottenheim, Lkr. Mayen-Koblenz / Rheinland-Pfalz
    • [32] Kreuzdorf
    • [33] Krückling, Lkr. Borken / Nordrhein-Westfalen
    • [34] Ladenburg, Rhein-Neckar-Kreis / Baden-Württemberg
    • [35] Mainz, Stadt Mainz / Rheinland-Pfalz
    • [36] Mayen, Lkr. Mayen-Koblenz / Rheinland-Pfalz
    • [37] Münchingen – Korntal-Münchingen, Lkr. Ludwigsburg / Baden-Württemberg
    • [38] Münster, Stadt Münster / Nordrhein-Westfalen
    • [39] Neuhausen auf den Fildern, Lkr. Esslingen / Baden-Württemberg
    • [40] Niens, Lkr. Wesermarsch / Niedersachsen
    • [41] Northum, Lkr. Cuxhaven / Niedersachsen
    • [42] Obernjesa, Lkr. Göttingen / Niedersachsen
    • [43] Oldenburg, Stadt Oldenburg / Niedersachsen
    • [44] Paderborn, Stadt Paderborn / Nordrhein-Westfalen
    • [45] Petersberg, Lkr. Rosenheim / Bayern
    • [46] Pfünz, Lkr. Eichstätt / Bayern
    • [47] Regensburg, Stadt Regensburg / Bayern
    • [48] Reinach, Kt. Basel / Schweiz
    • [49] Rohrberg, Lkr. Weißenburg-Gunzenhausen / Bayern
    • [50] Roßtal, Lkr. Fürth / Bayern
    • [51] Bad Urach, Runder Berg, Lkr. Reutlingen / Baden-Württemberg
    • [52] Schaffhausen / Schweiz
    • [53] Schnaitheim, Lkr. Heidenheim a.d. Brenz / Baden-Württemberg
    • [54] Sechtem – Bornheim-Sechtem, Rhein-Sieg-Kreis / Nordrhein-Westfalen
    • [55] Soest, Stadt Soest / Nordrhein-Westfalen
    • [56] Therwil, Kt. Baselland / Schweiz
    • [57] Uphusen, Stadt Emden / Niedersachsen
    • [58] Verden a.d. Aller, Lkr. Verden a.d. Aller / Niedersachsen
    • [59] Walberberg – Bornheim-Walberberg, Rhein-Sieg-Kreis / Nordrhein-Westfalen
    • [60] Warendorf, Lkr. Warendorf / Nordrhein-Westfalen
    • [61] Wega – Bad Wildungen, Lkr. Waldeck-Frankenberg / Hessen
    • [62] Westrup, Stemwede-Westrup, Lkr. Minden-Lübbecke / Nordrhein-Westfalen
    • [63] Wittorf, Lkr. Lüneburg / Niedersachsen
    • [64] Wülfingen, Forchtenberg, Hohenlohekreis / Baden-Württemberg
    • [65] Wüstweiler, Flur Hambach 500, Lkr. Düren / Nordrhein-Westfalen

 

Pust, Alexander <P0158>:
Die Keramik der slawischen Siedlung von Lietzen, Lkr. Märkisch-Oderland (401-416).
The pottery from the Slavic settlement of Lietzen, district of Märkisch-Oderland.

Zusammenfassung
Die Gurtfurchenware bildet das umfangreichste Keramikensemble der slawischen Siedlung von Lietzen [Brandenburg], während über ein Viertel zur unverzierten Ware gehört. Nach der typologischen Zusammensetzung des Gefäßmaterials fand eine slawische Erstbesiedlung ab Mitte des 8. Jhs. statt, die gegen Ende des 11. Jhs. endgültig abreißt. Der Mangel charakteristischer Kammstrich- und Rippenschulterware zeugt von einem Hiatus, der etwa von der ersten Hälfte des 9. bis zur zweiten Hälfte des 10. Jhs. reicht. In der frühslawischen Besiedlungsperiode wurde die Tonware für den haus- und dorfeigenen Bedarf gefertigt, wohingegen sich für die spätslawische Niederlassung eine serienmäßige Töpfereiproduktion beschränkten Umfangs herauskristallisiert.

Abstract
The furrowed ware is the most frequent ceramic ensemble of the slavonic settlement from Lietzen [Brandenburg], whereas more than a quarter belongs to the undecorated ware. According to the typological composition of vessel material a slavonic colonization took place from mid of the 8th century on, which finally ended in the late 11th century. The lack of characteristic ceramics with comblined or ribbed shoulder demonstrate a hiatus from about the first half of the 9th to the second half of the 10th century. In the early slavonic settlement period the earthenware was made for home and village requirement, during the late slavonic phase there was a limited series production of pottery.

A. Einleitung (401)

  • Lietzen, Fundplatz 3 mit einer Fläche von 2.000 qm beim Bau einer Pipeline untersucht
  • Früh- und Spätslawischer Siedlungshorizont
  • Doppelgraben
  • Landwirtschaft, Jagd, Fischfang / Fisch
  • Umfangreiche Keramik
  • Zeugnisse für Textilherstellung
  • Erzeugung von Eisen und Teer
  • Verarbeitung von Geweih und Tierknochen
  • Fernhandel

B. Umfang und Methode (401-402)

  • 7.096 Scherben
    • 13 urgeschichtliche Scherben
    • 10 mittelalter- / neuzeitliche Scherben
    • Zusammensetzung der Slawischen Keramik
      743 Randscherben
      338 Bodenscherben
      5.992 Wandungsscherben
  • 1.581 gebrannte bzw. verziegelte Lehmreste
    • 433 Lehmwannen

C. Keramikgruppen (402-403)

  • 26,9 % Unverzierte Ware
    • Sukower Typ in 3 Varianten
  • 1,8 % Kammstrichware / Kammstrich
    • Feldberger Typ
    • Menkendorfer Typ
  • 62, 6 % Gurtfurchenware
    • Vipperow
    • Teterow
    • Garz

D. Formale und technologische Merkmale (403-412)

  • Gefäßarten (403)
    • Hauptsächlich Töpfe / Topf
    • Wenig Schalen / Schale, Schüsseln / Schüssel, Kümpfe / Kumpf
  • Randformen (403-405)
    • Entenschnabel
    • Hammerprofil
  • Verzierung (405)
    • 229 Scherben der 743 Randstücke mit Verzierung
  • Wandungsstärke (405-407)
    • Zwischen 5 und 13 mm, Durchschnitt 8 mm
    • Entwicklung von dick- zu dünnwandigen Gefäßen
  • Magerung (407)
    • Gurtfurchenware erhöht sandige Bestandteile
    • Verwendung von rötlichem Keramikbruch [Schamott]
  • Brandhärte (407)
    • Vorwiegend mittelharte Brennung
  • Brandart (407-408)
    • 5,4 % überfeuert und hitzedeformiert
    • 29,3 % überwiegend oxydierender Brand
    • 30,6 % schwarz-graue Farbschattierungen
  • Oberflächenstruktur und Oberflächenbehandlung (408-409)
    • Uneben und eben, Knetspuren
    • Wisch- und Drehspuren, Drehrillen
    • Wisch- und Glättspuren
  • Bodenformen (409-410)
    • Standring mit gewölbtem Boden
    • Eingewölbter Standboden
    • Flacher Standboden
  • Bodenzeichen auf ca. jeder neunten Bodenscherbe (410-412)
    • 6 Einfaches Kreuz
    • 6 Positiver Achsabdruck
    • 5 Radkreuz
    • 4 Doppelkreuz
    • 4 Holzmaserung
    • 3 Zugeschmierter Achsabdruck
    • 2 Hakenkreuz
    • 2 negativer Achsabdruck
    • 2 Quellboden
    • 1 Sternkreuz

E. Funktion (412-413)

  • Kochtöpfe / Kochtopf
  • Vorratsbehälter und Transportbehälter
  • Schüsseln, Schalen und Siebgefäße / Sieb für Molkereiprodukte
  • Teerschwelkeramik zur Teererzeugung
  • Lehmwannen zum Reinigen und Aufbewahren von Getreide

F. Fazit (413-414)

  • Qualitativer und dekorativer Unterschied zwischen der unverzierten Keramik und der Gurtfurchenkeramik
  • Besiedlung um 750, Besiedlungsabbruch vor 1100
  • Fehlen mittelslawischer Keramik

G. Literatur (414-415)

 

Frey, Katrin <F0099>:
Spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Keramik aus jahrringdatierten Brunnen von Kausche in der Niederlausitz (417-429).
Late medieval and early modern pottery from dendro-dated wells at Kausche in the Lower Lausitz.

Zusammenfassung
Vorgestellt wird die Keramik aus fünf jahrringdatierten Brunnen der Mitte des 13. bis zur 1. Hälfte des 16. Jhs. aus Kausche [Niederlausitz]. Das Material ist von besonderer Bedeutung, weil es zum einen aus einer ländlichen Siedlung stammt, zum anderen, weil aus diesem Übergangsgebiet zwischen Kugelboden- und Standbodenkreis bislang kaum dendrodatierte Fundkomplexe vorliegen. Im Ergebnis eines Vergleichs mit den benachbarten Regionen ordnet sich das Kauscher Keramikinventar deutlich dem Kugelbodenkreis zu, doch weist es auch starke Einflüsse aus dem Süden auf. Die allgemeinen technologisch-typologischen Entwicklungen des Kugeltopfgebietes werden nachvollzogen, doch ist der Anteil oxydierend gebrannter Waren höher, es gibt mehr Standbodentöpfe und deren Randformen sowie mehr Deckel. Das geringe Auftreten von Faststeinzeug, Steinzeug und früher glasierter Keramik ist wohl durch das bäuerliche Milieu bedingt.

Abstract
This article deals with ceramics from five wells from Kausche [Lower Lusatia] dendrochronologically dated to the 13th to 16th century. The ceramic is very interesting because it illustrates a rural settlement find complex and the border zone between two main stylistic territories of medieval ceramics: The northern region with spheroidal and the southern region with flat bottom vessels. The ceramic from Kausche is related to the Northern region, but influences from the South are visible, too. The general typological and technological development of the northern ceramics can be recognized in the Kausche material, but many oxydated burned vessels, many pots with flat bottom, typical southern rim types, and many caps indicate connections to the South. The small proportion of protostoneware, stoneware and early glazed pottery in Kausche seems to be a result of the rural background of the site.

A. Einleitung (417)

  • Ausgrabungen in Keusche, Lkr. Spree-Neiße / Brandenburg
  • Übergangsgebiet von Kugelboden- zu Standbodenkreis
  • Absolutchronologische und typologische Entwicklung der Keramik vom 13. -16. Jh.

B. Brunnen 1787 (417-420)

  • Datierung nach Dendrochronologie: 1240, 1241, 1242
  • 345 Scherben aus einer Verfüllphase
    • 13 % uneinheitlich gebrannte Ware
    • 6 % oxydierte Ware
    • 81 % reduziert gebrannte Ware
  • Gefäßarten
    • 22 Töpfe, davon 8 Kugelgefäße / Kugeltopf, 6 Standbodengefäße
    • 14 Kannen / Kanne, davon 2 Dreiknubbenkanne, 3 mit Kugelboden, 3 mit Deckel
    • 13 Flachböden / Flachboden, 11 davon abgehoben
  • Randformen 22, 13, 38
  • Datierung der Keramik: 2. Hälfte 13. Jh.
  • Nutzung des Brunnen bis ins 14. Jh.

C. Brunnen 2242 (420-421)

  • Datierung nach Dendrochronologie: ca. 1259
  • 1.647 Scherben
    • 3 % uneinheitlich gebrannte Ware
    • 5 % oxydierte Ware
    • 92 % reduziert gebrannte Ware
    • 4 Fragmente Sinterware
    • 8 glasierte Fragmente
  • Gefäßarten
    • 82 Töpfe, davon 35 Kugelgefäße, 16 Standbodengefäße
    • 43 Kannen, davon 3 Dreiknubbenkannen, 5 mit Kugelboden, 1 mit Standboden
    • 1 Mündelbecher
    • Tiegel
    • Schüssel
    • Napf
    • 5 Deckel
    • Fragment einer Kachel
  • Randformen breit gestreut 2, 33, 8, 25-29
  • 31 Flachböden, davon 22 abgehoben
  • Keramik stärker durchmischt als Brunnen 2242
  • Nutzung des Brunnens: 13.-14. Jh.

D. Brunnen 2.224 A (421-423)

  • Datierung von Brunnen A nach Dendrochronologie: 1239, 1222, 1229
  • 1.575 Scherben
    • 2 % uneinheitlich gebrannte Ware
    • 4 % oxydierte Ware
    • 94 % reduziert gebrannte Ware
  • Gefäßarten
    • 54 Töpfe / Topf, davon 20 Kugelgefäße, 9 Standbodengefäße
    • 55 Kannen, davon 3 Dreiknubbenkannen, 5 mit Kugelboden
    • 18 Fragmente von Dreiknubbenkannen
    • 108 bestimmbare Ränder mit 30 Formen
  • Randformen 13, 15, 6, 7, 8, 20-22, 25, 36
  • Nutzung des Brunnens: bis in 1. Hälfte 14. Jh.

E. Brunnen 2.224 B (423)

  • Datierung von Brunnen B nach Dendrochronologie: 1242, 1246, 1247, 1238, 1220
  • 112 Fragmente
    • 11% Uneinheitlich und oxydierend gebrannte Gefäße
    • Gefäßarten
    • 5 Töpfe, darunter ein Kugeltopf und ein Standbodentopf
    • 1 Kanne
  • Randformen 15, 22, einmal 28
  • Datierung: nicht wesentlich älter als Brunnen A

F. Brunnen 1.510 (423-424)

  • Feldsteinbrunnen basiert auf Wagenradfelge – Felge von einem Rad
    • Datierung nach Dendrochronologie: 1295
  • Zahlreiche Scherben
    • 93 % reduzierend gebrannte graue Irdenware Ware
    • 2 % Fragmente uneinheitlich gebrannte Ware
    • 33 % Scherben von oxydierter Ware
    • 7 Scherben Faststeinzeug
  • Gefäßarten
    • 20 Kannen, davon 17 Kugelböden und drei Knubben
    • 14 Töpfe, davon drei mit Standböden, vier Flachböden
  • Randformen 12, 13
  • Nutzung bis 1. Drittel 14. Jh.

G. Brunnen 1.277 (425-426)

  • Feldsteinbrunnen mit Holzrahmen
  • Datierung nach Dendrochronologie: 1510
  • 164 Scherben
    • 4 Fragmente uneinheitliche gebrannte Ware
    • 20 % oxydierte Ware
    • 32 % reduziert gebrannte Ware
    • 25 % Faststeinzeug
    • 19 % glasierte Ware
  • Gefäßformen
    • 11 Töpfe, davon drei mit Kugel-, fünf mit Standboden
    • 5 Kannen
    • 9 Flachböden
  • Randformen verändert
  • Nutzung nur kurze Zeit im 16. Jh.

H. Auswertung (426-428)

  • Brunnen 1.277, 1.787, 1.510 mit kurzer Laufzeit
  • Brunnen 2.224 und 2.242 längere Laufzeit
  • Dominanz der Kugelbodenkeramik
  • Geringe Anteile an Faststeinzeug, Steinzeug und früher glasierter Keramik deuten auf bäuerliche Bevölkerung hin
  • Vergleich mit Fundaufkommen an Keramik in Chemnitz / Sachsen

I. Literatur (428-429)

 

Schaake, Kai <S0402>:
Der Töpferofen aus der Wollenweberstraße 21 in der Neustadt Brandenburg an der Havel (431-436).
The pottery kiln from 21 Wollenweber Street in the new town of Brandenburg on the Havel.

Zusammenfassung
Bei Grabungsarbeiten in der Wollenweberstraße 21 in der Neustadt von Brandenburg an der Havel [Brandenburg] im März 2003 wurden Reste eines Töpferofens gefunden. Der ovale und große Lehmkuppelofen wurde im späten 13. Jh. bis zur 1. Hälfte des 14. Jhs. betrieben. Er lag auf der Wallschüttung der Stadtmauer. Nach der Aufgabe des Ofens wurde vor Ort weiter Keramik gebrannt; es dürfen weitere Reste von Töpferöfen vermutet werden.

Abstract
During excavations in the Wollenweberstraße 21 in Brandenburg / Havel [Brandenburg] close to the city wall remains of a medieval pottery kiln were dtected. This former oval shaped kiln was made of clay. It was built in the late 13th to the first half of the 14th century and based on the rampart of the city wall. After the oven went out of use its remainder was refilled with younger ceramics. Therefore further kilns under the neighbouring buildings might be expected.

A. Einleitung (431)

  • 2002 / 2003 Ausgrabungen Wollenweberstraße 21

B. Der Ofen (431-435)

  • Liegender Lehmkuppelofen mit sockelförmiger Ofenzunge
  • Arbeitsgrube mit 7 vollständig erhaltenen Fehlbränden / Fehlbrand

C. Die Datierung des Ofens (435-436)

  • Nach Form und Aufbau vom Ofen [Typ 2] 12.-14./15. Jh.
  • Nach geomagnetischer Untersuchung zwischen 1250 und 1350 / Geomagnetik
  • Nach Keramik Ende 13. bis 1. Hälfte 14. Jh.
    • 117 Fragmente aus dem Ofen, darunter 16 Randscherben, ein Netzsenker, ein Grapenfuß
    • 7 Gefäße und 428 Fragmente aus der Arbeitsgrube, darunter 359 Wand- und 65 Randscherben
    • Insgesamt 11.053 Scherben mit Fragmenten aus den angrenzenden Schichten
      Typisch für städtische Töpferei im späten Mittelalter
  • Datierung: Nutzung der Brennanlage vom Ende 13. Jh. bis 1. Hälfte 14. Jh.

D. Literatur (436)

 

Schich, Winfried <S0385>:
Die havelländische Mühle Klinke und die Frühzeit der Wassermühlen in der Mark Brandenburg (437-450).
The mill of Klinke in the Havelland and the early history of water mills in the march Brandenburg.

Zusammenfassung
Der Beitrag stützt sich v.a. auf die schriftliche Überlieferung, berücksichtigt aber auch archäologische Forschungsergebnisse und dendrochronologische Daten. Im Mittelpunkt des ersten Teils steht die Mühle Klinke im Havelland, die um 1175 als erste Wassermühle der Mark Brandenburg in einer Quelle erscheint. Sie war an einem Bach inmitten einer kleinen slawischen Siedlungskammer errichtet worden, als ein Element der Innovation innerhalb der alten Kulturlandschaft. Im zweiten Teil wird eine neue Phase in der Nutzung der Wasserkraft behandelt, die durch die Verbindung des Baues der Mühlen mit dem der neuen Bürgerstädte charakterisiert wird. Beispiele dafür sind die Neuanlage von Prenzlau [1234] im noch pommerschen Uckerland und der etwa gleichzeitige Ausbau von Berlin. Die Verbindung von Städte- und Mühlenbau im Fall von Brandenburg a.d.H. ist noch nicht geklärt.

Abstract
The present article uses mainly written sources, although it considers archaeological and dendrochronological data. In the first part its focus is the mill “Klinke” in the Havelland, which is the first watermill in the Mark Brandenburg that is being mentioned in a written source [around 1175]. It was founded on a brook in the midst of several Slavonic settlements, as an element of western innovation in the old agricultural cultivated landscape. In the second part the article discusses a new period of waterpower use that was characterized by the establishment of mills in close connection with the foundation or extension of communal towns. Examples include Prenzlau [1234] in the Uckerland, at that time yet a part of Pomerania, and Berlin, experiencing significant extension around the same time. The situation in Brandenburg on Havel is still unclear.

A. Einleitung (437)

  • Prenzlauer Urkunde von 1234 erwähnt Bau von Wassermühlen
  • Wassermühlen im 12. Jh. zwischen Elbe und Oder eingeführt
  • Weite Verbreitung im 13. Jh.
  • Erste Erwähnung einer Wassermühle in der Mark Brandenburg in Urkunde von König Otto III. von 993

B. Die Mühle Klinke im Havelland (437-441)

  • Um 1175 erste Erwähnung einer Wassermühle in der Mark Brandenburg
  • Quellen
    • Urkunde von Bischof Siegfried von Brandenburg von 1174 / 1176
    • 1247 zum Zisterzienserkloster Lehnin gehörig
    • 1375 im Besitz der Domkirche
    • Im 16. Jh. nicht mehr genügend Wasser vorhanden
  • Lage: am Wasserlauf, der den Klein Behnitzer See mit dem Riewensee verbindet
  • Name: deutsch, slawische Besiedlung durch deutsche und niederländische Zuwanderer verdichtet

C. Beziehung zwischen Burgwall bei Riewend und Mühle (441-445)

  • Vergleiche Rhinow u.a.

D. Beziehungen zwischen Kloster und Mühle (445-446)

  • Vergleiche mit Mühle in Lehnin und Nahmitz – Zisterzienser

E. Beziehung zwischen Städten und Mühle im 13. Jh. (446-447)

  • Neue Phase in der Nutzung der Wasserkraft
  • Verbindung der Mühlen mit den neuen Bürgerstädte
    • Neuanlage von Prenzlau [1234] im noch pommerschen Uckerland
    • Wassermühle von Spandau gleichzeitiger Ausbau
    • Mühlendamm zwischen Cölln und Berlin im 13. Jh.
  • Bedeutung von Mühlen
    • Sachsenspiegel von 1220 / 1235: Todesstrafe auf Niederbrennen von Mühlen
    • Heidelberger Bilderhandschrift des Sachsenspiegels: Wassermühle ist befriedetes Objekt

F. Fazit (447)

  • Wassermühlen mit den Städten verbunden
  • Ausgestattet als größerer agrarischer Betrieb mit zahlreichen Bewohnern
  • Ausstattung mit Privilegien / Privileg
  • Stadt übernimmt den Schutz der Mühle
  • Städte- und Mühlenbau im Fall von Brandenburg noch zu klären

G. Karten und gedruckte Quellen (448)

H. Literatur (448-450)

 

VII. Handel, Kommunikation und Kulturaustausch / Trade, communication and cultural transfer (451-560)

 

Hårdh, Birgitta <H0198>:
Eine kleine Silberfigur aus Uppåkra (451-456).
A small silver figurine from Uppåkra.

Zusammenfassung
Unter den oft spektakulären Funden von Uppåkra im südlichen Schweden gibt es viele Unikate, die sich nur bei eingehender Analyse in ihren Zeit-, Raum- und Funktionszusammenhang einordnen lassen. Dieser Artikel behandelt eine kleine männliche Figur aus Silber. Sie zeigt Beziehungen zu den gotländischen Bildsteinen / Gotland, zu den Geweben aus Oseberg sowie zu den Funden aus dem Hafen von Hedeby.

Abstract
Among the often sensational finds from Uppåkra in Southern Sweden there are several unique items, which only after laborious detective work might be classified according to date, origin and function. This article presents a small male figure of silver. It can be stated that it shows connections to the Gotlandic picture stones, the textiles from the Oseberg grave and finds from the harbour of Hedeby.

A. Beschreibung der Figur und Vergleiche (451-456)

  • Fundort der kleinen männlichen Figur aus Silber: 1997 in Uppåkra in Südschweden
    • Auf Rückseite Reste einer Öse
  • Vergleiche von Darstellungen mit Pumphose
    • Stein von Broa in Halla auf Gotland aus dem 8./9. Jh. / Schweden
    • Mehrere Bildgewebe aus dem Schiffsgrab von Oseberg / Norwegen
    • Textilfunde aus dem Hafen von Haithabu / Schleswig-Holstein
    • Kleine gegossene Figuren
    • Möglicherweise durch östliche Kontakte [Skythen, Parther] in die Tracht aufgenommen
  • Vergleiche der Schuhe / Schuh
    • Reste von wikingerzeitlichen Schuhen aus dem Hafen von Haithabu
  • Vergleiche für winklig angebrachte Furchen am Oberkörper
    • Darstellung von Knut dem Großen in einer Handschrift / Großbritannien
    • Krieger auf dem Helm von Vendel
    • Figuren aus Goldfolien
    • Mehrere Bildgewebe aus dem Schiffsgrab von Oseberg / Norwegen
  • Vergleiche für den eigenartig geformten Kopf / Deutung als Maske
    • Figuren mit Tiermasken auf Textilien von Oseberg / Norwegen
    • 2 Gesichtsmasken aus Stoff von Haithabu
    • Ledermasken von Novgorod / Russland
    • Menschenfigur aus Bronze in Brandgrab der Wikingerzeit von Ekhammar – Kungsängen / Schweden
    • Bildstein von Hammars in Lärbro auf Gotland / Schweden
    • Pressblech von Sutton Hoo / Großbritannien
    • Münzen aus Birka / Schweden
  • Vergleiche für das Objekt in der Hand der Figur
    • Stein von Hunninge in Klinte – Figur mit Bogen / Schweden

B. Fazit (456)

  • Maskierte Figur / Maske
  • Zugehörig zu Prozessionen, Zeremonien, Reiterumzügen o.ä.

C. Literatur (456)

 

Müller-Wille, Michael <M0052>:
Zur Fundüberlieferung mittelalterlicher Prachtfibeln (457-471).
On the survival of elaborate medieval fibulae.

Zusammenfassung
Im Mittelpunkt der Studie steht die Fundüberlieferung von Prachtfibeln und verwandtem Schmuck, zu deren herausragenden Exemplaren die vermutlich in einer kaiserlichen Werkstatt der Salierzeit hergestellten Schmuckstücke von Østergård, Sønderjylland [Dänemark], gehören. Die Silberfibeln mit ovalem Bergkristall sind aus wenigen Gräbern und Siedlungen sowie in größerer Anzahl aus Edelmetalldepots und als Einzelfunde, vorwiegend im nördlichen Europa, bekannt. Die Goldfibeln hingegen sind größtenteils als Einzelfunde und ohne Kontext [Museumsstandorte, Spolien], in geringer Anzahl auch aus Siedlungen und Schatzfunden [Versteckhorte] Mitteleuropas überliefert. Der Schmuckhort aus einem Langhaus der ländlichen Siedlung von Østergård wird in einen größeren Kontext vergleichbarer Deponierungen gestellt, die unter anderem als Bauopfer / Gebäudeopfer oder als Schatz- / Versteckfunde gedeutet werden.

Abstract
The study investigates the origin of brooches of outstanding quality and corresponding jewellery. Special attention is paid to the notable pieces from the treasure of Østergård in southern Jutland [Denmark], which presumably were produced in imperial Salian workshops. Silver disc-brooches with oval rock crystal mainly came to light in treasure hoards or as single finds in northern Europe, only few of these brooches were found in graves or in settlement sites. Gold brooches, however, are mostly single findes without context, only some examples are known from settlement sites or hoards in central Europe. The treasure hoard found in a long-house of the rural settlement of Østergård is presented in a wider context of corresponding deposits interpreted as construction sacrifices or treasure/concealed hoards.

A. Einleitung (457)

  • Fundort beider Fibeln: mittelalterliche Siedlung Østergård bei Hyrup in Sønderjylland / Dänemark
    • Silberscheibenfibel mit ovalem Bergkristall
    • Große Goldfibel mit ovalem Bergkristall
  • Untersuchung der Parallelen und ihre Fundüberlieferung

B. Silberfibeln / Silberfibel (457-461)

  • Gruppe von 20 kleinen ovalen Scheibenfibeln aus Silber / Gold mit Bergkristallen in Cabochonschliff
  • Fundorte überwiegend südwestliches und nördliches Ostseegebiet
    • [ 1] Masku Humikkala, Grab 8 / Finnland
    • [ 2] Masku Humikkala, Grab 14 / Finnland
    • [ 3] Masku Humikkala, Grab 33 / Finnland
    • [ 4] Lund, Fibel aus Zinn und Messing / Dänemark
    • [ 5] Dörby auf Öland, Depotfund, um 1100 / Dänemark
    • [ 6] Vmtl. Gåtebo auf Öland, Kirchspiel Bredsättra, Reliquiarkreuz
    • [ 7] Gundslevmagle auf Falster, Depotfund / Dänemark
    • [ 8] Kongens Mark auf Bornholm, Einzelfund / Dänemark
    • [ 9] Vester Marie Lyng auf Bornholm, Einzelfund
    • [10] Gerdrupgård auf Seeland, Einzelfund / Dänemark
    • [11] Østergård, Schmuckhort / Dänemark
    • [12] Nørholm in Jütland, Detektorfund / Dänemakr
    • [13] Alt-Lübeck, Grabfund / Schleswig-Holstein
    • [14] Alt-Lübeck, Grabfund
    • [15] Klein-Roschaden, Schatz I / Niedersachsen
    • [16] Würzburg, Baugrube vom Dom, 10./11. Jh. / Bayern
    • [17] Werle, Grabfund 1995, 2 Bergkristallfibeln / Mecklenburg-Vorpommern
    • [18] Dobin, Siedlungsfund 1998 / Mecklenburg-Vorpommern
    • [19] Želenky, „Fürstinnengrab“, 2. H. 9. Jh. / Tschechien
    • [20] Nylarsker auf Bornholm, Einzelfund / Dänemark

C. Goldfibeln / Goldfibel (461-465)

  • Insgesamt 30 Funde vorwiegend in Mitteleuropa
  • Herstellung vmtl. im nördlichen Europa
  • Vergleiche mit Einzelfunden ohne Kontext
    • Hasselt, Prov. Limburg / Belgien
    • Schleswig / Schleswig-Holstein
    • Minden / Nordrhein-Westfalen
  • Vergleiche mit Hortfunden
    • Mainz / Rheinland-Pfalz
      „Gisela-Schatz“ / „Mainzer Hort der Kaiserinnen“ / „Agnes-Schatz“, Hortfund mit zwei Buckelfibeln /
      Buckelfibel mit Trommelkranz, Goldkegelfibeln / Goldkegelfibel mit Trommelkranz
      Schatzfund vmtl. von Pogrom im Judenviertel im Jahre 1097
    • Mainz, Keller NW vom Chor im Dom, Hortfund mit zwei Sternfibeln / Sternfibel aus Gold
    • Mainz, ehm. Stadionerhof-Kaserne, Hortfund
      Kugeltöpfe / Kugeltopf – Pingsdorf, Goldmünze von Kaiser Romanos III. Argyros
      Halbmondring aus Gold mit Edelsteinen

D. Der Schmuckhort von Østergård und vergleichbare Deponierungen (465-468)

  • Eine Gold- und eine Silberfibel
    • Datierung Mitte bis Ende 11. Jh.
    • Deutung als Familienschatz und Versteck [A. B. Sørensen]
    • Deutung als Bauopfer [H. Geißlinger]
  • Vergleich mit 327 Fundkomplexen von dänischen Schatzfunden,
    nur 12 bei archäologischer Ausgrabung entdeckt, Deutung als Bauopfer
    • Kirche Østerild, um 1160
    • Kirche Vindinge, um 1320-1325
    • Kirche Fensmark, 12. Jh.
    • Kirche Tune, 14. Jh.
    • Kirche Rønne, 14. Jh.
  • Übersicht der Publikationen zu Bauopfer / Gebäudekult
  • Schmuckfunde älterer Siedlungen
    • Gudme, Fünen, 1. Hälfte 6. Jh.
    • Bjørnebanke, 5. Jh.
    • Fraugde, Fünen, um 500, „Schatz des Goldschmiedes“ / Bruchsilberdepot
    • Tissø auf Seeland, römische Kaiserzeit / Völkerwanderungszeit

E. Østergård Schatzfund oder Bauopfer (468-469)

  • Trotz Übereinstimmungen mit Bauopfer Deutung als Schatz / Versteck wahrscheinlicher

F. Literatur (470-471)

 

Bleile, Ralf <B0330>:
Archäologische Quellen zur mittelalterlichen Binnenschifffahrt in Mecklenburg-Vorpommern (473-496).
Archaeological sources on medieval inland navigation in Mecklenburg-Vorpommern.

Zusammenfassung
Einbäume, Fragmente von Planken und Spant, hölzerne Nägel, eiserne Doppelniete und Kalfatklammern belegen den Einsatz von Binnenfahrzeugen im Zeitraum des 8.-13. Jhs. auf den Seen und Flüssen Mecklenburg-Vorpommerns. Neben den Unterläufen von Warnow und Recknitz sind nach ihrem Auftreten insbesondere Peene und Elde bis weit in das Binnenland hinein spätestens seit dem 11. und 12. Jh. von Plankenfahrzeugen oder mit Planken erweiterten Einbäumen befahren worden. In Belehnungen und Privilegierungen involvierte Schiffszölle / Schiffszoll und Wasserzölle / Wasserzoll des 12. und 13. Jhs. unterstreichen dieses Bild. Neben der Elbe werden vorrangig für Elde und Peene Zollstationen / Zollstation, Schiffstypen oder Schifffahrtsrechte benannt. Kalfatklammern aus dem 13. Jh. sprechen für prahmartige Schiffe auf Peene und Tollense seit dieser Zeit.

Abstract
Logboats, wooden fragments of planks and frames, treenails, iron rivets and sintels reflect the use of boats and ships on lakes and rivers in Mecklenburg and western Pomerania in the period from the 8th to 13th century. At latest since the 11th and 12th century logboats with planks or clinker-built vessels were shipping on the lower Warnow and Recknitz as well as on the rivers Peene and Elde. Documents from the 13th century indicate that water-duty on the Elbe, Peene and Elde were introduced. Sintels dating to the 13th century can be taken as references for flat-bottom ships like barges on the rivers Peene and Tollense.

A. Einleitung (473)

  • DFG-Projekt „Binnengewässernutzung in slawischer und frühdeutscher Zeit“,
    Landesamt f. Bodendenkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern
    und Institut f. Osteuropäische Geschichte der Universität Greifswald
    • Archäologische Prospektionen unter Wasser
    • Entdeckung von Wasserfahrzeugen

B. Einbäume / Einbaum (473-478)

  • Nutzung von Einbaum / Stammboot vom Mesolithikum bis in das 20. Jh.
  • Fundorte, Zuweisung zu Siedlungsplätzen selten
    • Ostseeküste
    • Boddengewässer
    • Seen im Binnenland
    • Fluß / Flüsse
    • Mühlenbäche, -gräben, -teichen / Bach, Graben, Teich
  • Verwendung
    • Fischerei
    • Transportmittel / Fähre
    • Baumaßnahmen
    • Absichtliches Versenken
  • Datierung nach;
    • Stratigraphie
    • Dendrochronologie oder Beifunden [selten]
    • C14-Daten
      Schwerineer See ca. 150 v.Chr.
      Klein Upahl, 7. Jh.
      Vipperow, um 1049
      Bolzsee, 15. oder 16. Jh.
  • Konstruktionsmerkmale
    • Durchschnittliche Länge der Boote: 3-6 m
      27 Einbäume 4-6 m
      12 Einbäume 3-4 m
      6 Einbäume 8-12 m
    • Einbau von Querwänden in über 30 Einbäumen
    • Regelmäßige Löcher im Boden nicht erklärbar

C. Plankenfahrzeuge / Plankenfahrzeug (478-483)

  • Geklinkerte Plankenfahrzeuge in Mecklenburg-Vorpommern vom 8.-12. Jh.
  • Fundorte am Wasser oder in der Nähe
    • Fast ausschließlich Ostseeküste
    • Insel Hiddensee
    • An der Peene bei Menzlin
    • Undatierte Bootsreste aus Flüssen: Planken, verschiedene Nieten und Nägel,
      Kalfatklammern / Kalfatklammer – Klammer
    • In Gräbern Doppelnieten, Bootsteile [Kartierung der Doppelniete in Siedlungen und Gräbern]
  • Seetüchtige Handelsschiffe
  • Kleinere geklinkerte Fahrzeuge für Flüsse

D. Häfen und Anlegestellen (483-484)

  • Menzlin, kein Nachweis von einem Hafen
  • Loitz an der Peene, Hafen und Anlegestelle
  • Groß Raden, Anlegestelle
  • Parchim-Löddigsee an der Elbe, Hafen

E. Binnenwasserwege des 8.-13. Jhs. (484-485)

  • Kartierung der eisernen Doppelnieten belegt Klinkerboote im Binnenland
  • Urkunden im 12. und 13. Jh. belegen Schiffs- und Wasserzölle
  • Zollstationen an Elbe, Elde und Peene
    • Lauenburg, Lkr. Herzogtum Lauenburg / Schleswig-Holstein
    • Boizenburg, Lkr. Ludwigslust / Mecklenburg-Vorpommern
    • Plate, Lkr. Parchim / Mecklenburg-Vorpommern
    • Schwerin / Mecklenburg-Vorpommern
    • Loitz, Lkr. Demmin / Mecklenburg-Vorpommern
  • Orte mit Verbindung zur Binnenschiffahrt
    • Lenzen, Lkr. Prignitz / Brandenburg
    • Malchin, Lkr. Demmin / Mecklenburg-Vorpommern
    • Kloster Dargun, Lkr. Demmin / Mecklenburg-Vorpommern
      Zollfreiheit für 12 Schiffe
    • Demmin / Mecklenburg-Vorpommern
      freie Schiffahrt auf der Peene und dem Kummerower See
    • Kasibór, ehm. Kaseburg auf Insel Wollin / Polen

F. Fazit (485)

  • Binnenschifffahrt in Mecklenburg-Vorpommern
    • 11. und 12. Jh. Einbäume und erweiterte Einbäume, Klinkerboote
    • 13. Jh. Prähmen auf Peene und Tollense [Kalfatklammern]
  • Elde und Peen intensiver und weiter ins Binnenland genutzt als andere Flüsse
  • Evtl. Verbindung zu Oder und Elbe

G. Literatur (485-489)

H. Listen (489-495)

  • Einbaumfunde aus Mecklenburg-Vorpommern [Kat.-Nr.1-95] (489-494)
    • [ 1] Alt Gaarz, Lkr. Müritz
    • [ 2] Alt Schwerin, Lkr. Müritz
    • [ 3] Altentreptow, Lkr. Demmin
    • [ 4] Baabe, Lkr. Rügen
    • [ 5] Bassin, Lkr. Nordvorpommern
    • [ 6] Beckerwitz, Lkr. Nordwestmecklenburg
    • [ 7] Blankensee, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
    • [ 8] Boitin, Lkr. Güstrow
    • [ 9] Boock, Lkr. Uecker-Randow
    • [10] Born-Forst, Lkr. Nordvorpommern
    • [11] Bredenfelde, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
    • [12] Burow, Lkr. Demmin
    • [13] Dahlen, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
    • [14] Dalkendorf, Lkr. Güstrow
    • [15] Dambeck, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
    • [16] Dehmen, Lkr. Güstrow
    • [17] Diemitz, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
    • [18] Eggesin, Lkr. Uecker-Randow
    • [19] Eggesin, Lkr. Uecker-Randow, Jägerbrück
    • [20] Fahrbinde, Lkr. Ludwigslust
    • [21] Feldberg, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
    • [22] Fürstensee, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
    • [23] Garftitz, Gde. Lancken-Granitz, Lkr. Rügen
    • [24] Gielow, Lkr. Demmin
    • [25] Goldberg, Lkr. Parchim
    • [26] Goldenbaum, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
    • [27] Granzin, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
    • [28-29] Groß Ernsthof, Lkr. Ostvorpommern
    • [30-31] Grünow, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
    • [32] Gützkow, Lkr. Ostvorpommern
    • [33] Hartwigsdorf, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
    • [34] Jürgenshof, Lkr. Müritz
    • [35] Jürgenstorf, Lkr. Demmin
    • [36-37] Karstorf, Lkr. Güstrow
    • [38] Klein Upahl, Lkr. Güstrow
    • [39] Koldenhof, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
    • [40-42] Kratzeburg, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
    • [43] Kreckow, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
    • [44] Kuhstorf, Lkr. Ludwigslust
    • [45] Löcknitz, Lkr. Uecker-Randow
    • [46] Loitz, Lkr. Demmin
    • [47] Ludorf, Lkr. Müritz
    • [48-49] Lütgendorf, Lkr. Müritz
    • [50] Malchin, Lkr. Demmin
    • [51] Marienthal, Lkr. Uecker-Randow
    • [52] Mölschow, Lkr. Ostvorpommern
    • [53] Moraas, Lkr. Ludwigslust
    • [54] Neuburg, Lkr. Parchim
    • [55] Neuburg / Poel, Ostsee II [Timmendorf-Nordmole I]
    • [56] Neuendorf, Lkr. Nordwestmecklenburg
    • [57] Neuendorf, Lkr. Ostvorpommern
    • [58-59] Neustrelitz, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
    • [60] Neu Ziddorf, Lkr. Güstrow
    • [61] Nienhagen bei Lohmen, Lkr. Güstrow
    • [62] Parum, Lkr. Güstrow
    • [63-64] Pasewalk, Lkr. Uecker-Randow
    • [65] Penzlin, Lkr. Müritz
    • [66] Plöwen, Lkr. Uecker-Randow
    • [67] Poggelow, Lkr. Güstrow
    • [68] Prerow, Lkr. Nordvorpommern
    • [69] Rankwitz, Lkr. Ostvorpommern
    • [70] Reinstorf, Lkr. Güstrow
    • [71] Rethwisch, Lkr. Bad Doberan
    • [72] Ribnitz, Lkr. Nordvorpommern
    • [73] Schwanbeck, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
    • [74] Schwarz, Lkr. Müritz
    • [75] Schwennenz, Lkr. Uecker-Randow
    • [76] Schweriner See, Lkr. Nordwestmecklenburg
    • [77] Sietow, Lkr. Müritz
    • [78] Siggelkow, Lkr. Parchim
    • [79] Stolpe bei Anklam, Lkr. Ostvorpommern
    • [80] Stolpe bei Usedom, Lkr. Ostvorpommern
    • [81] Stralendorf, Lkr. Ludwigslust
    • [82] Stralsund, Kreisfreie Stadt
    • [83-84] Verchen, Lkr. Demmin
    • [85] Vipperow, Lkr. Müritz
    • [86-87] Waren, Lkr. Müritz
    • [88] Warnemünde, Lkr. Rostock-Stadt
    • [89] Weisdin, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
    • [90] Weltzin, Lkr. Demmin
    • [91] Wendorf, Lkr. Parchim
    • [92] Woldegk, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
    • [93] Wrodow, Lkr. Demmin
    • [94] Wustrow, Lkr. Mecklenburg-Strelitz
    • [95] Zachariae, Lkr. Demmin
  • Slawenzeitliche und undatierte Funde von Schiffsteilen und Bootsteilen aus Mecklenburg-Vorpommern [Kat.-Nr. 1-11] (494)
    • [ 1-2] Menzlin, Lkr. Ostvorpommern, 11.-12. Jh.
    • [ 3] Neuendorf, Lkr. Rügen, um 1000
    • [ 4] Palmer Ort, Lkr., Rügen, um / nach 670
    • [ 5] Ralswiek, Lkr. Rügen, 10. Jh., 9.-11. Jh.
    • [ 6] Warnemünde, Lkr. Hansestadt Rostock, slawisch
    • [ 7] Wustrow, Lkr. Nordvorpommern, 10.-13. Jh.
    • [ 8] Bad Sülze, Lkr. Nordvorpommern
    • [ 9] Dudinghausen, Lkr. Güstrow
    • [10] Kühlungsborn, Lkr. Bad Doberan
    • [11] Marienthal, Lkr. Uecker-Randow
  • Funde von Schiffsnieten aus Mecklenburg-Vorpommern [Kat.-Nr. 1-35] (494-495)
    • [ 1] Anklam, Lkr. Ostvorpommern, 10.-12. Jh.
    • [ 2] Basedow, Lkr. Demmin, 13.-15. Jh.
    • [ 3] Blengow, Lkr. Bad Doberan, 11.-12. Jh.
    • [ 4] Carlewitz, Lkr. Nordvorpommern
    • [ 5] Damm, Lkr. Bad Doberan, 11.-12. Jh.
    • [ 6] Damgarten, Lkr. Nordvorpommern
    • [ 7] Demmin, Lkr. Demmin
    • [ 8] Garz, Lkr. Rügen, 11.-12. Jh.
    • [ 9] Gehlsdorf, Lkr. Hansestadt Rostock, 11.-13. Jh.
    • [10] Görke, Lkr. Ostvorpommern, 8.-10. Jh.
    • [11] Gramzow, Lkr. Ostvorpommern, 11.-12. Jh.
    • [12] Groß Strömkendorf, Lkr. Nordwestmecklenburg, 8.-9. Jh.
    • [13] Kassebohm, Lkr. Hansestadt Rostock, 8.-9. Jh.
    • [14] Kirchdorf / Poel, Lkr. Nordwestmecklenburg, 11.-12. Jh.
    • [15] Kützerhof, Lkr. Demmin, 11.-12. Jh.
    • [16] Klein Below, Lkr. Ostvorpommern, 11.-12. Jh.
    • [17] Klein Kiesow, Lkr. Ostvorpommern, 11.-12. Jh.
    • [18] Laschendorf, Lkr. Müritz, 13.-15. Jh.
    • [19] Menzlin, Lkr. Ostvorpommern, 8.-10. Jh.
    • [20] Nonnendof, Lkr. Ostvorpommern, 11.-12. Jh.
    • [21] Parchim, Lkr. Parchim, 13. Jh. ?
    • [22] Parchow, Lkr. Rügen, 11.-13. Jh.
    • [23] Pasewalk, Lkr. Uecker-Randow, 11.-12. Jh.
    • [24] Pudagla, Lkr. Ostvorpommern, 10.-13. Jh.
    • [25] Putgarten, Lkr. Rügen, 9.-12. Jh.
    • [26] Ralswiek, Lkr. Rügen, 8.-11. Jh.
    • [27] Rerik, Lkr. Bad Doberan, 13.-15. Jh.
    • [28] Rostock, Lkr. Hansestadt Rostock, 8.-15. Jh.
    • [29] Schmantewitz, Lkr. Rügen, 13.-15. Jh.
    • [30] Usedom, Lkr. Ostvorpommern, 10.-13. Jh.
    • [31] Vipperow, Lkr. Müritz, 10.-12. Jh.
    • [32] Wendelstorf, Lkr. Bad Doberan, 11.-12. Jh.
    • [33] Wolgast, Lkr. Ostvorpommern, 11.-12. Jh.
    • [34] Wustrow, Lkr. Mecklenburg-Strelitz, 10.-12. Jh.
    • [35] Zirkow, Lkr. Rügen, 11.-12. Jh.

 

Kinkeldey, Thomas <K0267>:
Figürliche Darstellungen auf mittelslawischer Keramik vom Burgwall Repten bei Calau (497-501).
Figural representations on middle Slavic pottery from the castle site of Repten near Calau.

Zusammenfassung
Im mittelslawischen Keramikmaterial des Burgwalls vom Tornower Typ in Repten [Lkr. Oberspreewald-Lausitz, Brandenburg] stechen zwei figural in Ritztechnik verzierte Scherben hervor. Sie lassen sich mit einer äußerst kleinen Gruppe entsprechend dekorierter Keramik vergleichen, die uns Einblicke in die Vorstellungswelt des slawischen Mittelalters gewährt. Das eine Stück zeigt eine Jagd- oder Kriegsszene mit Pferden, einem Reiter und einem Bogenschützen. Das andere zeigt Menschen, vermutlich Tänzer. Diese Darstellungen werden vorgestellt und unter Einschluss von Vergleichsfunden interpretiert.

Abstract
The ceramics from the Slavonic stronghold of Repten [Brandenburg] provide two fragments with special decoration. The fragments are decorated with schematic illustrations of men and animals. One piece shows a hunting- or war scene and the second one can probably be interpeted as a dancing scene. These motifs are presented and are interpreted on the background of parallels from other sites.

A. Einleitung (497)

  • 1983-1989 Untersuchung bzw. Rettungsgrabung des slawischen Burgwalls von Repten bei Calau, Lkr. Oberspreewald-Lausitz
  • Dreiphasiger kleiner Ringwall mit Tunneltor / Tor
    • Datierung nach 22 dendrochronologischen Proben - 898, 929, 937
    • Baubeginn spätes 9. Jh.
  • Über 120.000 Scherben mittelslawischer Keramik
    • Typ Menkendorf
    • Typ Tornow

B. Die figürlich verzierten Keramikscherben (497-498)

  • 2 Fragmente vom Menkendorfer Typ, spätes 9. Jh. / 1. Hälfte 10. Jh.
    • Größeres Fragment 1, mehrere Bruchstücke: Bogenschütze mit Tierherde / Pferde
    • Kleineres Fragment 2: zwei flüchtig ausgeführte menschliche Figuren mit erhobenen Armen

C. Vergleichsstücke (498-499)

  • Rerik, Lkr. Bad Doberan, Randstück der Menkendorfer Ware: Pferd, evtl. mit Reiter
  • Wessenstin, Lkr. Müritz, verziertes Gefäßfragment: Reiter
  • Stargard Gubiński, Randstück: evtl. zwei Pferde
  • Gallin, Lkr. Parchim, Scherbe: hinterer Teil von einem Pferd
  • Sternberg, Lkr. Parchim, Gefäßfragment: Bogenschütze, evtl. beritten
  • Schulzendorf, Lkr. Dahme-Spreewald, Gefäß: Mensch mit Boot oder Wagen
  • Presenchen, Lkr. Dahme-Spreewald, Fragment: Reh oder Pferd
  • Haithabu / Schleswig-Holstein, Gefäß: Hirsch, Swastika, wohl nicht slawisch

D. Interpretation der Reptener Motive (499-501)

  • Fragment 1: Darstellung einer kriegerischen Auseinandersetzung oder Jagd
  • Fragment 2: Darstellung von Tänzern / Tanz, ritueller Akt
  • Gefäße evtl. für religiöse Zwecke, Darstellung von Sagen und Mythen

E. Literatur (501)

 

Filipowiak, Władysław <F0105>:
Wolliner Kerbstöckchen (503-509).
Tally sticks from Wollin.

Zusammenfassung
Der Beitrag widmet sich einer Reihe von Kerbstöckchen mit Markierungen, die aus frühmittelalterlichen Schichten des bedeutenden Fundplatzes Wollin ergraben wurden. Nach ethnographischen [Moszyński 1967] und archäologischen Quellen [Müller 1997] können sie als Abakusse interpretiert werden. Sieben solche Stäbchen aus dem 11.-12. Jh. wurden im Hafengebiet entdeckt. Besondere Beachtung verdient die große Zahl von Einkerbungen, z.B. 241 Kerben in acht Reihen [Abb. 2a] oder 154 Kerben in fünf Reihen. Auch die Anordnung der Kerben ist bedeutsam. Es wird angenommen, dass die Einkerbungen langfristige Transaktionen bezeugen. Exemplare mit wiederholten Reihen von 10-20 Kerben weisen auf die Verwendung des Dezimalsystems, was auch für Opole nachgewiesen ist [Hołubowicz 1956].

Abstract
The article deals with the finds of wooden sticks with incisions which were excavated in some early medieval central places. According to ethnographic [Moszyński 1967] and archaeological [Müller 1997] sources the objects are interpreted as the abacuses. Seven such sticks, dated to the 11th-12th century, were also discovered in harbours of Wolin. Of special interest is the high number of incisions registered on the sticks from Wolin: for example 241 cuttings in 8 rows [Fig. 2a] or 154 cuttings in 5 rows. Also the arrangements of the incisions, including alternating 3 dual and 3 single rows [Fig. 2b] or 4 double records [Fig. 1,1-4], look very interesting. It is supposed that the incisions signed the long-term transactions. A few repeated records 10-20 indicate the use of the decimal system, what was also proved in Opole [Hołubowicz 1956].

A. Einführung (503-504)

  • Kerbhölzer – Kerbholz / Kerbstöckchen [polnisch: birki] aus frühstädtischen Zentren
    • Quadratisch oder rechteckig, Enden gerundet, Einkerbungen
    • Kerbenschnitte sind Eintragung von Rechnungszahlen / Rechenbrett
    • Eintragung von Ereignissen der Dorfgemeinschaft
      Hungersnot, Brand, Pest, Regenfälle, Frost
  • Vergleichsfunde
    • Freiburg im Breisgau / Baden-Württemberg
    • Konstanz – spätes Mittelalter / Baden-Württemberg
      Baumart – Ahorn / Acer und Tanne /
      Bies
    • Winchester – Anfang 11. Jh. / Großbritannien
      Baumart – Hasel /
      Corylus
    • Gross Raden – 9.-10. Jh. / Mecklenburg-Vorpommern
      Baumart – Weide /
      Salix
    • Kołobrzeg, ehm. Kolberg – 13. Jh. / Polen
      Baumart – Kiefer /
      Pinus

B. Die Wolliner Kerbstöckchen (504-506)

  • 7 Kerbstöckchen – datiert durch Stratigraphie und Dendrochronologie
    • [ 1] Wollin, Haupthafen, Grabungsstelle 8, Schicht 10, 10.-11. Jh.
    • [ 2] Wollin, Haupthafen, Grabungsstelle 8, Schicht 4, 12.-13. Jh.
            Baumart - Kiefer
    • [ 3] Wollin, Zentrum, ehm. Tempel, Grabungsstelle 6, Schicht 10, 1. Hälfte 11. Jh.
            Baumart – Ahorn / Dendrochronologie: 965 – 966 n.Chr.
    • [ 4] Ogrody, Grabungsstelle 2 [Hafen], Schicht 5, 2. Hälfte 10. Jh.
            Baumart – Ahorn
    • [ 5] Ogrody, Grabungsstelle 2 [Hafen], Schicht 4, 10.-11. Jh.
            Baumart – Ahorn
    • [ 6] Ogrody, Grabungsstelle 2 [Hafen], Schicht 5, 10.-11. Jh.
            Baumart – Eiche
    • [ 7] Ogrody, Grabungsstelle 5 [Produktions- / Wohnbebauung], Schicht 7, Ende 10. Jh.
            Baumart – Ahorn

C. Interpretation der Kerbstöckchen (506-507)

  • Dezimalsystem bereits in slawischer Zeit verwendet
  • In Wollin keine Dezimalmarkierung, vielleicht erste Spuren

D. Die Kerbstöckchen im Kontext (507-508)

  • Von 564 Kerben auf 473 Exemplaren aus dem Hafen
  • Anfänge der Buchhaltung
  • Häufigster Fundort in einem Hafen spricht für Seehandel und Seetransport
  • Im Hafen von Ogrody Schiffswrack aus Skandinavien – Dendrochronologie datiert auf 1027
    Inhalt – Funde im Ringerike-Stil, Mammen-Stil und Borre-Stil
    sowie Schnalle vom Typ Sp 2 Terslev und einen Sonnenkompass – Kompass

E. Literatur (508)

 

Bräunig, René / Hanik, Susanne / Kersting, Thomas / Pötschke, Dieter <B0315, H0190, K0130, P0159>:
Siedlung und Münzschatz der Slawenzeit von Leest an der Wublitz (511-530).
The Slavic settlement and coin hoard of Leest on the Wublitz.

Zusammenfassung
Ausgrabungen bei der Errichtung eines Einfamilienhauses auf einem frühmittelalterlichen slawischen Fundplatz am Wublitzufer in Leest [Brandenburg] nahe Potsdam führten zur Aufdeckung eines dicht belegten Siedlungsausschnittes der mittleren und späten Slawenzeit [9. bis 12. Jh.] mit zahlreichen Speichergruben, Spuren eines Grubenhauses und technischen [Ofen-] Anlagen. Die außerordentlich hohe Nutzungsdichte entspricht der benachbarten, etwa gleichzeitigen Siedlung von Dyrotz. Neben typischer, verzierter Keramik und Tierknochen sind es z.T. aus größerer Entfernung stammende Wetz- und Mahlsteine, vor allem aber ein Schatz von 33 Magdeburger Münzen vom Ende des 11. / Anfang des 12. Jhs., die den Platz in einen größeren Rahmen von Handelsverbindungen dieser Zeit einordnen lassen. Dabei wird auch die Lage von Leest an der Wublitzrinne, einer Nord-Süd- Verbindung von bislang wohl unterschätzter Bedeutung, eine Rolle gespielt haben.

Abstract
Rescue Excavations on an early medieval Slavonic site on the Wublitz river bank in Leest [Brandenburg] near Potsdam delivered relics of an intensively used settlement area of middle and late Slavonic period [9th to 12th centuries]. Many pits, a sunken hut and technical features, maybe furnaces, were found. The very high density of settlement traces is comparable to a site in the nearby Dyrotz. Interesting finds are characteristic ceramic sherds, animal bones as well as mill- and whetstones brought here from distant regions. These stones, and first of all a hoard of 33 Magdeburg coins from the end of 11th/beginning of 12th century, make visible far trade connections. The location of Leest at the Wublitz river, a north-south connection, could have been important for this.

A. Einleitung (511)

  • Fundplatz Leest an der Wublitz seit 19. Jh. bekannt durch Münzschatz des 11./12. Jhs.
  • Mehrere slawische Fundstellen in der Gemarkung Leest
    • Körpergräberfeld
    • 3 Siedlungen
  • Ausgrabungen 2005 vor Bau von einem Einfamilienhaus

B. Topographie und Geomorphologie (511-512)

  • Hanglage zur Wublitz

C. Befundlage (512-515)

  • 34 Gruben
    • 6 Speichergruben / Speicher
    • Flache verstreut liegende grubenartige Befunde
    • 2 Pfostengruben
    • 5 Gruben als Feuerstelle, technische Anlage, einmal Grubenhaus
  • Datierung: mittel- und spätslawische Zeit
    • Vergleiche der Befunde und Befunddichten [Tabelle 1]
    • Alt Negentin
    • Bandelin
    • Berlin-Hellersdorf
    • Berlin-Marzahn
    • Dyrotz
    • Falkenwalde
    • Göslow
    • Groß Zastrow
    • Klein Zastrow
    • Neubrandenburg-Fritschehof
    • Schmergow
    • Tornow-Sechzehneichen
    • Triwalk
    • Zechlin
    • Zirzow

D. Fundmaterial (515-521)

  • Überblick (515)
    • Funde der Eisenzeit ohne genaue Zuordnung
    • Intensive Nutzung des Areals in slawischer Zeit
  • Keramik (515-516)
    • Nördlicher Menkendorfer Kreis
    • Spätslawische Gurtfurchenware
    • Keine Stempelverzierungen
    • Keine Bodenzeichen
  • Stein (516-517)
    • Rest vom Drehmühlenstein aus Sandstein des Rotliegenden, Import aus Thüringen
    • Wetzstein aus Grauwacke, vmtl. Import aus Schlesien / Polen
    • Wetzstein Import aus Rüdersdorf
    • Fragment vom Mahlstein aus Kreidequarzit, Import aus Schlesien
  • Tierknochen, 181 Skelettreste (517-521)
    • 92 Reste von Nutztieren: Rind, Schwein, Pferd, Hund, 8 Fisch, 3 Singvögel / Vogel, Rest unbestimmt
    • Keine Knochen vom Wildtier
    • Fischschuppen / Fisch
    • Kein Knochengerät – Gerät aus Tierknochen nachgewiesen

E. Münzschatz (521-525)

  • Grube 2 a: 33 Münzen aus Silber, Prägungen in Magdeburg / Sachsen-Anhalt vom Ende 11. Jh. / Anfang 12. Jh.
    so genannter Magdeburger Pfennig bzw. Magdeburger Denar
  • Einteilung in 4 Typen, Durchmesser 17-19 mm, Gewicht 0,53-1,01 g
    • Typ 1a und 1b: Av: Kopf Otto d. Großen, Rv: Kirchenansicht mit Zwiebeltürmen, 1090-1105
    • Typ 2: Av: Kopf von St. Mauritius, Rv: Stadttor oder Kirche, 1105-1120
    • Typ 3: Av: Kopf Otto d. Großen, Rv: Stadttor, 1106-1125
    • Typ 4: Av: Hüftbild von gepanzertem Krieger mit Helm und Kettenhemd, 1120-1125
  • Niederlegung ungeklärt, Versteck, kultische Bedeutung
  • Zwei Münzschätze von 1050 und 1119 aus dem gleichem Areal weitgehend verloren

F. Landesgeschichtliche Bezüge (525-527)

  • Besiedlung der Region durch den slawischen Stamm der Heveller
  • Widerstand der Slawen gegen die eindringenden Sachsen
  • Lage an Handelsstraße von Brandenburg über Leest nach Potsdam

G. Schlussbetrachtung (527-528)

  • Handwerks- und Speicherareal
  • Beginn der Spätslawischen Keramik
  • Nutzung der Siedlung: 2. Hälfte 9. Jh. bis um 1150
  • Name Leer evtl. niederländisch
  • Struktur der Siedlung slawisch, Zuwanderer aus westlichen Gebieten [siehe Münzfund]

H. Quellen (528)

I. Literatur (528-530)

 

Fried, Torsten / Fried, Wolfgang <F0103, F0104>:
Zwei seltene Denare aus Bremen und Verdun (531-536).
Two rare denarii from Bremen and Verdun.

Zusammenfassung
Die beiden Denare aus Bremen und Verdun, die hier beschrieben werden, sind in ihrer Art äußerst selten. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sie nicht nur als Zahlungsmittel betrachtet werden, sondern auch der Versuch unternommen wird, ihren Quellenwert tiefer auszuloten und ihre vielschichtigen Botschaften zu entschlüsseln. Denn eines sollte immer präsent sein: Münzpolitik war stets auch Machtpolitik. Und Münzen wurden immer genutzt, um als Herrschaftszeichen zu dienen. Besonders sinnfällig wird uns diese Tatsache bei Königsmünzen aus Bischofsstädten vor Augen geführt [wie im Falle des Bremer Denar]. Aber auch der Denar König Heinrichs I. aus Verdun macht deutlich, dass mit einer solchen Prägung über den finanzpolitischen Aspekt hinaus herrscherliche Interessen verbunden waren.

Abstract
The article deals with two deniers from Bremen and Verdun. Both specimens are of an extremely rare type of denier. Therefore it is very important that we go beyond viewing them as currency and attempt to plumb the depths of their documentary value as well as decipher their complex messages. In this respect we must bear in mind that the politics of coinage have always been intermingled with the politics of power. Coins have always been used as symbols of power and this fact becomes especially obvious when considering the royal coins from episcopal towns [as in the case of the denier from Bremen]. However, also the denier of King Henry I from Verdun makes it clear that, in addition to financial policy aspects, monarchical interests were also involved in such mintings.

A. Einleitung (531)

  • Frühe Münzgeschichte des Erzbistums Hamburg-Bremen
    Recht zur Münzprägung durch König Arnulf 888 an Bremen verliehen
    2. Verleihung durch Kaiser Otto den Großen im Jahre 965
    Münzprägung in Bremen jedoch erst Anfang des 11. Jhs. belegt
  • Eroberung der Brennaburg, später Brandenburg durch König Heinrich I. 928 / 929
  • Verhältnis von königlicher und geistlicher Münztätigkeit an einem Ort
  • Münzprägung Ausdruck von königlich-bischöflicher Partnerschaft

B. Die Münzen (531-535)

  • Denar aus Bremen, 11. Jh.
    • Av: Gekrönter [?] Kopf nach rechts, +HEINRI CIM
    • Rv: S / BREMA / A
    • Gewicht 1,19 g
  • Denar König Heinrich I. aus Verdun / Frankreich
    • Av: REX +HEINRICV[S]
    • Rv: im Perlkreis Tatzenkreuz, in den Winkeln eine Kugel +VIRDV[NI]
    • Material fast reines Silber – Röntgenfluoreszensanalyse
    • Gewicht 1,769 g
  • Schlacht von Soissons 923 Rückeroberung von Lothringen durch Heinrich I.
  • Verdun, Mainz, Prag wichtige Umschlagplätze für den Sklavenhandel im 10. Jh.
  • Münzprägung in Verdun seit der Merowingerzeit
  • Nachprägungen
    • Schatzfund von 975-980 aus Fecamp, Dep. Seine-Maritime / Frankreich

C. Quellen und Literatur (535-536)

 

Möller, Gunnar <M0144>:
„… so sende ic to 1 tunne, dar es inne 13 dosin potte …“ –
Anmerkungen zum Keramikhandel im Ostseeraum des 13. bis 17. Jahrhunderts aufgrund der schriftlichen Quellen (537-554).
“… thus I send a barrel, wherein 13 pots…” –
Remarks on the trade in ceramics in the Baltic region during the 13th - 17th centuries on the basis of written sources.

Zusammenfassung
Die Auswertung der historischen Archivalien zum Keramikhandel im Ostseeraum liefert eine Fülle von Informationen zu den Vermittlern, den Handelswegen und zum Zwischenhandel, die zu Erkenntnissen führen, die sich allein aus den archäologischen Quellen nicht erschließen lassen. Der Schiffsweg spielte bei der Distribution von Keramiken im Gebiet von Nordsee und Ostsee die entscheidende Rolle. Die Häfen fungierten dabei als Zwischenhandelsstationen. Die großen, in die südliche Ostsee mündenden Flüsse Oder und Weichsel waren wichtige Transportwege für binnenländisch produzierte und über die Seestädte vertriebene Keramiken. Weitere interdisziplinäre Forschungen zum Keramikhandel sind auch zukünftig notwendig.

Abstract
The analysis of historical archive materials with regards to pottery trade in the Baltic region has revealed ample information on intermediaries, trading routes, and the intermediate trade in general. From these we can gain insights which would not be possible to procure from archaeological sources only. Shipping routes played the most decisive role in the distribution of pottery in the region of the North Sea and the Baltic. Ports functioned as intermediary stations. For domestically produced pottery objects which were distributed via seaside towns the great rivers Oder and Vistula – flowing into the southern Baltic Sea – were important routes. Further interdisciplinary research regarding the trade in pottery will continue to be imperative.

A. Einleitung (537-538)

  • Umfangreiches Material an Keramik
  • Frage an die schriftlichen Quellen nach dem Keramikhandel

B. Quellenlage (538-540)

  • Lokale Angaben
    • Zollrollen
    • Abgaberegister
    • Inventare
  • Überregionale Verzeichnisse
    • Sundzollregister
      Seit 1429 Sundzoll für alle nichtdänischen Schiffe
      Über 700 Aktenbände im Nationalarchiv Kopenhagen
      Seit 1567 Steuern auf die Ladung der Schiffer, wenig Keramik genannt
    • Kaufmannsbücher / Kaufmannsbuch
    • Rechnungsbücher / Rechnungsbuch
    • Schuldklagen
    • Schadensklagen, Aufstellungen über geraubte Güter in Urkundenbüchern
  • Kritische Bewertung der Bezeichnungen
    • Namen können Gefäße aus Keramik, Holz oder Metall meinen
    • Hinweise evtl. durch Preisangaben, Mengenangaben und Gewichtsangaben
    • Angabe von Keramik meist in Mengenangaben
      Zählung der Keramik in Schock oder Dutzend, selten Fuder
      Kisten oder Fässer / Fass als Verpackung für Keramik

C. Einfuhr von Keramik in Ostseehansestädte (540-542)

  • Keine schriftlichen Quellen für das 13. Jh., nur allgemein Hausrat
  • Wirtschaftsregister und Ausgaberechnungen des 14. Jhs.
    • 1325 Haushaltsrechnung von Fürst Wizlaw III. von Rügen: Lieferung von Keramik
    • Rechnungen der Stadt Greifswald / Mecklenburg-Vorpommern: Kauf von Keramik
    • 1373 Rechnung von Vogt in Schwerin / Mecklenburg-Vorpommern: Kauf von Keramik
    • Pfundzoll-Liste für Waren von und nach Lübeck von 1368, 1492-1496
  • Ab 1400 Verdichtung der Quellen, 16. / 17. Jh. weitere Vermehrung
    • Pfundzoll-Liste für Waren aus den Jahren 1492-1496von und nach Lübeck / Schleswig-Holstein
    • Schiffslisten aus den Jahren 1425-1471 von Reval – Tallin / Estland
    • Unterlagen aus den Jahren 1628, 1666-1668 von Stralsund / Mecklenburg-Vorpommern

D. Ausfuhr von keramischen Erzeugnissen aus Ostseehansestädten (542-543)

  • Ausfuhr besonders von Lübeck, Rostock, Stettin und Danzig / Polen
  • Zwischenhandel nach Skandinavien

E. Distributionswege (543-545)

  • Seeweg für Keramik sicherer, schneller und mit weniger Zollstationen behaftet als der Landweg
  • Bisher nur wenige Schiffswracks in der Ostsee mit Keramik bekannt
  • Flußhandel, besonders Rhein, Weser, Oder, Weichsel
    • Amtsrollen der Töpfer
    • Stralsunder Töpferstatut
  • Landweg
    • Zollrollen von 1484, 1500 und 1566 der Stadt Lüneburg / Niedersachsen
    • Töpferrolle von 1577 aus Anklam / Mecklenburg-Vorpommern

F. Wer handelte mit Keramik ? (546-549)

  • 5 Gruppen im Untersuchungsgebiet
    • Großkaufleute / Kaufmann
    • Kleinkaufleute / Krämer
    • Eigenhandel der Schiffsbesatzung / „Führung“
    • Töpfer
    • Keramikhandel durch andere Berufsgruppen
  • Spezialisierte Händler für Töpferwaren erst in der Neuzeit
    • Statuten der Töpfer von Riga aus dem 17. Jh. / Lettland

G. Keramik als Emballage (549)

  • Keine sicheren Angaben
  • Urkundliche Erwähnungen
    • Ölamphoren des 15.-17. Jh. aus Spanien
    • Transport von Ingwer, Rosinen, Öl und Zucker

H. Keramik als Mitbringsel [Souvenir] (549-550)

  • Exotische Keramik
    • Spanische Lüsterware des 14. / 15. Jhs.
    • Spanisch-maurische und italienische Fayence
    • Um 1600 kostbares Geschirr in fürstlichen Schausammlungen

I. Der Handel und Transport von Töpfertonen im Ostseeraum (550-551)

  • Seit dem 16. Jh. in schriftlichen Quellen erwähnt, vermutlich älter
  • Einfuhr von Töpfererde
    • Lüneburger Zollrolle von 1564 und 1566 nennt „Helmstedtesche Erde“
    • 1583 bezieht Danzig Töpfererde aus Kolberg
    • 1680 bezieht Stralsund Töpfererde aus Rostock / Mecklenburg-Vorpommern,
    • aus Bornholm / Dänemark sowie aus Holland und England

J. Schlußbetrachtung (551)

  • Archivalische Quellen bestätigen das archäologische Fundgut
    • Bevorzugung der Schiffswege
    • Hafenstädte übernehmen Zwischenhandel
  • Keramikhandel nur von untergeordneter Bedeutung

K. Quellen (551)

L. Literatur (551-554)

 

Harck, Ole <H0013>:
Zwei jüdische Antiquitäten aus Mecklenburg (555-560).
Two Jewish antiquities from Mecklenburg.

Zusammenfassung
Aus Mecklenburg gibt es zwei jüdische Antiquitäten, die bisher in der archäologischen Forschung wenig Beachtung fanden: ein fundortloses, undatiertes Amulett mit hebräischen Buchstaben sowie ein Fingerring aus Silber mit einem Menora-verzierten Stein, auf dem sich eine hebräische Inschrift befindet. Er stammt aus einem Münz-Hortfund des 11. Jhs., der 1833 bei Warlin, Lkr. Neubrandenburg, entdeckt worden ist. Beide Fundstücke sind heute verschollen, aber ihre Inschriften überliefert. Die Herkunft des Fingerringes – der älteste Beleg des Judentums in Norddeutschland – aus Osteuropa, dem Nahen Osten oder aus Westeuropa ist unbekannt.

Abstract
There are two Jewish antiques in Mecklenburg which have so far received little attention in archaeological research: an undated amulet with Hebrew letters and a silver ring comprising a precious stone showing an engraved menorah surrounded by a Hebrew inscription. The ring was found in a treasure-hoard from the 11th century A.D. discovered in 1833 near Warlin, distr. Neubrandenburg. Althoug both objects are missing, the inscriptions have been documented. The provenance of the silver ring, the oldest evidence of Jewish culture in Northern Germany, is unknown.

A. Einleitung (555)

  • 1874 Bericht des Rabbiner Leopold Donath über zwei jüdische Fundstücke
    • Amulett mit hebräischen Buchstaben und Kupfermünzen
    • Silberring mit hebräischer Inschrift
    • Alle Funde sind verschollen

B. Viereckiges Amulett mit hebräischen Buchstaben (555-556)

  • Fundort unbekannt, evtl. Hortfund oder Mitbringsel aus Osteuropa / Osmanisches Reich
  • Datierung: unbekannt
  • Lesung der Inschrift: evtl. Jathniel
  • Keine jüdischen Amulettfunde aus dem Mittelalter bekannt [nur Antike und seit früher Neuzeit]

C. Fingerring aus Silber mit einem Menora-verzierten Stein und hebräischer Inschrift (556-558)

  • Fundort: Münzhort des 11. Jhs. in einem Gefäß 1833 nahe Warlin, Lkr. Neubrandenburg bei Erdarbeiten gefunden
    • 7 Münzen für die Forschung bewahrt
    • 200 Münzen verstreut
    • 1840 konnten noch 25 Münzen beschrieben werden
    • Einige Münzen dem Fund heute zugerechnet, verändern die Datierung
      Münzfund von Mecklenburg-Strelitz
      Kufische Münze im Museum Neubrandenburg
    • Neue Untersuchungen der Prägeorte
      1 Ex. Samarkand / Usbekistan
      2 Ex. Großbritannien
      3 Ex. Dänemark
      14 Ex. aus Prag / Tschechien
      Unbekannte Anzahl deutscher Münzen
    • Neue Datierung: 10. bis 11. Jh.
  • Ring mit Karneol, in Goldeinlage eine Menora, Flammen in Silber, am Fuß zwei Sternchen
    • Inschrift in Goldeinlage: „laadlik nêr sel sabbat“ – Übersetzung: „Anzuzünden den Leuchter des Sabbats“
    • Deutung: Geschenk an eine Frau, die die Kerzen am Beginn des Sabbat anzünden muß – vmtl. auch Hochzeitsring
      • Vergleich – Fingerring aus Gold des 18. Jhs. im Schmuckmuseum Pforzheim
    • Herkunft des Ringes
      • Import aus dem Osten [wie Münze aus Samarkand?], vielleicht auch Westeuropa
      • Seit 1679 jüdische Zuwanderung nach Mecklenburg bezeugt

D. Fazit (559)

  • Evtl. ältester archäologischer Beleg für Judentum aus dem Mittelalter in Mitteleuropa
  • Erste jüdische Gemeinden im 11. Jh. am Rhein sowie in Magdeburg und Merseburg / Sachsen-Anhalt

E. Literatur (559-560)

 

Autorenverzeichnis / List of contributors (561-564).

 



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